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Ausgabe:

1933 Nr. 2

Spalte:

37-38

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Esselborn, Karl

Titel/Untertitel:

Wilhelm Diehls Leben und Wirken 1933

Rezensent:

Krüger, Gerhard

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Theologische Literaturzeitung 1933 Nr. 2.

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Gelehrter und als Priester niemals untreu geworden ist. Bei der Korrektur
kann ich anfügen, daß sich inzwischen auch Lagrange zu den
Memoires geäußert hat. Doch habe ich sein Buch (Loisy et le modernisme
. Guvisy, Edition du Cerf, 256 S.) noch nicht zu Gesicht bekommen.

Es mag gestattet sein, die vorstehenden Bemerkungen
durch einen Hinweis auf die neueste Darstellung
des Modernismus zu ergänzen, die man Riviere verdankt
. Der Verfasser, Professor an der katholisch-theologischen
Fakultät in Straßburg, auch diesseits des
Rheins als gelehrter Patristiker bekannt, ist neuerdings
mit einer Biographie seines Lehrers Batiffols (f 1929)
hervorgetreten. Sein Werk über den Modernismus ist im
letzten Grund eine Rechtfertigung der Stellungnahme
Batiffols und anderer französischer Gelehrter (Lagrange)
zu der Bewegung. In den Augen Loisys (vgl. oben und
dazu die große Anmerkung 3, 542 f.) ist damit das
Unternehmen schon gerichtet. Es fragt sich aber doch,
ob ein solches Verdikt berechtigt ist. Jedenfalls hat R.
seine apologetische Tendenz geschickt verdeckt und
keinenfalls ihr zuliebe die Tatsachen entstellt. Es kommt
ja auch alles darauf an, was man unter oder wie man
den Modernismus versteht. Darüber werden sich Loisy
und Riviere schwerlich verständigen können. Die „Modernisten
" haben stets behauptet, daß ihre Lehre in der
Enzyklika Paseendi (deren „doktrinale" Teile von dem
Jesuiten L. Billot, 1911 Kardinal, 1927 zurückgetreten,
gearbeitet sein sollen; vgl. Loisy 2, 566) unrichtig dargestellt
sei. Die Konsequenzmacherei der Enzyklika
liegt nun freilich auf der Hand, aber letztlich treffen
ihre Ausführungen doch die Sache, wobei ruhig dahingestellt
bleiben darf, ob sich Loisy und ähnlich Denkende
von ihrer Charakteristik getroffen zu fühlen brauchten.
R. hat seine Arbeit so eingerichtet, daß er zunächst einleitend
über den Begriff des Modernismus unterrichtet,
wobei er sich der imprecision de l'etymologie und der
complexite de l'usage bewußt bleibt, aber eben schließlich
doch bei den päpstlichen Definitionen landet. Die
eigentliche Darstellung ist rein historisch. In sechs
Teilen rollt sich das Drama vor uns ab: origines de la
crise, explosion de la crise, Prolongation de la crise,
intervention du Saint-Siege, reaction du modernisme,
denouenient de la crise. Hier die Bekämpfung des modernisme
masque Turmeis, gegen die sich Loisy (s.o.) wendet;
dazu im Eingang die stattliche Liste sämtlicher pseudonymer
Schriften des Abbe. In diesen Rahmen ist ein
bis in die kleinsten Einzelheiten ausgeführtes Gemälde
eingespannt, von dem niemand wird leugnen können,
daß es nicht nur anschaulich, sondern auch zutreffend
ist. Auch ist es sicher richtig, daß der Zeitpunkt für
eine (relativ) abschließende Darstellung gut gewählt ist;
denn der „Modernismus" in dem Sinn, in dem wir die
Bewegung zu fassen uns gewöhnt haben, ist auf einen
toten Strang geleitet worden. R. meint, es sei nunmehr
die Aufgabe der katholischen Wissenschaft, zu zeigen
que la critique religieuse n'a rien, ni dans ses methodes,
ni dans ses conclusions legitimes, dont la foi catholique
bien comprise ait a s'offusquer ou ä souffrir. Legitimes,
bien comprise, es wird immer darauf ankommen, was
sich dahinter verbirgt. Eben darum wird sich auch jeder
"ach seiner Weise die Hoffnung auslegen, mit der R.
schließt: Serait-il excessif d'estimer . . . que les ravages
du modernisme seraient attenues dans une large me-
sure, si du moins chacun devait en realiser les lecons?
Sehr dankenswert ist die erschöpfende Bibliographie,
die R. dem Buch vorangestellt hat, besonders erfreulich
die Sauberkeit in der Wiedergabe der fremden Sprachen,
also auch der deutschen Titel.

Gießen._______G. Krüger.

Esselborn, Karl: Wilhelm Diehls Leben und Wirken. Darmstadt
: C. F. Winter 1931. (92 S. m. 1 Bildn.) 8°. = Hessische
Hausbücherei, hrsg. von K. Esselborn, 8. RM 1—.

Ders.; Wilhelm Diehl. Verzeichnisseiner Bücher und sonstigen Veröffentlichungen
. Auf Veranlassung d. Vereinigung f. Hess. Kirchen-
eesch. zusammengestellt. Ebd. 1931. (76 S.). 8°. RM 2—.

Der Prälat der Hessischen Landeskirche, Dr. Diehl,
ist weit über die Grenzen seines Heimatlandes als Per-

j sönlichkeit, Gelehrter und Schriftsteller bekannt gewor-
■ den. Er verdient wahrlich die warme Würdigung, die
Esselborn, der aufmerksame und rührige Beobachter
und Darsteller hessischen Volkslebens, seinem Leben
j und Wirken gelegentlich seines 60. Geburtstages hat
zuteil werden lassen. Von der Persönlichkeit soll hier
nicht die Rede sein, obwohl Eingeweihte wissen, daß
über sie viel zu sagen wäre. Aber auf die Tätigkeit des
Gelehrten und Schriftstellers nachdrücklich hinzuweisen,
geziemt auch unserm Blatt. Diehls wissenschaftliche Arbeitsleistung
ist, zumal wenn man die Last seines verantwortungsvollen
kirchlichen Amtes in Rechnung zieht,
erstaunlich. Das von Esselborn zusammengestellte
Verzeichnis seiner Veröffentlichungen weist bis 1930
über 850 Nummern auf. Neben den großen Blöcken natürlich
viele Späne (nicht mit Spreu zu verwechseln!);
aber die Blöcke sind von ganz erheblichem Gewicht.
Ich denke vornehmlich an Diehls „Schulordnungen des
Großherzogtums Hessen" und an die (bisher) 6 Bände
seiner „Hassia sacra", das als Grundlage aller Studien
auf diesem Gebiet unentbehrliche Pfarrer- und Schulmeisterbuch
. Ich denke aber auch an das so ersprießliche
Unternehmen der „Hessischen Volksbücher", das er ins
Leben gerufen hat, im Selbstverlag erscheinen läßt und
bisher auf 80 Bände gefördert hat, worunter mehrere
(darunter das „Reformationsbuch der evangelischen
Pfarreien des Großherzogtums Hessen") von seiner
Hand. Der Wunsch ist verständlich und angesichts der
„Vitalität" Diehls die Hoffnung berechtigt, daß er noch
lange Jahre dies sein Doppelamt als Kirchenmann und
Wissenschaftler mit gleicher Fruchtbarkeit weiterführen
möge.

Giellen.__ G. Krüger.

Blanckmeister, Pfarrer D. Franz: Ehrenbuch des Gustav
Adolf-Vereins. Gustav Adolf-Stunden. Sammlung von Vorträgen
über das Gustav Adolf-Werk. Leipzig: Strauch & Krey 1931. (VII,
220 S.) gr. 8°. RM 5.80; geb. 6.70.

Lutze, Paul: Das Buch vom Gustav Adolf-Verein. Leipzig:
Strauch & Krey 1932. (V, 204 S.) gr. 8°. RM 2.70; geb. 3.60.

Das Jahr 1930 hat anläßlich des 70 jährigen Geburtstags
des hochverdienten Vorsitzenden des G. A. V.
in Geißlers Franz Rendtorff Festschrift
Evangelische Diaspora und G.A. V. der deutschen
evangelischen Kirche das klassische G. A. Buch geschenkt
. Das Jubeljahr 1932 hat verschiedene G.A.
Schriften entstehen lassen, vor allem diese beiden, in
denen z. T. das, was jenes Buch gebracht hat, eine
populäre Prägung gefunden hat. Franz Blanclerne
isters Ehrenbuch des G.A. V. bringt eine
I Sammlung von Vorträgen über den G. A. V. in Form von
I G. A. Stunden, die neben Missionsstunden in mancher
Gemeinde schon Heimatrecht haben und hoffentlich immer
mehr bekommen werden. Es sind 35 kürzere oder
längere G. A. Stunden, die von einem Schriftwort ausgehend
auf die verschiedensten Gebiete der G. A. V. Arbeit
führen und z. T. bekannte, aber auch weniger bekannte
Vorkämpfer der Diasporaarbeit zu Verfassern
| haben so den Herausgeber mit seinem Beitrag (der
G. A. V. ein Gotteswerk) den Generalsekretär Geißler
(Unsere Arbeit an der Jugend der Diaspora), den Lütze-
| ner Superintendenten Hagemeyer (An der Todesstätte
! Gustav Adolfs). Da begegnen sich, um nur einiges zu
charakterisieren, Blaus Innerlichkeit (Das evangelische
Pfarrhaus in der Diaspora), Niemöllers packende Volkstümlichkeit
(Der siebenfache Segen der G. A. V. Arbeit),
Klingemanns feinsinnige gründliche Art (Die Rheinprovinz
als G.A.Land). Auf die verschiedensten Ge-
I biete der Arbeit werden wir geführt, mit Recht vor allem
j im Auslanddeutschtum, und lernen die große Not, die
j Riesenaufgabe, aber auch die erfreulichen Erfolge ken-
! nen, so bei Lempp (Das „Bethel" des Ostens). In
„Posen einst und jetzt" vermißt man einen Hinweis auf
die vielfach dem Evangelium Hohn sprechende, wenig
brüderliche Haltung der evangelischen Polen (Bursche!).
Eine vortreffliche Ergänzung zu dem Blanckmeister-
schen Buch ist das von Paul Lutze, dem Pfarrer am