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Ausgabe:

1933 Nr. 24

Spalte:

441

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Diekamp, Franz

Titel/Untertitel:

Katholische Dogmatik nach den Grundsätzen des heiligen Thomas. Bd. III, 6., verm. u. verb. Aufl 1933

Rezensent:

Koch, Wilhelm

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441

Theologische Literaturzeitung 1933 Nr. 24.

442

öffentlicht worden, wo sie außerhalb Dänemarks leicht
übersehen wird.

Es ist daher sehr zu begrüßen, daß das alte Organ
kirchengeschichtlicher Forschung jetzt wieder zu erscheinen
beginnt. Jährlich soll ein Heft herausgegeben
werden, 3 Hefte bilden einen Band. Das vorliegende
erste Heft enthält 6 Beiträge, vom Mittelalter bis in
die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts. Der Herausgeber
Oskar Andersen weist in dem längsten Beitrag
— im Gegensatz zu Skat Arildsen2 und zur Autobiographie
des alternden Martensen — die starke Einwirkung
des Grundtvigianischen Kreises auf den jungen
Martensen nach. Der zweite Hauptbeitrag des Heftes
ist eine mit ausführlicher Einleitung und Anmerkungen
versehene Ausgabe der Autobiographie des Bischofs Jorgen
Hee, bekannt als Beichtvater von Struensees "Freund
Brandt; die Herausgabe ist Björn Kornerup zu
danken, der auch noch einen anderen kleinen Beitrag zu
dem Heft geliefert hat. Ellen Jorgensen gibt die
Ripener Bischofschronik aus dem Anfang des 13. Jahrhunderts
auf Grund dreier Abschriften des 16. Und 18.
Jahrhunderts heraus. Johannes Steenstrup, der
Nestor der dänischen Historiker, weist nach, daß der Ausdruck
„Herrenkloster" dem Mittelalter fremd ist und erst
in der Reformationszeit vorkommt — in dänischen Akten
erst nach 1520. Endlich schildert Eiler Nystrom
auf Grund neu gefundener Briefe die Ernennung von
Erik Pontoppidan zum Prokanzler der Kopenhagener
Universität 1755.
Hadersleben. Th. O. Ach e 1 is.

2) Vgl. ThLZ 1933, 258/59. _

Diekamp, Dr. Franz: Katholische Dogmatik nach den Grundsätzen
des heiligen Thomas. Bd. 3: Die Lehre von den Sakramenten
. — Die Lehre von den letzten Dingen. 6., verm. u. verb. Aufl.
Münster i. W.: Aschendorff 1932. (VIII, 491 S.) 8°. = Lehrbücher z.
Gebrauch beim theolog. Studium. RM 11—; geb 13—.

Das in ThLZ 1931 Nr. 25 erstmals angezeigte Werk
ist in 6. Aufl. nun wieder abgeschlossen. Gegenüber
seiner 3.—5. Aufl. (1922) ist es um 21 Seiten gewachsen
und zwar zum größten Teil infolge reichlicher Nachträge
von Literaturnotizen, die auch in diesem Band eine unerreichte
, fast lückenlose Reichhaltigkeit aufweisen; neu
ist auch ein Paragraph 52 über die Kraft der priesterlichen
Lossprechung, m. a. W. über die Frage einer sog.
Privatbuße in der alten Kirche, eine Frage, die von
Diekamp gegen K. Adam (Tübingen) beantwortet wird.
Namhaft erweitert ist ferner § 36 über das Wesen des
Meßopfers; die neuen Vorschläge zur Wesensbestirn-
mung des Meßopfers werden abgelehnt. Im übrigen
kann auf das über Bd. 1 u. 2 abgegebene Urteil verwiesen
werden, denn dieser Schlußband teilt alle Vorzüge der
früheren Bände. Das Ganze ist ein Werk aus einem
Guß, über dem Vorsicht und Maßhaltung (z.B. auf
S. 15 Mitte, in der Frage nach der unmittelbaren Einsetzung
aller Sakramente durch Jesus Christus), Nüchternheit
und größte Akribie gewaltet haben.

Der Name des öfter zitierten französ. Theologen Hocedez ist einigemal
nicht ganz richtig gedruckt; ebenso der S. 163, Z. 6 v. o. zitierte
Dumoutet und S. 182, Z. 18 v. u. der Name von F. S. Renz. In den
Literaturnotizen S. 55 ist Jahrgang 1930 von Dölgers „Antike und
Christentum" zu lesen. S. 181 am Schluß des Literaturverzeichnisses
fehlt: W.Koch, Zur Frage nach der Notwendigkeit der Eucharistie:
Theol. Quart. 1919, 444/75.

Waiblingen (Württ.) Wilhelm Koch.

Eisenhofer, Prof. Dr. Ludwig: Handbuch der katholischen

Liturgik. 2. Bd.: Spezielle Liturgik. Freiburg i. Br.: Herder & Co.
1933 (X 588 S.) gr. 8° = Theologische Bibliothek.

' v ' RM 14—; geb. 16—.

Bd. 1 dieses Werkes ist ThLZ 1933 Sp. 62 f. besprochen
. Bd. 2 ist nach Jahresfrist gefolgt. E. zeigt die
gleichen allgemeinen Merkmale der Anlage und der Arbeitsweise
wie Bd. 1. Fast noch deutlicher tritt hervor,
daß es sich um Fortführung, zuweilen auch um Umarbeitung
des Buches Thalhofer-Eisenhofer handelt. Daß
in der „speziellen Liturgik", die Bd. 2 bringt, Messe,
Sakramente, Sakramentalien und Breviergebet zu besprechen
sind, ist eben einfach gegeben. Abweichungen
von Th.-E. begegnen nur im geringen Umfang; so sind
die allgemeineren Fragen bei der Messe jetzt alle am
Anfang behandelt, während Th.-E. sie in zwei Abschnitte
gegliedert hatte. Bei den Personalbenediktionen hat jetzt
die Jungfrauenweihe einen eigenen Abschnitt, dagegen
ist die „Hervorsegnung der Wöchnerin", die früher besonders
behandelt war, als Anhang beim Ehesakrament
angefügt. Von der Benediktion des Weihwassers, die
bei Th.-E. bei den anderen Realbenediktionen stand, hatte
E. schon in Bd. 1 das Nötige gesagt. Im Übrigen ist
Manches knapper gefaßt; 588 Seiten bringen den Stoff
von früher 676 Seiten. Wie sorgfältig E. die neueren
Forschungen beachtet hat, zeigt z. B. die häufige Beziehung
auf Dölgers Arbeiten; bei der abrenuntiatio ist
diese Beziehung etwas sehr kurz ausgefallen. Nicht selten
ist E. aber auch, gerade in geschichtlichen Notizen,
wennschon in aller Kürze, etwas genauer, als Th.-E. es
waren; so bei der Besprechung der Offenen Schuld
S. 120 f. Neben der katholischen Literatur ist auch die
neuere protestantische benutzt; so reichlich Lietzmann.
Das sehr genaue Sachregister ist, wie ich durch viele
Proben festgestellt habe, durchaus neu gearbeitet und
erheblich vollständiger gestaltet worden. Fortgelassen
ist das bei Th.-E. gegebene Verzeichnis der besprochenen
Responsorien, Hymnen u. s.w. — Alles in allem:
die Neubearbeitung ist mit diesem Band zu einem guten
Ende geführt worden. Der katholische Theologe hat
sein praktisches, solides, übersichtliches Handbuch der
Liturgik in neuer Bearbeitung.
Breslau. m. Schi an.

Utitz, Prof. Dr. Emil: Mensch und Kultur. Stuttgart: F. Enke
1933. (VII, 112 S.) gr. 8°. RM 5—; geb. 6.50.

Leitmotiv der kulturphilosophischen Abhandlung ist
die „Korrelation von Mensch, Kultur, Geschichte und
Tragik" (S. 112).

Die Kulturphilosophie darf die Kultur nicht lediglich
im Reich des „objektiven Geistes" suchen, sondern vor
allem im Menschen selbst. Flucht vor der Kultur wäre
Flucht vor uns selbst — zudem wäre diese Flucht selbst
ein Symptom der Kultur. „Der völlig kulturlose Mensch
wäre überhaupt kein Mensch" (S. 2 f.).

Kultur ist der Inbegriff der verwirklichten Werte.
Leben bedeutet für den Menschen die Aufgabe, bis an
den Rand seiner Kräfte nach möglichst hohen Werten zu
streben. Das Leben ist Wagnis, Entscheidung. Im Unheimlichen
der Entscheidung aber meldet sich das Religiöse
an.

Die Kultur knüpft an Naturgegebenes an. Sie steht
also nicht im Gegensatz zur Natur. Die Sehnsucht nach
Kultur liegt in der Natur des Menschen. Die Kultur
setzt das Wesen der Natur fort. Sie erweitert die Grenzen
der Natur. „Die Möglichkeit jener Grenzverschiebungen
ist dem Menschen von Natur aufgegeben; sie gehört
eben zu seiner Natur. Und er versündigt sich an ihr,
gehorcht er nicht seiner Bestimmung" (S. 20).

Zum Wesen der Kultur gehört das Malum metaphy-
sicum; denn die Unvollkommenheit gehört zum Wesen
der Natur und des Menschen. Darum ist jede Kultur-
vergottung tolle Vermessenheit. „Denn in ihr vergottet
letzthin der Mensch sich selbst" (S. 23). Ebenso wie die
Vergcttung der Kultur ist aber auch ihre Verlästerung zu
bekämpfen. Kunst, Wissenschaft und Religion sind
„Würfe" in die Unendlichkeit (S. 24). Der Mensch entfaltet
sich erst durch die Kultur und dank der Kultur.

Die Wandlungen der Kultur bilden das Grundthema
der Geschichte. Die Naturgeschichte ist von der Geschichte
streng zu scheiden.

Zu aller Kultur gehört notwendig die Spannung
zwischen historisch-überhistorisch. „Das Zeitlose offern