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Ausgabe:

1933 Nr. 24

Spalte:

436-437

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Buonaiuti, Ernesto

Titel/Untertitel:

La Chiesa Romana 1933

Rezensent:

Koch, Hugo

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Theologische Literaturzeitung 1933 Nr. 24.

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fisch menschlichen Gerichtetheit und erst gar seiner
individuellen Gerichtetheit bejaht. Den Menschen als |
religiöse Persönlichkeit verstehen wird nur jene Psychologie
helfen, welche die hier in Betracht kommende
menschliche Eigenart, die feste Gerichtetheit des Menschwesens
durch ein bestimmtes Existenzial zu erfassen
und beschreiben weiß.
Wien. K. Beth.

Danzel, Theodor-Wilhelm: Symbole, Dämonen und heilige

Türme. Bildtafeln zur ethnolog. Religionskunde u. Mythologie. I
Hamburg: Friederichsen, de Oruyter & Co. 1930. (35 S. u. 108 Taf.)
gr. 8°. RM 10—.

Ein nicht auf Photographien sondern auf Handzeichnungen
beruhender Bilderatlas wird von Danzel
hier vorgelegt, der von verschiedenen Völkern Darstellungen
bringt, die allenthalben mit relativer Gleichartigkeit
sich finden und die Mythen, Riten und Weltanschauungen
charakterisieren. Den Anfang machen sakrale
Stufenbauten aus mehreren Erdteilen (Taf. 1—14) mit
mehr oder weniger ausgeprägter kosmischer Bedeutung.
Dann folgen Abbilder von Sonne und Mond, Symbole
von Atmosphärilien (bis Taf. 71), darauf einige Bilder,
welche die magische Anatomie verdeutlichen und die
Höhle als Geburtsstätte der Welt oder ihrer Teile (bis
Taf. 88). Daran schließt sich eine Serie, die Dualitätsvorstellungen
in Form von Janusartigen Darstellungen
zeigt, endlich Totentanzmasken, Drachen, einäugige Dämonen
und Schädelsymbole. Was D. vor allem erreichen
will, ist eine Veranschaulichung der „elementargedanklichen
" Bildung der gleichen oder im wesentlichen ähnlichen
Vorstellungen bei den mannigfaltigsten Völkern.
Mag man auch im einen und anderen Falle Übertragung
und Entlehnung annehmen können, so ist doch nicht
nur bei den Stufenbauwerken und Dämonengestalten, sondern
selbst beim magisch anatomisierten Menschen trotz
ethnischer Singularitäten eine solche Übereinstimmung
über die weitesten Strecken der Menschheit vorhanden,
daß der Gedanke an ursprunghaft neben einander befindlichen
Eigenständigkeiten der Anschauungen und Symbole
nicht abgewiesen werden kann.

Wien. K. Beth.

Bertholet, Alfred: Götterspaltung und Göttervereinigung.

Tübingen: J.C.B. Mohr 1933. (32 S.) gr. 8 = Sammig. gemein-
verst. Vorträge u. Schriften a. d. Gebiet d. Theologie u. Religions-
gesch., 164. RM 1.50; in Subskr. 1.20.

Der Berliner Religionshistoriker A. Bertholet, dem
wir schon eine Reihe wertvoller Einzelstudien über reli-
gionsgeschdchtliche Probleme verdanken (z. B. Dynamis-
mus und Personalismus in der Seelenauffassung (1930);
Das Dynamistische im Alten Testament (1926) u. a.)
hat hier einen in der Generalversammlung der Vorderasiatisch
-ägyptischen Gesellschaft zu Berlin gehaltenen J
Vortrag dem Druck übergeben, der sich mit zwei in der i
antiken Religionsgeschichte öfters zu beobachtenden eigentümlichen
Erscheinungsformen befaßt. Auf Grund
eines sorgfältig ausgewählten Materials aus der Entwicklung
des vorderasiatischen und ägyptischen Götterglaubens
geht er zunächst ein auf die im Umkreis der
Religionen des Mittelmeers wiederholt festzustellende,
in ihren letzten Motiven nur schwer erkennbare Götterspaltung
, wie sie z. B. in der durch lokale Differenzierung
bedingten begrifflichen Spaltung innerhalb der Jah-
vevorstellung, sowie in den verschiedenen Bezeichnungen
des kanaanitischen Gottes Ba'al, der Istar, Astarte, u.a.
zu Tage tritt. Freilich sei „die Tendenz zur Götterspaltung
nicht überall in gleicher Stärke nachzuweisen",
da „die Verschiedenheit menschlicher Geistesdisposition"
auch die Strukturbesonderheiten der Göttervorstellungen I
sogar bei einzelnen Völkern beeinflusse. Man wird auch,
„will man dem tiefsten Sinn dieser Götterspaltungen
nachgehen, dem eigentlich religiösen Motiv nachzuforschen
haben, das ihnen, wenigstens in der Mehrzahl der
Fälle und vor allem ursprünglich, zugrunde liegt": „das I

Wachstum des Glaubens an Zwischenwesen als Korrelat
zunehmender Transzendenz der Gottesauffassung".
Demgegenüber tritt im Synkretismus der hellenistischen
Zeit die Tendenz zur Göttervereinigung sehr stark hervor
, beherrscht von der Vorstellung, „in der fremden
Götterwelt irgendwie die den eigenen Göttern kongenialen
Gestalten wiederzufinden und sie den eigenen zu
amalgamieren; denn an dem einen wird zunächst nicht
gezweifelt, daß eine Gottheit, gleichviel wem sie gehöre,
einen religiösen Kraftposten darstelle, den man nicht verlieren
will". An verschiedenen Beispielen ('Astar-Kemos,
Wadd^Sahrän, Asur Ramman u. a.) zeigt der Verfasser
auf, wie die „Gottheit eines Stamm- oder Territorialverbandes
mit reinen Naturgottheiten" sich verbunden habe,
wie es ja im Wesen solcher „Verbände liege, die immer
wiederkehrenden Anlässe zu Göttermischungen zu schaffen
". Vor allem aber könne man „den Zusammenhang
von Religion und Politik in antiker Kultur nicht leicht
überschätzen". Bedeute doch „jede Eroberung für den
Gott des Eroberers einen Machtzuwachs, der sich, wo
die Gottheit des Unterlegenen nicht einfach mit Stumpf
und Stiel ausgerottet wird, gerne gerade darin auswirkt,
daß jener diesen in sich absorbiert oder sich zugesellt".
Auch die friedliche gegenseitige Durchdringung der Völker
auf dem Wege der Kolonisation, der Handelsbeziehungen
, des Konnubiums war dieser Götterverschmelzung
günstig, wobei zu beobachten ist, daß Götter
gleichen oder ähnlichen Wesens eine besondere Anziehungskraft
aufeinander ausübten" (Adonis-Osiris, Hadad-
Ramman, Seth-Apophis u. a.) Ein vielleicht kaum
eindeutig zu lösendes Problem" stellt dabei die „Zusammenziehung
eines männlichen und eines weiblichen Gottesnamens
in einen einzigen" dar, da es unsicher bleibt,
ob man allenfalls „als Ergebnis solcher Vereinigung an
hermaphroditische oder androgyne Göttergestalten" zu
denken habe. Schließlich erinnert A. Bertholet noch daran
„wie leicht gerade primitiverer Gottesauffassung
der Glaube an göttliche Wandlungsfähigkeit falle; mache
man sich „doch schwerlich eine übertriebene Vorstellung
von der latenten Beweglichkeit und1 Amalgamationsfähig-
keit des Göttlichen, von seinem Mangel an einer gewissen
Wesensgeschlossenheit" innerhalb der antiken
Religionskreise. Die durch ihre weitspannende Zusammenschau
besonders anregenden Ausführungen über ein
Stück Werdegang antiken Götterglaubens sind durch
Anmerkungen fördernd belegt.
München. R. F. Merkel.

Buonaiuti, Ernesto: La Chiesa Romana. Mailand: Cilardi e
Noto 1933. (191 S.) 8°. L 12—.

Das Buch B.s über die römische Kirche leitet in
glücklicher Weise ein Verlagsunternehmen ein, das als
„Collana delle Idee" eine Sammlung von „opere for-
mative piuttosto che informative" aus allen Kulturgebieten
(Religion, Philosophie, Kunst, Naturwissenschaft u. s.
w.) herausbringen und damit der „Erziehung des Geistes
" dienen will. In lebhafter, glänzender Sprache legt
der zugleich philosophisch durchgebildete vorzügliche
Kenner der Kirchengeschichte seine Gedanken über Vergangenheit
, Gegenwart und Zukunft der römischen Kirche
dar und gliedert sie in fünf Kapitel: 1. Was sie zu
sein behauptet, 2. Was sie gewesen ist, 3. Was sie ist,
4. Was sie sein könnte, 5. Was sie sein wird. Die Scheidung
ist nicht strenge durchgeführt und konnte dem Gegenstande
nach auch nicht strenge durchgeführt werden,
vielmehr kehren in allen Ausführungen geschichtliche
Erinnerungen wieder, wie anderseits in den geschichtlichen
Darlegungen zugleich das Urteil über die Entwicklung
gesprochen wird. Treffende Beobachtungen, scharfsichtige
Kennzeichnungen, fein geschliffene und geistreiche
Sätze treten uns in dem Buche entgegen. Aufsteigende
Vorbehalte und Einwände zieht der Verf. meistens
im weiteren Verlaufe selbst in Erwägung. Trotz
allen Enttäuschungen und seiner schlechten Behandlung
durch die Hierarchie hängt er mit Bewunderung und Liebe