Recherche – Detailansicht

Ausgabe:

1933

Spalte:

409-412

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Kenyon, Frederic G.

Titel/Untertitel:

The Chester Beatty Biblical Papyri 1933

Rezensent:

Dobschütz, Ernst

Ansicht Scan:

Seite 1, Seite 2

Download Scan:

PDF

Theologische Literaturzeitung

BEGRÜNDET VON EMIL SCHÜRER UND ADOLF VON HARNACK

unter Mitwirkung von Prof. D. HERMANN DÖRRIES und Prof. D. Dr. GEORG WOBBERMIN, beide in Göttingen

HERAUSGEGEBEN VON PROFESSOR D. WALTER BAUER, GÖTTINGEN

Mit Bibliographischem Beiblatt in Vierteljahrsheften. Bearbeitet von Lic. Dr. phil. REICH und Lic. H. SEESEMANN, beide in Göttingen.

Jährlich 26 Nrn. — Bezugspreis: halbjährlich RM 22.50

Manuskripte und gelehrte Mitteilungen sind ausschließlich an Professor D. BAUER in Göttingen, Güntere Eichenweg 14, zu senden,
Rezensionsexemplare ausschließlich an den Verlag. Gewähr für Besprechung oder Rücksendung von unverlangt gesandten Rezensionsexemplaren
, besonders noch bei Zusendung nach Güttingen, wird nicht übernommen.

VERLAG DER J. C. HINRICHS'SCHEN BUCHHANDLUNG, LEIPZIG C 1

58. JAHRGANG, NR. 23 11. NOVEMBER 1933

Spalte

Breton: „Du Pape" (Krüger).......424

Höh: Die kirchliche Buße im II. Jahrhundert
(Koch).................421

Kenyon: The ehester Beatty Biblical Pa
pyri (von Dobschütz)...........I 4qq

— Recent developments in the textual cri-'
ticism of the Greek Bible (Ders.).....

Leese: Die Krisis und Wende des christ-

Spalte

liehen Geistes (Winkler)..........427

Mac Culloch: The Harrowing of Hell

(Seesemann)................421

Martin: Quinti Septimii Florentis Tertulliani

Apologeticum (Krüger)...........423

Nebe: Gestaltwandel der Mystik (Benz) . . 424
Das Neue Testament Deutsch (Windisch). . 414
Der Palimpsestpsalter im Codex Sangallensis

Spalte

912 (von Dobschütz)...........412

R i n t e 1 e n: Der Wertgedanke in der europäischen
Geistesentwicklung (Winkler) . . 425

Stelzen berger: Die Beziehungen d. frühchristlichen
Sittenlehre zur Ethik der Stoa
(Strathmann)................419

Wilpert: I sareofagi cristiani antichi (v.
Campenhausen)...............428

Kenyon, Frederic G.: The ehester Beatty Biblical Papyri. Sowohl die paläographischen als die textgeschicht-

Descriptions and texts of twelve manuscripts on papyrus of the Greek j Hchen Bemerkungen finden dann ihre nähere Ausführung

Bible. Fase. I: General introduetion Fase. II: The Gospels and Acts. | m d€r Einleitung von Fase. II, das Handschrift I (Evane

De^s?:nReEcentarvel1o3p3„,i1„8tsS«s"«!«2 KtÄcU'olAh. ! "? ^ t

Greek Bible. London: Oxford University Press 1933. (119 S.) > £f Abkürzungen, unter denen besonders die Suspensionen

8° =The Schweich Lectures of the British Academy 1932. ! und XP Beachtung verdienen, um einzelnen vorge-

Von der seit der ersten Ankündigung von Mr. ehester j fuhrt. Der Textcharakter wird für jedes der in dem

Beatty's Erwerbung in der Times vom 19. November ! Papyrus enthaltenen 5 Bücher durch sorgfältige stati-

1931 mit Spannung erwarteten Veröffentlichung der 12 stische Vergleichung mit den andern Zeugen dahin be

durch ihr Alter und ihren Inhalt bedeutsamen Bibel-
handschriften liegen jetzt die ersten beiden Hefte in
glänzender Ausstattung vor. In dem ersten gibt der jetzt
im Ruhestand lebende Direktor des Britischen Museums
Sir Frederic O. Kenyon die allgemeine Einleitung, die
sich nach einer genauen Beschreibung der 12 Papyrus-
Bücher mit den durch diesen Fund aufgetauchten buchtechnischen
, paläographischen und textgeschichtlichen
Fragen beschäftigt. Die Beschreibung zeigt, daß inzwischen
mehr entziffert worden ist, als bei der ersten
Ankündigung angegeben war. Buchtechnisch ergibt der
Fund die wichtige Erkenntnis, daß die Buchform in
Verbindung mit Papyrus als Schreibstoff von den Christen
schon seit dem 2. Jahrhundert angewendet worden
ist und zwar in zwei Formen: die üblichste war wohl
das ganze Buch als eine Lage zu bilden; daneben aber
findet sich auch die Zusammensetzung aus mehreren
Lagen von 4 (oder auch 3, 5 oder 6) Doppelblättern;
ja es kommt vor, daß jedes Doppelblatt für sich gefaltet
und geheftet wird. Hatte Gregory eine Gesetzmäßigkeit
in der Lagenzusammensetzung beim Pergament
(Haar- und Fleischseite) entdeckt, so weist Kenyon
die analoge (Hoch- und Querfaserung) auch beim Papyrus
nach. Die von der Rolle stammende Bezeichnung
Recto = Quer- und Verso = Hochfaserung darf beim Papyrus
buch künftig nicht mehr verwendet werden. Der
Herausgeber, der schon 1932 ein wertvolles Werk über
Books and Readers in Ancient Greece and Rome herausgebracht
hat, redet hier aus der Fülle des Wissens mit
bewundernswerter Klarheit. Besondere Beachtung verdienen
seine Hinweise auf das Längenverhältnis von
Rolle und Buch. Die kurzen paläographischen Bemer-

«„j»„ ihr*. Ilnterstütziincx durch rilc „rm der "ilu'c":> u,c ™"vnsiucxe aus manc. und aus Act. dicht aufeinander lagen.

firnfa" Emery" wSker vS^ftÄriSi Wieder- L^ 'äßt Skh über die ^ der drei «■» «ien, die auch
gaben je einer Seite aus jeder der 12 Handschriften.
Man sieht hier, warum Kenyon eine Handschrift (VI)

stimmt, daß bei Markus (und Matthäus) größte Verwandtschaft
mit dem Text von Cäsarea, bei Lukas Mittelstellung
zwischen Neutral und Western, bei Johannes
stärkere Neigung zu D und 0, bei Act nähere Verwandtschaft
mit n ABC 81 als mit D lat besteht. Kenyon
unterscheidet im sog. Western-Text die Maße der kleinen
Varianten von den hervorstechenden einzelnen Sonderlesarten
; erstere sind vorhanden, letztere nicht. So schließt
Kenyon, daß in Ägypten frühzeitig die Unterlage des
Western Textes, aber auch der spätere, neuerdings als
cäsareensisch bestimmte Text im Gebrauch gewesen sei.

Vergleicht man die Inhaltsangaben für die Handschrift in den beiden
Fascikeln, so sieht man, wie inzwischen die Entzifferung fortgeschritten
ist. Dazu kommen versprengte Blätter, die die Michigan-
Universität erwarb, aber großzügig zur Mitveröffentlichung überließ.
Hiernach sind meine nach älteren Mitteilungen Kenyons gebotenen
Zahlen in ZNW 32, 188 zu ergänzen und zu verbessern. P46 enthält
u. a Matth. 26, 1-3, 6—10; Mark. 5, 15-26, 5, 38-6, 3 16—25
8, 10-26; hinzu kommen 11, 27—33 12, 1 5—8, 13-19, 24—28,
Luk. 6, 31-41. 45-7, 17; Joh. 11, 18—36 42 (hier gibt K. irrig
43)-57; Act 9, 35-10, 2 (statt 35-42) 11, 24—12, 5. Luc. 12,
13—37 in meiner Liste ist Lesefehler für 18—37. - Bei P 46 kommen
hinzu Col. 4, 16 — 18, 1 Thess. 1, 1 9 10 2, 1—3 5, 5-9, 23-28.
Die Nachbildung zeigt, daß Phil. 4, 14—Kol. 1, 3 auf einer Seite stehen.
Wir kommen darauf zurück, wenn Fase. III vorliegt. Ebenso auf die
in Fase. I noch nicht berührte Frage, warum grade Ezechiel und Esther
in einem Buch, wenn auch von verschiedenen Händen des ausgehenden
3. Jahrhunderts vereinigt sind. Zu der Verbindung der vier Evangelien
mit der Apostelgeschichte weise ich noch darauf hin, daß diese sich
außer in D noch in 8 Minuskeln 92 197 536 832 956 1073 1274 2137
findet. Ob hier Textzusammenhänge bestehen ? Von größter Bedeutung
wäre es, wenn sich für P46 die abendländische Reihenfolge der Evangelien
Matth., Joh., Luk. Mark, oder ähnlich nachweisen ließe, wie K.
daraus folgert, daß vor der Auflösung des zusammengeballten Papyrushaufens
die Bruchstücke aus Mark, und aus Act. dicht aufeinander lagen.

dem 2., die meisten dem 3., und drei (IV, XI, XII) dem
4. Jahrh. zuweist.

im Westen sehr schwankt (s. meine Zusammenstellung in Nestle Einführung4
, S. 9), nichts ausmachen. Daher war es berechtigt, wenn
auch vielleicht irreführend, daß K. bei der Veröffentlichung die uns
geläufige kanonische Reihenfolge beibehielt.

Wer von diesem Papyrus sensationelle neue Varian-

409 410