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Ausgabe:

1933 Nr. 21

Spalte:

375

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Tengblad, Elov

Titel/Untertitel:

Syntaktisch-stilistische Beiträge zur Kritik und Exegese des Clemens von Alexandrien 1933

Rezensent:

Seesemann, Heinrich

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375

Theologische Literaturzeitung 1933 Nr. 21.

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Mowinckel's Deuterojesaja — daß er von ihm aufgegeben
ist, weiß Verf. noch nicht — die Umbildung dieser
Deutung durch Sellin. In einem besonderen Abschnitt
endlich widerlegt er sehr ausführlich (S. 147—163) Greß-
mann's ideale, auf Josia's Persönlichkeit fußende, prophetische
Messiasgestalt, die er „eine personifizierte
Idee oder eine Gestalt des Glaubens und der Phantasie"
nennt. Das annähernde Dutzend dieser Deutungen allein
genügt zum Verständnis dafür, wie sicher ihm die Abweisung
aller, vielfach mit Scharfsinn durchgeführt, gelingt
, und wer in der Deutung des Propheten selbst
nach 41,8, der kollektiven auf das ganze Israel, fest
gegründet ist, wird ihm nicht ohne Behagen folgen.
So bleibt nur noch ein Schluß übrig, der unter E, „De
Ebed Jahwe is de Heere Jesus Christus", auf S. 163
bis 165 ganz kurz dargelegt wird. Da kann ich denn
wieder, wie der Schluß meiner Eißfeldt-Anzeige dartut
, überzeugt mit ihm gehn, nur daß das der „zweite
Schriftsinn" ist, hier einmal als Erfüllung zutreffend,
nicht der erste, vom Propheten gewußte und gewollte.
Das ist dann freilich nicht unmittelbare Messianität,
aber doch mehr als die sogenannte „typische", gegen
die er aufs entschiedenste angeht. Im Verzicht auf
den ersten Schriftsinn, mit seinem ganzen, grandiosen
Optimismus, mit der ergreifenden Theodicee, die nirgends
ihres Gleichen findet, kommt unser Verfasser
ja leider mit bei weitem den meisten der heutigen Fachgenossen
überein. Aber über sie alle hinaus erkämpft
er sich die volle Rückkehr zu Rudolf Stier's „Jesaias,
nicht Pseudojesaias" von 1850. Soweit sind wir heute
gekommen, mehr als 80 Jahre rückwärts. Daß er in den
Niederlanden Gesinnungsgenossen selbst unter den akademischen
Lehrern hat, haben wir gesehen; auch bei
uns wird es ihm an Beifall nicht fehlen.

In dem „Slot" (S. 166 f.) legt Verf. triumphierend
die große biblisch-theologische Bedeutung der Ebed-
Jahwe-Stücke nach diesem seinem Verständnis dar und
schließt mit der Feststellung, „daß diese Prophetie in
ihrem Zusammenhang die modernen Prämissen zu Schanden
macht".

S. 15 Z. 6 v. u. lies noemt statt neemt; S. 25 Z. 17 ergänze worden
hinter gezegd; S. 27 Z. 2 v. u. 1. zij st. hij; S. 134 Z 7 v. u. ergänze niet
hinter wij; S. 156 Z. 5 v. u. 1. adon st. adoni und hodoh st. hadah.
Marburg. *C K. Budde.

Tengblad, Elov: Syntaktisch-stilistische Beiträge zur Kritik
und Exegese des Clemens von Alexandrien. Lund: Sundqvist
& Emond [1932]. (IX, 103 S.) 8°. , Kr. 4.75.

Die Abhandlung Tengblads hat zun! Ziel, einige
Stellen bei Clemens AI. syntaktisch-stilistisch zu beleuchten
. Man merkt es ihr an, daß ihr Verfasser im
Griechischen gut geschult ist. — Es sind nur Streifzüge
in die Clemens-Überlieferung, die T. unternimmt; mehr
will er nicht bieten. Sie beziehen sich auf die Bedeutung
der variatio sermonis, auf Wiederholung- von Substantiven
, auf die Psychologie der Wortstellung bei Clemens
u. a. m. Dabei ergibt sich eine Reihe von interessanten
und einleuchtenden Resultaten für die Textüberlieferung
und die Exegese des Kirchenvaters. Auf Einzelheiten
einzugehen, verbietet hier der Raum. Wer sich
mit Clemens beschäftigt, wird gut tun, die Abhandlung
von T. nicht zu übergehen. Ein Register verhilft dazu,
sich rasch im Buch zurechtzufinden.
Göttingen. H. Seesemann.

Sancti Pachomii Vitae Graecae ediderunt Hagiographi Bollandiani
ex recensione Francisci Halkin S. J. Brüssel [24 Boulevard Saint-
Michel]: Societe des Bollandistes 1932. (111* u. 474 S.) gr. 8Q. =
Subsidia Hagiographica 19.
In griechischer Sprache sind uns 6 Lebensbeschreibungen
des hl. Pachomius, des Stifters des Kloster-
mönchtums, überliefert, dazu ein Brief des Bischofs Amnion
an den Patriarchen Theophilus von Alexandrien
über Pachomius und seinen Schüler Theodor und eine von
dem Bollandisten Papebroch Paralipomena genannte

! Sammlung von Einzelberichten über die genannten beiden
j Männer. Durch den Druck veröffentlicht sind davon
I nur die Vita sexta und die Vita prima, nebst dem Briefe
| Ammons und den Paralipomena, jene, ,1a plus etrange'
(Halkin S. 85*), in einer den neuzeitlichen Ansprüchen
genügenden Weise von N. F. Nau im IV. Band der
Patrologia orientalis, diese, die älteste, nebst den andern
Stücken von den Bollandisten des 17. Jahrhunderts in
den Acta Sanctorum, Bd. III Mai, mit vielen Fehlern und
Auslassung von Wörtern und ganzen Linien. Nunmehr
haben die Bollandisten die vor einiger Zeit (siehe diese
Ztg. 1930, Sp. 352) angekündigte Sammlung der griechischen
Pachomiana von ihrem Mitgliede Fr. Halkin,
gewissermaßen als Seitenstück zu den Pachomiana Latina
j des Benediktiners A. Boon (siehe diese Ztg. 1932,
Sp. 391 ff.), der Öffentlichkeit übergeben. Sie enthält
die Vita I, den Brief Ammons und die Paralipomena,
dann die vitae II—IV. Die schon von Nau herausgegebene
vita VI ist nicht aufgenommen worden, und
ebenso ist vita V nur im textkritischen Unterbau für
die vitae III u. IV, aus denen sie geflossen ist, verwendet.

Der Text der Vita I, der ältesten und unbeholfensten
, aber wertvolle Mitteilungen und namentlich auch
zahlreiche genaue Zeitangaben enthaltenden Lebensbeschreibung
, beruht auf einer Handschrift der Laurentiana
zu Florenz (XI, 9, v. J. 1021), die aber eine Lücke von
zwei Blättern hat, und auf Bruchstücken im cod. Ambrosianus
D 69 (früher N 141). Eine Handschrift der
Nationalbibliothek von Athen (1015), auf die A. Ehr-
hard den Herausgeber aufmerksam machte und die ebenfalls
die vita I zu bieten scheint, konnte nicht benützt
werden und bleibt späterer Vergleichung vorbehalten.
Auf der genannten Florentiner Handschrift beruht auch
der Brief Ammons; nur das kurze Kapitel 11 mit dem
Bericht von einer Vision Theodors über die hl. Dreifaltigkeit
hat eine breitere Grundlage, da die Erzählung vom
Mönche Thekaras (13./14. Janrh.?) in sein 'Q00XÖ710V
tcov we(ow ilpvmv aufgenommen wurde, das in zahlreichen
Handschriften überliefert ist. Die Paralipomena beruhen
wiedei auf cod. F und cod. A (Ambras.). Vita II, die
1 im Mittelalter am meisten verbreitet war, ist in nicht weniger
als 13 Handschriften und außerdem in zahlreichen
Bruchstücken auf uns gekommen. Sie übertrifft in Stil
und Aufbau die Vita I, bringt aber nichts, was nicht
schon in dieser oder in den Paralipomena stünde. Trotzdem
hat sie für den Historiker eine gewisse Bedeutung,
„parce qu'elle reflete tant bien que mal un etat anterieur
des textes d'oü eile derive" (S. 56*). Die Vita III ist
ganz nur in einer einzigen Hdschr., Nr. 9 des Klosters
vom hl. Johannes auf Patmos, erhalten und bruchstückweise
in der noch nicht veröffentlichten asketischen
Sammlung des Mönches Nikon (11. Jahrh.), deren in
zahlreichen Handschriften überlieferten, aber noch nicht
geklärten Text H. außer Betracht gelassen hat. Diese
1 Lebensbeschreibung ist die ausführlichste und umfangreichste
: sie enthält so ziemlich alles, was in Vita I und
in den Paralipomena zu finden ist, dazu die Engelsregel
und andere aus der Historia Lausiaca gezogenen Mitteilungen
, wie H. in den Anal. Boll. 1930, ,S. 257 ff.
nachgewiesen hat (siehe diese Ztg. 1931, Sp. 161ff.),
endlich vier aus anderer Quelle geflossene neue Erzäh-
j lungen. Vita IV, deren Text auf dem cod. Monac. graec.

3 und dem cod. Laurensis (vom Kloster des hl. Atha-
j nasius auf dem Berg Athos E 182) aufgebaut ist, zeigt
I sich als die kürzeste, gefeilteste, in mancher Hinsicht an
den Stil des Symeon Metaphrastes erinnernde Lebens-
j beschreibung. Ihr Verfasser ist weder pachomianischer
j Mönch noch Aegypter, wiewohl er in c. 11 versichert,
1 seine Berichte aus dem Munde unmittelbarer Schüler
1 des hl. Pachomius erhalten zu haben: er entnimmt diese
Versicherung einfach seiner Quelle. Ihr geschichtlicher
| Stoff ist fast ganz aus Vita I oder III bekannt, auch mit
Vita II hat sie viele Züge gemeinsam. Dagegen bringt
sie von den 18 Erzählungen der Paralipomena nicht eine
, einzige, während diese in Vita II u. III alle erscheinen.