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Ausgabe:

1933 Nr. 20

Spalte:

360-363

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Hoppe, Heinrich

Titel/Untertitel:

Beiträge zur Sprache und Kritik Tertullians 1933

Rezensent:

Koch, Hugo

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Theologische Literaturzeitung 1933 Nr. 20.

360

übten Methode. Er kann jetzt gar nicht mehr sehen,
daß schon seine Einteilung in Christen und Nichtchri-
sten exegetisch keineswegs selbstverständlich ist; daß
die christologischen Aussagen in streng theologische,
d. h. immer auch auf das gegenwärtige Wirken auch
des Vaters, auch des Geistes bezogene aufzulösen sind
(vgl. die gänzlich irreführende Einbeziehung K. Barths
in die Gruppe jener Exegeten, die I. Kor. 15,22 für
die „allgemeine" Auferstehung in Anspruch nehmen, 5).
Aber freilich, er kann auch deshalb nicht sehen, weil
ihm die „Lehre" des Apostels kirchlich vorgegeben ist.
Und so hat denn der im dritten Hauptteil gegebene
Überblick über die das Thema betreffenden Aussagen
der dem N. T. benachbarten religiösen Literatur vor
allem den Sinn, die Lehre des Apostels gegenüber allem
sonst zu beobachtenden Schwanken als eine „konstante"
zu erweisen (118).

Es soll dem Buch nicht abgesprochen werden, daß
es klar geschrieben und im Einzelnen sorgfältig ausgearbeitet
ist. Der Vf. hat Anspruch darauf, mindestens
auch nach den von ihm mitgebrachten bzw. mitzubringenden
Maßstäben beurteilt zu werden. Da hätte ihm
freilich ein Fingerzeig nicht entgehen dürfen, den ihm
Thomas von Aquino nach der von ihm selber zitierten
Stelle mitgeben wollte, wenn Thomas etwa sagt, daß
„die Guten und Bösen in Christus dem Leben der Natur
nach auferstehen, dem Leben der Gnade nach aber nur
die Guten" (5). Was besagt hier der Zusammenhang
von Natur und Gnade? Wie ist der Gerichtsgedanke einzugrenzen
, wenn er in den Zusammenhang von Natur
und Gnade hineingehört? Wie sind die vom Vf. herangezogenen
protestantischen Exegeten zu beurteilen, wenn
die Gnadenlehre den Leitfaden für die Auferstehungsmöglichkeiten
im Felde der „Natur" bilden soll? Der
Vf. betont zwar, daß er das Problem des Auferstehungsleibes
nicht behandeln will (1). Läßt sich diese Unterlassung
theologisch begründen? Wie verhält sich denn
im Zusammenhang von Natur und Gnade die Sünde
zum Tode? Daß diese Fragen nicht beantwortet, ja
überhaupt nicht gestellt werden, obwohl sie gerade auch
durch die gegenwärtige Lage der protestantischen Exegese
schlechthin herausgefordert werden — man beachte
nur den Streit um die paulinische Anthropologie! —,
das zeigt schließlich unverkennbar, daß das Thema für
den Vf. in keinem Sinn zum theologischen Problem geworden
ist. Ich darf es mir daher versagen, die übrig
bleibenden positiven Voraussetzungen seines Beweisverfahrens
herauszustellen.

Die Anm. 12a auf S. 104 ist zerstört. S. 115 muß es §3, S. 118
muß es §4 heißen.

Bonn. Ernst Fuchs.

Mc Qiffert, Arthur Cushman: A History of Christian Thought.

Vol. I: Early and Eastern. From Jesus to John of Damascus. Vol. II:
The West. From Tertullian to Erasmus. London: Chr. Scribner's Sons
1932 u. 1933. (XIII, 352 u. XII, 420 S.) 8°. je 12 sh 6 d.

McGiffert, einer der fruchtbarsten und angesehensten
amerikanischen Kirchenhistoriker, persönlicher Schüler
Harnacks und eindrucksvoller Vertreter von dessen
dogmengeschichtlicher Methode, ist am 25. Februar dieses
Jahres gestorben. Das mir vorliegende Werk ist sein
Testament an die Fachgenossen und einen geistesgeschichtlich
interessierten größeren Leserkreis. Er hat
es nicht zu Ende führen können, aber es steht zu hoffen,
daß sein Sohn, Professor am Chicago Theological Se-
minarys dem Schlußband aus der Handschrift zum Leben
verhelfen wird. Übrigens können wir uns aus früheren
Veröffentlichungen des Verfassers („ Protestant
Thought before Kant", 1911; „Martin Luther", 1911;
„The Rise of Modern Ideas", 1915) wenigstens von
einem Teil des Inhalts schon jetzt eine ausreichende
Vorstellung machen. Wer das Inhaltsverzeichnis von
McGifferts Werk durchsieht, wird zunächst überrascht sein
von der außerordentlichen Einfachheit der Einteilung.
Sie beruht auf Absicht und darf nicht den Gedanken aufkommen
lassen, daß etwa der Verfasser die Probleme
nicht gesehen habe, die einer Darstellung der christlichen
Geistesgeschichte (die Bezeichnung Dogmengeschichte

! würde nicht zutreffen) zugrunde liegen. Aber freilich der

I Verfasser ist kein Systematiker, sondern ein Historiker.
Er wird mit seiner Art bei der gegenwärtigen Lage unse-

I rer Wissenschaft in Deutschland kaum auf Gegenliebe
rechnen können. Wir sind ja bald so weit, daß wir vor
lauter systematischen Bäumen gar nicht mehr wissen,
daß wir uns in einem historischen Walde befinden. Das
uns vor die Augen zu führen, ist McGifferts Buch m. M.n.
vorzüglich geeignet, gerade weil der Verfasser, wie es
im Vorwort heißt, „the technical jargon of theologians"
nach Möglichkeit aus dem Wege geht: Ausdrücklich
verwehrt er sich aber dagegen, daß er popularisiere, „but

| I have tried to write instead of a textbook or an ency-
clopaedia a history which may be read consecutively as

j all history should be". Und man folgt ihm dabei um so

| lieber, als man sich auf die Zuverlässigkeit seiner Füh-

i rung verlassen kann.

Dem Werk liegen die Vorlesungen zugrunde, die

| Mc Giffert jahrzehntelang den Studierenden des Union
Theological Seminary in New York gehalten hat. Es
ist die Frucht seiner, oft von Krankheit unterbrochenen
Mußestunden nach Niederlegung des Amtes. Er beklagt
es selbst, daß er die reichen Schätze der vorbildlichen

' Bücherei des Seminars nicht mehr ausgiebig benutzen
konnte und sich deshalb oft nicht mehr auf der Höhe
der neuesten Literatur und ihren Fragestellungen befand.
Der Spezialist, als welchen auch ich mich bezeichnen
darf, wird darum manche ihm wünschenswerte Auseinandersetzung
vermissen, aber für ihn hat McGiffert
ja nicht geschrieben.
Gießen. G. Krüger.

Hoppe, Dr. Heinrich: Beiträge zur Sprache und Kritik Ter-
tullians. Lund: C. W. Gleerup 1932. (II, 168 S.) gr. 8°. = Skrifter
utgivna av vetenskapssocieteten i Lund. Publications of the New Society
of Letters at Lund, 14.
Hoppe, neben den beiden schwedischen Philologen
Löfstedt und T h ö r n e 11 wohl der beste Kenner
der Sprache Tertullians (De sermone Tertullianeo quae-
stiones selectae, Diss. Marburg 1897; Syntax und Stil
des T., Leipzig 1903; Tertullianea, Bielefeld 1910), hat
seine neuesten Beiträge zur Sprache und Kritik des
schwierigen Afrikaners, für die er bei der wirtschaftlichen
Notlage in Deutschland keinen Verleger fand,
durch Vermittlung Löfstedts bei der wissenschaftlichen
Gesellschaft von Lund untergebracht. Diese hat sich
dadurch den Dank der Wissenschaft verdient. Denn
diese Beiträge sind im Ganzen vorzüglich und werden
jedem der sich mit T. beschäftigt, ausgezeichnete Dienste
leisten. Die Einleitung handelt von den bisherigen
Arbeiten an der Textgestaltung und Erklärung der ter-
tulManischen Schriften, wobei mit Recht hervorgehoben
wird, wieviel wir schon den ersten Herausgebern, namentlich
einem Beatus Rhenanus verdanken, ferner
von der Überlieferung und den neuesten Handschriften-
funden durch Pas qua Ii und Wilmart (der merkwürdigerweise
nicht genannt wird). H. selbst hat sich
des Weiteren zur Aufgabe gemacht, „manche kritisch
unsichere Stellen, soweit sie in grammatischer, stilistischer
oder lexikalischer Hinsicht von Bedeutung sind,
zu besprechen und sie nach sprachlichen (bzw. lexikographischen
) Gesichtspunkten zu ordnen" (S. 9). Er
gliedert seine Untersuchungen in die Gruppen: 1) Zur
Syntax (Casus, Modi, Tempora, Verbum infinitum)
2) Zur Stilistik (Ellipse, Constructio ad sensum, zweigliedriges
Asyndeton, Rhythmischer Satzschluß) 3) Zum
Wortschatz (Substantiva, Adjektiva, Adverbia, Verba,
Pronomina, Konjunktionen und Partikeln, Negationen,
Neubildungen) 4) Einzelne Stellen. Unter diesen Gesichtspunkten
behandelt er eine Masse von Stellen mit
Berücksichtigung des tertullianischen Sprachgebrauchs
und Stiles und Erörterung des Zusammenhangs. Dabei