Recherche – Detailansicht

Ausgabe:

1933 Nr. 20

Spalte:

357-359

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Molitor, Heinrich

Titel/Untertitel:

Die Auferstehung der Christen und Nichtchristen nach dem Apostel Paulus 1933

Rezensent:

Fuchs, Ernst

Ansicht Scan:

Seite 1, Seite 2

Download Scan:

PDF

357

Theologische Literaturzeitung 1933 Nr. 20.

358

Hin Und Wieder der Erörterung führt doch ZU keinem Auch diese Exegese macht freilich sofort eine kritische Erörterung

klaren Entscheid Für den Jacobusbrief schreibt T. mir - darüber nötig, ob und wie weit Paulus in dem genannten Zusammen-

das Verdienst zu, ihn aus jüdischer Problemstellung ha"f sozusagen seinem »

Y ... „• V ,,, m„_u__ a v, f,ir T Hiit» Her geblieben ist. Woher weiß er, was er sagt? Aus der Schrift oder aus

heraus verstandlich ZU machen, d. h. für T. die Her- ; dem Mythos? Inwiefern wird die Grenze zwischen Gottes Wort und dem

kunft aus dem Juden-Christentum und von dem Herrenbruder
.

Es ist ein empfindlicher Mangel, daß T. auf die
freien Schöpfungen im alten Testament kaum eingeht.
Schon der Segen Jacobs Gen. 49 und die Bileamsprüche
stellen das Problem der biblischen „Fälschung"; weiter
führt das Buch Hiob, wo Hiob und Gott redend eingeführt
werden. Gewiß liegt hier poetische Gestaltung
vor; aber gerade der Gedanke an heilige Poesie, und
Erzählerkraft führen uns zur Lösung des Problems.
Wenn in den Erzählungen des alten Testaments Patriarchen
, Engel und immer wieder auch Gott handelnd
und redend auftreten, so hat man eben auf diesem Gebiete
gewagt, frei zu schalten und zu gestalten ohne die
Furcht, Gott und den Heiligen zu nahe zu treten oder
vor den Menschen als Lügner dazustehen. So hat man
auch Propheten und Aposteln willig seine Feder geliehen,
weil sie jetzt nicht mehr schreiben können und ihr
Wort doch heute wieder dringend nötig wird

Mythos überschritten? Wem glaubt der Apostel in I. Kor. 15,24? Es ist
bezeichnend, daß für den Vf. solche Fragen offenbar an dieser Stelle, wo
es um den Inhalt der Lehre des Paulus geht, gar nicht aufkommen
können !

Ist aber auch die Stelle I. Kor. 15,22—24 nicht
direkt verwendbar, dann läuft die ganze Untersuchung,
zumal im Hinblick auf Paulus, im wesentlichen auf
ein „indirektes" Beweisverfahren hinaus. Ganz richtig
wird die Vorstellung vom „allgemeinen" Gericht zum
Leitfaden gemacht. Sie bildet gleichsam das Rückgrat
des Buches, und die Bestimmung des ihr in der Theologie
des Paulus gebührenden Ortes gibt dem Vf. reichlich
Gelegenheit, sein Paulusverständnis darzulegen (57
bis 78), nachdem er schon im ersten Hauptteil ausdrücklich
über „mystische Union und Taufe" (22—30) und
„Pneumabesitz und Kindschaft Gottes" (30—33) als die
positiven Voraussetzungen für die Auferstehung der Christen
gehandelt hatte. Allerdings verschiebt sich jetzt
das Beweisthema in bedeutsamer Weise. Denn frag-

j würdiger wird dem, der wie der Vf. im Pneumabesitz das
Arnold Meyer. gegenwärtige Heilsgut des Christen erblickt, nicht die
Teilnahme der Nichtchristen, sondern die der Christen
am Gericht Gottes erscheinen müssen. Hat man dann
bewiesen, daß die so ausgestatteten Christen dennoch am
Gericht Gottes teilnehmen werden, so ist eine Linie
der „Allgemeinheit" des Gerichtes gegeben und die
Auferstehung aller Toten unschwer gesichert (vgl. 78).

vt:- :-J. -i— »-------•--

Molitor, Dr. theol. Heinrich: Die Auferstehung der Christen
und NichtChristen nach dem Apostel Paulus. Münster i. W.:
Aschendorff 1Q33. (XII, 127 S.) 8°. = Neutest. Abhanden. Hrsg. v.
M. Meinertz. XVI. Bd., 1. H. RM 6.15.

Der katholische Theologe stellt sich in dieser Erstlingsarbeit
die Aufgabe, die traditionellerweise etwa im [ Wie ist der Ausgleich „zwischen dem religiösen Bewußt-
A„e,mii.rt an I Kor 5 22 behandelte Fratze nach dein __:„ ________x^:°_ u___u________i j_ , ,

Anschluß an I. Kor. 15, 22 behandelte Frage nach dein
Umfang der Totenauferstehung mit besonderer Rücksicht
auf die Lehre des Paulus exegetisch zu beantworten
. Nach einer in der Einleitung (1—7) „zur Geschichte
des Problems" gegebenen kurzen Darstellung der von
Irenäus bis heute vertretenen Exegesen der Stelle I. Kor.
15,22 gliedert sich die Untersuchung in 3 Hauptteile,
von denen der erste (8—33) „die Auferstehung der
Christen", der zweite (34—78) „die Auferstehung der
Nichtchristen" bei Paulus behandelt, während im dritten

sein gegenwärtigen Heilsbesitzes und der sittlich bedingten
Hoffnung zukünftiger Heilserfüllung" bei Paulus
vollzogen? Antwort: 1. das Fehlen des Ausgleichs „ist
geradezu eine psychologische Unmöglichkeit" (66).
2. Paulus kennt genau die'Strafen, „die der Herr selbst
an dem auserwählten Gottesvolk des Alten Bundes in
der Wüste vollzog" (67). 3. Paulus kann das „furchtbar
ernste" Wort I. Kor. 9,27 sprechen (67). 4. Paulus
verfügt über „Lebensweisheit und Missionserfahrung
" (67). Stößt man sich aber an der paradoxen Form

Hauptteil (79-118) dm Auferstehung der Toten in : der Aussagen des Paulus, so muß man eben bedenken,
den nichtpaulmischen Schriften des N. T. m den junge- ; Pauius war_ bei aller Begeisterung, die ihn erfüllte
ren Schriften des A. T. und tm Spatjudentum" in 3 | ein M der mit offenem Blick Welt und Menschen

größeren Abschnitten dargestellt werden. Die Stellung
des letzten Hauptteils im Ganzen zeigt schon, daß es
dem Vf. keineswegs auf eine religions- oder geistesgeschichtliche
Entfaltung seines Themas ankommt.
Sein Denken ist vielmehr durch ein für die katholische
Exegese ja durchaus nicht befremdliches Beweisverfahren
gekennzeichnet, das in erster Linie biblisch beweisen
will. Damit sind freilich die letzten Voraus

betrachtete" usw. (69). Wie sehr solche Aussagen in
die Nähe moderner protestantischer Exegese führen,
wie sie etwa durch das „Handb. zum N. T." repräsentiert
wird, das mögen einige hierhergehörige Sätze aus Lietz-
manns Römerbriefkommentar3 beweisen.

Zu Rom. 8,12: „Wie in Cap. 6, so wendet sich auch hier mit v.
12 der Apostel von der Schilderung des durch Gottes Tat gewirkten
Zustandes der Sündenfreiheit zur menschlichen Praxis: die durch das

Setzungen eines SO beweisenden Denkens noch nicht ent- i jtvEvpa gegebene Möglichkeit des Lebens nach Gottes Willen muß auch
hüllt. Aber das Beweisverfahren sollte dem protestanti- [ (sie!) empirisch verwirklicht werden."

sehen Theologen zu denken geben, wenn sich als seine Zu Rom. 6,3 (Exkurs): „. . Somit werden wir die Anschauung

beiden nächstliegenden Kriterien 1. eine beachtliche Nähe vom Sterben und Auferstehen des Neugeweihten als hellenistisches Gut
zum Text und 2 eine nicht zu übersehende weitgehende betrafhte" dürfen, dessen sich die heidenchristliche Gemeinde bediente,
i^Ll^el™L™c< mif rlpn Resultaten gewisser neuerer i um die BedeutunR der Taufe zu würdigen. Pls hat dann diese Theorie
Uberemst mmung mit den Kes"'^" ^SSS'S^SL ' hier mS^~cn und sie durch teilweise Umbiegung ins Sittliche zur
protestantischer Exegete.l herausstellen, wobei Sich das eigenen Verteidigung sowohl wie zur wirksamen Ermahnung der Christen
zweite Kriterium gerade dort am aurdringlichsten anmel- , brauchbar gemacht (Vgl. zu Eph 5 22 Tit 3 5 und Jon 3 3 ff)"
det, wo die Untersuchung ihr theologisch^ Problem , So dürüe es wejt ^ verwunderlich sein/ dafj
rettungslos verloren hat. Was wird nun vom Vf. be- der vf. das eben genannte Handb tatsächlich olt für
wiesen? seine Exegese heranziehen kann. Diese Bezugnahme

Bewiesen wird, daß Paulus und mit ihm das ganze [ ist für ihn freilich m. E. in doppelter Beziehung mißlich
N.T. die Auferstehung der Nichtchristen und damit die l Denn durch die Heranziehung solcher zwar materiell mit
allgemeine Auferstehung der Toten zwar verhältnismäßig | dem Eigenen übereinstimmender, aber methodisch auf
selten erwähnen, aber doch voraussetzen (91f.). Als durchaus andere Weise gewonnener Aussagen die an
direkte Beweisstellen läßt der Vf. nur „Jo. 5, 28f., Apg. ihrem Ort sehr wohl ihre eigene, religions- und d. h
24, 14 f., sowie Offb. 20,11-15" stehen. Die in der | geistesgeschichtlich zu entwickelnde, weil kirchlich vorExegese
zumeist herangezogene Stelle 1. Kor. 15,22—24 ; aussetzungslose Problematik haben, benimmt sich der
darf nicht direkt in Anspruch genommen werden; der Vf. nicht nur den Sinn der für Paulus und nicht nur für
Vf. folgt hier denjenigen Exegeten, die zwei Ordnungen ihn so bezeichnenden Paradoxie der Beschreibung des

annehmen, Christus und die Seinen, und teXo; mit
„Ende" übersetzen, m. E. mit Recht (44—53)

Christenstandes, sondern er begibt sich auch der Möglichkeit
einer echten Kritik an der von ihm selbst ge-