Recherche – Detailansicht

Ausgabe:

1933 Nr. 17

Spalte:

317-318

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Doering, Oscar

Titel/Untertitel:

Christliche Symbole 1933

Rezensent:

Lerche, Otto

Ansicht Scan:

Seite 1

Download Scan:

PDF

317

Theologische Literaturzeitung 1933 Nr. 17.

318

Wolf und R. Chr. Darwin. Und von der evangelischen
Kirche, in der er aller Wahrscheinlichkeit nach getauft
ist, weiß er kaum etwas anderes, als daß sie die Erbsünde
lehrt und infolgedessen leere Gotteshäuser hat, so-
daß selbst ein Mann wie Soederblom die Anlehnung des
Protestantismus an die römische Kirche betrieben habe
S. 36). Ja man muß sich sogar fragen, ob der Ver-
asser überhaupt weiß, was Protestantismus ist, wenn
man bei ihm gelegentlich (S. 228) „katholisch, protestantisch
und calvinistisch" hintereinander aufgezählt
findet.

Auf dem Fundament dieser bodenlosen Unwissenheit
erhebt sich das Gebäude seiner deutschen Nationalkirche.
Dort wird man wieder zur großen Mutter beten, nämlich
zur Mutter Germania. Und das deutsche Apostolikum
wird heißen:

„Ich glaube an den Gott der Deutschreligion, der
in der Natur, im hohen Menschengeist und in der Kraft
meines Volkes wirkt. Und an den Nothelfer Krist, der
um die Edelkeit der Menschenseele kämpft. Und an
Deutschland, das Bildungsland der neuen Menschheit"
(S. 269).

Auf dem Turm des völkisch-nationalen Gotteshauses
wird das Odalskreuz prangen. Das wird der Ort sein,
an dem „das Volk sich weiht, in dem die Mannesseele
geformt wird und in dem der einzelne seinen Glauben
entzündet am Glauben der anderen, um als Glaubensstreiter
hinauszugehen in die Welt".

Der einzige halbwegs originale Zug an dem Buch
ist die „Geschlechtersoziosophie", die „gegen eine Kirche
der Frigiden und des dritten Geschlechts" und gegen
eine „Religion ohne Mitaufruf unserer Sexualnatur protestiert
" und an die Stelle der Ohrenbeichte vor dem
männlichen Priester die Beichte vor den Müttern setzen
will.

Dies alles schreibt ein Professor der Philosophie an
der Universität Leipzig, 52 Jahre alt. Unmittelbar vor
diesem Buch hat er zwei andere, ähnlichen Geistes, ausgehen
lassen. Zusammen 1 100 Druckseiten in zwölf
Monaten!

Wir hatten uns die kommende deutsche Nationalkirche
auf anderem Niveau gedacht!
Berlin. Otto D i b e 1 i u s.

D Oering, Dr. Oscar: Christliche Symbole. Leitfaden durch die
Formen- u. Ideenwelt der Sinnbilder i. d. christl. Kunst. Mit einem
Geleitworte von Dr. M. H artig. Freiburg i. Br.: Herder & Co.
1933. (XVI, 147 S. m. 69 Abb.) kl. 8°. RM 2.80; geb. 3.60.

Das vorliegende Büchlein stellt sich dar als eine
Neubearbeitung bezw. 3. Aufl. von Andreas Schmidts
gleichnamigem Werke (2. Aufl. 1909). Inhaltlich gibt
Doering stark gekürzt dasselbe, was Wilh. Molsdorf in
seinem „Führer durch den symbolischen und typologi-
schen Bilderkreis" (1920; 2. Aufl. unter dem Titel:
Christliche Symbolik der mittelalterlichen Kunst, 1926)
wesentlich auch im selben Aufbau vorzüglich zusammengestellt
hatte. Daß D., dem wir bereits das vortreffliche
bilderreiche Buch „Deutschlands mittelalterliche
Kunstdenkmäler als Geschichtsquelle" (1910) verdanken
, den Buchtitel „Symbolik" meidet, geschieht nicht
nur, um das Werk von der nun einmal festgelegten
speziellen theologischen Disziplin zu unterscheiden, sondern
auch um die hier gesuchte systematisch geordnete,
möglichst lückenlose Aufzählung der verschiedenen
christlichen Symbole anzudeuten. Das Buch ist wertvoll
namentlich wegen seiner guten Literaturangaben und
seiner umfangreichen, sehr brauchbaren Register. Die
zahlreichen Bilder — D. gibt 69 Bilder, während Molsdorf
auch in seiner neuen Auflage nur 11 Bilder bietet
—, z.T. noch nach Zeichnungen Schmidts, machen das
Buch besonders für den kirchlich arbeitenden Künstler
wertvoll. Für die Hostienmühle hat Molsdorf bessere,
d. h. deutlichere Abbildungen gebracht.

Die buchkünstlerische Ausstattung unserer neuen Gesangbücher
hat deutlich gezeigt, daß die Kenntnis und
die Verwendungsmöglichkeiten des typologischen und

symbolischen Bilderkreises der christlichen Überlieferung
weithin zu wünschen übrig lassen. Auch dies

; Büchlein wird daher nicht nur in katholischen Kreisen, für
die es in erster Linie bestimmt ist, bei Pfarrern und

' Künstlern wertvolle Dienste leisten können, zumal neben

| Rudolf Kochs „Christlichen Symbolen" (vgl. Theol. Lit.

j Ztg. 1933 Nr. 9 Sp. 167).

Berlin._Otto Lerche.

F e n d t, D. Dr. Leonhard: Die Stellung der Praktischen Theologie
im System der Theologischen Wissenschaft. Göttinnen : Vanden-
, hoeck 8i Ruprecht 1932 (27 S.)gr. 8°. = Der Dienst des Pfarrers, Beih.z.
Monatschrift f. Pastoraltheologie, H. 1. RM 1.30; in Subskr. 1—.
Die in der hier von Fendt vorgelegten Antrittsvorlesung
ausgeführten Gedanken sind nur verständlich,
wenn man sich die eigentümliche Not klarmacht, in die
die praktische Theologie geraten ist, seitdem die Theologie
als Ganzes jene eigenartige Wendung zur Kirche
genommen hat, die für die heutige theologische Situation
bezeichnend ist. Früher, als man den Begriff der
Kirche wesentlich statisch auffaßte, war es klar, daß
die praktische Theologie als die Theorie vom "Handeln
der Kirche einen selbständigen Gegenstand hatte, der
ihr nicht strittig gemacht werden konnte. Heute hat
man die Kirche selbst in ganz neuer Weise als aktiv-
dynamische Größe erfaßt, stellt infolgedessen aber auch
der Gesamttheologie als der wissenschaftlichen Selbstbesinnung
der Kirche die Aufgabe, diese im Handeln, im
Wirken ihr Wesen habende Gemeinschaft zu verstehen
und zu entfalten. Damit ist aber die Selbständigkeit der
praktischen Theologie gefährdet, was sich besonders
darin offenbart, daß vor allem die Systematiker unmittelbar
in das Gebiet der praktischen Theologie einbrechen
bezw. daß für die praktische Theologie selbst eigentlich
nur die Aufarbeitung gewisser „Restbestände"
übrig zu bleiben scheint, die irgendwie von der systematischen
Selbstbesinnung auf Wesen und Walten der
Kirche nicht ergriffen werden. Damit wird die Frage
akut: Gibt es denn wirklich nicht ein gesondertes
Gebiet wissenschaftlicher Aufgabe für die
praktische Theologie, das sich deutlich von den wissenschaftlichen
Aufgaben der anderen theologischen Disziplinen
abheben läßt?

Die Antwort, die Fendt auf diese Frage findet und
die sich in mancher Weise mit der Antwort der etwa
gleichzeitig erschienenen Schrift Allwohns (Die Stellung
der praktischen Theologie im System der Wissenschaft
ten, 1931) berührt, freilich sich auch charakteristisch
von ihr unterscheidet, lautet: Die praktische Theologie
ist die Wissenschaft von dem Aktuellwerden
und Aktuellsein der Theologie
in Kirche und Welt durch die Kirche.

Will man diese Antwort in ihrer Tragweite verstehen, so ist das
nur möglich, wenn man sich die Gesamtauffassung Fendts von der Aufgabe
der Theologie vergegenwärtigt. Zunächst wendet er sich mit großer
Kraft gegen eine Einschränkung der Aufgabe der Theologie auf eine
reine Selbstaussprache des christlichen Glaubens in Form einer „Fiducial-
theologie", wie er es nennt. Er befürchtet von dieser Beschränkung der
Aufgabe der Theologie, daß dann die Religionswissenschaft von sich aus
„auf die Sache der Kirche losgeht". Muß allerdings das Leben der
Theologie immer wieder in der sogen, fiduzialen Theologie seinen Sitz
haben, so ist es doch die Aufgabe der Theologie als Wissenschaft,
als „rationale Theologie", wie Fendt es nennt, sich voll in die Welt
hineinzustellen und um sie zu kämpfen. Als in diesem Sinn gefaßte
rationale Theologie ist sie, weil sie den Glauben d. h. etwas ungemein
Praktisches zum Gegenstand hat, immer eine scientia practica. Aber als
rationale Theologie treibt sie diese scientia practica absolut theoretisch,
eminent spekulativ. Sie hat aber als scientia practica zugleich eine Seite,
die ganz auf das aktuell Gegenwärtige geht. Dieses Aktuellsein darf sie
I nicht der Willkür der Praktiker ausliefern, sondern muß sie methodischer
I Forschung zuführen. Mit dieser methodischen Forschung hat es die
praktische Theologie zu tun. In gründlicher Auseinandersetzung mit anderen
Vorschlägen der Zuteilung eines eigenen Gegenstandes an die
praktische Theologie sucht der Verfasser diesen Gedankengang zu klären
und die Richtigkeit seiner These zu erhärten.

Fendt nennt am Schluß die so von ihm gefaßte Theologie
„Fortsetzungstheologie", eine Fortsetzung zur Praxis
hin, Planzeichnung für die Praxis. Es entspricht diese
Auffassung der praktischen Theologie auch ganz dem,