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Ausgabe:

1933 Nr. 17

Spalte:

311-313

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Schäfer, Ernst

Titel/Untertitel:

Die Bedeutung der Epigramme des Papstes Damasus I. für die Geschichte der Heiligenverehrung 1933

Rezensent:

Koch, Hugo

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Theologische Literaturzeitung 1933 Nr. 17.

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begründeten Kulte der sterbenden und auferstehenden , er ja den Gefallenen die Wiederaufnahme nicht grundsätzlich verweigerte,
Heilande der hellenistischen Mysterienreligionen, es ist ! ^n^rn'..iwie Sch^.selbf JS,J28),sagt; "die Bedinf "ff"' "nter d?"e?
Geschichte, wie die alttestamentliche Offenbarung Geschichte
ist. Es liegt auf einer Linie mit ihr und bedeutet
ihre Erfüllung und Vollendung. Gegenüber der Sehnsucht
nach dem Heil im Hellenismus und der eschato-
logischen Erwartung des Judentums, die in Ungewißheit
sich verzehrt, eben weil sie sich mehr und mehr auf
Leistung stützt und damit selber den Glauben an die Erwählung
zunichte macht, gibt die neutestamentliche
Offenbarung die Gewißheit des in Christus gegenwärtigen
Heils.

Die eindrucksvolle Darstellung bedeutet eine freudig
zu begrüßende Bereicherung unserer religionsgeschichtlichen
Literatur über das Urchristentum, die sowohl als
Einführung wie als Überschau wertvolle Dienste leisten
kann. Nicht zuletzt wegen der vorzüglichen Ausstattung
in Papier, Druck und Abbildungen wird sie viele dankbare
Leser finden.
Gießen. Georg Bertram.

Schäfer, Emst: Die Bedeutung der Epigramme des Papstes
Damasus I. fflr die Geschichte der Heiligenverehrung.

(Abdruck a. d. Ephemerides Liturgicae 1932). Rom [133, Via Pompeo
magno, 21]: Ephemerides Liturgicae 1932. (166 S.) 8°.

Der Verf. dieser Arbeit hat einen auch für die heutige
Zeit nicht alltäglichen Lebensweg zurückgelegt.

Geboren 1902 in Trankebar in Indien als Sohn eines Missionars,
besuchte er die Volksschule in Staucha bei Riesa und das Gymnasium
zu Zittau, verließ dieses in Unterprima und trat als Lehrling in eine
Möbelfabrik ein, arbeitete l1/» Jahr als Tischlergeselle und verbrachte
zwei Jahre als Handwerksbursche im Ausland, vorzugsweise in Spanien.
Nach Deutschland zurückgekehrt, besuchte er ein halbes Jahr die Akademie
für bildende Künste in Dresden, legte 1925 nachträglich die
Reifeprüfung am Gymnasium zu Zittau ab und studierte hierauf Theologie
und Archäologie zu Göttingen und Leipzig. Nach Ablegung der theologischen
Licentiatenprüfung im Herbst 1931 verbrachte er ein Jahr in
Rom als Stipendiat des Archäologischen Institutes des Deutschen Reiches
und veröffentlicht nun seine aus einer Preisarbeit ausgebaute, von Hans
Achelis angeregte und von der theolog. Fakultät der Universität Leipzig
angenommene Dissertation in den von G. Pizzoni C. M. herausgegebenen
Ephemerides Liturgicae.

Zur Aufgabe hat sich Sch. gesetzt, die bisherigen
Ergebnisse der Forschung über die Epigramme des
Papstes Damasus I zusammenzufassen und die Frage
zu beantworten, was man in der zweiten Hälfte des
4. Jahrhunderts, in jener zwischen der Depositio mar-
tyrum des Chronographen v. J. 354 und dem römischen
Kalender aus der Amtsführung des Papstes Bonifatius I
(f 422), der römischen Quelle des sog. Martyrologium
Hieronymianum, liegenden, für die Heiligenverehrung so
wichtigen Zeit von den glorreichen Märtyrern der Vergangenheit
gewußt habe und welchen geschichtlichen
Wert diese Vorstellungen hätten. Er untersucht zu diesem
Zwecke im ersten Hauptteil die Gedichte auf solche
Märtyrer, die bereits beim Chronographen v. J. 354 aufgeführt
si.id, und im zweiten solche, deren Namen sich
dort oocji nicht, zum großen Teil aber im späteren
römischen . Kalender verzeichnet finden. Im einzelnen
gibt er je den lateinischen Text mit deutscher Übersetzung
, Mitteilungen über die Art der Überlieferung,
eine Erklärung, um sodann die kirchen- und gedankengeschichtlichen
Erträgnisse herauszustellen und Legende
von Geschichte zu scheiden. Zum Schluß faßt er den
Gewinn aus diesen „typischen Erzeugnissen einer wichtigen
Übergangszeit der Heiligengeschichte" kurz zusammen
. Die Untersuchungen sind mit guten Kenntnissen
, mit Umsicht und besonnenem Urteil geführt und
machen der Schule, woraus sie hervorgegangen sind,
Ehre.

Mit Recht betrachtet Sch. S. 30 - im Unterschied von A. Ehrhard
(siehe diese Ztschr. 1933, Nr. 10, Sp. 177) — die Angabe des Liber
Pontificalis, daß Papst Marcellinus sein Rauchopfer in der diokletianischen
Verfolgung nachher durch das Martyrium gesühnt habe, als „eine den
Fall beschönigende Legende". Unberechtigt aber ist es, das Verhalten
des Papstes Marcellus in den Bußstreitigkeiten nach der Verfolgung
als „rigoros" (S. 28, 32) oder als eine „Überspannung des Bogens"
(S. 33, wie bei Caspar, Gesch. d. Papsttums L, 100), zu bezeichnen, da

die Versöhnung gestattet werden konnte, streng beobachtet wissen wollte"
(richtig S. 161: „strenge Bußdisziplin"). Es war also der von Cyprian
fünfzig Jahre vorher als temperamentum gekennzeichnete Standpunkt, die
Gefallenen weder ganz abzuweisen, noch sofort wieder aufzunehmen (ep.
55,6, S. 627,17 Härtel). Beim Gedicht auf Papst Eusebius (S. 34 ff.)
betrachtet Sch. diesen als „Rigoristen" (d. h. eben als Vertreter des
strengeren Bußverfahrens), seinen Gegner Heraklius aber als Haupt der
„Laxeren", während, was Sch. entgangen ist, in manchen Lehrbüchern
der Kirchengeschichte (z. B. bei Funk, neuestens auch noch im Handbuch
von J. P. Kirsch 1930, S. 316) gerade Heraklius als Vertreter einer
rigoristischen, die Gefallenen von der Kirche ausschließenden Richtung angesehen
wird. Tatsächlich könnten die Worte des Damasus Heraclius
vetuit labsos peceata dolere diese letztere Auffassung nahelegen. Wenn man
aber bedenkt, daß seinerzeit Cyprian mit ähnlichen Worten gerade eine
voreilige Wiederaufnahme abgewiesen hat (ep. 34, 2, S. 569 12 ff. Härtel;
ep. 43,3, S. 592, 17ff., c. 5, S. 594,4 u. 14ff.; de laps. 16, S. 249,2 u.
11, c. 34, S. 262, 7 ff.), so wird man auch hier der Auffassung Sch.s
Recht geben. Dann werden nämlich auch die Streitigkeiten durch die
Gleichheit der Gegensätze (auf der einen Seite die römischen Bischöfe
als Vertreter der Bußordnung und auf der andern Seite ihre Gegner mit
der Forderung sofortiger Lossprechung) verständlicher. Man kann nicht
recht begreifen, warum eine ganz rigoristische Strömung nicht sofort
unter Marcellus, sondern erst unter seinem Nachfolger aufgetreten sein
sollte. Dagegen ist es wohl verständlich, daß nach der kurzen Regierung
des Marcellus (308/09) die büßenden Gefallenen bei seinem Nachfolger
aufs Neue und verschärfter die Lossprechung forderten. — S. 34 wird
amator unrichtig mit „Liebling" übersetzt, und S. 142 ist die Übersetzung
von caeltstia membra mit „himmlische Gebeine" unpassend, da sich der
Ausdruck hier ja nicht, wie anderwärts, auf Heiligengebeine, sondern
auf die Eucharistie bezieht, richtiger also: die himmlischen Glieder (= der
hl. Leib). — Zu S. 59: hätte Hippolyt sich später den Novatianern
angeschlossen, so müßte wohl der Name dieses hochbedeutenden Mannes
auch im cyprianischen Briefwechsel erscheinen. — Daß die damasianische
Wendung natum passumque Deum (S. 63) einen „typisch ,patripassiani-
schen' Charakter" an sich trage, wird man nicht sagen können (vgl. S.
86 tibi Christe Deus u. S- 110 veniente Deo), und daß die bekannte Formel
Zephyrins „modalistisch" zu verstehen sei (A. 3), wird von katholischer
Seite lebhaft bestritten. — Zu S. 69f.: das „Vorangehen" und „Nachfolgen
" im Bekenntnis und Martyrium spielt in den Akten vielfach eine
Rolle, vgl. z. B. die Passio Mariani et Jacobi 4, 8 (S. 69,9 Krüger) und
die donatistische Passio Isaac et Maximiani (M. L. 8, 774 C./D.); Cyprian
verwendet es in ep. 28,1 (545,7ff.) zu einer Verbeugung vor der
römischen Gemeinde (siehe Ricerche Religiöse 1932, S. 14 f.). — Zu
S. 99: es ist wohl nur ein merkwürdiger Zufall, daß auch die Märtyrerverehrerin
beim Beginn der donatistischen Spaltung Lucilla heißt. — Zu
S. 101 u. 102 A. 3 : das lavat omnia sanguis vulnera quae intuterat mortis
metuenda potestas kann in der Tat auch nur besagen wollen, daß „das
Blut aus allen Wunden strömte, die der fürchterliche Tod dem Heiligen
schlug", wie Sch. im Unterschied von De Waal und Franchi deutet; ich
denke dabei an Wendungen wie bei Cyprian ep. 10,2 (491, 16):
torquerenturin servis Dei iam non membra sed vulnera (siehe Ric. Rel. 1932,
S. 14 und meine Cyprianische Untersuchuugen 1926, S. 307). — Zu
S. 102: ein Felssturz findet sich in der donatistischen Passio Marculi
(M. L. 8,765 A./B.), aber nur der Leichnam wird vom Felsen in die
Tiefe gestürzt, um die Auffindung u. Verehrung zu erschweren. — Zu
S. 110: im Satze egregios mores vitae praecesserat aetas faßt Sch. den
Accus, als Accus, graec, während Weyman — Sch. schreibt übrigens
beharrlich „Weymann" — eine „Inversion" annimmt. Es ist wohl beides
möglich, vgl. auch Cypr. ep. 38, 1 (580, 2): in annis adhuc novellus, sed
in virtutis ac fidei laude provectus, minor in aetatis suae indole, sed maior in
honore. Weisen übrigens die Worte sed dolui fateor eonsortia perdere vitae
nicht darauf, daß Damasus in reiferen Jahren, als Kleriker, mit seiner
Schwester Irene zusammengelebt hat? Und puella kann auch eine ältere
Jungfrau genannt werden, vgl. das senes pueri bei Tertullian Apol. 9, 19.
— Zu S. 131: der Christi perfectus amicus muß wohl nicht gerade ein
„mönchischer Einsiedler" gewesen sein ; von einem Asketen konnte man
dasselbe sagen. — Zu S. 145 u. A. 4: Kindermärtyrer erwähnt namentlich
Cyprian, ep. 6,3 (483, 3 ff.), de laps. 2 (238, 13), ep. 76,6 (832,
20 ff.). — Zu S. 154: eine Märtyrerfamilie auch bei Cypr. ep. 39, 3
(583, 3 ff.). — Da und dort wären weitere gedankengeschichtliche Bemerkungen
nahe gelegen, z. B. zu propositum (S. 110) u. proposuerat
(S. 118), das gerne, im Zusammenhang mit einem Leben der Askese
gebraucht wird (siehe jetzt das Verzeichnis in meinen „Quellen z. Gesch.
d. Askese und d. Mönchtums in der alten Kirche" 1933, S. 194), zu
meliora secutus (S. 126), das in den dionysischen Mysterien seine Stelle
hat (siehe Rel. in Gesch. u. Gegw.» 4, 329), bei Plato Theaet. 20 (167 A.)
und bei Seneca, de ira II, 13 erscheint und dann im christlichen Schrifttum
häufig im Hinblick auf Taufe oder Asketentum angewandt wird,
zu rector, womit Damasus so gerne sein Bischofsamt bezeichnet u. das
auch der Ambrosiaster (zu I. Tim. 3, 14, M. L. 17,471) mit Bezug auf
Damasus gebraucht: erstmals erscheint es, wenn ich mich nicht täusche,
bei Cyprian, ep. 61, 1 (695, 19) u. ep. 66, 5 (730, 21 vgl. auch ep. 59, 10,
S. 678, 10), aber erst seit Damasus wird es häufiger verwendet. — In