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Ausgabe:

1933 Nr. 14

Spalte:

249-254

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Titel/Untertitel:

Bibliothek der Kirchenväter. 29. - 63. Bd 1933

Rezensent:

Lietzmann, Hans

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249

Theologische Literaturzeitung 1933 Nr. 14.

250

Grub er, Franklin: The first English New Testament and
Lukas. Burlington, Jowa: Lutheran Literary Board 1928. (126 S.) 8°.

Gegenstand dieser Schrift ist William Tindale's
Übersetzung des neuen Testaments in ihrem ältesten
Drucke, der 1524/25, in Köln heimlich begonnen ward
und dann infolge des Entdecktwerdens gegen Ende des
Markus abgebrochen werden mußte, und dem dann sofort
der Wormser Druck gefolgt ist. Das Ergebnis der
sorgfältigen, mit Tabellen gestützten Untersuchung ist,
daß T i n d a 1 e in jeder nur denkbaren Beziehung von
Luther's Übersetzung abhängig ist und dabei Ausgaben
von 1522 und 1525 nebeneinander gebraucht hat. Die
Abhängigkeit erstreckt sich auch auf die Parallelmach-
weise, auf die wichtigeren Randglossen und auf das
Hauptstück der Vorrede. Sie ist in der Übersetzung so
groß, daß für eine Einwirkung des Griechischen und
der Übersetzung des Erasmus ziemlich wenig Raum
übrig bleibt. Es kann den Zeitgenossen das Recht, Tindale
's Übersetzung kurz Luthers neues Testament auf
Englisch zu nennen, nicht bestritten werden.

Angesichts dessen, daß die gegenteilige Behauptung
in der englischen Kirchengeschichtsschreibung bis vor
kurzem gang und gebe war und alle zusammenfassenden
Geschichten der englischen Bibel beherrscht, hat die
Untersuchung — ein Beitrag des amerikanischen Luthertums
zur Frühgeschichte der Reformation — ihre Wichtigkeit
. Es wäre eben um dieser Lage willen aber zu
wünschen, daß Verf. sich auch den Wormser Druck des
neuen Testaments vornähme. Es ist nach der ganzen
schnellen Folge der Ereignisse ja selbstverständlich,
daß seine Übersetzung das gleiche Verhältnis zu Luthers
Verdeutschung wie der Kölner auch für die Übersetzung
der übrigen Bücher des neuen Testaments offenbaren
wird. Doch bedarf es hier noch eines jedes Wenn und
Aber ausschließenden Einzelnachweises.
Göttingen. E. Hirsch.

Bibliothek der Kirchenväter. Eine Auswahl patrist. Werke in
deutscher Übersetzung. Hrsg. v. G. Bardenhewer, K. Weyman,
J. Zellinger. Bd. 29-63. München: J. Kösel & F. Pustet 1917
bis 1931.

Über die Kemptener Bibliothek der Kirchenväter ist
in dieser Zeitung bereits zweimal berichtet worden (über
Bd. 1—13 im Jahre 1914, S. 487—490 und über Bd. 14
bis 28 im Jahre 1917, S. 160—163). Nachdem nun ein
abschließendes Generalregister als Bd. 62/63 erschienen
•ist, soll noch einmal auf dies große und wertvolle Unternehmen
hingewiesen werden, das einem sehr ernsthaften
Bedürfnis entgegenkommt und die Erwartungen,
mit denen wir es 1914 begrüßt haben, in vollem Maße
erfüllt hat. Seit der letzten Besprechung sind 32 Bände
Übersetzungen hinzugekommen, von denen 19 auf die
Griechen, 10 auf die Lateiner und 4 auf die Orientalen
entfallen. Natürlich durften die Apostolischen Väter
nicht fehlen: sie sind von F. Zeller anständig
übersetzt und mit kurzen, aber guten Einleitungen versehen
worden. Er benutzt dafür mit Recht Barden-
hewers Geschichte der altkirchl. Lit., wobei ihm ein kleines
Versehen passiert ist: dort (l2, 100) steht ganz richtig
, daß 1875 Bryennios die Klemensbriefe aus dem bewußten
Kodex herausgegeben hat, während die Didache
erst 1883 erschienen ist; Z. hat das verwechselt. Dem
hier früher ausgesprochenen Wunsch (1914, 489 f.) nach
einer Übersetzung des J u s t i n'schen Dialogus ist erfreulicherweise
entsprochen worden. Ph. Haeuser hat
ihn übertragen und auch gelegentlich mit nützlichen Anmerkungen
ausgestattet. Als Zugabe erhalten wir sogar
noch die pseudojustinische Cohortatio jtpös "EUnva.;, die
der Übersetzer hinter das Sibyllinische Korpus und
(nicht eben überzeugend) vor die Blütezeit des Neu-
platonismus ansetzt. Hier ist beim Vergleich des Originals
ein Mangel an Eleganz in der Sprache des Übersetzers
spürbar, der bei dem echten Justin aus triftigen
Gründen nicht auffällt.

Als Bd. 40 ist die erste deutsche Übersetzung des
H i p p o 1 y tischen Ketzerbuches durch Graf Prey-

s d n g vorgelegt worden. Sie ist flott geschrieben und
hält sich mehr an den Sinn, als an den Wortlaut, gleitet
aber dafür auch gelegentlich über Schwierigkeiten weg
I und verbiegt den Text. Schade ist das Fehlen der Wend-
I landschen Paragraphen, die jedem Benutzer willkommen
sein würden. Und nun kommt in 3 Bänden Origenes
zu Wort, gleichfalls in einer Erstübersetzung ins Deutsche
durch den Herausgeber der betreffenden Schriften
im Berliner Korpus, P. Koetschau. Wir erhalten
die Schrift vom Gebet, die Mahnung zum Martyrium
und die 8 Bücher contra Celsum in sorgfältiger Übertragung
: Besonders die letztgenannte Schrift ist eine
höchst wertvolle Gabe. Die Katechesen des jerusalemer
Cyrill legt P. Haeuser vor: er hat die schlichte
Redeweise des Bischofs angemessen zur Geltung gebracht
. Die Einleitung schließt sich in der Datierung
der üblichen Ansetzungen auf 348 an und lehnt Heisenbergs
Argumente für 350 ab. In den liturgischen Anmerkungen
zu der wichtigen C. M. 5 verweist er den
Leser mit Recht auf Baumstarks Buch über die Messe
im Morgenland; aber S. 382 A. 1 bringt er eine Wunderlichkeit
über die „alte" Jakobusliturgie vor, als ob sie
„ins Griechische übersetzt sei" — meint er wirklich aus
dem aramäisch vom Herrenbruder J. verfaßten Text?
A. Stegmann, dem wir schon den ersten Athan a-
siusband verdanken, hat im zweiten mit gleichem Geschick
die Schriften yArtü'E7^]vv3vundx£Qixi]qevavi>Q(üm)oBa><;

xov Xöyov übersetzt, die zusammen eine Apologie des Christentums
darstellen, und als ein vom arianischen Streit
noch unberührtes Jugendwerk des Kirchenvaters ihre
besondere Bedeutung haben. Dann bringt H. Mertel
die Antoniusvita in einer vorzüglichen Verdeutschung und
gibt ihr als einen sehr begrüßenswerten Gefährten die
Vita S. Pachomii bei, die er aus dem Vat. 819, einem
metaphrastischen Menologium des XI./XII. Jhs. übersetzt
hat. Er hat damit auch glücklicherweise den besten
Vertreter dieser verbreitetsten Rezension getroffen
und somit eine Gabe von dauerndem Wert geliefert:
vgl. F. Halkin in den Analecta Bollandiana 47 (1929),
383 und seine Ausgabe dieses Textes in den S. Pachomii
vitae Graecae p. 166—271.

Mit besonderer Freude notiere ich die zweibändige
Auswahl aus den Werken des großen Basilius, die
der Athanasiusübersetzer A. Stegmann besorgt hat.
Der erste Band bringt 111 Briefe, die dem Leser einen
lebendigen Eindruck von der umfassenden Tätigkeit des
klugen Bischofs geben: auch die wichtigsten Dokumente
seiner kirchenpolitischen Arbeit finden sich in dieser
Auswahl. Im zweiten Band erhalten wir Predigten:
zuerst die berühmten Homilien über das Hexameron,
dann die meisten der von den Maurinern zusammengestellten
prächtigen Homiliae diversae (es fehlen nur
Nr. 2. 12. 17. 23. 24), die Homilie zu Ps. 15,5 „gegen
die Wucherer" und die von Usener für den echten Basilius
reklamierte Weihnachtspredigt (2, 595 Bened.). Stellen
schon die Basiliushomilien große Anforderungen an
die Kunst des Übersetzers, so werden noch größere
Schwierigkeiten in den Reden des Gregor von Na-
zianz geboten. Ph. Haeuser hat die Aufgabe übernommen
, sie sämtlich zu übersetzen und legt in Bd. 59
die ersten 20 Reden der Maurinerausgabe vor. Nur
einem mit dichterischer Vollmacht das Deutsche meisterndem
Künstler kann es gelingen, diese rhythmisch tönende
und eigenwillig die Worte wählende „asianische" Rednersprache
nachzuschaffen. Danach hat Haeuser nicht
gestrebt. Er bietet dem Leser eine ordentliche, aber
nüchterne und prosaisch klingende Übersetzung, mit nützlichen
Einleitungen und Anmerkungen. Und dafür wird
man ihm danken dürfen.

Für die Predigten des Johannes Chrysostomos
hatte J. Chr. Baur eine wirkliche Musterübertragung in
seiner Bearbeitung der Matthäushomilien geliefert. J.
J a t s c h bemüht sich in der Übersetzung der Homilien
zum Römerbrief, diesem Vorbild gleichzukommen, und
| bringt eine gut lesbare Wiedergabe dieser fesselnden