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1933 Nr. 13

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234

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(ohne Kategorisierung)

Titel/Untertitel:

Nederlandsch Archief voor Kerkgeschiedenis. N. S. Deel XXIV 1933

Rezensent:

Köhler, Walther

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233

Theologische Literaturzeitung 1933 Nr. 13.

234

dem herren an dem tage und werden mir zu volke, und ich werde
■wonen in dinem mittele, und du wirst wissen, daz der herre der here
mich gesant hat zu dir. und der herre wirt besitzen Judam sin teil in
dem geheiligeten lande und wirt noch irwelen Jherusalem. stelle si alles
■vleisch vor dem antlitze des herren, wen er hat sich ufgemachet von
sinir heiligen wonunge.

Es ist Ziesemer bewußt, daß er die Handschrift dazu
Jierausgibt, daß an ihr Arbeit getan werde. Eine Frage,
•die mir bei der Lektüre gekommen ist, mag darum gestattet
sein. Es fällt schon bei flüchtigem Lesen auf,
•daß das dominus (+ deus) exercituum der Vulgata nicht
gleichmäßig wiedergegeben ist. In den kleinen Propheten
heißt dominus exercituum „herre der here", bei Jesaja
und Jeremia „herre der engil" oder, in lebendiger Abwechslung
, wo es rednerisch eindrucksvoller im Zusammenhang
ist „der engil herre". Wie das angesichts der
durch das Akrostichon der gereimten Vorrede bezeugten
einheitlichen Verfasserschaft des Claus Cranc zu erklären
ist, weiß ich nicht. Es kommt einem aber auch
im allgemeinen so vor, als ob die Übersetzung der
großen Propheten einen etwas freieren Charakter trüge
als die der kleinen. Claus Cranc muß sein Verfahren
im Laufe der Arbeit gemodelt haben. Die von Ziesemer
herausgehobenen Beispiele für gelegentlichen Reim (siehe
Jerem. 8,18 in den Proben) und Stabreim gehören
mit einer Ausnahme Jesaja und Jeremia zu.

Oöttingen. _E. Hirsch.

Jahrbuch für Brandenburgische Kirchengeschichte. Hrsg. i.
Auftrage d. Vereins f. Brandenburgische Kirchengeschichte von Lic.
Walter Wen dl and. 27. Jhrg. Berlin: M. Warneck i. Komm. 1932.
(167 S.) gr.8°.

Dieses Jahrbuch enthält wieder mehrere Fortsetzungen, und es darf
■wohl die Frage aufgeworfen werden, ob es nicht zweckmäßiger wäre,
die betreffenden Arbeiten im Ganzen zu bringen statt auf zwei oder
mehr Jahrgänge zu verteilen. Der Herausgeber hat das letztere Verfahren
eingeschlagen, weil er das Ziel verfolgt, in jedem Bande Arbeiten
aus verschiedenen kirchengeschichtlichen Perioden zu bringen und damit
verschiedene Leser-Interessen zu befriedigen. Es fragt sich aber
doch, ob nicht der entstehende Nachteil größer ist als dieser Vorteil.
Gottfried Wentz bringt den 2. Teil seiner „Regesten aus dem Vatikanischen
Archiv zur Kirchengcschichte der Mark Brandenburg und angrenzender
Gebiete im Bereich der Diözesen Brandenburg und Havelberg
", worunter besonders beachtenswert die Nachrichten über den
Streit zwischen dem Bischof von Brandenburg und dem Rat der Stadt
Wittenberg 1512 ff. wegen des von jenem verhängten Interdikts. Daran
schließt sich der 3. (Schluß-)Teil der Monographie von Kurt Klinkott
über „das Karthäuser Kloster .Barmherzigkeit Gottes' bei Frankfurt
a. O." Helmut Bahlow fügt u. d. T. „Zur Geschichte der Kartäuserprovinz
Sachsen (Die Kartause bei Frankfurt a. O.)" Ergänzungen
und Berichtigungen hinzu, von der Ordensgeschichte, nicht der Ortsgeschichte
ausgehend. Hans Volz handelt über „Die Vermählung
des Brandenburger Bischofs Matthias von Jagow i. J. 1541", auf Grund
eines Schreibens Jagows an den auf dem Reichstag in Regensburg weilenden
Kurfürsten Joachim II. vom 23. Juni 1541, in dem er wegen des
Termins für Beilager und Wirtschaft (die Trauung hatte am 19. Juni
stattgefunden) anfragt und eine Liste von über 100 Gästen vorlegt,
deren Ladung er beabsichtigte; in einem beigefügten Schriftstück, in
dem der Kurfürst dem neuvermählten Paare im Herbste 1541 das Dorf
Wachow verschreibt, betont er ausdrücklich, daß die Vermählung „mit
seinem Rat, gut Wissen und Willen" erfolgt sei. Rudolf Lehmann
liefert „ein Bild aus der Zeit der Gegenreformation": „Die Saganer
Reductionscommission in Leuthen, Kr. Sagan, und das Nieder-Hospital
in Sorau Niederlausitz 1668", indem er den Bericht der beiden Hospitalvorsteher
an den Grafen Ulrich von Promnitz vom 21. März 1668 über
das Auftreten der Commission in Leuthen an diesem Tage abdruckt. Es
folgt ein 2. Kapitel von Bruno Altenburg über „Die Mystik im
lutherischen Pietismus, dargestellt auf Grund der Erbauungsschriften
Johann Porsts (1668—1928)". Am umfänglichsten ist der letzte Beitrag
von Paul Schwartz: „Die beiden Opfer des preußischen Religionsedikts
vom 9. Juli 1788, J. E. Schulz in Oielsdorf und K- W. Brum-
berg in Berlin." Er schildert zunächst nur das Verfahren gegen „Zopfschulz
", wozu er nicht nur die Akten des geh. Staatsarchivs in Berlin,
sondern auch die Manualakten des Kriminalrats Amelang, des Verteidigers
Schulzens, benutzt hat, die aus dessen Nachlaß in das Berliner
Staatsarchiv gekommen und bisher noch nicht herangezogen worden sind.
Es ist ein besonderes Verdienst des Herausgebers, daß er, wie er selbst
durch wertvolle Studien die Aufklärungszeit aufgehellt hat, derartigen
Abhandlungen im „Jahrbuch" Raum vergönnt und dadurch weitere Arbeiten
auf diesem Oebiete anregt

Zwickau i. Sa. O. C1 e m e n.

Nederlandsch Archlef voor Kerkgeschiedenis. N. S. XXIV.

Leyden: M. Nijhoff 1932. (292 S.) gr. 8°.
Im 1. Hefte schreibt Prof. G. D. Henderson aus Aberdeen über
„Scotland and the Synod of Dort. Einleitend mit einem kurzen Überblick
über die Beziehungen zwischen Schottland und Holland, unter
denen auch solche des Arminianismus sind, schildert er die Tätigkeit
des von König Jakob deputierten Walter Balcanqual, eines aus Schottland
gebürtigen clergyman of the Church of England, also eines Außenseiters
auf der Synode, um dann das Für und Wider gegen dieselbe in
Schottland darzustellen. — J. Smit: Michiel Andrieszoon, de eerste
predikant van den Haag, beleuchtet in sehr interessanter Weise eine im
niederländischen Protestantismus der Reformationszeit lebendige Richtung
der Opposition gegen die Kirchenzucht der Klassen und Synoden zugunsten
der Obrigkeit. Als dann die Utrechter Union die nördlichen
Niederlande auf sich selbst stellte, brach die Opposition zusammen und
der hin und her geworfene Pfarrer Andrieszoon wurde vertrieben — „het
eerste groote echec van wat later de Arminiaansche beginselen zouden
zijn". — L. Aalders: De jaren 1762 en 1785 in de Geschiedenis van
het protestantisme te Aken-Vaals teilt zwei Verordnungen der Stadt Aachen
zum Schutz der Protestanten im benachbarten Vaals mit bezw. einige
Dokumente betr. die Gemeinde Vaals.

Das ganze zweite Heft füllt die lehrreiche Arbeit von E. Beins:
Die Wirtschaftsethik der calvinistischen Kirche der Niederlande 1565 bis
1650 (in deutscher Sprache). Natürlich knüpft Vf. bei Max Weber an
und prüft seine These an Hand von Akten und Literatur. Sein Resultat
ist: „die Wirtschaftsethik der niederländischen calvinistischen Kirche kann
man nur als eine recht unvollkommene Ethik des Kapitalismus ansprechen.
Erst nach 1650 hat die calvinistische Ethik eine Entwicklung genommen,
die sie zu einer adäquaten des Kapitalismus machte". Das schließt nun
aber durchaus nicht aus, daß die den Kapitalismus fördernden Elemente
sehr stark sind, man vgl. das über den Beruf Gesagte und das über die
Arbeitsintensivität. Daß der „Geist des Kapitalismus" aus dem Calvinismus
entstanden sei, hat M.Weber nie behauptet, und sein Gegenspieler
Taroney ist mindestens so einseitig wie er.

Im Doppelhefte 3/4 schreibt R. H. Bainton über „William Postell
and the Nethcrlands", die Beziehungen zu den Täufern, speziell zu Joris
aufdeckend. — J. N. Bakhuizen van den Brink: De cathedrae
der Romeinsche Catacomben referiert über die Forschungen von Klausner
und Marucchi, um seinerseits zu vermuten, daß die cathedrae nicht eindeutig
zu bestimmen sind, vielmehr teils als Sitze für die Verstorbenen,
teils für lebende Teilnehmer an den Gräberkultmahlen zu deuten seien. —
O. P. van Itterzon: Koning Jacobus I en de Synode van Dordrecht
fußt auf der aus dein Exeter College in Oxford mitgeteilten Instruktion
des Königs an seine Deputierten, und zeigt, wie der offiziell nicht zur
Synode Eingeladene eine möglichste Annäherung an die englische Kirche
unter Ausschluß der Remonstranten erstrebte. — H. van Alfen: Docu-
menten betreffende Jan van Sol en zijn voorstel tot vervolging der weder-
doopers bringt sehr interessante Berichte und Verhörsprotokolle zur Geschichte
der holländischen Täufer 1550ff. — J. A. Eekhof: Aantekening
uit de geschiedenis van de kerk te Anloo gibt zuerst einen kurzen Überblick
über die Geschichte der Gemeinde, um dann seine Wünsche für
die Restauration der mittelalterlichen romanischen Kirche zu formulieren.

Buchbesprechungen und eine Bibliographie der Werke zur niederländischen
Kirchengeschichte sind von den beiden Herausgebern Eekhof
und Lindeboom beigefügt.

Heidelberg._ w. Köhler.

Pestalozzi, Samtliche Werke. Hrsg. v. A. Buchenau, E.
Spranger, H. Ste11bacher. 10. Bd.: Schriften a. d. Zeit von
1787 — 1795. Bearb. v. Emanuel Dej ung u. Herbert Schönebaum.
13. Bd.: Schriften a. d. Zeit von 1799-1801. Bearb. v. Herbert
Schönebaum u. Kurt Schreinert. Berlin: W. de Oruyter &
Co. 1931 u. 1932. (VII, 538 u. VII, 556 S.) gr. 8°.

10. Bd. RM 21.15; 13. Bd. RM 22.50.
Die beiden neuen vorliegenden Bände reihen sich den
erschienenen (vgl. Theol. Literaturzeitung 1931) würdig
an. Alles damals über Sorgfalt der Herausgabe, Anlage
und Ausstattung Gesagte gilt auch hier. In dem 10. Band
sind vor allem kleinere Schriften mit stark sozialem und
politischem Inhalt zusammengestellt, in denen die französische
Revolution und ihre Auswirkung nachzittert,
meistens kleinere Abhandlungen, darunter z. B. die über
„Sanskulottismus und Christentum" 1794. Sie sind auf
Grund der Handschriften von den Herausgebern neu
bearbeitet, so daß sie, früheren Ausgaben gegenüber,
stark verändert erscheinen. Auch hier sind doppelte
Fassungen nebeneinander geboten, wie bei dem Aufsatz
„Ja oder Nein?" Äußerungen über die bürgerliche Stimmung
der europäischen Menschheit in den oberen und
unteren Stenden, von einem fryen Man". Zunächst ist
„der Entwurf, im Hornung 1793" abgedruckt (S. 75 bis.
1041; dann die vollständige Fassung, ergänzt (S. 105 bis,