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Ausgabe:

1932 Nr. 7

Spalte:

168

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Keller, Samuel

Titel/Untertitel:

Aus meinem Leben. 1. Bd., 16. u. 17. Tsd. 2. Bd., 2. Aufl 1932

Rezensent:

Usener, Wilhelm

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Theologische Literaturzeitung 1932 Nr. 7.

168

benutzt annehmen — die das Kerygma glaubten, haben ' Herrlichkeit des Christus". Nun braucht man nur ein
diese Geschichten von Jesus geglaubt und darin Etwas } paar Lieder, die von Herrlichkeit Gottes sagen, auszu-
zu ihrem Kerygma Passendes gesehen. Oder zum 5. J suchen einige Sprüche und Gebete des gleichen InSonntag
nach Trinitatis: die Perikope Luk. 5,1—11 (S. halts — und ein einheitlicher Gottesdienst ist da. Die
159). ,Der Menschenfischer Petrus wurde als solcher j liturgischen knappen Sätze, in denen viel Wissen um
von Jesus in dessen Erdentagen bezeichnet, nach der j alte Liturgien steckt, sind etwas Neuartiges in diesem
Verherrlichung des Herrn von ihm durch ein Gleichnis- j Kommentar und haben für den, der sie zu lesen und zu

wunder recht eigentlich ausgesandt; Lc. sieht das
Wort und die Tat des Herrn zusammen... So wird
diese Perikope zum Zeugnis dafür, daß der Auferstandene
derselbe ist, dasselbe spricht und will, was der
Erdenpilger Jesus von Nazareth gewesen, gesprochen
und gewollt. Die ,Menschenfischerei' für das Reich
Gottes i s t der Wille des verherrlichten Christus, und
diese Menschenfischerei betreibt der Herr durch
Menschen."

Es sind zweifellos ganz überraschende Lichter, die
F. von seiner These aus auf die einzelnen Perikopen
fallen läßt. Er bringt es fertig, jeden Text dadurch zu

nützen versteht, einen sehr großen Wert.
Bonn. F. Haun.

Keller, Samuel: Aus meinem Leben, l. Bd. 16. u. 17. Tsd.
(278 S. m. 1 Bildn.) o. J., 2. Bd. 2. Aufl. [1924]. (243 S.) kl. 8°.
Meiringen: W. Loepthien. geb. je RM 5.20.

Wer Samuel Keller gekannt und gehört hat, wird an seine Lebenserinnerungen
von vornherein mit der Erwartung herantreten, daß ihre
Lektüre nicht langweilig sein wird, und ist in dieser Erwartung nicht
getäuscht. Es ist ein hochinteressantes und wechselvolles Leben, in der
uns der Verfasser einen Blick tun läßt. Aus der Schweiz stammt der
Vater, ein Lehrer, von streng pietistischer Haltung, der nach Petersburg

letzterem empfängt er manche Anregung, ohne mit seiner Kritik ihm
gegenüber zurückzuhalten, seine einzige größere theologische Arbeit beschäftigt
sich mit „Die christliche Vollkommenheit nach A.R." Dann
geht es über die Hilfspredigerstelle in St. Petersburg trotz der dortigen
Wahl zum Pfarrer auf Verfügung des Konsistoriums nach Grünau in
Südrußland zu den deutschen Kolonisten, in diese Zeit, die sehi anschaulich
geschildert und wie übrigens alles in dem Buch fällt seine
„Bekehrung", von ihm selbst in Anführungsstriche gesetzt, von ihrer

uns sprechen zu''lassen. Freilich ist damit verknüpft, j .ommt/ wo df Boh,n zf0Kn. wirdj bald zifht d|f ,wfer "ach

jniii iz-j w/j __:„ ..__i ArensDurg auf Ose. Von einer strengen Jugend berichtet K-, schon

daß letzten Endes fast jedes Wunder Gleichnis und früh muß £r verdienen und die Familje mitlinterhaIten. schwieri' ist

jede Geschichte Symbol Wird. Die erste Gemeinde , das Studium der Theologie in Dorpat zu ermöglichen, von merkwür-

glaubte an die Tatsächlichkeit dieser Wunder und Werke | digen Führungen wie auch im späteren Leben wird erzählt und von

— ZU Uns sprechen Sie aber nur als Ausdruck des Glau- I neben dem Studium hergehender Arbeit, um für sich und die Familie

bens dieser Gemeinde, der es feststand, daß Jesus der l Geld zu verdienen. Im theologischen Verein, dessen Vorsitzender er

Christus Gottes ist. Damit wird das „Geschichtliche" wird, drehen sich die Debatten vor allem um Häckel und Ritschi, von
in das fromme Bewußtsein der ersten Gemeinde gelegt.
Sie hatte Ostern erlebt, den Herrn gesehen und glaubte
das alles. Was war ihr aber nun „notwendig" von
allen Geschichten für ihre Verkündigung und worauf
legte sie weniger Gewicht? Die Frage bleibt offen. F.
sucht sie für sich so zu lösen, daß er Texte, die für
das Kerygma keine Bedeutung haben und die sich nicht

mit ihm in Verbindung bringen lassen, aufgibt. Hier ! Wirkung in seiner Arbeit spricht er ausführlich. Hier beginnt auch

muß ich ein Bedenken anmelden, Über das länger ZU | seine literarische Wirksamkeit. Manches aus dieser Zeit hat er in seinen

SDrechen wäre 1 Erzal,,unaen und Romanen verwendet. Weiter geht es in die Krim,

t ' ! wo 104 Ortschaften zu seinem Pfarrsprengel gehören, auch in die wirt-

Es ist das Einzige, das ich ZU Fendts Buch habe, j schaftlichen Verhältnisse tun wir interessante Einblicke. Allerhand

Eine Weile lang habe ich nach F. Kommentar meine i Schwierigkeiten, die sich aus der eifrigen Amtstätigkeit des jungen

Predigten vorbereitet, um den praktischen Wert seines j Pfarrers ergeben, daher das Mißtrauen der russischen Behörde, so daß

Buches ZU erproben. F. zwingt zur Arbeit: Man kann j Sibirien droht, sind die Veranlassung zur „Flucht aus Rußland" und

Seine Gedanken Und Ausführungen nicht „benutzen". ! der Übernahme des Postens eines Generalsekretärs der deutschen Sitt-

Man muß sein griechisches Test,. ent aufschlagen und j -H^^t ^^TäJTnSZ

dann mit diesem Kommentar zur Seite sich gründlich , in Dflsseldorf berufen, wo ihm eine große Wirksamkeit beschieden ist.

mit Text und Geschichte auseinandersetzen. Das ist , Das Leben einer lebendigen rheinischen Gemeinde trägt den jungen

das große Verdienst dieses Handbuches, daß es alle, Pastor empor, doch auch Schwierigkeiten mit alten Kollegen und den

die es gebrauchen ZU schwerer, mühsamer Arbeit zwingt. reichen Gliedern der Gemeinde gibt es. So legt nach siebenjähriger

F. weiß, daß, wer predigen will, zuvor gründlich sich I Tätigkeit K. sein Amt nieder und wird freier Evangelist,

mit der Schriftstelle beschäftigt und auseinandergesetzt j Der zweite Band behandelt nun die fast ein v.erteljahrhundert

haben muß. Uns Prediger dazu wieder anzuleiten, ist ! währende große evangelistische Tätigkeit in ganz Deutschland und vielen

n dj .i.. j- r- , wi. i f.- . andern Landern; K. gibt hier einen wertvollen Beitrag zu der kirchen-

die große Bedeutung die F.'S Welk für unsere Kirche . Reschichtlich bedeutsamen Bewegung der Evangelisation, zumal immer

hat. Ich wünschte, alle jungen Pfarrer schafften sich J wjeder die sich in ihr und aus ihr ergebenden Probleme besprochen

sein Buch an und machten es Sich zur Pflicht, einmal werden. Auch die Gemeinschaftsbewegung wird ausführlich behandelt,

ein Jahr lang über die alten Perikopen zu predigen und I so hoch K. die Gemeinschaft schätzt, so kennt er doch z. T. aus persön-

Sich an der Hand dieses Kommentars vorzubereiten. Sie • lichster Erfahrung auch ihre Schattenseiten. "Hochinteressant berichtet

werden den Segen an sich und ihrer Predigt spüren. K- über seine evangelistische Tätigkeit mit all ihren Erfolgen und

, . _ . , o Schwierigkeiten. Mit vielen interessanten Menschen hat ihn seine Tätig-

Etwas ganz besonders Feines gibt r. m kurzen Be- keit zusammengeführt. Auch Proben von volkstümlicher bilderreicher

merkungen zur „liturgischen Einheit". Er stellt Evange- i Beredsamkeit finden sich. Von besonderem Wert für das praktische

Üum Und Epistel zur ILU.gischen Einheit zusammen. Auch i Pfarramt sind dann die letzten Kapitel mit vortrefflichen Winken für

das Entferntliegendste weiß er fein ZU verbinden, z. B. j die Seelsorge und guten psychologischen Beobachtungen, Seelsorger der

2. Sonntag nach Eph. Evangelium Jon. 2, 1—1 1 ; Epistel Sprechstunden, Seelsorge an unverheirateten Mädchen, Zur Seelsorge der

Rm. 12,7-16. Dazu bringt er „die liturgische Ein- 1 Ehe, Gemeinschaftsbewegung Evangelisation und Fürbitte

heit" Von d<er Hochzeit tu Kann dürfte wohl kein Ii- In dem ganzen Buch beSeKnet uns em ^verständliches Selbst-

neit . von der Hochzeit zu Kana -urtte woni Kein n- < bewußtsei dem aber immer wieder eine starke Selbstkritik die Wage

turgiscner Verbindungsweg sein zu den Mannungen der . hält & ist gewiß keine fromme Redensart, wenn er schreibt: Meine

Epistel. Aber allerdings besteht für uns ein Inhalt- ganze Seelsorgerarbeit gehört zu den Dingen, die mich am meisten be-

licher Zusammenhang, sobald wir auf Christus blicken: [ schämen. „Doch da ist Jesus Christ Priester und Versöhner aller seiner

die Herrlichkeit des Christus wird am Evangelium ver- i Diener."

kündet und in dem Epistel ist das Thema: Wir in der | Pouch bei Bitterfeld. Wilhelm Usener.

Beiliegend das 1. H Ii (Jahrg. XI) des „Bibliographischen Beiblattes".
Die nächste Nummer der ThLZ erscheint am 9. April 1932.

Verantwortlich: Prof. D. W. Bauer in Göttingen, Düstere Eichenweg 46.
Verlag der J. C. H i n ri c h s'schen Buchhandlung in Leipzig C 1, Scherlstraße 2. — Druckerei Bauer in Marburg.