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Ausgabe:

1932 Nr. 7

Spalte:

159-160

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Butler, Cuthbert

Titel/Untertitel:

Benediktinisches Mönchtum 1932

Rezensent:

Dörries, Heinrich

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159

Theologische Literaturzeitung 1932 Nr. 7.

160

Tatsache S. 131) nicht zur Geltung, und dies ist tn. E.
der schwerste Fehler der Untersuchung, neben dem aber
der andere steht, daß der Verf. die Frage ganz vom
Standpunkt des individuellen Heils aus behandelt, während
Paulus die „Heilsgeschichte" schlechterdings nicht
vom Gesichtspunkt des Individuums aus versteht (Charakteristisch
ist, daß der Verf. das fa Xoiotcö ohne Rücksicht
auf den Begriff des owua Xyiaroö behandelt). Wie
unterscheidet sich also die Vergegenwärtigung von Tod
und Auferstehung Jesu von der Vergegenwärtigung geschichtlicher
Vergangenheit, wie sie sich sonst in der
vielgestaltigen Tradition vollzieht? Wie entspricht solche
spezifisch christliche Vergegenwärtigung dem besonderen
Charakter der Jesusgeschichte als einem Heilsgeschehen
? Der Verf. hat sich für solche Fragen den
Weg auch dadurch verbaut, daß er in einer mir nicht
recht klaren Weise sagt, er stelle im 3. Teil die „Innenseite
" der „Existentialität" der neuen „Situation" dar,
während sie vorher nur von außen („phänomenologisch
"!) dargestellt sei. Als ob, wenn mit dem Gedanken
von Situation und Existenz Ernst gemacht wirdr überhaupt
von außen und innen geredet werden könnte!

Ein Anfänger darf nicht überfordert werden; und
ich möchte durch meine Kritik nicht den Eindruck erwecken
, als enthalte das Buch nicht ernsthafte und
fördernde Arbeit, und als könne vom Verf. nicht noch
Gutes erwartet werden. Eben weil ich Gutes erwarte,
hoffe ich ihm mit meiner Kritik zu dienen.

Marburg._R. Bultmann.

Butler, Abt Cuthbert: Benediktinisches Mönchtum. Studien
über benediktinisches Leben und d. Regel St. Benedikts. Autorisierte
Deutsche Übersetzung. St. Ottilien, Oberbay.: Missions-Verl. 1929.
(XV, 491 S.) gr. 8°. geb. RM 14-.

Collationes eines yiotov, der aus Studium und Erfahrung
jungen Ordensbrüdern bereitwillig von der Vergangenheit
ihres Ordens berichtet, zu sinnender Betrachtung
der Ordensgeschichte: die locker verknüpften Kapitel
über benediktinische Askese, Armut, Gelübde, Gebet
, über Grundzüge, Geist und Geschichte der Verfassung
bilden eine Art historischen Kommentars zur
Benediktinerregel, deren Hauptgedanken an ihren geschichtlichen
Wirkungen und Abwandlungen erläutert
werden. In der starken Gegenwartsbezogenheit, die auch
die Darstellung der Frühzeit für die Beurteilung der
modernen Ordensverhältnisse fruchtbar macht, liegt Reiz
und Grenze des Buches, sein Wert nicht zuletzt darin,
daß hier ein angesehener Gelehrter, der 12 Jahre an
der Spitze einer großen Abtei stand, aus umfassender
Kenntnis heraus das Bild der benediktinischen Gegenwart
dem Urbild gegenüberstellt. Aus der Geschichte
des Ordens, die in Umrissen entworfen und nur für einige
charakteristische Einzelzüge ausgeführt ist, sei
auf den Abschnitt über die gelehrte Epoche, d. h. die
Mauriner-Kongregation hingewiesen. Im übrigen wird
der Besonderheit des Benediktiner-Mönchtums gegenüber
den anderen mittelalterlichen Formen klar und mit
schöner Abgewogenheit des Urteils nachgegangen, auch
mit ruhiger Unbefangenheit die ursprüngliche Meinung
des Stifters angesichts späterer Umbildungen im eigenen
Orden festgestellt.

Nicht ebenso gut dürfte die Abgrenzung seines
Ordens vom vorbenediktinischen Mönchtum gelungen
sein. Zwar die literarische Unabhängigkeit der regula
Benedicti kann im wesentlichen als gesichert gelten. Aber
wenn B. die Lebensgestaltung in Monte Cassino weniger
eine Weiterentwicklung als eine Umwälzung, beinah Neuschöpfung
des monastischen Lebens nennt (S. 44), wenn
er meint, daß das lateinische Mönchtum des beginnenden
VI. Jahrhunderts, „so sehr es sich in der Praxis dem
Zönobitentum näherte, in der Lehre immer noch die
ausgeprägten Züge des ägyptisch-antoninianischen Ein-
siedlertums aufwies" (S. 20), wenn er danach die Eigenart
der neuen Gründung darin sieht, daß sie die
ausgeprägte Persönlichkeitspflege und die strenge Bußordnung
der Urzeit zu einem „Leben der Gemeinschaft"

umschuf, so wird man diese Behauptungen ebenso in
Frage ziehen müssen, wie die über den Anfang des
christlichen Mönchtums selbst: ist wirklich seine Ge-
] burtstunde der Tag, an dem Antonius aus der ver-
j fallenen Feste am Nil hervortrat (S. 11)? Hier scheint
I mir die Auffassung des Verfassers einer Revision be-
J dürftig zu sein, während sonst sein Buch nicht nur
Sympathie sondern auch Beachtung verdient.
Göttingen. H. Dörries.

Lortzing, j.: Wie ist die abendländische Kirchenspaltung
entstanden ? Reformationsgeschichtl. Abhandlgn. Paderborn: F.
Schöningh 1929. (236 S.) 8°. RM 6.50; geb. 7.50.

Das Buch ist durch Äußerungen Karl Heim's in
seinem „Wesen des evangelischen Christentums" angeregt
. Während Heim, historisch auch m. E. anfechtbar,
die Entstehung der abendländischen Kirchenspaltung
allein auf den Ablaßstreit zurückführt, sucht L. zu beweisen
, daß die Wurzel der reformatorischen Bewegung

i nicht in Luthers Auftreten gegen kirchliche Mißbräuche
sondern in seiner inneren Loslösung von der katholischen
Kirche auf Grund seiner Rechtfertigungslehre zu
suchen ist. Er verbindet mit diesem Beweis eine scharfe
Polemik gegen Luther.

Ich zeige das hier an, damit auch nicht der geringste
Verdacht entstehen kann, als ob wir das Buch
L.s totschweigen wollten. Im Übrigen aber muß ich jedes
, positive wie negative, Eingehen auf das Werk ablehnen
. So gern wir bereit sind, jedem geborenen Katholiken
oder auch jedem ehrlichen Konvertiten gegenüber
Rede und Antwort zu stehen — wer sich auf dem Titelblatt
„ev. P. emer. in Göttingen" nennt, also von einer
ev.-luth. Kirche sein Brot nimmt, und doch seinem Buch
einen Zettel beilegen läßt des Inhalts: „Das Buch enthält
nichts, was der katholischen Glaubens- und Sitten-

j lehre widerspricht. Paderborn, 13. Sept. 1929. BischöfL
Generalvikariat. gez. Rosenberg", der macht jede sachliche
Antwort auf sein Buch, auch jede polemische, unmöglich
.

Kiel-Voorde. Kurt Dietrich Schmidt.

Kaspar, Dr. P. Adelhard, O. S. B.: Die Quellen zur Geschichte
der Abtei Münsterschwarzach am Main. Ein Beitrag z. Geschichte
d. Benediktinerordens i. Franken. München: R. Oldenbourg
in Komm 1930. (XII, 86 S.) 8°. = Studien u. Mitteilen, z. Gesch.
d. Benediktiner-Ordens u. seiner Zweige, hrsg. v. d. Bay. Benediktinerakademie
, 6. Frgänzungsh. RM 3—.
Pater Adelhard Kaspar geht in seiner Würzburger
Dissertationsschrift den Quellen seines an der wichtigen
Straßenkreuzung KLzingen Schweinfurt, Würzburg-Bamberg
am Ufer des Mains gelegenen und 1913 wiederer-
öffneten Klosters Münsterschwarzach nach. Er hat bei
sei. er Fahrt und Fahndung nach alten Chroniken und
Urkunden Glück gehabt und kann mit Stolz berichten,
daß er sogar einige (Band 2 und 3 des „Platanus")
durch fürstiich-reuß'sches Entgegenkommen wieder an
ihren Ausgangspunkt zurückbrachte. Wo das nicht gelang
, begnügte er sich mit einer sorgfältigen Registrierung
, Inhaltsangabe, kritischen Beurteilung und historischen
Würdigung der Urkunden und ihrer mutmaßlichen
oder einwandfrei bezeugten Verfasser. So behandelt er
im 1. Teil seiner Schrift (S. 9—61) die selbständigen
Chroniken über Münsterschwarzach und seine
Abte (darunter das bereits 1718 in seinem Wert von dem
bekannten Rechtsgelehrten Johann Peter Ludewig erkannte
und im Staatshandbuch „Novum volumen scripto-
rum rerum Germanicarum" veröffentlichte „Chronicon
Schwarzacense" sowie die 1572 von dem Humanisten
und fürstbischöflich Würzburgischen Rat Conrad Dinner
in lateinischen Hexametern verfaßte Geschichte der
Schwarzacher Äbte und Biographie seines Schülers, des
Abtes Johannes Bu;khard). Auch den in anderen Sammelwerken
enthaltenen Partien über Münsterschwarzach
, endlich den verschollenen,
aber anderwärts bezeugten Chroniken spürt der Verfasser
nach. Teil 2 (S. 65—76) bringt die Geschichte