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Ausgabe:

1932

Spalte:

121-123

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Schacht, Joseph

Titel/Untertitel:

Der Islam. Mit Ausschluß des Qor’ans 1932

Rezensent:

Strothmann, Rudolf

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Theologische Literaturzeitung

BEGRÜNDET VON EMIL SCHÜRER UND ADOLF VON HARNACK

unter Mitwirkung von Prof. D. HERMANN DÖRRIES und Prof. D. Dr. GEORG WO B B E R MIN, beide in Güttingen

HERAUSGEGEBEN VON PROFESSOR D. WALTER BAUER, GÖTTINGEN

Mit Bibliographischem Beiblatt in Vierteljahrsheften. Bearbeitet von Lic. Dr. phil. REICH und Mag. theol. H. SEESEMANN. beide in Güttingen.

Jährlich 26 Nrn. — Bezugspreis: halbjährlich RM 22.50

M.nu.kriptr und «rlrhrti- Millrilunfro lind aiKachlietlich «n Profei.or I). BAUER in Göllingcn, Dauern Kichenwrg 46, «u -r .,,!,,
Rr/rnaionaexcraplarr mi.achliefilich an den Verleg. GewShr für Besprechung oder Rücksendung von unverlangt geeendten Kezenstons.
exemplaren, besonders noch bei Zusendung nach Göttingen, wird nicht übernommen.

VERLAG DER J. C. HINRICHS'SCHEN BUCHHANDLUNG, LEIPZIG C 1
57. JAH RGANG, NR. 6 12. MÄRZ 1932

Spalte

Aulön: Das christliche Gottesbihi In Vergangenheit
und Gegenwart (Odenwald) . 140
Bibliotheca Mariana medii aevi (Seelierg) . . 136
Günther: Rassenkunde d. jüdischen Volkes

Spalte

Matthews: God (Schowalter).......140

N e u in a r k: Geschichte der jüdischen Philosophie
des Mittelalters (Baumgardt). ... 137
Pai sl ey: The Epic of the Nazarene(Dibelius) 130

(Jirku) ................123|Ring: Drei Homilien aus der Frühzeit Basi-

H e i t m ü 11 e r: Die Ki isis der Gemeinschafts-
bewegung (Fleisch) ............13"

Iwan: Um des Glaubens willen nach Australien
(Lerche)................138

Kolass: Raum ohne Volk (Lerche) .... 139

litis' des Großen (Dörries)........133

Robertson: Who was Jesus of Nazareth ?
(Dibelius)..................130

Spalte

Schacht: Der Islam (Strothmann) .... 121
Schulze: Grundriß der evangelischen Dog-

matik (Wendland)............. 139

Schwentner: Die Rechtslage der katholischen
Kirche (Lerche).......... 142

Sievers: Die Paulinischen Briefe (Dibelius) 131
V i 11 e r: Aux Sources de la Spiritualit£ de

Saint Maxime (Dörries).......... 135

Rothfels: Prinzipienfragen der Bismarck- jWeiser: Glaube und Geschichte im Alten
sehen Sozialpolitik (Piper)........1421 Testament (Hempel)............125

Die Preise der hier angezeigten vor dem 1. VII. 1931 erschienenen deutschen Bücher dürften inzwischen im allgemeinen entsprechend der

Notverordnung vom 8. XII. 1931 um mindestens 10% gesenkt sein.

Schacht, Joseph: Der Islam. Mit Ausschluß des Qor'äns. Tübin- | Lehren" stammt — und dann bedenke man beim Lesen

gen: J. C. B. Mohr 1931. (XII, 196S.) gr.8°. = Religionsgeschichtl. 1 stets, daß der Verfasser der berühmte Qhazali ist!

Lesebuch. 2., erw. Aufl. Hrsg. v. a. Bertholet, H. 16. Eben daß er in Europa gut bekannt zu sein scheint, da

RM 9.30; in Subskr. 8.40. j er jn jedem Handbuch zur Geschichte der Philosophie
Gegenüber dem entsprechenden Abschnitt in der j begegnet, hat ein ganz einseitig schiefes Bild ergeben;
ersten Auflage von 1908, S. 361—79, in dem A. Mez 1 der Islam hat ihn als Rechtslehrer mindestens ebenso
kennzeichnende Koranverse zusammenstellte, ist die vor- | wichtig genommen, und nur wenn man mit Sch. dem
liegende Sammlung eine vollständige Neuschöpfung. In | Ghazali noch weiter folgt zu seinem Glaubensbekenntnis
zuverlässiger und klarer, aber den arabischen Tenor wäh- und zu seinem ethischen Hauptwerk, empfängt man eine
render Übersetzung bietet sie einen vorzüglichen Quellen- j wirkliche Vorstellung auch von dem Philosophen; so
ersatz. Manche Probe aus entlegenen Drucken oder ; sind die hier gebotenen Ghazali-Abschnitte eine will-
Handschriften ist hier überhaupt zum ersten Mal zu- | kommene quellenmäßige Ergänzung zu der ansprechen-
gänglich geworden. Gleich die Gruppe Tradition den Studie von S. Zwemer, A Moslem Seeker after God
zeigt die Geschicklichkeit der Anlage; denn die unge- j (New York 1920). Sch. beschränkt sich auf den sunni-
kürzte 40 (42)-Auswahl des Nawawi umfaßt Kernstücke tischen Islam, ohne jedoch in der Dogmatik das
jener Sünna, die unter dem Namen des Propheten den j schiitische Kerndogma vom Imam zu übergehen, und
unzureichenden koranischen Religionsgehalt ergänzen ; erst aus dem dogniengeschichtiichen Material .zur Ausmußte
, und sie gewährt trotz der Knappheit noch Ein- i einandersetzung mit den Mutaziliten läßt er die sunni-
blick in das Wachsen der Tradition; man vergleiche die j tischen Glaubensartikel des bis heute maßgebenden
Erweiterung in 37 zu 1 „Die Handlungen sind nach den | Aschari nach dessen jüngst von H. Ritter herausgegebe-
Absichten zu beurteilen", einem viel zitierten Spruch, den ; nem Sektenbuch erwachsen und behält dabei den kaum
Ihn al-Dschauzi (hier S. 132) zum Kampf gegen eine minder autoritativen Katechismus des Nasafi bei, den
schaustellerische Frömmigkeit von Derwischen verwertet, auch D. B. Macdonald, Development of Muslim Theo-
Zu Nawawi treten aus den großen kanonischen Samm- logy, Jurisprudence and Constitutional Theory (New
lungen auch religionsvergleichend wichtige Sonderstücke, York 1903) 308—15, aufgenommen hatte. Die My-
so über Fürsprache des Propheten, Bilderverbot, Mahdi. j s t i k-Forschung der letzten Jahre ist dem Buch ganz be-
Die Arbeit am religiösen Gesetz, welches erst das j sonders zugute gekommen, und an Hand der Massignon-
wirklich Moslem-Sein ausprägt, ist den islamischen Ge- > sehen Sammlung hat mit umfangreichen oder knappsten
lehrten das „tägliche Brot", und Sch. ist auf diesem Ge- j Meditationen eine stattliche Reihe von Mystikern aus
biete im besonderen Sinne Fachmann; er wählt zwar nur j dem 2. bis 9. islamischen Jahrhundert Aufnahme ge-
zwei Texte aus, aber mit glücklicher Hand: einen theo- , funden. Sch. trennt genau zwischen Reformatoren
retischen von dem Schulhaupt Schafii über den Con- j und Modernisten. Daß man bei Muhammed Abduh
sensus als ein Prinzip der Gesetzesfindung, und einen ; zweifelhaft sein kann, deutet bereits das Vorwort an.
praktischen, die Beschreibung des Gottesdienstes, die Im Zusammenhang mit seinen anderen Schriften würden
gerade in personeller Hinsicht sehr erfreulich ist; man ; wir ihn eher den Reformern, und d. h. hier Rückwärts-
lese diese Kasuistik mit all ihren Subtilitäten zur Kör- j Blickenden, zuteilen; sein Reformislam ist Apologetik
perhaltung während der Verbeugungen, Prosternationen j mit Fanatismus. Seine Behauptung (hier S. 182), die
usw., dazu den Eventualitäten für körperlich Behinderte, 1 Reformation in der Christenheit stimme ziemlich mit
ferner den Einzelheiten vom Aussprechen verdoppelter i dem Islam überein, sticht auffällig ab gegen sein schrof-
oder Verwechseln ähnlicher Laute, von irgend möglichen ! fes Urteil über Luther und Calvin in seiner Schrift

Versehen in der Ausführung, und das alles behandelt
nach den sich widersprechenden Ansichten, da der Text
aus der Schule des genannten Schafii „mit den zwei

al-Islam wa n-Nasranija ma'a l-'ilm wa 1-madanija
(= Islam und Christentum im Verhältnis zur Wissenschaft
und Kultur, Cairo o. J.) 46—49. Es ist im übri-

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2.TU3.

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