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Ausgabe:

1932 Nr. 5

Spalte:

102-105

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Kirsch, Johann Peter

Titel/Untertitel:

Die Kirche in der antiken griechisch-römischen Kulturwelt 1932

Rezensent:

Koch, Hugo

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Theologische Literaturzeitung 1932 Nr. 5.

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zeugend, weil sie methodisch nicht entsprechend fundiert
sind. So wirkt merkmürdig manche apodiktisch vorgetragene
Behauptung, etwa der Satz S. 105: Der isr.
Gesetzgeber „hat den Begriff (kipper) als solchen (aus
dem Akkad.) übernommen und ihn rein mechanisch auf
israel. Vorstellungen angewendet". Oder S. 73: „Jedes
Verbot setzt eine irgendwie anders geartete Sitte voraus,
gegen die sich das Verbot richtet". Kann man das so
aussagen? Ein anderer Behelf ist die symbolische Erklärung
, wie sie für den Sperling beim Aussätzigen (S.
70) angewandt wird, — unter Zuhilfenahme des hl.
Thomas! S. 103 fragt der Verf., was mit „kipper" bedeckt
werden soll, — und denkt nicht an das Nächstliegende
, die Sünde! Der Ritus des Blutstreichens am
Altar soll den Sinn haben, daß „der Altar ... der Gottheit
nahegebracht wird" (S. 92). Was heißt das? Die
Beschneidung soll „dauernd ein Blutzeichen" sein ,(S.
84). Wieso? Anm. 49: „Die freigelegte Eichel erscheint
rötlich" (!). Weil alles von der Ebene der höheren
Frömmigkeit aus erklärt werden soll, „Vorgeschichte"
geleugnet wird, findet sich S. 49 die Behauptung, daß
Sündopfer bei Blutfluß, Geburt etc. mit der Vorstellung
zusammenhänge, daß solche „krankhafte Zustände Folge
irgend einer Verschuldung" seien! Nicht stark auftretend
, aber doch zu erkennen ist eine unbewußte
Überhöhung der israel.-jüd. Frömmigkeit. Es sieht
doch nach Apologetik aus, wenn S. 124 gesagt wird:
„Das isr. Sühnopfer fußt nirgends auf magisch-mechanischen
Vorstellungen". Nur außerhalb Israels soll ein
Zusammenhang von Riten mit Magie vorliegen (S. 100).
„Wirkungsvoller Ausdruck des bestehenden Bundesverhältnisses
" (S. 80) ist ein modernem, aber nicht antikem
Kult gemäßer Ausdruck! Mit „heidnischem Aberglauben
" (S. 38) ist doch im Rahmen religionswissenschaftlicher
Forschung recht wenig gesagt! Vielleicht haben
gelegentlich Vorstellungen vom eigenen (katholischen)
Priestertum, Kult und Kirchentum unbewußt Bilder des
A.T. deuten geholfen, und der Glaube an Christi Sühnetod
(S. 124) hat Prototypen gesucht.

Einige Druckversehen seien noch genannt:
S. X: Dussauds Buch ist nicht 1922, sondern 1921 erschienen
; es heißt nicht de la Sacrifice d'Israel, sondern:
du sacrifice israelite. Der Titel der Löhr'schen Arbeit
heißt „Räucheropfer", nicht „Rauchopfer", wie auf S.
54, Anm. 43. Der Forschername ist Goldziher, nicht
Goldzieher, wie er auch sonst in der Literatur oft begegnet
(hier S. XI und S. 37, Anm. 83).
Ober-Breidenbach i. Hessen. Adolf Wendel.

M o u 11 o n , James Hope, u. Wilbert Francis Howard: A Grammar
of New Testament Greek. Vol. II. Accidence and Word-
Formation. Part. 1 : General Introduction Sounds and Writing.
Part. 2: Accidence. Part. 3: Word-Formation. With an Appendix
on Semitism in the New Testament. Edinburgh: T. & T. Clark 1919,
1920 u. 1929. (XV, 114; VIII, 152 u. XXVIII, 277 S.) 8°.

Part. 1 : 7 sh.; Part. 2: 10 sh.; Part. 3: 12 sh.

Der zweite Band von Moultons Grammatik des ntl.
Griechisch, der in drei Teilen 1919, 1920 und 1929 ausgegeben
worden ist, ging der Th. Lz. erst 1931 zur Besprechung
zu, und ich beeile mich, das wichtige Buch
den deutschen Lesern, die es noch nicht kennen sollten,
vorzustellen. Als erster Band dient für uns die „Einleitung
in die Sprache des N.T.s" von J. H. Moulton, d.h.
die Übersetzung der 3. Aufl des englischen Originals
jenes Bandes, die auf Anregung von A. Thumb 1911
für die Indogermanische Bibliothek angefertigt worden
ist.

Die drei Teile des 2. Bandes enthalten die Lautlehre
, die Formenlehre und die Wortbildungslehre. Die
beiden ersten hat im wesentlichen noch Moulton selbst
geschrieben, ebenso das einleitende Kapitel über die
Wortbildung. Von da an trägt Howard die ganze Verantwortung
(p. 332—543), auch für das letzte Drittel der
Introduction (p. 22—34) Was er uns vorgelegt hat,
stellt die ausführlichste Behandlung des betr. Teils der
Grammatik des ntl. Griechisch dar, und wir freuen uns,

daß Moultons Tod das Erscheinen einer Syntax der ntl.
Sprache von entsprechendem Umfang "nicht verhin-
I dern soll.

Als Anhang hat H. eine Erörterung der Frage
: nach den Semitismen im N.T., eines Problems, dem
! sich die Forschung gerade in jüngster Zeit mit großem
| Eifer zugewandt hat, beigegeben (p. 411—485). Sie läßt
I besonders deutlich die Vorzüge erkennen, die das ganze
! Werk auszeichnen. Dieses legt, so wenig die Ansicht
| der Verfasser im Dunklen bleibt, doch den Hauptnachdruck
auf genaue Fragestellung und die lückenlose und
übersichtliche Ausbreitung des gesamten Stoffes, um
dem Leser zu eigener Urteilsbildung zu verhelfen.

Es ist unnötig, besonders zu betonen, daß die weitschichtige
Literatur zu unserem Gegenstand sorgfältig
I verwertet ist. Nur beiläufig sei bemerkt, daß der Ver-
1 fasser des Reallexikons der indogermanischen Altertumskunde
nicht O. Schradp, sondern Schräder heißt
j (XXIII).

Sehr ausführliche Indices, auch dem Lexikographen
von erheblichem Nutzen, stehen am Schluß. Sie machen
es möglich, jede der unzähligen Einzelheiten, die das
Buch enthält, in kurzer Frist aufzufinden. Die Gramma-
! tik teilt ja mit dem Wörterbuch das Geschick, in der
Regel nur aufgeschlagen, nicht jedoch im Zusammenhang
studiert zu werden. Je häufiger man aber das
Werk von Moulton und Howard zu Rate ziehen wird,
um so mehr wird man seine großen Vorzüge erkennen
und dankbar bewundern lernen. Abweichende Ansichten
an diesem oder jenem Punkt, etwa die Zurückrührung
des eXdxnaev Ag. 1, 18 auf ein kmoi (Th. Lz. 1929, 104),
statt Xav.ho (Grammar II p. 246) ändern daran nichts'.
Göttingen. W. Bauer.

Kirsch, Dr. Johann Peter: Die Kirche in der antiken griechisch-
römischen Kulturwelt. Freiburg i. Br.: Herder & Co. 1930.
(XIX, 875 S., 1 Kte.) gr. 8°. = Kirchengeschichte, unter Mitwirkg. v.
A. Bigelmair, J. Greven u. A. Veit hrsg. v. J. P. Kirsch, 1. Bd.

RM 25.50; geb. 30—.
Als das 1876 erstmals erschienene „Handbuch der
allgemeinen Kirchengeschichte" des damaligen Würzburger
Professors und nachmaligen Kardinals Joh.
Hergen röther in der vierbändigen 6. Auflage vergriffen
war, beschlossen der Herausgeber der letzten
Auflagen, Prof. J. P. Kirsch in Freiburg (Schweiz),
und der Herdersche Verlag im Hinblick auf den Fortschritt
der kirchengeschichtlichen Forschung und die
Vertiefung der geschichtswissenschaftlichen Methode,
eine umfassende Neubearbeitung des ganzen Stoffes vorzulegen
und jeden der wieder geplanten 4 Bände einem
eigenen, mit dem betreffenden Zeitabschnitt durch
wissenschaftliche Forschungstätigkeit besonders vertrauten
Fachgelehrten zu übertragen. Den ersten Band, der
das Altertum, die Kirche in der griechisch-römischen
Kulturwelt darstellt, behielt der bisherige Herausgeber
selbst bei, und da er gerade diesen Band schon bisher
am meisten bearbeitet hatte, so konnte er im Wesentlichen
die Einteilung und den Text der letzten Auflage
von Hergenröther-Kirsch der neuen Darstellung zu
Grunde legen. Nach einer „Vorgeschichte", die das
religiöse Leben bei den Heiden und Juden zur Zeit
der Entstehung des Christentums zeichnet, schildert das
erste Buch die Entstehung und Ausgestaltung der Kirche
im Rahmen des heidnisch-römischen Staates, in 4
Abschnitten: die Gründung der Kirche im apostolischen
Zeitalter; ihre Ausbreitung und innere Ausgestaltung
I bis zum Ende des 2. Jahrhunderts; die Entwicklung und
erste Blüte der kirchlichen Theologie nebst den trinitari-
schen Lehrstreitigkeiten bis zur Mitte des 3. Jahrhunderts
; die Zeit der großen Verfolgungen und der
i Sieg des Christentums. Das zweite Buch behandelt die
Kirche im christlichen Römerreich bis zum Trullanischen
Konzil 692, in drei Abschnitten : Sieg des Christentums
und Kampf gegen den Arianismus; die großen christo-
logischen Lehrstreitigkeiten; die Blüte der abendländischen
Theologie und der Lehrstreit über die Gnade (bis