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Ausgabe:

1932

Spalte:

97-98

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Herzog, Rudolf

Titel/Untertitel:

Die Wunderheilung von Epidauros 1932

Rezensent:

Bauer, Walter

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Seite 1

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Theologische Literaturzeitung

BEGRÜNDET VON EMIL SCHÜRER UND ADOLF VON HARNACK

unter Mitwirkung von Prof. D. HERMANN DÖRRIES und Prof. D. Dr. GEORG WOBBERMIN, beide in Göttinnen

HERAUSGEGEBEN VON PROFESSOR D. WALTER BAUER, GÖTTINGEN

Mit Bibliographischem Beiblatt in ierteljabrsheften. Bearbeitet von Lic. Dr. phil. REICH und Mag. theol. H. SEESEMANN. beide in Göttingen.

Jährlich 26 Nrn. — Bezugspreis: halbjährlich RM 22.50

UaaiukrteU und Belehrte Mitteilungen »ind a u ■»c h I i e fi 1 i eh an Professor D. BAUER in Güttingen, Düstere Eichenwep 46, an senden.
Reaensionseaemplare a u » » e h I i e 11 i e h an den Verlag. Gewlhr für Besprechung oder Rücksendung von unverlangt gesandten Reaeusions-
eaemplaren, besonders noch bei Zusendung nach Güttingen, wird nicht übernommen.

VERLAG DER J. C. HINRICHS'SCHEN BUCHHANDLUNG, LEIPZIG C 1
57. JAHRG ANG. Nr. 5 27. FEBRUAR 19.32

Spalte Spalte
Coleman- The Bible in Englisli Drama .Holzapfel: Katholisch und Protestantisch

(Hecht)...................112l (Schowalter).................112

Duhm: Der Weg des modernen Menschen [jekeli: Die Herrnhutische Bewegung in

zu Gott (Schowalter)...........1'4> Siebenbürgen (Renkewitz).........111

Gutmann: Die Wahlanzeigcn der Päpste
(Hessel)...................105

Kirsch: Die Kirche in d. antiken griechischrömischen
Kulturwelt (Koch).......102

Hajdu: Lesen und Schreiben im Spätmittel- K n i 11 er m ey er: Staat und Mensch (Scho-
alter (Hessel)................l°6j walter)...................115

Herzog: Die Wimdeibedungen von Epi-
dauros (Bauer)............... 97

[Luther:] D. Martin Luthers Werke
(Ficker)...................109

Spalte

Meinertz u. Donders: Aus Ethik und
Leben (Piper)...............Hfj

Mitteilung...................119

Moni ton u. Howard: A Grammar of
New Testament Greek. Vol. II (Bauer) . . 101

Schmaus: Der Liber Propugnatorius des
Thomas Anglicus ü. die Lehrunterschiede
zwischen Thomas von Aquin und Duns
Scotus (Latin)...............ifjo

Schötz: Schuld- und Sündopfer im Alten
Testament (Wendel)............ qg

Die Preise der hier angezeigten vor dem 1. VII. 1931 erschienenen deutschen Bücher dürften inzwischen im allgemeinen entsprechend der

Notverordnung vom 8. XII. 1931 um mindestens 10 % gesenkt sein.

Herzog, Rudolf: Die Wunderheilungen von Epidauros. Ein Heilberichte sind wir auf Vergleichsmaterial aus späte-
Beitr. z. Geschichte der Medizin u. der Religion. Leipzig: Dieterich- rer Zeit angewiesen. Epidauros hat nicht nur selbst

sehe Verlagsbuchh. 1931 (IV, 164 S. m. l Taf.) gr.8°. = Philologus, , Tochtergründungen hervorgebracht, sondern ist auch seit

Suppiementbd. xxil, H. 3. RM 10.50; geb. 12-. j hellenistischer Zeit Muster für fremde Kulte, einschließ-

Pausanias hat um 165 n. Chr. in Epidauros noch sechs lieh des christlichen, geworden und wirkt so bis in
Inschriftplatten gelesen, auf denen die Namen von Men- unsere Tage fort. H. zieht daher neben antiken Wünschen
, die Asklepios geheilt, dazu einige Einzelheiten dersammlungen heidnischer und christlicher Herkunft
betr. ihre Krankheit und Genesung aufgezeichnet stan- auch die „Mirakelbücher" süddeutscher Gnadenorte und
den (Beschreibung Griechenlands II 27, 3). Von diesen andere Zeugnisse für Wunderheilungen aus neuerer Zeit

Stelen sind seit 1883 drei vollständige und das Bruch- j zur Erklärung herbei.

stück einer vierten wiedergefunden worden. Hiller von ( Neben dem Wejterieben der Motive bis auf die Ge-
Gaertringen hat den erhaltenen Bestand 1929 in den genwart gilt es, das Verhältnis der Wunderberichte zur
Inscr. Graec IV2 1 zusammengefaßt, nachdem die zwei Wissenschaft und Praxis der zünftigen Medizin ihrer
ersten Stelen in der 3 Aufl. von Dittenbergers Sylloge Zeit nach Gehalt und Tendenz zu ermitteln. Hier ist
(Nr. 1168 f.) durch Wemreich neuerdings bearbeitet vor allem die Gegenüberstellung von Epidauros und

worden waren. . |<OS) diesem Hauptforschungsgebiet unseres Verf., lehr-

H. geht von einer, teilweise weiterfuhrenden, Aus- ; reich. Während Ärzte im Betrieb von Epidauros fehlen,

gäbe des griechischen Textes der 70 auf den Stelen be- j entfalten solche im Asklepieion von Kos eine sehr rege

richteten Heilungsgeschichten aus, der er einen Apparat, Tätigkeit. Doch zum vollkommenen Gegensatz darf
eine deutsche Übersetzung und einen Kommentar bei- dieser Unterschied nicht gesteigert werden. Denn, sieht

fugt. Trotzdem der letztere darauf verzichtet zu wieder- ; man naher ZU) so hat die medizinische Wissenschaft

holen, was schon Weinreich zur Erklärung beigebracht ; vertreten durch die Hippokratiker, die Einwirkung der

hat (S. 66), überrascht er durch seine Reichhaltigkeit, j Götter keineswegs ausschließen wollen. Nur gegen den

Weiterhin trägt H. zusammen, was sonstige Quellen | Schwindel betrügerischer Magier und Beschwörer wen-

etwa noch an Wundern von Epidauros mitteilen. ^ det man s,jch( gegen jhren Mißbrauch des Heiligen.

Von sprachlicher und stilistischer Untersuchung der Hatte Epidauros keine Ärzte, so lag es zum guten Teil
Inschriften ist bewußt abgesehen worden, was aber daran, daß es — anders als Kos mit seiner blühenden

natürlich nicht ausschließt, daß die Lektüre des Textes ' Medizinerschule — über solche nicht verfügte. Eine

und der gegebenen Erläuterungen auch in dieser Rieh- '<■ Art Kurbetrieb mit Wasserbädern und Heilgymnastik
tung allerlei ergibt. So bietet die sehr wahrscheinliche hat es trotzdem unterhalten und keineswegs alles vom

Ergänzung von C 107 einen profanen Beleg für die j Tempelschlaf erwartet. So schließen weder Epidauros,
Bedeutung von Inpö? = verdorrt von menschlichen Glied- wo die Hauptsache die göttliche Hilfe ist, noch Kos,
maßen. das den Nachdruck auf die Wirksamkeit der Ärzte legt,

Das, worauf es dem Verf. ankommt, ist ein Bei- : die Stellungnahme des anderen schlechthin aus. Der
trag nicht zur Geschichte der Sprache, sondern der Me- i richtige Weg liegt in der Mitte, wo ihn auch moderne
dizin und der Religion sowie der Beziehung beider zu Heilkunst wieder sucht, wenn sie sich dazu entschließt,
einander. Er meint zu'sehen, daß Epidauros und seine um dem Kranken zu helfen, auch jene Kräfte in Be-
Urkunden „geradezu der Ausgangspunkt der religiösen wegung zu setzen, die dem Menschen in die Seele gePropaganda
des Heilwunders und der Frage nach sei- ! legt sind.

ner Möglichkeit geworden sind" (S. 1). Für das Ver- j Görtingen. W. Bauer,

ständnis von Form, Inhalt, Quellen und Tendenz der

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