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Ausgabe:

1932 Nr. 4

Spalte:

85-86

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Diettrich, Gustav

Titel/Untertitel:

Des nestorianischen Patriarchen Elias III. Abu Halim Gebete zu den Morgengottesdiensten der Herrenfeste 1932

Rezensent:

Bauer, Walter

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Seite 1

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85

Theologische Literaturzeitung 1932 Nr. 4.

8t;

die Armenier, der faksimilierte Text nach der Handschrift
Mingana Syr. 347 (die noch eine weitere antiarmenische
Schrift des Bars, enthält, deren Herausgabe
aber nicht eilt; s. S. 494 f.) mit Übersetzung, Noten und
Einleitung. Die Polemik wendet sich zunächst gegen
die in Armenien weit verbreitete Irrlehre des Julian
von Halikarnaß, der behauptet, daß Jesus auf Erden
keinen vergänglichen Menschenleib getragen hätte. Dann
werden allerlei Gewohnheiten und kirchliche Bräuche
der Armenier bekämpft. Die Fragestellungen muten
den heutigen Menschen größtenteils reichlich trivial an,
geben aber lehrreiche Fingerzeige für die richtige Einschätzung
des religiösen Lebens.

Bars, führt den ersten Versuch, die Werke der
syrischen Väter ins Armenische zu übersetzen, auf den
Westsyrischen Patriarchen Athanasius (724—740 n.
Chr.) zurück (s. S. 492 f. 543). Er hat eine gute j
Kenntnis der Armenier, in deren Mitte er eine Zeitlang
gelebt hat; aber er ist auch gut theologisch und kirchen-
rechtlich gebildet. S. 519 zitiert er eine Stelle aus einem, |
m. W. sonst unbekannten, „Kommentar zum Richterbuch
" aus der Feder des Hippolyt von Rom.
Göttingen. W. Bauer. j

Diettrich, Lic. Dr. G.: Des nestorianischen Patriarchen
Elias III. Abu Halim Gebete zu den Morgengottesdiensten der j
Herrenfeste. Zum eisten Male hrsg., übers., erklärt u. untersucht. ;
Leipzig: O. Harrassowitz in Komm. 1931. (X, 95 S. u. 26 S. Syrisch) J
gr. 8°. RM 10—- !

In der Staatsbibliothek von Berlin befinden sich
drei syrische Handschriften mit Gebeten, die auf ;
Elias ML, der 1176 den Metropolitenstuhl von Nisibis i
mit dem nestorianischen Patriarchenthron von Bagdad
vertauschte, um ihn bis 1190 inne zu haben, zurück- '
geführt werden. Diettrich hat unter Zugrundelegung !
von Kod. Sachau 167 und vergleichender Heranziehung j
von Sach. 64 und Ms. or. qu. 1052 diejenigen Gebete j
veröffentlicht, die für die Morgengottesdienste der Herrenfeste
bestimmt waren. Es sind im Ganzen 15, von
denen die Haupthandschrift 9 dem Elias zuschreibt, wäh- |
rend die übrigen 6, die sie anonym enthält, von den j
anderen Kodizes als geistiges Eigentum oder doch als
Redaktionsarbeit des Elias in Anspruch genommen i
werden.

D. bietet den syrischen Text, eine deutsche Übersetzung
, Fußnoten zu dieser und eine Einleitung, die
sich über die Überlieferung, die Form und den Gedankengehalt
der Gebete im Zusammenhang verbreitet.
Elias war der griechischen und arabischen Sprache kun- |
dig und hat auch eine gewisse Kenntnis der in diesen
Sprachen abgefaßten Literatur besessen. „Die dualistische
Auffassung der Gnostiker vom Kampfe des Lieh- I
tes gegen die Finsternis, der urbildliche Charakter der
intelligiblen Welt Piatos, die „Ursache der Ursachen" [
des Aristoteles, mythologische Überlieferungen apo- |
krypher Evangelien, Fragmente der Aionenspekulation,
die Sternkunde der Araber, die Naturphilosophie der ;
„lauteren Brüder" des Islam — das alles ist, sei es aus
erster, sei es aus zweiter Hand, nicht spurlos an Elias
vorübergegangen und hat sich in seinem Geiste mit dem
von den Vätern ererbten Glaubensgut zu einer höheren
Einheit verbunden. So weiß er der Lehre der Nestorianer
ein neues Gewand zu geben. Der Lehre von der Trini- I
tät, von der Erlösung und von der Offenbarung hat er
Ecken und Kanten genommen, an denen sich die Gegner !
des Christentums zu stoßen pflegten. Zitate aus dem
NT. meidet er, wo es möglich ist. Den Namen Christi
oder Jesu unterdrückt er bis auf eine sekundäre Stelle, i
Anbetung . . . läßt er nur Gott ... zu teil werden
Damit hat er eine Basis geschaffen, auf der sich die Vertreter
auch nicht-christlicher Religionen mit Christen
die Hand zu einer Verständigung reichen sollten"
(S. 43).

In dieser Darlegung scheint mir die Auffassung
vom Schriftgebrauch des Elias nicht ganz zutreffend ge- j
schildert zu sein. Das NT. wird doch oft genug verwendet
— mindestens in ganz deutlichen Anspielungen.
Und wenn (S. 24 u. ö.) betr. das AT. sogar eine völlige
Vermeidung von Zitaten in den echten Eliasgebeten behauptet
wird, so hat diese Meinung erhebliche Eingriffe
in den Text als echt anerkannter Stücke (s. Nr. 2. 13)
zur Voraussetzung und muß zahlreiche sehr atl. anmutende
Ausdrücke (s. S. 24, 1) auf das NT., namentlich
Hbr. und Apok., oder auch außerbiblische mythologische
Spekulationen zurückführen. Daß Elias eine „besondere
Offenbarung Gottes in Israel" zurückweise, kann ich
aus Nr. 13, ZL 8 ff. nicht herauslesen (S. 24). Er hat
dieses Volk schwerlich, was die göttliche Offenbarung
anbelangt, den Heiden gleichstellen wollen. Dasselbe
Gebet in dem die so gedeutete, m. E. zu scharf interpretierte
, Stelle vorkommt, schließt doch durch die Wendung
von den „prophetischen Personen und apostolischen
Gestalten" (13, 22 f.) AT. und NT. zusammen.
Und wenn Christus durch seine Geburt „prophetischen
Worten" zu Erfüllung hilft (Nr. 1, 22 ff.), so kann
man doch dem daraus sich aufdrängenden Schluß nicht
durch die Versicherung ausweichen (S. 76): „die prophetischen
Worte' . . . brauchen keine atl. Worte zu
sein. Auch das Heidentum hat Propheten gehabt, die
auf Christus hinweisen".

Viele Einzelheiten rufen unser Interesse wach
Jesus wird auch für Elias in einer Höhle geboren (Nr.
1, 36), und das Jenseits heißt „das obere Athen, die
Stadt der himmlischen Philosophen" (Nr. 14, 68 f.).

Die Vorrede verheißt die griechischen Wörter un-
übersetzt zu lassen, „um dem Leser einen Eindruck von
der Durchsetzung der syrischen Sprache mit griechischen
Fremdwörtern zu geben". Danach ist aber nicht
durchweg verfahren worden. So finden sich z. B. in
Nr. 4 auf nur 2 syrischen Zeilen sechs griechische
Wörter, welche die Übersetzung (S. 52, 16 ff.) allesamt
deutsch wiedergibt. So erhält der des Syrischen Unkundige
eine unrichtige Vorstellung.

Besonders erfreulich war mir der Schluß des Vorwortes
, der die evangelischen Theologen von heute auf
die Notwendigkeit philologisch-historischer Arbeit, die
durch nichts ersetzt werden kann, hinweist.
Göttingen. w. Bauer.

Vincke, Johannes: Staat und Kirche in Katalonien und Aragon
während des Mittelalters, l. Tl. Münster i. W.: Asehen-
dorff 1931. (XI, 398 S.) gr. 8°. = Spanische Forschgn. d. Görres-
gesellschaft, hrsg. v. ihrem spanischen Kuratorium K. Beyerle, H.
Finke u. G. Schreiber, 2. Reihe, t. Band. RM 18—; geb. 20.50.

Die spanische Geschichte, in Deutschland lange
Zeit arg vernachlässigt, ist zuerst durch die Funde und
Forschungen von Heinrich Finke (namentlich seine Acta
Aragonensia, 3 Bde. 1908—22) wieder ein lebendiges
Ackerland der deutschen Geschichtswissenschaft geworden
, und sie wurde neuerdings durch die, aus den Vorarbeiten
zur Hispania pontificia erwachsenen Veröffentlichungen
von Paul Kehr (in den Abhandlungen der
Preußischen Akademie d. Wiss., Phil.-Hist. Kl. 1926
u. 1928 und Sitzungsberichte d. Pr. Ak. 1928) vollends
zu einem Mittelpunkt des historischen Interesses. Kehr
gab nicht nur eine vortreffliche kritische Ausgabe und
Reproduktion der ältesten Papsturkunden Spaniens (892
bis 1030), sondern er eröffnete uns völlig neue Einblicke
in die spanische Geschichte durch zwei grundlegende
Untersuchungen über die Beziehungen des Papsttums zu
Katalonien, Aragon und Navarra bis zur Mitte des 12.
Jahrhunderts. Den neu erwachten Eifer für die spanische
Geschichte bezeugen auch die, seit 1928 erscheinenden
, von der Görresgesellschaft herausgegebenen
„Spanischen Forschungen", die mit dem vorliegenden
Band eine 2. Reihe eröffnen. Sein Verfasser, Johannes
Vincke, ist ein Schüler Finkes und hat sich mit Teilen
seiner Arbeit in der Kath.-Theol. Fakultät zu Freiburg
i. Br. habilitiert.

Vinckes Buch schließt zeitlich an die Forschungen
Kehrs an, indem es in der Hauptsache mit der Regierung
des Königs Alfons IL von Aragon und Katalonien