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Ausgabe:

1932 Nr. 3

Spalte:

65-66

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Wijk, Nicolaas van

Titel/Untertitel:

Geschichte der altkirchenslavischen Sprache 1932

Rezensent:

Hofmann, Erich

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65

Theologische Literaturzeitung 1932 Nr. 3.

66

schrieben — ein Osterbrief, beides bisher unbekannt.
J. Krall schätzt das Alter der Schrift auf das 3. Jahrhundert
.

Der Papyrus und die der Wiedergabe vorausgeschickten
grammatikalischen und lexikalischen Bemerkungen
ergänzen in wünschenswerter Weise unsere
Kenntnis der achmimischen Mundart. Sehr nützlich ist
auch das Wörterverzeichnis am Schluß. Mit den zahlreichen
Lücken, deren Größe sogar oftmals zweifelhaft
bleibt, muß man sich abfinden.

Daß Text A gar kein Zitat enthielte (S. 7), ist nur
richtig, wenn man Zitat im strengsten Sinne faßt. ZI. 80
spielt deutlich auf 2. Kor. 5, 10 und Rö. 14, 10 an.
Und wenn erstere Stelle auch in der sahidischen Übersetzung
fehlt (s. Copt. Vers, of the NT in the Southern
Dial. IV 1920, ed. G. Horner), so läßt sich doch die
Anlehnung an den Wortlaut von Rö. 14, 10 schwerlich
verkennen (S. 34).

Text B II 26 wäre in dem Zitat aus 1. Kor. 15,55
statt „Kralle" der Hölle wohl besser „Stachel" zu übersetzen
(S. 36). Denn nach der Untersuchung Crums
(s. Gött. Gel. Anz. 1900, 490) ist das koptische EIB
in alt- und neutestamentlichen Bibelworten nicht nur
Ersatz für 5w|, sondern auch für jurvrpov.

BIII 29 (zu S. 38 f.) gehören auch noch die Worte
ohne Festgewand bis zum Zähneklappern (Mt. 22, 13)
verwertet (S. 38).

B III 29 (zu S. 38f.) gehören auch noch die Worte
„gemäß Gottes" zu dem (freien) Zitat aus Kol. 3, 10.
Güttingen. W. Bauer.

Wijk, Nicolaas van: Geschichte der altkirchenslavischen

Sprache. 1. Bd.: Laut- u. Formenlehre. Berlin: W. de Gruyter
& Co. 1931. (XV, 254 S.) gr. 8°. = Grundriß d. slav. Philologie
u. Kulturgesch., hrsg. v. R. Trautmann u. M. Vasmer, 8. Bd.

RM 32-; geb. 34—.

Die letzten Darstellungen der altkirchenslavischen
(altbulgarischen) Sprache in deutscher Sprache liegen
rund 20 Jahre zurück: Leskiens Handbuch in 5. Aufl.
1910 (die 6. Aufl. ist nur ein anastatischer Neudruck),
Vondräks Grammatik in 2. Aufl. 1912. Die 1919 in
2. Aufl. herausgekommene Grammatik von Leskien verfolgt
andere Ziele, sie ist mehr sprachvergleichend, gibt
die Norm an, ohne die Verschiedenheiten der Quellen
zu berücksichtigen.

In diesen 20 Jahren ist die Wissenschaft in vielen
Punkten weitergekommen, und ein gut Teil der Forscherarbeit
, namentlich über die grammatischen Besonderheiten
der altbulgarischen Quellen, hat der niederländische
Slavist van Wijk geleistet. So taten die Herausgeber
des in zwangloser Folge (und ohne Bandnumerierung
) erscheinenden slavischen Grundrisses einen
guten Griff, als sie gerade van Wijk für die Abfassung
der Geschichte der altkirchenslavischen Sprache
gewannen.

Diese Geschichte der Sprache hieße besser ihre
Grammatik; denn das Buch bietet die Darstellung der
Grammatik des Altbulgarischen, allerdings mit ständiger
B^ru^ksichtigung der zeitlich und örtlich bedingten Verschiedenheiten
der einzelnen Sprachquellen, die mit peinlicher
Sorgfalt durchgearbeitet sind. Die Literatur zu
den einzelnen Problemen ist gewissenhaft gebucht, ebenso
sind die Ausgaben und Untersuchungen über alle
Sprachquellen angeführt. Dagegen verzichtet van Wijk
auf eine Darstellung der slavischen Schriften und auf
Zuruckfuhrung des Altbulgarischen auf das Urslavische.
Denn sowohl die Schrift als auch eine Darstellung des
Urslavischen soll von anderen Autoren im Grundriß behandelt
werden. So ist van Wijks Leistung — und es ist
eine große Leistung — rein inner-altbulgarisch abgestellt.

Wer den Fortschritt gegen die früheren Grammatiken
spüren will, der sehe sich z. B. die Behandlung des
Palatalumlauts an, dessen wichtige Rolle stark herausgearbeitet
ist, oder die Darstellung der gespannten Halbvokale
, deren Entdeckung erst neueren Datums ist. Auch

die verschiedenen Bildungstypen des Aorists sind stärker
unterschieden, als es gewöhnlich der Fall war.

Auf Einzelheiten (zustimmend oder ablehnend) einzugehen, ist hier
nicht der Ort. Immerhin mag Einiges gestreift werden. Als einleuchtende
Neuerungen sind die Benennung der io-Stämme als ie-Stämme
(Palatalumlaut) und die Gruppierung der ü-Stämme unter die konsonantischen
zu nennen. Im § 49 werden die Akkusative des Personalpronomens
mt, tt u. s. w. nicht mehr als enklitisch angesprochen, wie das bisher
allgemein der Fall war; für den Dativ der 1. Person wird die Form
mbne, also mit hartem Halbvokal, als die ursprüngliche angegeben. Daß
der Nom. sg. des bestimmten Adjektivs fürs Maskulinum nicht in der
üblichen Normalform angeführt ist, liegt an der Lehre von den gespannten
Halbvokalen. Überhaupt geht van Wijk bei den Paradigmen von den
altertümlichsten glagolitischen Formen aus, die er aber, wie üblich, in
kyrillischer Umschrift bringt. Da befremdet auf den ersten Blick, daß
die Endung des Gen. sg. der io-Stämme mit e wiedergegeben ist, während
man sonst ja zu lesen pflegt. Hier spielt die Aussprache von £
und ja die Entscheidung (im glagolitischen Alphabet haben beide nur
ein Zeichen), eine sehr komplizierte Frage, die van Wijk § 27 nicht
ganz entscheiden kann: er glaubt an die gemeinsame Aussprache als ä,
aber er gibt zu, daß ein positiver Beweis kaum zu erbringen ist. Das
Problem ist vielleicht überhaupt nicht sicher zu lösen, aber ich hätte
gewünscht, daß gerade dieser Paragraph — obwohl er jetzt schon lang
ist — noch etwas ausführlicher wäre. Bei der Behandlung des Imperativs
in § 56 heißt es, daß der Imperativ von Präsensstamm gebildet wird.
Das ist natürlich richtig. Doch vermisse ich einen Hinweis darauf, daß
wir im Codex Zographensis Luc. 5, 4 ichai lesen, was vom Infinitivstamm
her gebildet ist (eine Stelle, die jeder Anfänger in den ersten
Wochen in Leskiens Texten liest). Daß diese Form bei der Übersicht
über die StammklaSsen auf S. 242 genannt wird (und zwar ausdrücklich
als Besonderheit) hebt die Notwendigkeit ihrer Erwähnung in § 56
nicht auf.

Den anderen Bänden des Grundrisses entsprechend
bietet van Wijk uns ein Handbuch, das auf der Höhe
der Forschung steht und für jeden, der sich ernstlich mit
dem Altbulgarischen beschäftigt, unentbehrlich ist. Das
tief schürfende Werk verlangt allerdings Leser, die in
das Altbulgarische schon eingeführt sind. Man nimmt
sich ja auch nicht gerade eine Geschichte der Griechischen
Sprache vor, wenn man diese Sprache erst lernen
will. So begrüßen wir dies Werk mit herzlichem Dank,
da es um so notwendiger war, als Leskien in seinem
Handbuch wesentlich Lehrzwecke verfolgte und Vondräks
Akribie bisweilen etwas unfruchtbar erschien. Wir
hoffen, daß der zweite Band bald folgt, dessen Manuskript
fertig vorliegt. Er soll Syntax, Wortbildung und
Wortgebrauch enthalten und verspricht uns schon deshalb
wertvolle neue Belehrung, weil van Wijk u. a. die
Produktivität der einzelnen Bildungsformen untersuchen
und eine Charakteristik des Wortvorrats der altbulgarischen
nicht-biblischen Texte (also einen Versuch, zum
Alltagsleben der Sprache durchzustoßen) bieten will.
Göttingen. Erich H o f m a n n.

Buckreis, Adam: Die Benediktiner. Ein Überblick ü. d. Oe-
schichte d. Ordens. Regensburg: G. J. Manz 1930. (VII, 91 S. m.
40 Abb.) 8°. RM 4.50; geb. 6—.

Einen Überblick will das populäre Büchlein geben,
das nicht auf selbständiger wissenschaftlicher Forschung
beruht, sondern in der Hauptsache ein Auszug aus Hil-
pisch's Geschichte des Benediktinischen Mönchtums ist.
Aber es ist geschickt und übersichtlich zusammengestellt,
schön ausgestattet, mit wertvollen Illustrationen, meist
photographischen Aufnahmen von Klöstern, geschmückt
und darum für den praktischen Gebrauch wohl geeignet.
Die panegyrische Haltung dem Orden gegenüber ist bei
dem katholischen Verfasser selbstverständlich. Wertvoll
j ist das zum Schluß gegebene Verzeichnis der bestehenden
Benediktinerabteien und wichtigsten Priorate im
deutschen Sprachgebiete.
Stuttgart. _ Ed. Lern pp.

Schröder, Dr. Ferdinand: Die deutsche Einwanderung nach
Südbrasilien bis zum Jahre 1859. Berlin [N 24 Monbijoupl. 10]:
Evangel. Hauptverein f. deutsche Ansiedler u. Auswanderer [1931).
(133 S. m. 4 Ktn. u. 2 Abb.) 8°. RM 3.50.

Der Verfasser als langjähriger Pfarrer in Sao Leo-
i poldo mit den brasilianischen Dingen bestens vertraut,
! stellt in außerordentlicher Kürze die Geschichte der