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Ausgabe:

1932 Nr. 26

Spalte:

597-598

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Hartmann, Wilhelm

Titel/Untertitel:

Heinrich Zschokkes Stunden der Andacht zur Beförderung wahren Christentums und häuslicher Gottesverehrung 1932

Rezensent:

Merkel, Franz Rudolf

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Seite 1

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Theologische Literaturzeitung 1932 Nr. 26.

598

die Geschichte der Reichsritter als Landesherren als Abschluß
sinngemäß treten. Der Verfasser wäre zu ihrer
Verabfassung der Berufenste.

Druckfehler: S. 113 Z. 18 v. u.: „Mischelbach"; S. 274 Z. 15
y- o.: „Schultheiß"; S. 611 Z. 6 v. u.: „Mainbernheim, Possenheim".
Nürnberg:. K. Schornbaum.

Hartmann, Lic. theol. Wilhelm: Heinrich Zschokkes Stunden

der Andacht zur Beförderung wahren Christentums und häuslicher
Gottesverehrung. Gütersloh: C.Bertelsmann 1932. (VI, 188 S.) 8°.

RM 7 — ; geb. 8.50.

Noch ist es mir in lebhafter Erinnerung, wie ich
in Großmutters Bibliothek gar oft als Junge in den
»Stunden der Andacht" gelesen habe, einem Buch, dem
man es ansah, wie es seit Generationen viel benützt worden
ist. Und darum habe ich es besonders begrüßt,
daß unter Anleitung K. Aners die Untersuchung über
»Heinrich Zschokkes Stunden der Andacht" entstand,
die zugleich als beachtenswerter Beitrag zur Geschichte
der Frömmigkeit gelten darf. Nach einleitenden Ausführungen
über die Entwicklung Zschokkes bis zur Herausgabe
seines Andachtsbuchs gibt der Verfasser eine eingehende
Analyse der „Frömmigkeit, der theologischen
Voraussetzungen und geistigen Beziehungen der ,Stun-
den der Andacht'", in deren Verlauf sich treffende Hinweise
auf die Frömmigkeitsstruktur der Generation von
1815—50 finden. So hebt er S. 29 ff. hervor, wie „gerade
damals in dem Wort .Andacht' ein ganz eigener
Gefühlsinhalt und Gefühlswert gelegen haben muß, der
die Frömmigkeit der Zeit charakterisiert" und zieht
wiederholt die Linien zu Schleiermacher, Fries und zum
Pietismus (Zinzendorf). Ferner zeigt der Verfasser, wie
Zschokke in der Betonung der „Gottesliebe als der
Quelle aller Tugend" und in dem damit verbundenen
Gefühl für Menschenwürde der religiösen Sonderart
weiter Kreise Ausdruck verleiht. Die religiöse Gefühlswärme
des vielgelesenen Erbauungsbuchs kam der Sentimentalität
der sog. „Biedermeier"-Zeit vor allem entgegen
. Wir blicken so recht in das sentimentale Zeitalter
hinein, wenn es in der Vorrede über „die Unterhaltungen
mit Gott" im Familienkreise heißt: „Ein stiller Friede

tige Untersuchung über den bisher wenig beachteten für
die Frömmigkeit gebildeter Kreise in der zweiten Hälfte
des 19. Jahrhunderts charakteristischen Richard W immer
. Zu S. 120 sei noch bemerkt, daß das erwähnte
Reicherzhofen bei Ingolstadt „Reichertshofen" geschrieben
wird.

München.

R. F. Merkel.

Troschke, Oberkonsistorialrat Paul: Evangelische Kirchensta-
tistik Deutschlands. H. 1: Aus d. Geschichte d. Statistik. Aufgabe
und Arbeitsweise evang. Kirchenstatistik. H. 2/3: Konfessionsstatistik
. H. 4'5: Kirchliche Statistik I. Die kirchl. Organisation d.
Evangel. Die materiellen Mittel d. kirchl Lebens. H. 6/7: Kirchliche
Statistik II. Die persönlichen Kräfte im kirchl. Leben. H. 8'9:
Kirchliche Statistik III. Die Äußerungen d. kirchl. Lebens. Berlin-
Charlottenburg: Deutsches Ev. Kirchenbundesamt 1929 — 1932 (51 ;
101 ; 95; 124; 144 S.) 8°.

Viele Zahlen zu lesen ist manchen Leuten uninteressant
und vollends kirchliche Statistik, Statistik des religiösen
Lebens erscheint Vielen, bewußt oder halb unbewußt
, deshalb als problematisch, weil gefühlsmäßige
Hinwendung zum Ewigen und die das Meßbare in Zahlen
zusammenrechnende Tätigkeit des Verstandes in der
Tat weit auseinanderliegen. So bedarf es denn auch nicht
vieler Worte darüber, welche Grenzen der kirchlichen
Statistik gezogen sind, ähnlich wie der kirchlichen Geographie
. Bistumsgrenzen kann man auf Karten darstellen
, ebenso die Verbreitung der Konfessionen nach
der vom Staat bei Volkszählungen erfragten Konfessionszugehörigkeit
, obwohl schon das schwieriger wird angesichts
der zunehmenden Konfessionsmischung; wie sollte
z. B. eine Konfessionskarte der Vereinigten Staaten von
Amerika aussehen? Und wenn jemand auf Grund genauer
Statistik des sonntäglichen Kirchenbesuchs eine
Karte zeichnen wollte, die in Deutschland kirchliche und
unkirchliche Gegenden (in allerlei Mischungen und Prozentsätzen
) unterschiede, so weiß man doch: es gibt
auch tote Kirchlichkeit; Kirchlichkeit ist nicht gleichbedeutend
mit Christlichkeit oder Frömmigkeit. Das Innerste
und Wichtigste religiösen Lebens ist weder kartographisch
noch statistisch zu erfassen,
verbreitet steh " nach solchen Vri*Kä^n^eb« _ u Dennoch _ hat diese (mit Heft 8/9 vorläufig abge-

Gemüter der Familie, — eine Träne der Rührung ver- schlossene) Kirchenstatistik des evangelischen Deutsch

siegelt oft den Bund der hier vereinten Herzen: gottlich
auf Erden zu handeln, um ewig Gottes würdig zu
sein" . • (S. 123). Wie richtig schon Zschokke das
missionarische Problem des Verhältnisses von Christen

ands ihren hohen Wert. Jeder Versuch, die Kirchen-
kunde des evangelischen Deutschlands, die Paul Drews
angeregt und mit dem Bande über Sachsen vorbildlich
begonnen hat und die dann für einige andre Gebiete von

tum und Volkstum im Sinne der neueren Zeit zu beur- Anderen bearbeitet worden ist, zu ergänzen oder zusai
teilen wußte, hebt der Verfasser auf S. 102 eigens j menzufassen, wird das von Troschke daro-ebotene statisti-
heraus In der Nichtbeachtung der Verschiedenheit der [ sehe Material dankbar benutzen müssen. Gefahren wie
Neigungen, Temperamente, Anlagen und herkömmlichen ! sie uns oft in Zeitungen bei Mitteilung und WürdiLuno-
Gebräuche der Nationen unter den verschiedenen Hirn- i konfessionsstatistischer Zahlen beo-eo-nen hat dieser ge"
m.elsstrichen sieht Zschokke das oft erfolglose Arbeiten j schulte Statistiker, seinem verdienten Vorgänger loh
der christlichen Missionare begründet. „Der Katholik Schneider folgend, vermieden, so — um lin recht
wolle katholische, der Lutheraner lutherische Christen j grobes Beispiel zu nehmen — die Gefahr, daß aus kleisehen
, statt daß beide sich an die herrschenden Ge- nen Zahlen weittragende Schlüsse gezogen werden; wenn
bräuche, Vorstellungsarten und den Nationalcharakter : 1905 in einem Dorfe der Mark Brandenburg ein kathoder
Völker angeschlossen hätten." Viel Neues bringt j lisches Arbeiterpaar lebte und sie bekamen bis 1910 vier
der Verfasser auch im zweiten Teil, der über die „Ver- Kinder so gibts dann an diesem Ort 6 Katholiken- die
breitung und Beurteilung der .Stunden der Andacht , Statistik kann also melden, es seien hier die Katholiken
handelt und vor allem den Kampf um das weitverbreitete i um 200»/» gewachsen! Was, wenn man den wirklichen
Erbauungsbuch darstellt, der mit wechselnder Heftigkeit Sachverhalt nicht kennt, auf stärkste und erfolareichste
in den verschiedenen Lagern des deutschen Katholizis- Propaganda schließen lassen könnte. Besonders r/e-
ir.us und des orthodoxen Protestantismus gefuhrt wurde, fährlich wird die Statistik, wo sie sich mit Tendenz ver
Wir sehen, wie fruchtbar solche Studien für die Auf- bindet, apologetischer oder polemischer; bei Troschke
hellung der Geistesgeschichte Deutschlands in der ersten ist vielmehr ein redlicher Wille zur Objektivität anVu
Hälfte des 19. Jahrhunderts sind. Es ist wirklich so, erkennen. 1
wie der Verfasser S. 128 f. sagt, daß die Verbreitung Aus der einleitenden Geschichte der Statistik über
der „Stunden der Andacht" auf eine bestimmt geartete haupt und der kirchlichen im besonderen wird auch der
Volksfrömmigkeit hinweise und auf den theologischen allerlei lernen, der diesen Dingen nicht fremd ist z B
Voraussetzungen der Neologie beruhend frommigkeits- daß 1795 ein gewisser Kasche „Ideen über reiteiöse
geschichtlich „höher einzuschätzen sei als die in bestimm- Geographie" veröffentlichte. Von Schleiermachers kirch
ten, engumgrenzten Schichten herrschende Weltanschau- licher Statistik, deren Nichtveröffentlichuno- Tr bedauert
ung des Klassizismus". Hoffentlich werden die in Kiel werden hoffentlich noch Proben gedruckt0 Und wer von
so glücklich begonnenen Studien zur Geschichte der uns wußte, daß für die erste auf Grund mathematischer
Frömmigkeit fortgesetzt und folgt bald eine gleichwer- 1 Statistik arbeitende Lebensversicherungsanstalt Hillev