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Ausgabe:

1932

Spalte:

550-552

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Ebers, Godehard Josef

Titel/Untertitel:

Evangelisches Kirchenrecht in Preußen. 1. u. 2. Bd 1932

Rezensent:

Meyer, Philipp

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-----^rr^IZ^te als ! Dem Erzieher wird für seine Selbsterziehung manches

auch von dieser Seite her der Begriff Arbe:it £cnuie a beherzigenswerte Wort gesagt. , ,

zu eng erscheint. Deshalb gibt er einer jpmw» "' Eberhard hat sich um die Sache des R. U. msbeson-

stellung seiner Grundgedanken die programmavw- c ^ ^ dje Qurchdenkung des Arbeitsprinzips die aller-

Überschrift: Von der Arbeitsschule zur l uc größten Verdienste erworben, so daß er mit Recht zu

schule. „Religion ist Kraft für das Leben IHM «wen s führenden Religionspädagogen gerechnet wird,

aus der Kraft. In einem kraftvollen Leben aber wira darf ich mm Schluß dnige kritische Rand-

da am Besten erzogen, wo Übung und Betätigung ge ----.....SM .

pflegt werden und nicht bloß der Wissenskultus blüht;
die Stätte für religiöse Erziehung ist darum die Tat- und
Arbeits- oder die Lebensschule als eine Stätte der Wirklichkeit.

bemerkungen nicht unterdrücken. E. warnt vor der
Pädagogik der hohen Worte, verfällt ihr aber
selber nicht selten. „Diese seelische Totalität, ohne

In zwei Bänden, Arbeitsschulmäßiger Re-| deren Normgebung wir kein Vollbild der Persönlichkeit

Ggionsunterricht und Lebendiger Reli
S'onsunterricht, hat E. eine große Zahl von Stundenbildern
gesammelt, um an diesen Beispielen seine
Grundsätze zu verdeutlichen. Zu dem 1. Bd. haben 25,
2<j dem 2. Bd. 52 Mitarbeiter beigesteuert; eine sorgfältige
Übersicht, sowohl nach den verschiedenen methodischen
Zwecken, als nach den behandelten Stoffen, wie
Endlich nach Schulformen und Altersstufen erleichtert
die Verwertung der Bände.

Auch den Katechismus hat E. im Bild des
Arbeitsschulgedankens behandelt. Ich muß allerdings
Bekennen, aus diesem Büchlein sehr viel weniger Klarheit
über die Methode und praktische Anleitung als aus
den bisher behandelten geschöpft zu haben.

In dem Buch „Schule, Religion und Leben"
sammelt E. eine Reihe von Studien teils eigene, teils verschiedener
Mitarbeiter (z. B. Eger-Halle, Matthes-Darm-
stadt, Gerhard Bohne, Oberin v. Tiling und Dr. Schulze-
Beipzig), in denen eine Reihe von religionspädagogischen
Sonderproblemen behandelt werden. Hervorgehoben sei
Besonders der Aufsatz von Bohne über die Bedeutung
der Strukturphilosophie für den R. U. Hier
Werden wertvolle Gedanken von Spranger selbständig
weitergebildet und in einer schönen Freiheit und Weite
auf den R. U. angewandt. Ich hoffe, daß der Verfasser
von der freilich charaktervollen und höchst anregenden
, aber in mancher Beziehung anfechtbaren Einseitigkeit
seines vielgenannten Buches „das Wort Gottes
im R. U." zu diesen fruchtbaren Gedanken, die einen
religionspsychologisch feingebildeten und liebevollen
Lehrer verraten, wieder stärker zurückkehren wird. Unter
den Beiträgen des Herausgebers selber nenne ich den
über die christliche Kunst im R. U., weil er ein
immer noch merkwürdig vernachlässigtes Gebiet bearbeitet.

Die evangelische Lebenskunde Eberhards
ist sehr stark auf die Aufgaben der Berufsschule und
den Sinn und Wert des Berufes bezogen. Er kann sich
dabei mit Recht auf Goethe berufen, der in Wilhelm
Meisters Wanderjahren das volkswirtschaftliche und sittliche
Problem des Berufes mit auffallender Liebe herausgearbeitet
hat. Auch in ariderer Beziehung ruht das
Buch auf Goethescher Grundlage, nämlich auf seiner
Lebensphilosophie der Polarität, die sich sowohl in
Spannungen gleichzeitiger Kräfte, wie im Rhythmus einander
ablösender Gegensätze offenbart. Auch sonst
wird Goethesche Weisheit hier wie in andern Schriften
E.s reichlich und glücklich ausgewertet. Um so auffallender
ist die immer wiederkehrende Polemik gegen
den Idealismus, der dabei bedauerlicherweise stark
karrikiert wird. „Jesus und der Satan, das sind die beiden
großen Realitäten, die eine rein idealistische Lebenshaltung
nicht sehen möchte und nicht als Lebensmächte
gelten lassen will". Abgesehen von der unglücklichen
Wendung, den Satan neben Jesus als „Lebensmacht"
hinzustellen, — wo findet sich die rein idealistische
Lebenshaltung, die Jesus nicht gelten lassen will, doch
gewiß nicht bei dem Verfasser der pädagogischen Provinz
, — schade, daß in dieser Beziehung E. einer Modestimmung
sein Opfer nicht versagt hat.

Das „Buch der Eltern" endlich bezieht sich
nicht unmittelbar auf den R. U., kann aber nicht nur den

gewinnen, greift aber über in die Hygiene des Unterrichts
und fordert auch hier ein Schwingen aus der Ganzheit
und einen Wechsel der Unterrichtsformen, der der Dynamik
des Stoffes entspricht." Weniger Fremdwörter und
weniger große Worte überhaupt, mehr klare Bestimmtheit
und nüchterne Sachlichkeit habe ich oft beim Lesen
gewünscht. Es wird manchem Leser so gegangen sein
wie mir, daß er beim Durcharbeiten des Sammelbandes
Schule, Religion und Leben, förmlich aufatmete, wenn
er vom Herausgeber zu einem seiner Mitarbeiter kam. —
— E. warnt gelegentlich vor Übertreibungen der E r -
f e b n i s m e t ho de im R. U. und macht sich hier selber
mehr als einmal schuldig; nur ein Beispiel: „Religiöses
Wachstum der Seele und ihrer Kräfte entgegen den
Erlebnissen, die Simon Petrus beim Fischen auf dem
See (Luk. 5) und der heidnische Hauptmann unter dem
Kreuz auf Golgatha (Mc. 15, 39) hatten, die die Jünger
in des Herrn Gemeinschaft in Cäsarea-Philippi gemacht
und bekannt haben (Mt. 16, 13 ff.) und ein Paulus vor
den Toren von Damaskus (Apg. 9, 57) zu verzeichnen
hat, ist doch das Ziel aller religiösen Unterweisung und
Erziehung". Das sollte jeder verständige Religionslehrer
als pädagogische Hybris ablehnen. Wir sollen die ungewöhnlichen
Begnadungen der auserwählten Rüstzeuge
Gottes, gar noch in ihrer Häufung, unserm armseligen
Unterricht als Ziel stellen? Unbegreiflich wie jemand,
der selbst Religionslehrer ist, so etwas schreiben kann.
Und endlich: Eberhard weiß grundsätzlich, wie schwer
es ist, seine schönen Ideen über religiöse Tat und Gemeinschaftserziehung
in dem normalen Betrieb
unserer öffentlichen Massenschulen durchzuführen, aber
er vergißt es in seinen Darlegungen immer wieder. Was
allenfalls bei glücklichen kirchlichen Verhältnissen in
einer einklassigen Dorfschule möglich ist, wo der Lehrer
wie ein Vater seine Kinderschar liebt und leitet, oder in
einem Herrenhuter Internat: wie soll das in unsern
Großstädten mit ihrem Massenbetrieb ernsthaft auch
nur erstrebt werden? Die Konsequenz dieser Gedanken
ist Auflösung der öffentlichen Volksschule und ihr Ersatz
durch kirchliche Gemeindeschulen.

Ich kann mir vorstellen, daß ein mit Wirklichkeitssinn
ausgestatteter junger Lehrer durch diese Abschnitte
vollständig entmutigt und demoralisiert wird: Er hält
sich für einen schlechten Menschen, weil er an die Möglichkeit
solcher großen Ziele nicht zu glauben wagt.
Ich empfinde seit langem die Kluft zwischen der üblichen
Formulierung der Ziele des R. U. und seinem
mehr als bescheidenen Erfolg so überaus schmerzlich,
daß mir jede Pädagogik der großen Worte unerträglich
geworden ist. Ich habe mich deshalb in meiner im Druck
befindlichen „Methodik" auf das ernsteste bemüht, dem
R. U. nicht eine niedrige und banale, aber doch eine
mögliche und erreichbare Aufgabe zu stellen, an die ein
ernsthafter seiner Grenzen bewußter Mensch sich heranwagen
darf.

Hannover-Kleefeld. H. Schuster.

Ebers, Dr. Godehard Josef: Evangelisches Kirchenrecht in
Preußen. Sammlung der in den evangel. Landeskirchen Preußens
geltenden kirchlichen Gesetze und Verordnungen. Textausgabe mit
Anmerkungen und Sachverzeichnis. 1. Bd.: A Fvangelische Kirche

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k rche Hannovers. C. Evang.-Lutherische Landeskirche Schleswi,-

durch>gendkmndliche Darlegungen über die verschiede- ; n^D^r^^^^nt^uE££
nen Stufen des heranwachsenden jungen Menschen, ins- | München: M. Hueber 1932. (XVI 653 und XV M<is 7
besondere auch über den Vorgang der religiösen Reifung. I g^b je RM' ^