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Ausgabe:

1932 Nr. 2

Spalte:

36-37

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Borchling, Conrad

Titel/Untertitel:

Niederdeutsche Bibliographie. Gesamtverzeichnis der niederdeutschen Drucke bis zum Jahre 1800 1932

Rezensent:

Teske, Hans

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Theologische Literaturzeitung 1932 Nr. 2.

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551), so manchem, wie dem Domdekan, der keine Lust
hatte, den „mangel des worts" abzustellen (539 f. 552.
554), war die Erfordernis der Zeit noch nicht klar geworden
, von dem unsittlichen Leben des Cantors Wendelin
Herold, dem erlaubt wurde, sich propter morbum
Gallicüm 1 Monat in die „schmir" zu legen (927) abgesehen
. Über das Leben mancher Chorherren wie des
Wilhelm von Bicken (775. 791) schweigt ja das Protokoll
überhaupt; fast möchte man meinen, die ernsteren
Mitglieder hätten sich dessen doch geschämt. Trotz
aller Bemühungen (Bittgänge, Umhertragen des Heiligtums
800. 803. 805. 818. 896, Druck des Breviers
(828), Motivmessen b. Unwetter (634), Läuten von
Glocken (945), Fastenpredigt (585. 573. 575), wir sehen
nur wenig Äußerungen des frommen Lebens (712. 746).
Am meisten betrübte es wohl den Erzbischof (909. 910),
der eifrig an einer gemeinen Reformation der Geistlichen
arbeitet (912 f. 920. 942. 945. 948. 950), aber resigniert
bald mit seinem Testament sich beschäftigt, das bezeichnender
Weise auch seinen ev. Übertritt zur ev. Lehre ins
Auge faßt (821—849. 828).

Auf etliche Personen soll noch aufmerksam gemacht
werden: Goldschmied Hans von Brüssel (539. 587),
Meister Jakob Orgelmacher (640), Münzmeister Peter
Simmelbeck (674), Mich. Heiding (548. 596. 613. 678,
schwache Stimme u. ö.), Friedrich Nausea (568. 572.
585 u. ö.), Jul. Pflug (611. 614 f. u. ö.), Joh. Vorstius
(707. 710), Sekretär Joh. Obernburger (731. 743. 753
u. ö.), Joh. Dietenberger (717), Liviusforscher Nie.
Karbach (858. 859), Wiltig (509. 517), Domprediger
Joh. Mentzinger (691. 693. 701. 716. 719. 748. 752),
Joh. Eck (743), Joh. Wild (785. 840), Organist- Hans
Holtzhay (938).
Nürnberg. K. Schornbaum.

Zwlngliana, Mitteilungen z. Gesch. Zwingiis u. d. Reformation
. Hrsg. v. Zwingliverein in Zürich. 1930 Nr. 2 (V. Bd.
S. 137—224). Zürich: Berichthaus. gr. 8°.

Das Heft ist W. Köhler zum 60. Geburtstag gewidmet
. T. Schieß beschäftigt sich mit der von A.
Götze neu herausgegebenen Flugschrift „Das Kegelspiel
" von 1522 und zeigt, daß diese Flugschrift nicht,
wie Götze annahm, am Bodensee, sondern im Züricher
Gebiet entstanden ist. Den unbekannten Verfasser sucht
er in den Kreisen der altgläubigen Priester. J. F ick er
schreibt über Verzeichnisse von Schriften Zwingiis auf
gegnerischer Seite auf Grund seiner Forschungen in der
Vatikanischen Bibliothek und zeigt den großen Einfluß
vor allem Ecks und J. Fabris in der Namhaftmachung
und Abwehr der Gegner der altgläubigen Kirche. Drei
weitere Aufsätze handeln vom Abendmahlsstreit. G.
Sc h renk behandelt Zwingiis Hauptmotive in der
Abendmahlslehre und das Neue Testament; er anerkennt
das genuine Verständnis Zwingiis für die exegetische
Grundlage der nt. Abendmahlslehre, sieht aber die Ergänzungsbedürftigkeit
der zwinglischen Auffassung durch
den lutherischen Grundgedanken, daß nicht das menschliche
Bekenntnis, sondern die Gabe Gottes die Hauptsache
ist. F. Blanke äußert sich zu Zwingiis Vorrede
an Luther in der Schrift „Amica Exegesis" 1527 auf
Grund der eben im Corpus Reformatorum erscheinenden
Ausgabe, zu der d. Verf. den Kommentar gegeben
hat. Auch hier wird deutlich, wie das bessere exegetische
Verständnis der Bibelworte den Schweizer Reformator
zu einer Siegesgewißheit führt, die ihn unnachgiebig
machen mußte gegen Luthers Lehre vom leiblichen
Genuß. L. Weiß gibt Aufschluß über Joh.
Stumpfs Geschichte des Abendmahlsstreits, die er unter
Bullingers Schriften in Zürich fand. Die Handschrift
umfaßt 11472 Folioseiten und erzählt in kerniger
Sprache die Geschichte des Abendmahlsstreits bis 1553.
Sie wurde sowohl von L. Lavater als von R. Wirt für
ihre im Druck erschienenen Darstellungen der Abendmahlsstreitigkeiten
benützt. S. 1—27 werden größtenteils
wörtlich zum Abdruck gebracht und die nach 1538

I zugefügten Ergänzungen durch Kursiv kenntlich gemacht
. Mit der Konkordie von 1538 hatte Stumpf
schließen wollen, mußte aber infolge der heftigen Angriffe
in Luthers Altersschriften um 1560 eine Fortsetzung
schreiben, die mitten im Bericht über zwei Predigten
Bullingers über den Vergleich zwischen Zürich
| und Calvin 1553 abbricht. Dann schildert d. Verf. die
i Entwicklung und Bedeutung Stumpfs als Schriftsteller
i und wendet sich energisch gegen die bei Berchtold-Belart
und H. G. Wirz sich findende Verkennung, als habe
Stumpf kritiklos nur andere ausgeschrieben und als sei
er nie in der Verfechtung der reformatorischen Gedanken
besonders hervorgetreten, während ihm doch die
Schweiz in seiner großen Chronik die erste größere
Darstellung seiner Geschichte auf Grund der neugewonnenen
reformatorischen Überzeugung verdankt. Zwei
Empfehlungsbriefe der XIII Orte für Glarean an den
französischen König und an Rene von Savoyen, als er
1518 sich um die humanistische Professur in Paris bewarb
, teilt A. Corrodi -Sulzer mit. Ein Versammlungsort
der Täufer im Klettgau wird von L. v. M u r a 11
auf der Dicke, einer bewaldeten Anhöhe bei Hailau, festgestellt
.

Horb. Q. Bossert.

Borchling, Conrad, und Bruno Cl aussen: Niederdeutsche
Bibliographie. Oesamtverzeichnis der niederdeutschen Drucke bis
zum Jahre 1800. (Etwa 12 Liefen, z. je 6 Bogn.) 1. Liefe. (1473
bis 1492). Neumünster: Karl Wachholtz 1931. (96 Sp.) 4°.

Subskr. RM 6—.

Mehr als 100 Jahre sind verstrichen, seit Karl
F. A. S c h e 11 e r seine Bücherkunde der Sassisch-Niederdeutschen
Sprache hat erscheinen lassen. Sch. ist
nicht der erste, der sich auf diesem Gebiete versucht hat.
Schon vor ihm hat sich die Forschung einem Teil der
Arbeit zugewandt, freilich nicht aus rein bibliographischem
Interesse. 1775 schreibt J. M. Goeze seinen
„Versuch einer Historie der gedruckten niedersächsischen
Bibeln von 1470—1621", dem er — und das erläutert
das Ziel seiner Bemühungen — zwei Jahre später eine
„Vergleichung der Originalausgaben der Übersetzungen
der Hl. Schrift von Dr. Martin Luther von 1517—1545"
folgen läßt. So steht ein theologisches Interesse gewissermaßen
am Anfange der bibliographischen Arbeiten
für das Niederdeutsche, und gerade für Theologen, vor
allem Kirchen- und Dogmenhistoriker, bietet auch das
Werk viel, dessen 1. Lieferung heuer vorliegt.

Die von C. Borchling und B. Claussen nach
langjährigen Vorarbeiten nunmehr herausgegebene Niederdeutsche
Bibliographie verzeichnet und beschreibt
rund 4600 Drucke des Zeitraumes von dem ersten nd.
Druck, dem Lübecker bei Lucas Brandis um 1473 erschienenen
Psalter bis zum Jahre 1800. Für die spätere
Zeit, in der die neuniederdeutsche Literatur entsteht, gibt
es ja bereits zuverlässige Verzeichnisse, vor allem die Zusammenstellungen
von W. und E. Seelmann im Niederdeutschen
Jahrbuch 22 (1896); 28 (1902), 41 (1915).
Borchling-Claussen beschränken sich auf die niedersächsischen
Drucke mit Einschluß der lat. Wörterbücher
und Grammatiken, denen Übersetzungen oder Erklärungen
in niederdeutscher Sprache beigegeben sind.
Auch diejenigen nd. Drucke, die außerhalb der Grenzen
des Deutschen Reiches erschienen sind, finden ihren
Platz, dagegen nicht die lat.-nd. Wörterbücher und
Grammatiken aus dem ostniederländischen Sprachgebiet,
da sie in den gründlichen Arbeiten der Niederländer
Campbell und N i j h o f f bereits erschöpfend behandelt
worden sind. Die Titel der einzelnen Werke werden
chronologisch, innerhalb der Jahre alphabetisch eingeordnet
. Jedesmal folgt auf die bibliographische Notiz
eine ausführliche Beschreibung, Angaben über den Um-
| fang, über Lagen, Blattzählung, Besonderheiten, sowie
ein Nachweis der bibliographischen Quellen, endlich der
Fundort. Vollständigkeit wird erstrebt.

Schon die vorliegende 1. Lieferung, die von 1473 bis
1492 reicht, verzeichnet unter ihren 260 Titeln über-