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Ausgabe:

1932 Nr. 21

Spalte:

503-504

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Lahusen, Hermann

Titel/Untertitel:

Friedrich Lahusen. Vater und Seelsorger. Briefe an seinen Sohn 1932

Rezensent:

Rendtorff, Franz

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Seite 1

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503 Theologische Literaturzeitung 1932 Nr. 21. 504

dialektischen Theologie zu fühlen. Er ist unermüdlich ! herzigkeit der Liebe verbindet, eines Theologen, für den

darin, für ein Kultur- und Humanitätschristentum ein- 1 das Bekenntnis charakteristisch ist, das ihm, dem kühnen

zutreten: „Diese Schöpfung des Glaubens als Heils- Bergsteiger, einmal im Hochgebirge im Anschauen einer

geschichte hat aber ihr irdisches Abbild in der Erziehung j Welt voll Größe, Licht und Reinheit über die Lippe

zur Humanitätsreligion, zu christlicher Kultur." „Christ- ' kommt: Hier werden die Dogmen ganz klein und Gott

liehe Kultur ist die Schöpfungsaufgabe Europas" (S. ganz groß; eines Kirchenfürsten, der aus dem Getriebe

232). „Die wunderbare Kraft unserer Religion liegt also ' der Arbeit im Kirchenregiment „seiner Diaspora", den

in ihrer Humanität" (S. 139). bis dahin seiner Aufsicht und Fürsorge befohlenen deut-

Vielleicht ist es das starke Gefühl als Kultur- und schen Auslandgemeinden, nachtrauert, und der inmitten

Humanitätsapostel des Verfassers, das ihn veranlaßt hat, der kirchlichen Kampfe dankbar bekennt: Ich bin kein

eine Darstellungsform zu wählen, die ein Zwischending i Kirchenpohtiker, ich will es auch nie werden, denn es

ist zwischen wissenschaftlicher und populärer Darstel- I verdirbt den Charakter; eines starken und demutigen

lung. Die leichtere Form ist vielleicht gewählt worden, : Diener seines Herrn, dem es tröstliche Gewißheit ist, dau

um der Darstellung einen mehr literarischen Charakter pott mcht nur Quadersteine, sondern auch kleine ge-

zu geben. Aber gleichzeitig hat dies eine gewisse Unbe- - brannte Ziegel braucht. Wir werden es begrüßen, wenn

stimmtheit und Dunkelheit zur Folge, so daß man tat- der Herausgeber seine Absicht, diesen Briefen ein Le-

sächlich oft schwer den genauen Sinn der Aussprüche j bensbild seines Vaters folgen zu lassen, verwirklicht,

feststellen kann. Es soll keineswegs verneint werden, Aber auch die Leser einer solchen Biographie, ja gerade

daß die Arbeit viele ausgezeichnete Beobachtungen ent- j sie> werden mit immer neuer Freude zu diesen Brieten

hält, aber man empfindet dauernd das Bedürfnis einer ! zurückkehren, in denen ein Vater seinem Sohn — und

genaueren Begriffsanalyse, als sie hier gegeben wird. letzt mcht mehr ihm allein — den Reichtum seines from-

Wenn gleichartige Erscheinungen aus den verschieden- j men» tiefen und freien Wesens erschlossen hat.

sten geistigen Welten ohne weiteres nebeneinander ge- Leipzig. F. Rendtorff.
stellt werden, kann man sich nicht dem Eindruck entziehen
, daß hier vieles als gleichnamig behandelt wird, ; Soeben erscheint

das es in Wirklichkeit gar nicht ist. Der alte Hauptfehler
der Religionsgeschichte, allzu leichtfertig mit Analogien
umzugehen, ist nicht immer überwunden. Oft
bleibt die Darstellung zu sehr an der Oberfläche. So
hätte z.B. ein Satz wie dieser: „Die Reformation hat
nicht in neuer Glaubenslehre, sondern in dem prinzipiellen
Angriff auf die priesterliche Irreführung und
Ausnutzung durch Jahrtausende ihr Verdienst", nicht
geschrieben werden dürfen, nachdem die Lutherforschung
in Jahrzehnten erfolgreich daran gearbeitet hat, den Sinn
der Reformation zu ergründen.

Lund. Anders Nygren.

L a h u s e n , Pastor Hermann : Friedrich Lahusen. Vater und Seelsorger
. Briefe an seinen Sohn. Gütersloh: C. Bertelsmann 1929.
(227 S.) 8°. RM 5- ; geb. 6—.

Dem Herausgeber, der aus den ungefähr 700 an ihn
gerichteten und von ihm als kostbarer Schatz treulich bewahrten
Briefen seines Vaters die vorliegende Auswahl,
bereichert durch Abdruck einer Ordinations- und einer
Traurede, veröffentlicht hat, gebührt für diese Gabe der
warme Dank zunächst der theologischen Jugend und der

zu ihrer Führung berufenen Eltern, Pfarrer und Univer- j HeU 1: Rußlandheft: Orthodoxie und Prote

sitätslehrer, denen hier eine wahre Schatzkammer seel- S f an smus>

ORIENT UND OCCIDENT. Staat-Gesellschaft-Kirche,
in Verbindung mit Nicolai Berdjajew und Erwin Reisner und
einer Arbeitsgemeinschaft von Deutschen und Russen, hrsg. von

Fritz Lieb und Paul Schütz, HEFT 11:

Zur russischen
Selbstbesinnung.

Aus dem Inhalt:

Alex. Puschkin: Die Wolke. Deutsch von
Henry von Heiseler.

G. Florovskij: Die Krise des deutschen Idealismus
.

S. Bulgakov: Judas Ischarioth, der Verräter-
Apostel.

I. Lagovskij: Kollektivierung und Religion.
K. Leontjew: Einsiedlertum, Mönchtum-Welt.

Bisher wurden ausgegeben:

Heft 2: Europa zwischen Ost und West.
Heft 3: Der russische Mensch und die Kirche.

Heft 4: Der russische Geist im Kampf um
seine Existenz u. d. Protestantismus.

Heft 5: Politisch-religiöser Synkretismus.

Heft 6: Zur Soziologie Sowjet-Rußlands.

Heft 7: Zur Entstehung d. neuen Gesellschaft
in Rußland.

Heft 8: Deutschland zwischen Ost und West.
Heft 9: Der religiöse Sinn des Bolschewismus.
Heft 10: Dichtung, Mythus und Offenbarung.

sorgerlicher Weisheit aufgetan wird. Darüber hinaus
erschließen diese Briefe, so zwanglos ihr Verfasser sich
in ihnen ergeht, Einblicke in das Leben und die Arbeit
eines Pastors, der, auch wenn er im Amt eines Generalsuperintendenten
oder eines geistlichen Vizepräsidenten
im Oberkirchenrat steht, immer, nicht am Sonntag sondern
am Werktag, nicht hier und da sondern immer, der
Pastor bleibt, der ein Grauen hat vor Predigten, in denen
es wäscht und plätschert, aber nicht naß macht, der weiß,
daß trotz aller unserer Arbeit alles uns gegeben werden
muß, nur was uns erschlossen ist, das können wir
geben; das Bild eines Pastors, dem es in Kriegs- wie in
Friedenszeiten immer um das eine zu tun ist: mit dem ; Preis der Hefte 1—5 jeRM5,—; Heft 6—11 jeRM3.—. Jährlich
Evangelium Menschenseelen den Weg zum Licht frei ' * Hefte zu je etwa RM 3.-. Subskription für Jahrgang 1932 =
zu machen. Und in dem allen ersteht vor den Lesern 1 Heft 9—12 RM 10~•
aus diesen Briefen, deutlicher vielleicht als es durch eine
Biographie geschehen könnte, die Gestalt und das Wesen
eines Mannes, der, im tiefsten gebunden durch dies eine,
voll innerer Freiheit durch die Welt und durch die
Kirche, durch die Theologie und durch die geistigen

Strömungen seiner Zeit schreitet; eines Mannes, der mit ; VERLAG DER «J. C. HINRICHS SCHEN

der Entschiedenheit des innerlichen Glaubens die Weit- I BUCHHANDLUNG IN LEIPZIG C1

Die nächste Nummer der ThLZ erscheint am 22. Oktober 1932.

Verantwortlich: Prof. D. W. Bauer in Göttingen, Düstere Eichenweg 46.
Verlag der J. C. Hinrichs'schen Buchhandlung in Leipzig C 1, Scherlstraße 2. — Druckerei Bauer in Marburg.