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Ausgabe:

1932 Nr. 2

Spalte:

497-498

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Sommerlath, Ernst

Titel/Untertitel:

Der Sinn des Abendmahls nach Luthers Gedanken über das Abendmahl 1527/29 1932

Rezensent:

Schmidt, Fr. W.

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Seite 1

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497 Theologische Literaturzeitung 1932 Nr. 21._498

.. ,. . u, joß HiP Analvse so tief- jede falsche Spiritualisierung ausschließenden Totalität

Aufgabe es möglich gemacht, daß die Analyse su der Person uns als Ganzes, als Personen bean-

grabend, wie es der Fall ist, werden Konme. ^ sprucht und darin reale communio der Glaubenden mit ihm

Lund.___Anders Nygren._ untereinander wirkt. So meine ich auch die Meinung

Ainmnn Hm,—inhannes Scheie B^choT^oiTLübeck auf dem < des Verf. zu treffen, wenn er einmal formuliert: „Inkar-
^er Kc^ Ä & "ation des Wortes zu sein, das ist, auf eine kurze For-
Jah'h Ä- Verta?isSLS 1931. (XIV, 129S.) Lex.8°. mel gebracht, der besondere Wert des Abendmahlssakra-
= Veröff z. Gesch. d. Freien u. Hansestadt Lübeck, hrs2. v btaats- mentes« (s. 126). In vier Hauptkapiteln über „Das
archiv zu Lübeck, Bd. 10. . ' Abendmahl und die Gottesanschauung", „Das Abend-
Die Hannoveraner haben immer als gute JurtSten manl und die person jeSu Christi", „Die Beziehung auf
gegolten Amnion stellt in seiner sorgfaltigen Arbeit den H1 Qejst« und ))Wort und Sakrament" verfolgt er
die Gestalt des zu Hannover geborenen bedeutenden djesen Grundgedanken ins Einzelne, wobei er nebenher
Bischofs ' Johannes Scheie von Lübeck so vor uns hin, sich um den Nachweis bemüht, daß Luthers spätere
daß wir im Spiegel seiner Lebensarbeit nicht nur das i Auffassung nicht ein Novum gegenüber der früheren dar-
Urteil des Papstes Pius IL, der ihn „vir recti consilii ' ste,lt Ich kann inm da, wie in der systematischen Entnennt
, bestätigt finden, sondern mit sein%..^r'^^frnh' ' faltung der einzelnen Relationen weitgehend zustimmen,
diplomatischen und kirchenregimentlichen Tatigkert auch Frei,ich mane ]rh hptf

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Gn. wichtiges Stück der Reichs- und Kirchengeschichte

Freilich meine ich betonen zu müssen,&daß seine; g™
«es 15. Jahrhunderts miterleben. Nach einer eingehen- „ ?as »ß?. opere operato" sich versteifende Beden
Literaturangabe schildert Amnion den Bischof zu- ;°"h+? • ..Objektivität" nicht ohne Achillesferse ist

nächst in seinem Werdegang bis zur Wahl als Bischof
und in seiner Tätigkeit als solcher bis zum Basler

Konzil. Den Hauptteil der Arbeit aber nimmt das eigent- , cle' 1 erson des fleischgewordenen Christus, dann doch

üche Thema ein: Der Bischof von Lübeck auf dem J*™1 Yg, den. Verf- sel°st S. 52 Anm.) um eine Wirk-

,D__i .. „ . . • • ii , , , . MC lkeil rW>S KttM irvefliin unrl ,,; .1.,____A < .

Geht es wie in der Offenbarung überhaupt, so speziell'
beim Abendmahl um das Nahekommen Gottes in

i nema ein: oei dischui von lul.cv.iv am uciu ••-] i o ,--------■-• — "um.; uiu eme wirk-

Basler Konzil. Es ist ungemein reizvoll zu beobachten, , nciikeit des xut« .-r«,.,,,,. und nicht xaxü o&qw. yiyyuWiv. Sowie
dieser aus dem Bürgerstande aufgestiegene Prälat j aaf ru-u bbclrtglaubenden gerade der Christus incar-
als Theologe bedeutenden Einfluß ausübt und zugleich nat"s Odnstus absconditus' ist, wie Luther bereits in der
als kaiserlicher Gesandter die Reichsgewalt auf dem l: ' salmenvorlesung ausfuhrt. Nicht immer glücklich

D«„i... .. •• ..... _.. _____i__a_______:r> r>_____j__________. d. Ii. Luthers Cietiankfn ..r.™ y/--1- n.ü s . ™V .">

..... „ i.iuii uiiiiier giuckl
d. h. Luthers Gedanken vom Worte Gottes nicht in
letzter systematischer Schärfe erfassend, erscheinen mir
auch die Ausführungen des Schlußkapitels. Aber das
würde hier zu weit abführen. Zu des Verf. Polemik
gegen meine Formel von der „schrankenlosen Personalisierung
des Gottesgedankens" bei Luther (S. 28 Anm. 1)
habe ich mich an anderem Orte (in meiner Schrift über
den Primat des Wortes in der evangelischen Kirche
S. 15 Anm. 1) geäußert. Ich habe diese Formel nicht
anders vertreten wie Kattenbusch, dem Verf. merkwürdigerweise
(S. 54 Anm. 2 u. 4) ausdrücklich zustimmt.,
Eines sei zum Schluß noch hervorgehoben (Kattenbusch
hat meines Wissens in seinem Beitrag zur Festschrift
für Johs. Ficker als erster darauf aufmerksam gemacht):
der Frage wäre doch wohl nachzugehen wert, weshalb
Luther anstelle des Gedankens der Transsubstantiation
den der Konsubstantiation vertritt?

Münster i. W._Fr. W. S c h m i d t.

The Church Quarterly Review. Vol. CVII—CXIII (= No. 213
bis 226). Okt. 1S28—Jan. 1932. London: The Society for Promotins
Christian Science. 8°.

Es ist an der Zeit, mal wieder hier in der Theol.
Lit. Ztg. der doch wohl bedeutendsten englischen kirchlichen
Zeitschrift zu gedenken. Das letzte Mal geschah
es 1929, Nr. 15/16 in relativ ausführlichem Überblick
über die vols CI—CVI; ich notierte da u. a„ daß stets
je zwei „Hefte" einen „Band" bilden. Die sieben
Bände, die ich im Augenblick vor mir habe (jeder
350—400 Seiten) befassen also vierzehn Hefte,
jeder Band beginnend mit dem April lieft (dem ein
Juliheft folgt) bzw. mit dem Oktoberheft (zu dem
das Januarheft des nächsten Kalenderjahres den Abschluß
bildet). Die Zeitschrift ist schwer einer unserer
kirchlichen oder theologischen solchen zu vergleichen,
immerhin eher einer derer, die auch „Kirchen ze itu n-
gen" heißen könnten, als einer wissenschaftlichen.
Das bedeutet nicht, daß sie sich überwiegend an
Laien wendete: in dieser Beziehung gleicht sie vielleicht
am ehesten der „Christi. Welt" oder auch dem „Deut-
oi- sehen Pfarrerblatt". Wie diese bringt sie zum Teil
* "'tritt "h; pf MotiVin seiner Abendmahlslehre wissenschaftliche Aufsätze, aber wesentlich auf prak-
hUerr^ offen zutage. Worum es ihm tisch belangreiche, zum Teil auf akute (ethische, reli-
irf^£Cn£™«rart" des Christus oder des giöse, soziale, nationale etc.) Probleme, Versuche, Strebungen
bezügliche. Auch „Recensionen", beurteilende
Berichte bietet sie, wieder in Bevorzugung praktisch-
aktueller Fragen, zumal etwa über die durch Gedächtnisjahre
veranlaßten Geschichtsforschungen u.
dgl. Man könnte an ihr studieren, wiefern das englische

--- lU10V.l 1IV.I1L,1 »oV V. JUI1U IV.J UIV. lv,IVIIvJgV,IIUIl v* 14 l UVU

Basler Konzil würdig zu vertreten weiß. Besonders wertvoll
sind die mitgeteilten Reformvorschläge des Bischofs
. Ammon faßt ihren Inhalt dahin zusammen:
„Bischof Johann ist Vertreter des Episkopalismus, Verfechter
der bischöflichen Amtsgewalt gegen die niederen
Prälaten, Kleriker und Orden und Verteidiger der
geistlichen Gewalt gegen die weltliche. Bemerkenswert
ist sein Antrag auf die Gestattung der Priester ehe"
(S. 17.). Kein geringerer als Nikolaus von Cues hat
die Vorschläge des Lübeckers in seinem Nachlaß der
Nachwelt überliefert. Sie sind A.s Arbeit nach einer Abschrift
von Dr. H. Weigel-Erlangen als Anhang beigefügt
. Interessant ist, daß nicht nur hinsichtlich der
Priesterehe, sondern auch an anderen Stellen die niedersächsische
Art des Bischofs hervortritt. Im Glauben
an die Rechtmäßigkeit des Basler Konzils und im Dienst
seines königlichen Herren starb der Bischof in der ungarischen
Fremde an der Pest. Todesort und Grab sind
nicht bekannt. Die wertvolle Studie Ammons wird
künftig nicht übersehen werden können, wo man das
Basler Konzil und die vorreformatorischen Reformversuche
behandelt.

Hildesheim. Ernst St rasser.

Sommerlath, Prof. D. Ernst: Der Sinn des Abendmahls

nach Luthers Gedanken über das Abendmahl 1527/29. Leipzig:
Dörffling u. Franke 1930. (VIII, 131 S.) gr. 8°. RM 6.50.

Über Luthers Abendmahlslehre sind in der jüngsten
Zeit eine Reihe wertvoller Untersuchungen erschienen.
Das Anliegen des Vf. ist der Nachweis, daß es sich in
ihr nicht um „ein exegetisches Fündlein oder eine an
Starrheit grenzende Verobjektivierung des Bibelwortes"
handelt, sondern um „Ausdruck seiner Grundauffassung
von der Gottesoffenbarung überhaupt". Indertat, wenn
«8 (wie ich in der Nähe E. Seebergs es einmal formuliert
habe) Luthers tiefste Erkenntnis ist, daß Gott, ohne
sich zu depotenzieren, vielmehr darin das Letzte seines
Gottseins, nämlich seine sich ausschenkende Güte offenbarend
, in Menschengestalt mit menschlichen Mitteln
wirkend auftritt, uns „aufsucht" in unserer konkreten Si
tuation —
als das sie _

geht, das ist die „Gegenwart — ^....omo
Wortes Gottes in dem näheren Sinn, daß Christus nicht
gegenwärtig wird durch (sei es historische, sei es religiös
-kontemplative) Vergegenwärtig u n g durch den
Frommen, sondern so, daß e r uns sich gegenwärtig
iu a c h t, geradezu leibhaft uns auf den Leib rückt, in der