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Ausgabe:

1932 Nr. 21

Spalte:

489-494

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Völker, Walther

Titel/Untertitel:

Das Vollkommenheitsideal des Origenes. Eine Untersuchung zur Geschichte der Frömmigkeit und zu den Anfängen christlicher Mystik 1932

Rezensent:

Opitz, Hans-Georg

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Theologische Literaturzeitung 1932 Nr. 21.

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_ . o-„„*,„ n(T seines heit. Allerdings unterläßt es V., die metaphysische Bedeutung der Sünde,

Arbeit Piepers beschert. Er hat die eenui/ung =CI auf die 0 sehr Krorien Wert iegti zu untersuchen. Die Schöpfung ist
Kartenwerkes auch dadurch erleichtert, daß er die naup - bekanntlich bei O. durch die Sünde verursacht, die Schöpfung bedeutet
sächlich in Frage kommende Literatur, die Queüen una . ejnen Fa„. xtlTaßoW| (vgl Job. Komm. XIX 22; 324,16ff. Preuschen).
für die einzelnen Gebiete besonders noch die Quellen- , Durch die ejnSeitige Betonung der ethischen Ursachen der aktuellen

Sünden verkürzt V. den Reichtum der Gedanken des O. Der Grund
hierfür liegt darin, daß V. die von ihm eingangs angezogene wichtige
Stelle aus dem Hohenliedkommentar über die Forderung zur Selbsterkenntnis
zu einseitig verwertet hat, nämlich nur in Rücksicht auf die
eine dort erhobene Forderung der ethischen Selbsterkenntnis. Doch wird
davon noch unten zu handeln sein. — Der Kampf gegen die Sünde ist
für O. der Kampf gegen die rrdOn und die Welt. Das Ziel des Kampfes
ist die Auslöschung des gesamten Affektlebens. Hier sind von V. eine
Fülle von Beobachtungen aus den Schriften des O. beigebracht, die die
Art des Kampfes erläutern. Das Ringen um die Vollkommenheit hat
seine Konsequenzen für alle Lebensgebiete, wie Ehe, Verwandtschaft,
Reichtum, Ruhm. Asketische Uebungen sind dabei die beste Hilfe, darum
sind Fasten, Nachtwachen, konzentriertes Schriftstudium erforderlich.
Die Anfänge des inneren Aufstieges, der mit diesen Kämpfen beginnt,
werden gestört durch heftige Versuchungen, bei denen aber vielfache
innere Hilfen wie die Sehnsucht nach der Vollkommenheit und Visionen
den Frommen stärken. Gerade bei den Visionen verweilt V. eingehender
. Er ist durchaus im Recht, in ihnen ein wesentliches Moment
der Frömmigkeit des O. festzustellen. Zwar läßt sich nicht genau sagen,
was der Inhalt der Visionen ist. Aber die 27. Homilie zum Numeribuch
, in der auf Grund der Wüstenstationen der Aufstieg des Pneumatikers
beschrieben wird, läßt keinen Zweifel daran aufkommen, daß
Origenes tatsächlich Visionen gehabt und gekannt hat. Man hat bei
diesen Visionen an Erkenntnisse beim Schriftlesen oder beim Gebet, die
eine spontane Einsicht in die göttlichen Geheimnisse vermitteln, zu
denken. Ob, wie V. behauptet, O. geflissentlich die intellektuelle Seite
bei diesen Visionen in den Vordergrund gestellt hat, um sein Inneres
zu verbergen, scheint fraglich. Denn der Gipfel der Vollkommenheit
ist ja gerade die Erkenntnis, die Einsicht in die göttlichen Dinge.

In dem 2. Kapitel über die Gnosis — m. E. gehört dieser Abschnitt
zu dem Wichtigsten, was bisher über O. geschrieben worden ist — sagt
V. eingangs, daß das Vollkommenheitsideal, stellt man sich es als eine
Ellipse vor, zwei Brennpunkte habe: die Gnosis und die Tat. Demgemäß
behandelt V. zunächst die Gnosis. Das Verhältnis von yvmaic,
und ruertu; beschreibt V., ohne etwas Neues zu sagen, damit, daß er betont
, die yviootc, sei der maxie, überlegen. Zur Beantwortung der Frage,
wie entsteht die Gnosis, geht V. auf den Inhalt der Gnosis ein. Die
Gnosis ist zunächst ein Erfassen der irdischen und himmlischen Geheimnisse
, sie wird gefördert durch Erfassen des tieferen Schriftsinnes.
Die Gnosis ist aber keineswegs rationales Erkennen, also keine intellektuelle
Angelegenheit, Sache der Vernunft, sondern die Gnosis ist Sache
der Augen, der geistlichen Augen, mit einem Worte die Gnosis ist Gabe
der Erleuchtung von oben, ist pneumatisches Erkennen. V. zeigt weiterhin
als Inhalt der Gnosis die „Logosmystik" auf. Die Mitteilung der
„Wahrheit", „Gottes" vollzieht sich durch die Offenbarung, die der
Logos ist, und die durch die Inkarnation des Logos offenkundig wird.
Die Verbindung zwischen dem Logos und dem Frommen stellt O. im
Bilde von der Geburt des Logos in der Seele dar, am liebsten durch
das Bild vom Bräutigam und der Braut. V. hat tatsächlich das grolle
Verdienst, besonders auf Grund der exegetischen Werke gezeigt zu
haben, daß alle christologischen und trinitarischen Gedanken des O. aus
dem gnostischen Erfahren der Offenbarung des Logos geboren sind.
Die Stufenleiter geht vom Menschen mittels der Offenbarung zu Christus,
von Christus zu Gott. Diese einfache Folge wird unendlich vervielfältigt
, da in jeder Stufe des pneumatischen Fortschreitens die frühere
weiter wirkt. Wichtig ist, daß V. betont, daß die ehristologische Lehre
des O. eine weitgehende Erklärung in seinen Anschauungen von dem
Verhältnis des Pneumatikers zu Christus findet. Das Verhältnis des
Logos zu Gott ist nämlich durchaus analog dem Verhältnis des Logos
zum Pneumatiker. Der Höhepunkt des Pneumatikertums ist nach V. die
Gottesmystik. S. 120: „Die Gnosis ist die direkte Schau der göttlichen
Glorie und zwar direkte Schau ohne Vermittlung des Logos." Durch
die Schau wird die Vergottung des Menschen bewirkt. Dieser Gedanke
bezeichnet am besten den Abstand des O. zu aller späteren offiziellen

beiege bequem zusammengestellt und daran ein „Orts
register für alle Karten" angeschlossen hat. Links von
den Karten befindet sich,jeweils ein breites weißes Blatt
für Ergänzungen und Bemerkungen. Die Einführung
gibt sich nicht einsprachig — etwa lateinisch — sondern
>n verschiedenen Spalten neben einander deutsch, italienisch
, französisch, englisch, spanisch und holländisch.
— Alles in allem eine sehr dankenswerte und nützliche
Arbeit, zu der ich oft genug zurückkehren werde, um
mich aus ihr zu unterrichten.
Göttingen. W« Bauer.

v°l ker, Lic. Dr. Walther: Das Vollkommenheitsideal des Origenes
. Eine Untersuchg. z. Geschichte d. Frömmigkeit u. zu den
Anfängen christl. Mystik. Tübingen: J. C. B. Mohr 1931. (IV, 236 S.)
Er. 8°. = Beiträge z. hist. Theologie 7. RM 15— j in Subskr. 13.50.
Eine neue Monographie über Origenes, besonders
Wenn sie wie die vorliegende in das Zentrum der Probleme
vorstößt, muß dankbar begrüßt werden. Tatsächlich
ist das Werk und die Persönlichkeit des Origenes
ein noch unbestelltes Feld, man vergegenwärtige sich nur
zum Vergleich die zahllosen Untersuchungen zu Augustin
. So seltsam es klingen mag, man wird sich durch
die Einleitung, die V. seinem Buche vorausschickt, aber
recht darüber klar, daß die Erforscher der Gedanken der
O. von Huet über Mosheim, Redepenning, Denis bis hin
zu de Faye von mehr oder weniger apologetischen Absichten
geleitet eine Oesamtdarstellung des Werkes des
O. versucht haben und meistens bei einer Registrierung
seiner Lehre stehen blieben. Die in der alten Kirche traditionelle
Art der Beurteilung des O. auf Grund einiger
aus dem Zusammenhang gerissener Lehrmeinungen ist
bis in die Moderne nicht ganz überwunden. Vielleicht
muß man davon Mosheim und Harnack ausnehmen. Die
Darstellung der Religiosität, des Lebensgefühls des O.
ist merkwürdig zu kurz gekommen, während doch die
Zeitgenossen des O., ja noch Euseb, Hieronymus, So-
krates und die Mönche in O. den großen Frommen
sahen. So hat die Vernachlässigung der Frömmigkeit
des O., die Quelle seiner theologischen Oedanken, bis
heute in der Forschung zu der Feststellung geführt, daß
sich „Widersprüche" in dem System des O. fänden.

Bei dem zentralen Problem, wie ist die Frömmigkeit
des O. und damit die Persönlichkeit des O. als Pneumatiker
, der O. bewußt sein wollte, zu verstehen, setzen
nun die Untersuchungen V.s ein. V. liegt es daran — er
formuliert eingangs ganz klar sein Ziel —, die religiösethischen
Triebkräfte zu ermitteln, die hinter der Lehrbildung
des O. wie hinter jeder anderen stehen. Zu diesem
Zweck behandelt V. das Vollkommenheitsideal des
O. Zweifellos ist das Problem der Persönlichkeit und
des Werkes des Origenes am entscheidenden Punkte angefaßt
. Nur untersucht V. nicht den Begriff teXeiötti?
oder das Wesen des reibe toc, bei O. Vielmehr nimmt V.
bei dem allgemeinen Begriff aus der Frömmigkeitsgeschichte
„Vollkommenheitsideal" als der Bezeichnung
des Gipfels, zu dem die Frömmigkeit einer Persönlichkeit
strebt, den Ausgang für seine Untersuchungen.

V. sieht in seinem Unternehmen ein Problem der „be- I Theologie der östlichen Kirche, v. weist mit Recht daraufhin"ÄlTuZ
schreibenden Mystik". Leider wird in dem ganzen Buche ?• zwar im Anschluß an die Auslegung der 4. Bitte des vät
nicht deutlich, was damit gemeint ist. V. liegt aber (De,orat- 27-9- 10; 369f. Koetschau) von einem Essen des Brote^dST

----A-.a,am d---zu .,„H ri.Vser Methode sehr viel d« Logos und der dadurch bewirkten Vergottung die Rede ist ,'her

auch diese Auslegung hat eine durchaus spirituelle tua . rv
völlige Schau des Vaters von Angesicht zu AnS» a s. ■*
dem ekstatischen Erlebnis. V. hat schlagend geze7« dsa'o
kennt. In der Ekstase ist die letzte Stufe fe ^osf erret ht Der
Pneumatiker, ledig aller Fesseln des Körperlichen, JS Gott seine"

h.N DieHbeidpe" f0,fnden Kapitel untersuchen die praktische Lebenshaltung
des Pneumatikers. V. handelt über die Gottesliebe, die Christ-
chen Grundsatze für das tägliche Leben, das Verhalten zur Umwelt
als Lehrer und Seelenfuhrer Dieser Abschnitt gibt einen schönen Beitrag
zum Leben der Gemeinde im Anfang des 3. Jahrhunderts. Durch-

offenbar an diesem Begriff und dieser Methode sehr viel
Da V. eine ungeheure Fülle von Material verarbeitet hat, ist es
angebracht über den Inhalt des Buches zu referieren. V. geht in dem
1. Kapitel „Vorbereitung" sc. zur Erlangung der Vollkommenheit von
der Forderung des O. aus, daß die Selbsterkenntnis die erste Voraussetzung
, der einzige Weg zum Fortschritt zur Höhe der Vollkommenheit
ist. Aus der Erkenntnis, daß die Seele durch das Leben im Körper von
den letzten Zielen abgehalten wird, resultiert der Kampf gegen die
Sünde. V. entwickelt bei dieser Gelegenheit die Gedanken des O. über
die Sünde und zwar besonders über die aktuellen Sünden, ihr Entstehen,
ihre Folgen, das Problem der Willensfreiheit, Schuld, Gnade und Frei-