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Ausgabe:

1932 Nr. 20

Spalte:

466-467

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Wilms, Hieronymus

Titel/Untertitel:

Albert der Große 1932

Rezensent:

Laun, Justus Ferdinand

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Theologische Literaturzeitung 1932 Nr. 20.

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doch nie die wesentlichen Unterschiede übersieht und sich darum auf „Zeus und der Agathos Angelos als ein selbständiges zweites Numen"

der einen Seite nicht dazu verführen läßt, voreilige Abhängigkeitsschlüsse j und m. E. auch als der Oedanke an Zeus allein mit den beiden Bei-

zu ziehen, auf der anderen Seite aber auch nicht dazu, aus dogmatischen - namen viUioto; und ÜYctööc, äyyeloq. — Ob der Versuch die Form

Gründen, Verwandtes künstlich zu sondern (vgl. bes. 181 ff.; die Haupt- ; eva^el-i^üi als Schallwort oder Zustandsbezeichnung (125 bes. A. 2)

ausführungen zu dieser Frage sind freilich erst in den Kapiteln XI u. zu erklären, notwendig ist, scheint bei der aulierordentlichen Beliebtheit

XV zu erwarten) der Verba auf -(gm in der hellenistischen Periode zweifelhaft (vgl. De-

Alle diese Beobachtungen liegen zunächst noch auf i brunner, Griechische Wortbildungslehre S. 255). - Ob bei dem verein-

vorneutestamentlichem Gebiet, aber sie leiten oft unmit- I zelt überlieferten Ausdruck «vv^og nueoac. (224) nicht an Iris (als
feibar zu ntl. Fragestellungen oder schaffen wenigstens
den Boden für die Untersuchungen des ntl. Euangelion-

Morgenröte auch die Botin des Tages) gedacht werden darf? — Ein gewisser
Mangel hängt noch mit der langsamen Erscheinungsweise des
Buches zusammen; die zahlreichen Innenverweise auf spätere Kapitel
haben vorläufig wenig Wert und auch später schwerlich viel mehr, weil
sie nur auf ziemlich umfangreiche Kapitel hinweisen können, den Leser
also doch einem längeren Suchen überlassen. Vielleicht könnten diese
Innenverweise am Schlüsse des Buches in einer kleinen Liste genauer
gegeben werden. — Eine gewisse Neigung zu Fremdwörtern (vgl. 22
Provenienz, 24 Dezennien usw.) und zu Wiederholungen (vgl. 47 mit
42, 442 mit 34"), die im Anfang zu beobachten ist, wird später mit
Erfolg unterdrückt.

VI. Aber diese Beanstandungen, über die sich z. T.
streiten läßt, können das üesamturteil über diese vorbildliche
Untersuchung in keiner Weise einschränken. Das
Buch ist methodisch wie inhaltlich gleich wertvoll; besonders
dankenswert ist, daß Sch. dem Leser stets Einblick
in seine Arbeitsweise gewährt und die unvermcid-
kündeten Ereignisses zu viel Bedeutung zugemessen j lichen Qrenzen der Materialbeschaffung nicht verhehlt,
wird, so ist damitdoch eine im Ganzen ebenso ricnttg^ j Das sicher mjt yjel Muhe beigebrachte Material wird

gedankens.

Den 4. bedeutsamen Zug der Darstellung, der wohl
noch wichtiger ist als manche historischen Einzelerkenntnisse
, sehe ich in der Aufhellung und Durchführung
bedeutsamer, hie und da über die Grenzen des eigentlichen
Problems hinausführender Leitgedanken:

a) Die Kraft und Bedeutung des Euangeliongedan-
kbns beruht nicht nur in der biblischen, sondern auch in
der griechischen Welt auf der dynamischen Kraft des
Wortes. Wie das „Wort", der „Name", Segen und
Fluch, so ist auch die Botschaft in sich wertvoll und
wirksam. Wenn diesem Gedanken bei Sch. vielleicht
auch zuweilen auf Kosten des in der „Botschaft" ver-

wie bedeutsame Einordnung des Euangeliongedankens in
einen großen Vorstellungskreis gefunden, die sich auf
Schritt und Tritt als fruchtbar erweist. — Aus dem
Glauben nicht nur an die „Kraft", sondern auch an „die
Göttlichkeit der Rede" (Usener) entsteht sodann der
eigentlich religiöse Charakter des Euangelion in der vorchristlichen
Welt. Doch fällt hier (im Griechentum)
eine gewisse unausgeglichene Doppelseitigkeit des von
Sch. aufgewiesenen Ansatzes auf: 1. im Orakel, 2. in
der allgemeinen Anschauung von der Heiligkeit des
Boten (vgl. 194 ff. 243 f. u. a.).

b) Für die begriffsgeschichtliche Arbeit im Allgemeinen
ist instruktiv, wie die konkrete Wurzel, die ja jedem
auch dem sublimiertesten religiösen Begriff ursprünglich
zugrunde liegt, aufgezeigt wird, wie andererseits anschaulich
wird, welche Gedankenzusammenhänge und
Situationen der Begriff liebt; die Beispiele für die hier
Waltenden Gesetzmäßigkeiten und regelmäßigen Assoziationen
sind wiederum sowohl im Allgemeinen wie im
Besonderen im Blick aufs N. T. lehrreich, so die Verbindung
mit aciTiioiVf. und tvrvxia. In der Ausführung
solcher gegenseitiger Beziehungen von Begriffen bahnt
sich eine begriffsgeschichtliche Netzbildung an, auf die
die Entwicklung von dem gegenwärtigen Stadium der begriffsgeschichtlichen
Einzeluntersuchung aus zweifellos
hinstreben muß.

c) Auch literargeschichtlich bringt die Arbeit manchen
schätzenswerten Gewinn; so beleuchtet, wie bereits
oben bemerkt, der Euangeliongebrauch von Philo
und Josephus blitzlichtartig deren ganz unjüdische Art,
die auch beim einzelnen Begriff bewußt die überkommene
atl. Gestalt abstreift zu Gunsten des reinhellenistischen
Sprachgebrauchs. Bedeutsam ist diese Erkenntnis im
Rahmen der Untersuchung selbst vor allem deshalb,
Weil auf diesem Hintergrund erst ganz klar wird, wie
eindeutig der Euangelionbegriff des N. T. in der Linie
der alttestamentlich-jüdischen Anschauungswelt liegt.

V. Angesichts der Fülle des Guten fallen die kleinen Fragen und

Das sicher mit viel Mühe beigebrachte Material wird
ganz ausgezeichnet gesichtet und bearbeitet, sodaß sich
jene Grenzen kaum nachteilig auswirken können. Dabei
ist noch besonders hervorzuheben, daß der Theologe
stets in enger Verbindung mit mehreren klassisch-philologischen
, rabbinischen u. a. Spezialisten zu Werk geht.
Und was man bis zum Erscheinen der übrigen Lieferungen
vorläufig noch vermißt, dafür geben Sch.'s Artikel
ÜYYcWa USW. (und in Bälde) imyyelia USW., ei'nyyBli^oy
usw. in dem neuerscheinenden Theologischen Wörterbuch
(herausgegeben von G. Kittel) in ihrer gedrängten
Darstellung einstweilen einen guten Ersatz.
Kodaikanal (Südindien). Gustav Stähl in.

Wilms, Hieronymus, P. O. P.: Albert der Große. München: J.
Kösel & F. Pustet [1930]. (237 S.) 8°. RM4.50; geb. 6.50.
Dies Buch ist eine populärwissenschaftliche Darstellung
im besten Sinne des Wortes, die man jedem
Verächter des Mittelalters und der Scholastik auf den
Geburtstagstisch legen sollte. Sie ist besonders deshalb
für moderne Menschen geeignet, weil sie einen Scholastiker
darstellt, dessen Leben vorbildlich war, ohne
schwärmerisch zu sein, und dessen Stärke besonders auf
dem Gebiet der Naturwissenschaften lag, deren Kenntnis
viele dem „finsteren Mittelalter" nicht zutrauen. Gerade
das Wirken Alberts als Naturforscher ist mit solcher Anschaulichkeit
und mit so glücklicher Auswahl der Zitate
aus seinen Werken dargestellt, daß man bei der Lektüre
mit Wärme und Bewunderung für diesen Mann erfüllt
wird. Weniger gelungen ist im Vergleich damit allerdings
die Schilderung des Philosophen und Theologen,
weil hier die Hauptlehren nicht mit gleicher Plastik
und Schlichtheit herausgestellt sind. Statt dessen bleibt
es oft bei der bloßen Aufzählung von einzelnen Lehrpunkten
, die nur dem Fachmann in ihrer Bedeutung ohne
nähere Erklärung verständlich sind. Auch sieht man
nicht ein, warum nicht auch hier — selbst auf Kosten
überflüssiger Einzelheiten und häufiger wiederholter all-
1 gemeiner Wendungen — mehr scharfe und treffende
Ausstellungen nicht sehr ins Gewicht, die man etwa (auoer den Zitate, hätten angeführt werden können. Doch werden
ohon «m,™ creWentlirh w.hrteni erheben mag: eine gewisse Unklar- , .. .........^

nhrten) erheben mag: eine gewisse Unklar -sentüchsten Verdienste des Meisters, vor allem

ht*ebTÄ ! sdne^edeutung für das Aufkomnien des Aristotelismus,

Deuterojesaia fS. 39. 42). - Bei der ™™a^««a^t £- ' klar herausgestellt. Zu größerer Tiefe kommt die Dar-

tteyY&c für Pheme (204 ff.) hatte uel'^ch d~auPt, der ja an 1 Stellung jedoch nur, wo es sich um die religiöse Person-

schieht, der Gedanke der Göttlichkeit des v, ^ , „ Alberts handelt. Uberhaupt darf man sagen,

sich zu den Leitgedanken des B«dies der jüdischen Engelvor- daß es dem Verfasser in vorbildlicher Weise gelungen

dürfen. - Bd ^„f^t ^ ^i^^^aü^M^t berührt : ist aus allern Schaffen des Meisters seine Persönlichkeit

Stellung (239U halte wohl ^°^%0^mi, zu 205< stauffer, KJeSchten zu lassen, was wieder besonders bei dem

ffj?^ »5^K ' nSESSm*** in der sympathischsten Weise ge-

können - Bei der Inschrift von Stratonikeia (213 f.) ***J%™** Dag hä t msammtn mit dem Hauptzweck

d^himmlische Zeus und der **^^f«%Z^zT*£ I des* Buches, zu wirken für eine Kanonisierung Alberts,
Angelos" grammatisch weniger wahrscheinlich als die Auflassung j. ivens