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Ausgabe:

1932 Nr. 2

Spalte:

27-29

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Torrey, Charles Cutler

Titel/Untertitel:

Pseudo-Ezekiel and the original Prophecy 1932

Rezensent:

Kuhl, Curt

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Theologische Literaturzeitung 1932 Nr. 2.

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heiligem Weihwasser vorangeht, soll die Belebung der
Gottesstatue bewirken, damit sie „Weihrauchduft riechen,
essen und trinken kann". — Nr. 30, A-F u. 31: Beschwörungen
und Riten gegen den Totengeist (etimtnu).
Auffallend ist in Nr. 31, daß man hofft, der Totengeist
des Vaters werde die Sünde (den Bann) des Sohnes
hinüber in die Unterwelt mitnehmen und vor dem Unterweltsgericht
die Stelle des Sohnes, der eigentlich selbst
dorthin wandern und abgeurteilt werden müßte, vertreten
. — Nr. 32: Beschwörungen gegen den Dämon
mimma limnu „Jegliches Böse". — Nr. 33: Beschwörung
gegen den Totengeist. — Nr. 34: Ritual gegen Pest. —
Nr. 35: Sumerische Hymne an Nergal, den Gott der
Unterwelt, der zugleich auch Förderer der Vegetation
ist. — Nr. 36: Ritual gegen Tod durch Fieber, in dem
von den Anunnaki und dem Lebenswasser gesprochen
wird. — Nr. 37: Erschaffung des Menschen.

Man wird schon aus diesem Wenigen ersehen, wie
viel Neues für den Religionsgeschichtler, den Alttesta-
mentler und den Theologen in dem Buche Ebelings zu
finden ist. Möchten wir auf den zweiten Teil nicht zu
lange zu warten brauchen!
Hiddensee. Arnold Gustavs.

Torrey, Prof. Charles Cutler: Pseudo-Ezekiel and the original

Prophecy. New Häven: Yale University Press 1930. (119 S.)
gr. 8°. = Yale Oriental Series Researches Vol. XVIII. $ 2—.

Seit dem Erscheinen von Herrmanns Kommentar
(vgl. ThLZ. 1925, Sp. 175 ff.) und Hölschers groß angelegter
Studie (vgl. ebenda Sp. 265 ff.) ist es — abgesehen
von der kleinen Arbeit Keßlers (vgl. ThLZ. 1927,
Sp. 393 f.) — um den Propheten Hesekiel und sein Buch
wieder recht still geworden, obwohl der sehr verschiedene
Standpunkt dieser beiden Gelehrten zeigt, daß die
Einleitungsfragen hier noch wenig geklärt sind, ja, daß
wir eigentlich erst im Anfangsstadium der Hesekielfor-
schung stehen. So freuen wir uns über jede Anregung
auf diesem Gebiete und begrüßen die vorliegende Arbeit
des bekannten Semitisten als einen dankenswerten und
wertvollen Beitrag, auch wenn wir seinen Resultaten
nicht zustimmen können. Torrey geht von ganz anderen
Gesichtspunkten aus an die Probleme heran und kommt
bei seiner Untersuchung zu anderen, von Herrmann sowohl
wie auch von Hölscher stark abweichenden Ergebnissen
. Um das Wichtigste gleich vorweg zu nehmen
, so gehen T.s Thesen dahin, daß wir es im Hes.-
buche mit einer ursprünglich nicht im Exil, sondern in
Jerusalem verfaßten Prophetenschrift zu tun haben, die
von Anfang bis zu Ende an das Volk von Jerusalem
und Juda gerichtet gewesen sei. Obgleich sie aus dem
Exil herrühren will, sei sie in Wirklichkeit ein sehr spätes
Produkt („the latest of all the canonical Old Testament
prophecies with the exception of the second half of
Daniel"), aufgebaut und hergeleitet aus der Schilderung,
die in II. Reg. 21, 1 —17 von der Regierung Manasses
gegeben wird, und bald darauf durch einen Redaktor
umgewandelt in ein Werk der Golah. Ausgangspunkt
für die Untersuchung ist die jüdische Tradition (S.
11—23) und, Gedanken Wildeboers und Bertholets aufnehmend
, die Feststellung, daß die älteste jüdische
Oberlieferung überhaupt keinen Exilspropheten Hes. !
kennt. Zwar erweckt der MT einen ganz anderen Ein- |
druck, aber die kritische Beurteilung des vorliegenden
Textbestandes (S. 24—44) ergibt, daß es nur einzelne
kleine Sätzchen und Wortgruppen (übersichtlich von
Torrey zusammengestellt S. 108—111) sind, welche jetzt
eine Beziehung zur Golah herstellen. Und alle diese
Worte lassen sich ohne die geringste Störung des Zusammenhanges
leicht aus dem Kontext herauslösen mit
Ausnahme nur von 12, 10—12, wo sich Wortumstellung
und eine unbedeutende Korrektur als notwendig erweist.
Da aber andererseits viele Prophetenworte Jerusalem
und Juda als Ursprungsland voraussetzen, wird der nahe
liegende Schluß gezogen, daß die „original prophecy",
der „uninterpolated" Hes. überhaupt keine Kenntnis von

den Exulanten besitze, und zwar deshalb nicht, weil er
älter sei als das Exil. Diese Meinung wird gestützt
durch Stellen wie 16,20 f. 36; 20,26. 31; 23,37. 39,
die deutlich genug auf den Melekdienst anspielen. Damit
wird ein anderes bedeutsames Problem in die Diskussion
miteinbezogen, das einen Exkurs über die viel
umstrittene Josia-Reform notwendig macht (S. 45—57).
Verfasser schließt sich hierbei Duhms Thesen über Je-
remia an, wonach diese Reform Josias auch unter seinen
Nachfolgern wirksam geblieben ist. Von den drei dagegen
sprechenden Stellen (Jen 7,31; 19,5; 32,5)
komme ernstlich nur die erste als allein unverdächtig in
Frage. Aber ihre Aussage kann (wie überhaupt das
ganze Kapitel Jer. 7) sehr wohl auf eine ältere Zeit
gehen als Jojakim, ja auch älter sein als die Reform
selbst; um so eher, da nach Jer. 1,2 Jeremias Wirksamkeit
bereits im 13. Jahre Josias begann. Mit Giesebrecht
wird also hier in 7, 31 eine Schilderung der Zustände
der Manassezeit erblickt. Dann aber habe die gleiche
Auffassung auch für die eben genannten Hes.stellen zu
gelten. Welche Zeit im einzelnen gemeint sei, ist unschwer
zu beantworten. Wenn man mit T. allen Nachdruck
legt auf das problematische 30. Jahr (Hes. 1,1),
wird man auf das 30. Regierungsjahr Manasses geführt
(S. 58—70). Aber T. geht noch einen Schritt weiter,
und zwar unseres Erachtens einen sehr kühnen Schritt:
der ganze Charakter des Buches (S. 71—101) zeige nur
zu deutlich („. . is not the clairvoyance of an exiled epi-
leptic"), daß auch die Manassezeit nur eine Fiktion sein
könne, zumal die Sprache (Aramaismen) und die literarischen
Beziehungen des Buches zu den andern A.T.-
lichen Schriften — und hier beruft Torrey sich ganz auf
die Untersuchungen seines Schülers Burrows — das
Buch Hes. in ganz späte Zeit verweise. Hierin geht T.
noch weiter als einstmals Zunz und rückt ganz in die
Nähe von L. Seinecke, Geschichte des Volkes Israel II
(1884). Bleibt schließlich nur noch nach den Motiven
für diese Fiktion zu suchen. Torrey sieht sie in dem
Gegensatz zwischen Juden und Samaritanern und ist
bemüht (S. 102—113), unter Berufung auf seine früheren
Studien eine plausible Erklärung zu finden.

Mit voller Absicht sind wir auf den Inhalt dieser
Arbeit so ausführlich eingegangen; denn wie man sieht,
ist T.s Werk reich an neuen und originellen Gedanken,
und selbst da, wo er bereits von früheren Forschern vorgetragene
Meinungen aufnimmt, weiß er ihnen eine
neue Beleuchtung zu geben. Besonders die Annahme,
daß das Buch Hes. auf II. Reg. 21 aufgebaut sein soll,
hat zunächst etwas Frappierendes. Aber ich muß gestehen
, daß den Gründen, die für eine Reprojizierung in
die Manassezeit und für eine ziemlich unmittelbar folgende
Umarbeitung für die Exilszeit geltend gemacht
werden, m. E. nicht die notwendige Wahrscheinlichkeit
und Beweiskraft inne wohnt. Auch der sprachliche Beweis
kann nicht, wie es bei T. geschieht, die letzte Entscheidung
haben. Der Herr Verfasser beschäftigt sich
(S. 92) auch eingehender mit meiner Besprechung von
Burrows, The literary Relations of Ezekiel (ThLZ. 1928,
Sp. 121 f.), die ich auch heute, nachdem ich Burrows
erneut eingehend durchgeprüft habe, zu meinem Bedauern
nicht in der Lage bin zu ändern. Ich stehe auch
heute noch auf dem gleichen Standpunkt, daß Fragezeichen
neben Fragezeichen kein wenn auch nur relativ
festes Resultat zuläßt, sondern eben nur eine Kette von
Fragezeichen ergibt, wofür ich mich übrigens auf die mir
soeben zugegangene Studie über Hes. von Smith als
Kronzeugen berufen kann. Außerdem bedauere ich, daß
T. sich mit Hölscher, den er natürlich kennt und auch
hier und da zitiert, so wenig auseinander setzt. Das
Prinzip, bei Hes. zwischen Poesie und Prosa zu unterscheiden
, so formal es auch sein mag, darf doch gerade
seit Hölscher nicht einfach bei Seite geschoben werden.
Wie aber die Dinge liegen, geht T. stillschweigend von
der älteren Voraussetzung aus, daß Hes. eine literarische
Einheit bilde. Eine eingehende Analyse hätte nicht feh-