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Ausgabe:

1932 Nr. 19

Spalte:

453-454

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Niebergall, Friedrich

Titel/Untertitel:

Der Neue Religionsunterricht. Bd. I, erw. Neudruck; Bd. II, 4. Aufl.; Bd. III, 2. Aufl.; Bd. IV 1932

Rezensent:

Cordier, Leopold

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453 Theologische Literaturzeitung 1932 Nr. 19. 454

natürlich der Versuch gemacht werden, seine Gedanken hinaus und will die „Fragen nach dem Wesen und der
ins moderne zu übersetzen und sie im Zusammenhange Wahrheit der christlichen Religion, die den Gegenstand

des Unterrichts bildet", begründen. Sachlich hat sich
inzwischen der Gegensatz vertieft, in dem sich diese
Sammlung von Anfang an wußte und zwar nicht so
sehr nach der Seite des „alten" Religionsunterrichts,
dem gegenüber die „Selbständigkeit des Schulreligionsunterrichts
" geltend gemacht wurde, als in der Frontstellung
gegen einen „neuesten" Religionsunterricht, der,
wie die Veröffentlichungen von Theodor Heckel und

aufzufassen. Und ich muß sagen, daß namentlich die
zwei letzten Stücke der Abschnitte über Selbstentbindung
und Selbstbezeugung neues Licht über den inneren Reichtum
des Landes der Subjektivität geworfen haben. Daß,
"Wie wir gesehen haben, überall mit ästhetischen Mitteln
und Vorbildern gearbeitet ist, hat offenbar seinen
Grund darin, daß der Verf. wie Kierkegaard selbst, die
Menschen durch ästhetische Mittel in das Heiligtum der

Religiosität leiten wollte Und dennoch werden gewiß j Gerhard Bohne zeigen, die Rehgionspadagogik vor neue

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viele Menschen die Benutzung von Don Quijote, Dantes
u'vina commedia, das Symposium, Hamlet u. a. merkwürdig
finden. Und verwirrend wirkt es, daß die Gestalten
Kierkegaards so wirr durcheinander geworfen
sind. Dennoch liest man das Buch mit großer Freude,
*s ist von einer bedeutenden von Kierkegaard inspirierten
ersönlichkeit geschrieben.

Kopenhagen. Ed. Geismar.

Schaeder, Professor D. Erich: Der Gott des Wortes und die
Mission. Referat auf der Missionskonferenz der Provinz Sachsen
Februar 1929. Gütersloh: C. Bertelsmann 1929. (36 S.) 8°. =
Beiträge z. Förderung christl. Theologie. Hrsg. v. A. Schiatter u.
W. Lütgen. Bd. 32, Heft 4. RM 1.20.

Die Ankündigung und Besprechung des auf der
Missionskonferenz der Provinz Sachsen im Februar 1929
gehaltenen Referats erscheint leider recht verspätet. Die
darin angeschnittene Frage darf jedoch noch heute auf
ein iebhaftes Interesse rechnen, wenn auch die Missionstagung
in Jerusalem, die den Anlaß zu dem Vortrage
gegeben hat, weit zurückliegt und nur noch in gelegentlichen
literarischen Äußerungen nachklingt. Wenn man
ln Jerusalem bestrebt war, ein gewisses positives Verhältnis
zwischen den nichtchristlichen Religionen und
dem Christentum herauszustellen, indem man die Wahrheitsmomente
und positiv-religiösen und sittlichen Werte
ln- den nichtchristlichen Religionen hervorhob, so macht
dem gegenüber der Referent bei aller Anerkennung darauf
aufmerksam, daß es sich dabei nur um Einzelerscheinungen
handelt, um einzelne Vorstellungen oder Komplexe
von Überzeugungen und Anschauungen, und daß
diese erst von den Zusammenhängen aus, in denen sie in
der religiösen Bewegung der Geister stehen, gewürdigt
werden können. Wenn Islam und Christentum gemeinsam
die Majestät Gottes bekennen, so ist das im Zusammenhang
des in beiden Religionen sich kundgebenden
Geistes nicht dasselbe, sondern etwas wesentlich anderes,
trägt ein „einigermaßen anderes Gesicht und eine recht
andere religiöse Temperatur". Genauso ist es bei dem Gemeinsamen
, was die vergleichende Religionswissenschaft
p Buddhismus, Hinduismus und Konfuzianismus findet.
Auch noch an anderen Punkten zeigt der Referent die
Gefahrenzone, in deren bedenkliche Nähe schon durch
d'e Art ihrer Zusammensetzung die Konferenz sich gerückt
sah. Die geübte Kritik ist aber sachlich und
freundlich und versäumt nicht, das in der Botschaft der
Jerusalemer Konferenz enthaltene Wahre und Wertvolle
anzuerkennen. Die Mission kann nur dankbar dafür sein,
Wenn eine wortgebundene Theologie ihr hilft, immer wieder
die Grundlagen ihres Seins und ihres Wirkens zu
Prüfen und dadurch klarer zu erkennen.
Flennannsburg. Chr. Schomerus.

N i e b e rga 11, Prof. D. Friedrich, u. Pfr. R. Em I e i n : Der Neue
Religionsunterricht. Bd. f: Lehre v. Religionsunterricht v. F.
Niebergall, erw. Neudr.; Bd. II: Die Biblische Geschichte v. R. Emiein
, 4. Aufl.; Bd. III: Das Christenleben v. F. Niebergall, 2. Aufl.;
Bd. IV: Pädagogische Religionsphilosophie v. F. Niebergall. Langensalza
: J. Beltz 1926, 1928, 1929 u. 1930. (270, 303, 242 u.
143 S.) gr.8°. L RM 6.50; geb. 8—; IL RM 7—; geb. 8.50;

III. RM 7—; geb. 8.50; IV. RM 4—; geb. 5.50.
In rascher Folge hat das vorliegende Werk neue
Auflagen erlebt und damit den Beweis für seine praktische
Bewährung erbracht. Ein neu hinzugekommener
4. Band („Pädagogische Religionsphilosophie") führt
uber die „Fragen nach Stoff und Methode" des R.U.

Fragen gestellt hat. Damit erhält dieser „Neue Religionsunterricht
" von Niebergall und Emiein seinen ganz
bestimmten Platz in der gegenwärtigen Debatte über
den R.U. Er arbeitet im Dienst einer neuzeitlichen
Persönlichkeitspädagogik und vom Standort moderner
Psychologie, und er tut das mit Konsequenz, Ernst und
Gründlichkeit. Gerade diese psychologische und personelle
Grundorientierung ist es aber, gegen die eine
neuste Religionspädagogik ihren Widerspruch angemeldet
hat. Von einer künftigen Neubearbeitung des Nieber-
gall-Emleinschen Werkes werden wir darum weitere
interessante Auseinandersetzungen erwarten dürfen.
Gießen. L. Cordier.

Sauerland, Hans: Heldenbuch der Kirche. Zweitausend Jahre
lebendiges Christentum gesehen a. d. Perspektive unserer Zeit. Wiesbaden
: H. Rauch [1931]. (319 S. m. Abb.) gr. 8°. geb. RM 12—.
Der Titel des Buches führt irre, und auch der Untertitel gibt keinerlei
Richtigstellung oder Aufklärung. Es werden 80 biographische Skizzen
lediglich von Vorkämpfern der römisch-katholischen Kirche gegeben; es
werden geschildert Menschen von heilig-mäßigem Lebenswandel, zum Teil
Heilige der römisch-katholischen Kirche, z. T. menschliche Führergestalten
der Kirche überhaupt, sodann aber Menschen deren Charakterbild zwar
nicht gerade schwankt aber doch je nach Stellungnahme des Betrachters
der zwiespältigen Deutung ausgesetzt ist. Die einzelnen Biographien, von
denen die über schlichte Glaubensmenschen der jüngsten Zeit besser gelungen
sind als die über die Helden und Heiligen der Kirchengeschichte
längst vergangener Jahrhunderte, sind nach dem Festkalender geordnet,
beginnend mit Simeon Stylita (5. Januar) und endend mit Johannes Ev.
(27. Dezember). Das auch sonst mit Sorgfalt ausgestattete Buch bringt
über 80 Bilder auf 40 Tafeln, also durchschnittlich zu jeder Biographie
ein Bild, und zwar neben unbekannten Meistern auch ungezeichnete
neuere Bilder von geringem Wert, vor allem aber Wiedergaben vieler
berühmter Bilder aus der Geschichte der Heiligen der römisch-katholischen
Kirche, Bilder von Dürer, Eyck, Führich, Giotto, Holbein, Max,
Michelangelo, Murillo, Raffael, Reni, Rubens, Steinle, Teniers, Tiepolo
und vielen anderen aus allen Jahrhunderten. Bild und Darstellung werden
zuweilen recht volkstümlich z. B. bei Carlo Borromeo und gar bei St.
Martin, wo die Gestalt Sankt Martins auf dem rheinischen Martinsfest
nach Offergeid recht lustig wirkt. Neben großen Gestalten der Kirchengeschichte
werden hier in den Kreis der Helden eingeführt schlichte
Menschen, deren „Taten" nur wenigen bekannt geworden sind, dazu
kommen neuere Streiter für Rom, die noch allzu sehr umkämpft sind :
neben der heiligen Hildegard von Bingen die Anna Katharina Emmerick,
neben Sixtus II. Pius X., neben Thomas More der erst 1925 verstorbene
Arbeiter Matt Talbot, neben Franz von Assisi Don Bosco, der Vater der
Niemands-Kinder, dazu Franz Kolping, Franz M. Paul Libermann und
Friedrich Ozanen.

Leipzig. Otto Lerche.

Die Bekehrung des Paulus

religionsgeschichtlich u. religionspsychologisch neu untersucht

Von Lic. theol. Ottfried Kietzig

Pfarrer in Altlüdersdorf/Mark

VI, 226 Seiten. 8°. 1932. RM 12—; geb. 14.50.

Untersuchungen zum Neuen Testament. Heft 22.

Die Geschichte der Paulusforschung führt den Verfasser zu einer neuartigen
Formulierung des Problems: Die Bekehrung des Paulus. Er behandelt
die Frage eines schöpferisch originalen Christuslebens in der Bekehrung
Zunächst gibt er religionspsychologisch Einblicke in die Struktur des'
religiösen Erlebens und reiht die Bekehrung des Paulus auf Grund von
eigenen religionspsychologischen Analysen in die Gruppe „sekundär-
konfesslonc er • Bekehrungen ein. Die Untersuchung über „sekundär-
kunfessionelle" Bekehrungen führt auf die Entstehung einer originalen
Erlebnisform in der Bekehrung von normativ produktivem Charakter
An dieser rehgionspsychologischen Norm werden alle bisherigen Ver"
suche zur Frage gemessen.

J. C. Hinrichs'sche Buchhandlung in Leipzig.