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Ausgabe:

1932 Nr. 1

Spalte:

429-430

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Schreiber, Georg

Titel/Untertitel:

Das deutsche Volkstum und die Kirche. Ein Beitrag zum Ethos der Minderheiten 1932

Rezensent:

Schowalter, August

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Seite 1

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429 Theologische Literaturzeitung 1932 Nr. 18.__430

n j. ~s „ •.«. -4. „t,„:Hpti und entschei- sollte jedes Minderheitengebiet als ein humanes Natur-

^^S-^^ ^klären- 3,5 €inen Nationalpark der

den (§. 10d) An diese grundsatzh he.^ ^IteX zt Menschheit, als ein Volkstumsgebiet sakrosankter Natur,

Darlegung schließt.sich eine. emzigarti« umtassenae Anschauungsunterricht der Menschenrechte,

sammenstellung aller einschlägigen J;1™' ^ I Allerdings nicht aus einem karitativen Empfinden heraus,

bis 161), in der ich keine Lücke bemerkt "aD*- : sondern& in Anwendung einfachster Rechtsgrundsätze.

Berlin. Nicht um museal zu konservieren, sondern um Echtes

und Bodenständiges ... weiter zu'entwickeln" (S. 68).
Harnack. Adolf von: Von, inwendigen Leben B^chtu"!«™ ; di dj G^ des Verständnisses

über Bibelworte u. freie Texte. Heilbronn: E. Salzer 1vj1. 1 ; ^ Qewachsenes und Naturhaftes nährt und immer
kl. 8°. KM ' ' ' . ! genährt hat, ist für Sehr, im wesentlichen die romisch-

Daß H gern gepredigt hat, ist bekannt, aber doen , g thoHsche Kirche. Es wird direkt peinlich, wenn unter
wird1 die feine g!S di? hier aus dem Nachlaß des Kirchl. Maßnahmen" (S. 79-81) in der Hauptsache
Rroßekriti cLn Gelehrten dargeboten wird manchem £ Laterankonzil von 1215 und ein Schreiben des
limlüh^ Betrachtungen, die aus der ! ^.„^ PacelH angeführt wird, mit keinem Wort auf

die Unterdrückung so vieler Volkstumskraft in der Ver-

— raschung „

Kriegszeit und der unmittelbar folgenden Zeit stammen,
sind eine o-anz persönliche Gabe des Verstorbenen an

eine junoe^Verwandte Sie ihr in schwerer Zeit Trost r^TÄ*' w ? ^ ^ ^ Schwächung der „Welt-
brinoin ™?r*;1ner Einwilligung sind sie nun der kircbe ?"r?.htete' eingegangen wird (damit „die Kirche"

bringen sollte- mit seiner Einwilligung sind sie nun der ! «ircne-- juratete, eingegangen wirü (damit „die Kirche"
ÖffentHchkeit zuTängl ch gemacht.0Sie tragen als Motto i fehllos bleibt!) seitenlang katholische Priester aufge-
-< ....ULllKCU zugdiigiiL.n_gt j;-s-------_mi-i. ! zahlt werden (S. 83—87), die das eigene Volkstum gestärkt
und fremdes beschützt haben, während nur in einer
Anmerkung gesagt ist, daß „die Stellung des evange-

ein Wort von H.: „Drei Dinge sind es, die unergründlich
sind — Leben, Seele, Gott — und die doch für uns das
Sein selbst sind" Diese Worte sagen wirklich, worum

« in diesem Buche geht. Im wesentlichen behandeln »sehen Pfarrhauses ebenfalls eine besondere Unter

in uicscm uui.iic s»-"'. ... r. i____i_ siirhiinor vorrliont" tS 8Si • Haß Aar- CooW.^™ Ca- j:.

suchung verdient" (S. 85); daß der Seelsorge für die
katholischen Auslandsdeutschen gedacht wird, aber
nicht der viel frühereren und intensiveren für die Evangelischen
im Ausland schon vor dem Krieg oder für
die evangelischen Glaubensgenossen in den nun abgetrennten
Gebieten; oder daß der ganze Heiligenkult als
„Morgengabe der Kirche" an das nach Gestaltung ringende
Volkstumsethos gefeiert wird (S. 51—56). „Die
Kirche", von der Sehr, redet, kann offenbar nicht Buße

Berlin. A. Schowalter.

diese z. T. ganz kurzen, z. T. ausführlichen Betrach
hingen Worte der Bibel, (eine unter ihnen eine eingehende
Erörterung von Pantheismus, Deismus, Theismus
), zwei schließen sich an Worte von Goethe und
Anselm Feuerbach an, und eine bringt eine Auseinandersetzung
mit einem Vortrag von Johannes Müller, sie
schließen mit einem tief empfundenen, schlichten Gebet,
•n all diesen Betrachtungen erweist sich H., wie von
vornherein zu erwarten war, als ein Meister des Worts ,

und der fein geschliffenen Gedanken, aber er zeigt auch tun,7, darum auch "'cht anerkennen, daß sie jetzt erst
die Gabe, bei gründlichem Eindringen in den Text und ' nachholt, was andere Kirchen voraushatten. Die Dar-
die Tiefen der Schrift die frohe Botschaft des Evan- I i,.llun£ seIbst entbehrt der Geschlossenheit und klaren
geliums als Kraft und Trost herauszuholen und darzu- I Gliederung,
bieten. Vortrefflich, wie dieser kritische Theologe, der
sich als solcher auch in diesem Büchlein nicht verleugnet
, hier ganz positiv Evangelium verkündet.

Pouch bei Bitterfeld. Wilhelm Usener.

Schreiber, Georg: Das deutsche Volkstum und die Kirche.

Ein Beitrag zum Ethos der Minderheiten. Köln: Gilde-Verlag 1932.
(104 S.) 8°. = Schriften z. dtsch. Politik. Reihe 2, H. 27. RM 1.80.

In dieser Schrift hat der Herausgeber der „Schriften
2ur deutschen Politik", der Münsterer Prälat und Universitätsprofessor
Sch., der auch öfter als Berater der
deutschen Reichsregierung fungiert, sich zum Wortführer
aller reichsfremden Deutschen im Kampf gegen die
Entnationalisierungspolitik der „Siegerstaaten" gemacht.
Grundsätzlich muß der Volkstumsgedanke als „fortschrittliche
Kulturidee" (S. 17) betrachtet werden, die
€jne Entwicklung des Staaten- und Menschenrechts zu
einem organisch gesehenen Volkstumsrecht bedingt.
Das Volkstum kann und muß neben dem Staat bestehen,
°bne daß der Staat dadurch geschädigt wird; es gibt
dem Staate erst seine Kulturtiefe. Theoretisch ist das
«dies sehr schön, und es könnte vom evangelischen
Standpunkte aus auch nicht anders gesagt sein, aber in
der Praxis reiben sich Volks- und Staatsforderungen
leider oft sehr hart aneinander, und diese Reibungen
Iassen sich, wenn überhaupt, kaum anders als durch
Politische Abmachungen beseitigen. Was ist in der
Praxis aus der kulturellen Autonomie, die zuerst Estland
durch Gesetz vom 5. Febr. 1925 freiwillig einführte,
geworden! Und wie trostlos ist das Minderheitenrecht
selbst in den meisten der Staaten, denen bei ihrer Neurod
Umbildung 1919 völkerrechtliche Bindungen auferlegt
wurden (Polen, Tschechoslowakei, Rumänien, Jugoslawien
und Griechenland, dann auch Bulgarien, Ungarn
u"d Türkei)! Wir können nur wünschen, daß da, wo
es sich um beachtenswerte Minderheiten handelt, die
Frage ihrer Erhaltung und Pflege in dem Geiste gelöst
wird, der Schreibers Darlegungen durchzieht. „Man

Leisegang, Prof. Dr. Hans: Kirche und Volk. Ein Vortrag.

Jena: Frommannsche Buchh. 1931. (30 S.) 8°. = Student u. Leben,
hrsg. v. Prof. D. E. Fascher, H. 4. RM —60.

Von dem verschiedenartigen Verständnis des Wortes
Volkskirche ausgehend und von dem, was die einen oder
andern als Ansprüche an sie anmelden, gibt Verf. eine
kurze Darlegung von dem, was unter Staat, Volk und
schließlich Kirche zu verstehen ist. Die gegenwärtig, namentlich
von deutsch-völkischer und sozialistischer Seite
herrührenden Probleme werden besprochen. (Deutsch-
Kirche und Maurenbrecher in ihrer grundverschiedenen
Einstellung zum Alten Testament.) Richtig wird
die Andersartigkeit der Kirche gegenüber Staat und Volk
betont, nicht Organisation, sondern Organismus, „Der
Leib Christi". Nicht im alttestamentlichen, aber in anderem
Sinn besteht ein inniger Zusammenhang zwischen
Christentum und Volkstum, wenn er auch deutsches
Christentum (Heliand) und deutsche Philosophie nicht
als so eigenstämmig gewachsen ansieht, wie es vielfach
geschieht. Bei aller starken Kritik an der Kirche, wie
sie ist, wobei L. doch ihr auch gerecht zu werden versucht
, klingt eine starke Sehnsucht nach „Kirche" durch,
daraus ergeben sich seine Forderungen an die gegenwärtige
Kirche.

Pouch bei Bitterfeld. Wilhelm Usern

i e r.

Schulze, Studienrat Lic. Dr. Fritz: Erziehung und Evangelium.

Theorie d. Bildungshilfe vom evangelischen Standort aus. Langensalza
: H. Beyer 8t Söhne 1932. (276 S.) 8°. = Fr. Manns Pädag.
Magazin. H. 1355. RM 6—; geb. 6.80.

Die vorliegende Schrift ist die Fortführung einer
Arbeit des gleichen Verfassers über das Verhältnis von
Bildung und Religion. Bildung ist für ihn die „Fähigkeit
der dauernden Selbstentscheidung mit dem Ziel,
seine autotele Individualität in der Syntelie mit der Pan-
telie zu gewinnen" (Bildung und Religion S. 191). Das