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1932 Nr. 18

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424

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(ohne Kategorisierung)

Titel/Untertitel:

Die Saganer Jesuiten und ihr Gymnasium. Festschrift zur Dreihundertjahrfeier des Staatlichen Gymnasiums in Sagan 1932

Rezensent:

Alberty, Gerhard

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Theologische Literaturzeitung 1932 Nr. 18.

424

ängstliche Gelehrtennatur Opitzens nicht geboren. Dann
wäre es aber nicht nötig, alles Religiöse bei Opitz nur
als Heuchelei und Phrase anzusehen. Um dies beurteilen
zu können, wäre ein Eingehen auf sein Leben und
eine genauere Schilderung der Zeitläufte, besonders der
religiösen und kirchlichen Zustände in Opitzens Heimat
Schlesien unumgänglich. Daß beides fehlt, bedaure ich
lebhaft. Der erste Und letzte Teil des Buches hätten
außerordentlich an Anschaulichkeit gewonnen.

Strehlen, Schlesien._ Hellmut Eberlein.

Hoffmann, Hermann: Die Jesuiten in Brieg (zur schlesischen
Kirchengeschichte 4). Brieg: R. Kubisch (Brieger Zeitung) 1931.
(129 S.) gr. 8°.

Seinen schon erschienenen Büchern über die Jesuiten
in Glogau und Sagan hat der Verfasser nunmehr auch
ein Buch über die Jesuiten in Brieg (inzwischen auch
solche über die Jesuiten in Schweidnitz und Deutschwartenberg
) angefügt. Dasselbe fußt auf dem bekannten
Werk von B. Duhr über die Geschichte der deutschen
Jesuiten; aber darüber hinaus auf eigenen archivalischen
Studien und Forschungen, die den großen Wert von
Hoffmanns Büchern ausmachen. Hinzu kommt, daß der
Verfasser, wie er ausdrücklich in dem Vorwort sagt,
sich Mühe gegeben hat, „mit rücksichtsloser Aufrichtigkeit
" zu schreiben, Pläne, Gedanken, Wünsche ans
Tageslicht zu bringen, die einst nur für Jesuiten bestimmt
waren.

Die wichtigsten Daten aus der Brieger Jesuitengeschichte
sind kurz folgende: 1681 zieht die Sozietas Jesu
in Brieg ein, nachdem bis dahin wohl dann und wann
Berührungen des Brieger Hofes mit den Jesuiten stattgefunden
hatten; das Aussterben der Piasten 1675 macht
die Bahn für ihren Einzug frei und sie kommen als
„Mission" — später bringen sie es zur Residenz; zum
vollen Kolleg haben sie es nie gebracht. Wichtig und
wertvoll ist der Bericht über ihre Tätigkeit als Verbreiter
katholischen Glaubens im damals noch ganz evangelischen
Brieg; an Klugheit, Diplomatie, Gewaltakten
hat es ihnen dabei nicht gefehlt: „Die Jesuiten bemühten
sich, alle gesetzlichen Möglichkeiten zu gunsten
der Katholiken, zu Ungunsten der Protestanten auszunützen
". In die Verwaltung von Hof und Stadt, in die
Innungen, sogar in die frei werdenden evangelischen
Prediger- und Schulstellen versuchen sie, — mit und
ohne Erfolg — Katholiken einzuschieben. Vor allem
haben sie es — typisch für ihr Vorgehen überall — auf
die gebildete Jugend und einflußreiche Kreise (Adlige!)
abgesehen. Interessant ist der Abschnitt: „Konvertiten",
bei dem man nur eine psychologische Untersuchung über
die einzelnen Fälle wünschte. Wer das kleine Brieger
Mosaikbild der schlesischen Gegenreformation im größeren
Rahmen anschauen will, der lese dazu das Buch:
Dorothee von Velsen, Die Gegenreformation in den
Fürstentümern Liegnitz-Brieg-Wohlau 1931 und die dort
gebotenen geschichtlichen Vorgänge und staatsrechtlichen
Grundlagen!

Recht interessant sind auch im vorliegenden Buch
Hoffmanns die Schilderungen über die eigentlich seelsorgerliche
und pädagogische Tätigkeit der Jesuiten
innerhalb ihres katholischen Volksteils. Auch da ergibt
sich das übliche Bild: Großer persönlicher Eifer in
Seelsorge, Kultus, Prozessionen, Bruderschaften, Kirchbau
, Schulwesen, — ein starkes Wertlegen dieses katholischen
Ordens auf solche Dinge, die auf die Massen
wirken und in den Augen der Öffentlichkeit angenehm
auffallen. Auf S. 61 im Bericht über den Kampf gegen
den Aberglauben und auf S. 76 ff. im Bericht über
Heiligenverehrung nimmt das Buch stark den Stil katholisch
-legendären Schrifttums an. Mit der Aufhebung des
Jesuitenordens 1773 ist ihre Tätigkeit noch nicht ganz
abgeschlossen; als Schul in stitus-Weltpriester können sie
noch ein Vierteljahrhundert ihre pädagogische Tätigkeit
fortführen, bis 1801 die Brieger Residenz aufgehoben wird,
die ihr ganzes Bestehen über dem Breslauer Kolleg unterstellt
war.

Wünschenswert wäre, daß der Verfasser neben seinen
Einzelschilderungen oder als ihren Abschluß eine Ge-
j samtdarstellung der Jesuiten in Schlesien folgen ließe,
die die wichtigsten Daten und die großen Linien an-

. schaulich machten.

i

Strehlen, Schlesien. Hellmut Eberlein.

Die Saganer Jesuiten und ihr Gymnasium. Festschrift zur Drei-
hundertjahrfeier des Staatl. Gymnasiums in Sagan. Sagan: Staatl-
Gymnasium [1928]. (255 S.) gr. 8°. RM 4—-

Diese anonym erschienene Festschrift stammt wahrscheinlich
aus der Feder des mit der Geschichte des
Jesuitismus in Schlesien besonders vertrauten Hermann
Hoffmann. Aus bisher fast garnicht ausgewerteten
Quellen baut er die Geschichte des Kollegs auf, von der
Zeit Wallensteins an bis zur Auflösung des Ordens.
Am meisten allgemeines Interesse dürfte wohl der
2. Teil des Buches beanspruchen, der von Architektur,
Seelsorge und Gottesdienst, Unterricht und Jesuitendrama
handelt und gerade bei letzterem gute Einblicke
in Jesuitenpraxis erschließt. Leider erstickt man oft in
dem vielen herbeigebrachten Material und Einzeldingen,
was dem Buche die Einheitlichkeit und Geschlossenheit
nimmt, und die Lektüre nicht leicht macht. Aber wer mit
Geduld liest, wird manche interessante Einzelheit gern
zur Kenntnis nehmen,
j Konradswaldau, Krs. Trebnitz. Gerhard Alberty.

i Sa ttl er , Dr. P. Placidus, O.S.B.: Die Wiederherstellung des
Benediktiner-Ordens durch König Ludwig I. von Bayern.

I. Die Restaurationsarbeit i. d. Zeit Eduards von Schenk. München :
R. Oldenbourg in Komm. 1931. (VII, 223 S.) 8°. = Studien und
Mitteilgn. z. Gesch. d. Benediktiner-Ordens u. s. Zweige. Hrsg. v.
d. Bayer. Benediktinerakademie, Ergänzungsheft 7. RM 7—-

Die Regierung Montgelas am Beginn des 19. Jahrhunderts
führte dem Zeitgeist entsprechend in Bayern

I die Säkularisation der Klöster restlos durch. Aber bald

i machten sich Restaurationsbestrebungen bemerkbar.
Beim Abschluß des Konkordats 1817 waren sie zwar
noch so unbedeutend, daß man nur allgemein die ganze
Angelegenheit berührte. Wenige Jahre jedoch genügten

[ und der neue König Ludwig I. fühlte sich dazu berufen,

j ihnen weitgehendes Entgegenkommen von Seiten der
Staatsregierung zu erwirken. In dem kurzen Zeitraum
von 6 Jahren waren 1831 48 Klöster wieder erstanden.

i Die vorliegende Studie schildert nun den Beginn der
Restauration des Benediktinerordens. Schon da erhebt
sich die Frage, ob es methodisch richtig war, die Untersuchung
auf einen einzigen Orden zu beschränken. Es
wird z. B. nicht klar, warum gerade beim Benediktinerorden
sich eine Schwierigkeit nach der andern erhob,

I während das Wiedererstehen der Mendikantenklöster in

j kürzester Zeit ohne viel Hindernisse erfolgte. Vor allem
aber fehlt das Rekurrieren auf die Einstellung der ganzen
Zeit, die ja in jenen Tagen einen völligen Bruch

! mit der Vergangenheit erlebte.

Die Restauration des Benediktinerordens hatte die

i größten Schwierigkeiten zu überwinden. Dem eifrigen
Förderer, Ed. v. Schenk, der 1825 zum Vorstand des
obersten Kirchen- und Schulrates ernannt worden war,
opponierte der Finanzminister Armannsperg. Das warme
Eintreten Bischof Michaels von Seiler konnte wenig
nützen, da die meisten alten Benediktiner die Wiederaufnahme
des Klosterlebens ablehnten. Der Stimmung weiter
Volksmassen gegen einen neuen Klosterfrühling kam zu

. Hilfe die Beschränktheit der zur Verfügung stehenden

i Mittel. Auch der dadurch erzwungene Rücktritt Schenks

I konnte die Opposition der Kammer nicht brechen, man
wagte nicht, Staatsmittel für solche Zwecke zur Ver-

I fügung zu stellen. So wäre wohl das einzig, bis dahin
errichtete Kloster Metten — am 31. März 1830 waren

, 2 alte Benediktiner S. Ildefons Nebauer u. P. Roman
Raitl. in das von dem niederbayr. Edelmann Jon. B.

j von Pronath geschenkte alte Konventgebäude wieder eingezogen
, wieder eingegangen, wenn nicht endlich König

I Ludwig I. selbst aus seiner Privatschatulle die vom