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Ausgabe:

1932 Nr. 18

Spalte:

419

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Köhne, Joseph

Titel/Untertitel:

Die Ehen zwischen Christen und Heiden in den ersten christlichen Jahrhunderten 1932

Rezensent:

Seesemann, Heinrich

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419

Theologische Literaturzeitung 1932 Nr. 18.

420

Könne, Dr. Joseph: Die Ehen zwischen Christen und Heiden

in den ersten christlichen Jahrhunderten. Eine religionsgeschichtliche
Studie. Paderborn: Bonifacius Druckerei 1931. (76 S.)8°. RM 4—.
Die Abhandlung bietet — unter Heranziehung einer
großen Zahl von Quellen, deren Verwertung man weithin
zustimmen kann — ein anschauliches Bild über die
Mischehen (d. h. Ehen zwischen Christen und Heiden)
in den ersten christlichen Jahrhunderten. Der Untertitel
der Arbeit „eine religionsgeschichtliche Studie''1 führt
allerdings irre; danach erwartet man zum mindesten
Auskunft, ob sich irgendwelche Nachrichten über Mischehen
auch auf heidnischer (bzw. jüdischer) Seite finden.
Der Verf. zieht jedoch nur kirchliche Quellen heran.
Bei dieser Begrenzung des Themas wäre „eine k i r -
chengeschichtliche Studie" doch wohl der angemessenere
Titel. — Die Arbeit zerfällt inhaltlich in drei nur
lose mit einander verbundene Abschnitte, von denen der
erste und dritte bereits in der Zeitschrift „Theologie
und Glaube" 1931 H. 3 u. 5 erschienen waren. Zunächst
orientiert der Verf. über die allmähliche Zu- j
nähme der Mischehen. Von Tertullian an, der als erster I
ihr Vorkommen bezeugt und aufs schärfste bekämpft,
ist zu beobachten, wie ihre Zahl ständig wächst; die I
Synoden von Hippo (393) und Chalcedon (451) verbieten
sie nur noch Kindern der Kleriker und solchen
Personen, die dem Klerus nahestanden; daraus folgert 1
der Verf. wohl mit Recht, daß die Zahl der Mischehen
so bedeutend geworden war, daß die Kirche sich außer- j
stände sah, durch ein allgemeines Verbot eine Änderung I
herbeizuführen, obgleich sie sie mißbilligte, wie aus einer I
großen Zahl von Äußerungen der Kirchenväter (außer
Tertullian noch: Cyprian, Zeno v. Verona, Ambrosius,
Hieronymus u. a.) zu ersehen ist. — Der zweite Abschnitt
schildert die Gründe, die für die Kirche bei
der Verwerfung der Mischehen maßgebend waren. Der
Verf. stützt sich dabei in erster Linie auf Tertullians
Schrift ad uxorem II, deren ausführliche, aber sach- |
liehe Kommentierung den größten Teil der Arbeit ausmacht
(S. 27—63). Auf wenigen Seiten wird dann
noch die ablehnende Haltung von Zeno, Ambrosius und
Hieronymus dargelegt. — Der letzte Teil „Die Ehe-
schließungsform in der Zeit Tertullians" steht mit dem i
Gesamtthema kaum in Zusammenhang. Doch ist er |
als Ergänzung zu den ersten Ausführungen zu begrüßen.
Allerdings muß eine Einschränkung gemacht werden:
auch hier verspricht die Überschrift mehr, als der Inhalt
bietet. Der Verf. redet nicht über die Eheschließungs- !
form in der Zeit Tertullians, sondern nach den
Schriften Tertullians. Wollte er über die Eheschließungsform
in der Zeit Tert. handeln, so müßte er I
sehr viel mehr Quellen — ich nenne nur die archäologischen
— heranziehen. Dann ergäbe sich für die Form
der Eheschließung ein viel mannigfaltigeres Bild, als es
der Verf. zeichnet. Dann trifft auch die Schlußfolgerung, '
die K. aus der Schilderung bei Tertullian zieht, nicht
mehr unbedingt zu; sicherlich kam für Mischehen eine j
„Trauung" vor der Gemeinde nicht in Frage — aber ist I
es deswegen sicher, daß diese Ehen „formlos" ge- !
schlössen wurden? Hier vereinfacht der Verf. das Bild
der Vergangenheit zu sehr. — Trotz dieser Einschränkungen
ist die Schrift jedoch als willkommener
Beitrag zur Frage nach dem Verhältnis zwischen Christen
und Heiden in der alten Kirche anzusehen.

Göttingen._H. Seesemann.

Engber di ng, Dr. P. Hieronymus: Das eucharistische Hochgebet
der Basileiosliturgie. Textgeschichti. Untersuchungen u.
kritische Ausgabe. Münster i. W.: Aschendorff 1931. (LXXXIX, 89 S.)
gr. 8°. = Theologie des christl. Ostens. Texte u. Untersuchgn., hrsg.
v. d. Benediktinerabtei St. Joseph, Coesfeld, H. 1. RM 9-.

Das vorliegende Heft eröffnet ein von der Benediktinerabtei
St. Joseph bei Koesfeld in Westfalen ins
Werk gesetztes Unternehmen, das unter dem Namen j
„Theologie des christlichen Ostens, Texte und Unter- I
suchungen" wissenschaftliche Arbeiten vereinigen soll, j
die „unsere Erkenntnis des christlichen Ostens, namentlich
auch der russischen Kirche zu fördern geeignet
sind", das aber zugleich einem höheren Zweck, nämlich
der Wiedervereinigung dieser Kirchen mit der
7tooxafh][jiEvii oi? «fyajrnc, mitarbeitend dienen soll. Die
Studie ist eine von A. Baumstark angeregte und bei
der philosophischen Fakultät der Bonner Universität eingereichte
Doktordissertation und zeichnet sich aus durch
Fleiß, Umsicht, Scharfsinn und gediegenes Verfahren.
Sie greift in die von den Gelehrten verschieden beantwortete
Frage ein, ob die morgenländischen Liturgien
sich von der Länge zur Kürze oder von der Kürze zur
Länge entwickelt haben, und sucht an den Fassungen
des eucharistischen Hochgebetes der Basileiosliturgie
zu zeigen, daß die Entwicklung von der Kürze zur Länge
gegangen sein müsse. Nachdem der Verf. seine Arbeit
in den größeren wissenschaftlichen Zusammenhang hineingestellt
, seine Forschungsgrundsätze aufgestellt und
die Vorarbeiten namhaft gemacht hat, gibt er eine Übersicht
über den handschriftlichen und gedruckten Stoff
in den verschiedenen Sprachen und eine Beschreibung
der von ihm benutzten ältesten Zeugen. Er würdigt sodann
den textkritischen Wert der Übersetzungen, erörtert
das Verhältnis der einzelnen Zeugen und Zeugen-
gruppen zu einander und bespricht Entlehnungen aus
der Basileiosliturgie in andern Liturgien und bei Schriftstellern
. Sein Ergebnis geht nun dahin, daß Basileios
die nach ihm genannte Liturgie nicht geschaffen, sondern
aus einem überkommenen Kernstück bearbeitet hat.
Die Liturgie liegt uns nämlich in vier Fassungen, in
ägyptischer, armenischer, syrischer und byzantinischer
Fassung, vor. Davon bilden S u. B gegenüber A die
höhere Einheit ,Tr, XV u. A wieder im Verhältnis zu Ä
die höhere Einheit Q, und diese ist die von Basileios
stammende Bearbeitung eines alten Formulars, das uns
im Wesentlichen noch in Ä erhalten ist. Nach dieser
Feststellung setzt E. die vier Texte des Hochgebetes
nebeneinander, wobei das zur vorbasileianischen Urge-
stalt Gehörige gesperrt gedruckt ist, die Q/-Gestalt (von
Basileios) in gewöhnlichem Satze steht und spätere
Zusätze unterstrichen sind. Bei den Übersetzungen wurde
möglichst die griechische Vorlage des Übersetzers,
nicht dessen eigene Arbeit, wiedergegeben, Stellen
aber, die vermutlich nicht in der Vorlage standen, sind
deutsch gegeben, soweit es sich nicht um geläufiges
griechisches Formelgut handelt. Hierauf werden die
Texte noch im einzelnen auf ihr gegenseitiges Verhältnis
untersucht, und den Schluß bilden sorgfältige Register.
Die hier gebotene Lösung einer schwierigen und verwickelten
Frage dürfte wohl einer Nachprüfung stand
halten.

München. Hugo Koch.

Mittelalterliche Bibliothekskataloge Deutschlands und der
Schweiz. Hrsg. v. d. Bayer. Akad. d. Wiss. in München. 3. Bd.,
1. Teil: Bistum Augsburg. Bearb. v. Paul Ruf. München : C. H. Beck
1932. (VI, 191 S.) Lex. 8°. = Mittelalterl. Bibliothekskataloge.
Deutschland und die Schweiz III, 1. RM 18—•

Den letzterschienenen Band dieses wertvollsten Rüstzeuges
zur mittelalterlichen Geistesgeschichte, der die
Stadt Erfurt behandelt und vom Leiter des Gesamtunternehmens
, Professor Paul Lehmann in München,
bearbeitet ist, haben wir in dieser Zeitschrift Jg. 1929
Nr. 5 ausführlich gewürdigt. Wir dürfen unter Bezugnahme
auf jene Ausführungen uns diesmal kurz fassen,
einmal weil methodisch neue Wege nicht beschritten
sind, weil sodann der Umfang des Buches und die Anzahl
der überlieferten Bibliothekskataloge merkwürdiger
Weise — im Hinblick auf die sonstige kulturelle Bedeutung
Augsburgs etwa im Vergleich zu Erfurt — nicht
groß sind und weil schließlich das Register, das erst
einen umfassenden Überblick über die geistige Struktur
der Diözese ermöglicht, noch aussteht. Wir behalten
uns vor, nach Erscheinen dieses Registers näher auf
diese Dinge einzugehen.

In dem vorliegenden Bande sind 66 Bücherverzeichnisse
zum Abdruck gekommen, von denen 29 bisher un-