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Ausgabe:

1932 Nr. 18

Spalte:

415-416

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Peet, T. Eric

Titel/Untertitel:

A Comparative Study of the Literatures of Egypt, Palestine, and Mesopotamia 1932

Rezensent:

Kuhl, Curt

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Seite 1

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Theologische Literaturzeitung 1932 Nr. 18.

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hat ihn T. Andrae (Le Monde Oriental XXV (1931) S. AT., weil allgemein bekannt, summarisch verfahren wird;

296—327) positiv gewürdigt. Auch eine Auseinander- leider ist auch Assyrien-Babylonien ziemlich stiefmütter-

setzung mit John P. Brown, The Dervishes or Oriental lieh bedacht, während Ägypten dafür um so ausführ-

Spiritualism (London 1868) wäre empfehlenswert. J licher zu Worte kommt. Die mitgeteilten ägyptischen

Göttingen._Werner strothmann. Texte, deren Wortlaut mehrfach von Ranke (bei Greß-

Peet, Prof. T. Eric, M. A.: A Comparative Study of the Lite"- m?""? .Texte und Bilder) abweicht, kann ich auf die
ratures of Egypt, Palestine, and Mesopotamia. Egypt's Nichtigkeit 'hrer Ubersetzung nicht im einzelnen naen-
Contribution to the Literature of the Ancient World. London: Oxford pruten. Echnatons Sonnenlied hätte wohl stichisch ge-
University Press 1031. (VII, 136 S.) gr. 8°. = The Schweich Lectures ' setzt werden können. Aber auf solche Einzelheiten
of the British Academy xxn, 1929. 6 sh. j kommt es weniger an. Wichtiger ist die Methode Peets,
Eine Untersuchung, die wie die vorliegende sich die ' gegen deren Berechtigung ich starke Bedenken nicht
Aufgabe stellt, die Literaturen des alten Vorderen unterdrücken kann. Das angewandte summarische VerOrients
mit einander zu vergleichen, wird von Alttesta- ; fahren begnügt sich mit den großen Literatur-Haupt-
mentlern, Assyriologen und Ägyptologen in gleicher j gruppen: Epik, Lyrik und Didaktik, verzichtet auf die
Weise lebhaft begrüßt und dankbar entgegen genommen j Herausstellung von Untergruppen und die Einordnung
werden. Steht infolge der immer neu zu Tage geförder- : der verschiedenen Stoffe in die ihnen entsprechenden
ten Schätze die Erforschung der „Literatur" des Alten Gattungen. Infolgedessen sind Texte verschiedenster
Orients überhaupt noch stark in den Anfängen, um j Gattungen zusammengebracht, z. B. das „Drescherlied"
wieviel mehr bleibt noch zu tun für die Zusammenschau ( und die „Pyramidentexte" und das Lied „Von der Ver-
und Wertung des Ganzen! Am weitesten voran ist die ; gänglichkeit alles Irdischen" oder der „Kannibalen-
literaturgeschichtliche Arbeit am AT., da hier der Stoff I Hymnus" und das „Danklied" in II. Sam. 22 (Ps. 18);
eine einmalig gegebene fest umgrenzte Größe darstellt. aus diesen Kombinationen werden dann rein ästhetische

Gunkel hat ein Menschenalter lang an der Erforschung
der AT.lichen Literatur gearbeitet und in der „Kultur
der Gegenwart" in großem Wurf den Rahmen skizziert,

Schlüsse gezogen über literarischen Wert oder Unwert.
Die Siegeslieder auf Thutmosis III. und Menephta oder
das Thronbesteigungslied Ramses IV. gehören nicht zu

der nun mit Einzeluntersuchungen teils bereits ausge- ! den Hymnen, da ihr „Sitz im Leben" ein anderer ist als
füllt ist, teils noch der Bearbeitung wartet. Durch das ! das für die Hymnen typische „Sichfreuen vor der Gottvergleichende
Miteinbeziehen der ägyptischen und be- ] heit". So ist an das Ganze eine stark subjektive Besonders
der assyrisch-babylonischen Literatur (vgl. auch ; trachtungsweise herangetragen, die den Hauptprinzipien
Stummer) sind so, vor allem in Gunkels leider unvollen- literarischer Beurteilung, daß die Wertung lediglich aus
det gebliebener Einleitung in die Psalmen, für die ! dem vorliegenden Stoffe selbst erfolgen muß und daß
Lyrik die Linien angedeutet, die besonders nach Assyrien ; man nur Wesensgleiches und Gattungszusammengehöri-
hinweisen. Andererseits ist durch die neu gefundene S€s mit einander vergleichen darf, nicht gerecht werden
Lehre des Amen-em-ope und die sich daran knüpfende 1 kann. Und die Verbindungslinien, die zur Moderne gewissenschaftliche
Diskussion (vgl. besonders Erman, ! zogen werden, sind zwar geistreich; da aber letztlich
Greßmann, Sellin, Humbert, Oesterley) die Verbindung : die alte Literatur von hier aus gewertet wird, sind die
der AT liehen Weisheitsliteratur zu Ägypten deutlich Ergebnisse (S. 132 f.) so nicht zu halten. Eine Inhaltshervorgetreten
und damit ein neuer Anreiz zur Literatu- j angäbe, die nichts weiter enthält als die Worte „Preface,
vergleichung gegeben worden. Auf dem Gebiet der ' Lecture I, Lecture II, Lecture III" genügt nicht, zumal
Assyriologie hat eigentlich erst in allerneuester Zeit auf I wenn wie hier jegliche Register fehlen. Zusammenfas-
Anregung Landsbergers mit Falkenstein (Die Haupt- send urteilen wir, daß Peet nicht das gegeben hat, was
typen der sumerischen Beschwörung 1931) und Kunst- ! man nach den Titel seines Buches glaubte erwarten
mann (Die babylonische Gebetsbeschwörung 1932) die f" dürfen. Aber für eine jede Beurteilung muß schließsystematische
Untersuchung einzelner Literatur-Gattun- »ch doch das Entscheidende sein die Frage nach dem,
gen als Vorarbeit einer Literaturgeschichte eingesetzt, ; was der Autor gewollt und wie er seine Absicht durchwährend
zur Bewertung und Erforschung der ägypti- j geführt hat. Und da ist anzuerkennen, daß es Peet durch
sehen Literatur wohl Stoffsammlungen (wie bei Erman, i das reiche Material, das er uns bequem zugänglich
Ranke, Röder — um uns auf deutsche Gelehrte zu be- | macht, und durch die Liebe, mit der er seinen Stoff beschränken
—) vorliegen, aber außer der Literaturge- 1 handelt, wohl gelungen ist, beim Leser einen starken
schichte von Pieper 1927 (vgl. dazu A. Hermann in I Anreiz zum Studium der ägyptischen Literatur zu er-
ZDMG. 83; 1929, S. 44—66) und dem Aufsatz Piepers I wecken.

über das ägyptische Märchen (ZDMG. 83; 1929, S. , Berlin-Frohnau._Curt Kühl.

143—170) m. W. noch keine größeren Arbeiten aufzu- | Cook, Stanley A., M.A., Litt. D..- The religion of ancient Paleweisen
sind. Dieses Fehlen ausreichender Vorstudien ge- stine in the light of archaeologie. London: Oxford University
staltet eine jede vergleichende Literaturuntersuchung i Press 1930. (xv, 252 s., 39 Taf., 2 Ktn.) gr. 8°. = The Schweich
sehr schwierig; und man wird daher vorläufig jeden : Lectures of the British Academy, 1925. 12 sh 6 d.

Beitrag zu diesem Thema keineswegs als etwas Ab- Die 1925 gehaltenen Vorlesungen über den im Titel

schließendes, sondern vielmehr als einen ersten Versuch angegebenen Gegenstand sind vom Verfasser umgear-
anzusehen haben. I beitet und durch Berücksichtigung der von 1925—1930

Leider ist der Titel nicht ganz dem Inhalt der Vor- j gemachten Funde und erschienenen Veröffentlichungen
träge entsprechend gewählt. Da Peet Ägyptologe ist, j bereichert worden. Das Werk von Oppenheim: der Teil
gilt seine Liebe in erster Linie der Literatur seines be- ; Halaf lag noch nicht vor. Aber auch so war es ein
sonderen Fachgebietes. Verfasser will vor allem Ägyp- reiches Material, das dem Verfasser zu Gebot stand, und
tens Anteil an der Literatur der alten Welt darstellen das er mit voller Beherrschung der betreffenden Lite-
und verfolgt dabei einen ganz bestimmten Zweck: „My : ratur in klarer und geschickter Darstellung vorlegt. Er
object will have been achieved if I can persuade students . zerlegt den Stoff in 3 Teile. Im ersten (miscellaneons
of the Old Testament that Egyptian literature is worthy exemples S. 1—71) wird betont, daß Palästina als von
of far more attention at their hands than it has hithero alten Zeiten unter dem Einfluß fremder Kulturen ste-
reeeived" (S. 3). Es geht Peet nicht um die Fragen hend (besonders der ägyptischen und babylonischen)
des gegenseitigen Einflusses oder der Abhängigkeit, son- ; beleuchtet werden kann und muß mit starker Benutzung
dern um eine Vergleichung nach Form und Inhalt und ; außerpalästinensischen Materials. Und dies Material zu-
um eine ästhetische Würdigung. Nach einer knappen sammengehalten mit dem, was auf palästinensischem
guten Schilderung der verschiedenen historischen Be- Boden aufgedeckt wurde, gibt ein anschauliches Bild
dingungen (S. 4—15) wird in großen Zügen die Literatur ; von dem dort in vorisraelitischer und dann in israeliunter
drei Hauptgruppen behandelt, wobei mit dem tisch-jüdischer Zeit bis zum griechisch-römischen Zeit-