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Ausgabe:

1932 Nr. 1

Spalte:

375-376

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Traue, Georg

Titel/Untertitel:

Die Wunder Jesu als Wort Gottes 1932

Rezensent:

Kesseler, Kurt

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375

Theologische Literaturzeitung 1932 Nr. 15/16.

376

Das Ärgernis der Chr is tus ve r kün d i g u n g in der
Mission behandelt unter reicher Heranziehung der einschlägigen
Literatur und Auseinandersetzung mit ihr der Dozent für Missionswissenschaft
der T. Sch. Gottfried Simon. Er geht von dem Satz aus,
daß der Glaube an Christus das Ende alles Glaubens an die eigene
Religiosität ist und darum Ärgernis bedeutet. Zunächst wird von der
Anziehungskraft des Namens Jesu gesprochen, die namentlich von der
Bergpredigt her weithin groß ist auch in der nichtchristlichen Völkerwelt
, z. B. Islam, Indien, Ostasien. (Stanley Jones: Die geistige Atmosphäre
Indiens ist voll von Gedanken und Idealen Christi.) Jesus aber
bleibt doch nur einer neben andern. Zum Christwerden führt diese
Anschauung nur selten. Mit ihr verbunden ist vielfach die Ablehnung
des Christentums. Das liegt zum Teil an den Erfahrungen, die die
Heiden mit den christlichen Völkern gemacht haben. Aber das Wesentliche
ist doch die Ablehnung des Christus der Bibel mit seiner Ausschließlichkeit
, seiner Predigt von Sünde und Erlösung. (Dagegen Wie-
derverkörperungslehre und Mystik.) Es darf sich in der missionarischen
Verkündigung nicht um die Absolutheitsfrage der christlichen Religion,
sondern um die Christusfrage handeln. Der Rat, Anschauungen und
Begriffe anderer Religionen zur Ergänzung und Verdeutlichung des
Christentums zu Hilfe zu nehmen, wird abgelehnt, weil dadurch nur
Verwirrung und Belastung entsteht, synkretistische Gefahr durch Wortimport
. Das Ärgernis Christi ist geradezu der Schutz gegen den Synkretismus
. Christus bleibt auch in der Mission der Stein des Anstoßes
und der Fels des Ärgernisses. Nicht genannt wird von S. als Anstoß die
Trinitätslehre, die doch gewiß auch, wenn sich S. auf die Kulturvölker
Ostasiens beschränkt, dort in Betracht kommt.

Lic. Wilh. Brandt behandelt das Studium Bodelschwinghs
. Ein Beitrag zum Verständnis seiner Theologie
. Als der 23 jährige die Universität Basel bezieht, (später geht
er nach Erlangen und Berlin) ist er kein unbeschriebenes Blatt. Der
Geist des mit der Erweckungsbewegung verbundenen Elternhauses und
besondere Lebenserfahrungen bringen ihn zur Theologie, um dadurch
für den Missionsdienst sich ausrüsten zu lassen. Seine ganze innere
Einstellung ist auf den Dienst gerichtet. So sehr er namentlich Auberlen-
Basel verehrt und ihm sich zum Dank verpflichtet fühlt, haben ihn die
eigentlich wissenschaftlich theologischen Fragen nicht besonders bewegt,
manches dabei ist ihm unsympathisch, aber die Universität gibt seiner
Einstellung zur Schrift die theologische Begründung. Die starke escha-
tologische Gespanntheit der von Joh. Tob. Beck beeinflußten Auber-
lenschen Theologie hat für Bodelschwinghs Anschauung und Schriftauslegung
dauernde Bedeutung behalten. Für seine Anschauung von der
Inneren Mission ist dann in Berlin C. J. Nitzsch von Bedeutung gewesen
, dessen Gedanken ihm das Verständnis für die Bedeutung der
freien Vereine und die Arbeit der In. M. geben. Aber auch in den Gegensatz
Hengstenberg-Nitzsch wird er hineingezogen und dadurch bedrückt
, wie aus einem Brief an den Baseler Missionsinspektor Josenhans,
der ihn nach Basel rufen will, hervorgeht. Aus dieser Hemmung am
Ende seines Studiums erwächst dann die kommende Lebensaufgabe. In
der Pariser Arbeit hofft er sich besser auf den missionarischen Beruf
vorbereiten zu können. Es lebt in ihm die Überzeugung, theologische
Erkenntnis hat sich im Dienst zu bewähren und im Dienst wird theologische
Erkenntnis gegeben.

Den Schluß der wissenschaftlichen Darbietungen macht eine Abhandlung
von Dr. med. Wilh. Philipps, Religion und krankhaftes
Seelenleben, hier werden den jungen Theologen in einer
medizinisch - theologischen Arbeitsgemeinschaft unter Darstellung von
Fällen verschiedener geistiger Erkrankungen auf reichliche ärztliche Erfahrung
begründete Erkenntnisse nahe gebracht. Es wird dabei betont,
daß wir bei der Erforschung der religiösen Erlebnisse Geisteskranker
noch sehr in den Anfängen stehen.

Auch dieser zweite Band des Jahrbuchs der Th.
Sch. darf eine interessante und dankenswerte Gabe genannt
werden.

Pouch bei Bitterfeld._Wilhelm Usener.

Traue, Dr. Georg: Die Wunder Jesu als Wort Gottes. Gütersloh
: C.Bertelsmann [1931] (300 S.) 8°. = Religionspädagogik auf
religionsspycholog. Grundlage, 5. Bd. RM 5.50; geb. 6.50.

Der Titel des Buches weist in die Richtung der
neuesten Theologie, die Einführung enthält die aller-
schroffste, verständnisloseste Absage an die historisch-kritische
Theologie, der Inhalt sucht in naivem Biblizismus,
der keine ernste Frage nach der Historizität der Wunder
kennt, durch pneumatische Exegese die Wunder der Verkündigung
dienstbar zu machen. Durch die Wunder wird
Jesus als der Christus bezeugt, der den Menschen ihr
kleines Ich zerbricht, damit das große Du Gottes ganz
mächtig werde. Dabei gibt es manche Anregung für
Predigt und Unterricht. Aber im Großen und1 Ganzen
sieht der Verfasser doch se'ine Theologie in die Wunder
hinein. Daß z. B. das Kanawunder Jesus als den
„Bräutigam" erscheinen läßt, daß gerade damals sich ein

„Bruch des bestehenden Sohnesverhältnisses zu Maria"
vollzieht, daß Jesus dort das erste Abendmahl feiert,
dem sich später das zweite Abendmahl der wunderbaren
Speisung und das dritte Abendmahl in der letzten Nacht
anreihen, das alles sind doch Spekulationen, die man
„liberaler" Theologie u. U. sehr übel nehmen würde.
Wenn man aber auch dogmatisch den Standpunkt des
Verfassers teilen würde, dann bliebe doch die Frage,
woher er die Sicherheit nimmt, mit der er die Geschichtlichkeit
der Wunder voraussetzt. Die von ihm S. 272 gebotene
Erkenntnistheorie, die zwischen zwei Welten und
demgemäß zwei Erfassungsmethoden unterscheidet, ist
doch zu primitiv, um das Problem des Wunders wissenschaftlich
-theologisch zu erfassen. Dazu kommt die andere
, noch wichtigere Frage, ob denn die Geschichtlichkeit
der biblischen Wunder wirklich die Voraussetzung
dafür ist, daß der Mensch das Wort Gottes hört, in die
Entscheidung gestellt und in seinem kleinen Ich zerbrochen
wird. Auch die dialektische Theologie kann auf
dem Boden der historisch-kritischen Theologie stehen,
die doch mehr als einen „großen Scherbenhaufen" hinterlassen
hat.

Düsseldorf._Kurt Kessel er._

Sperl, Dr. Johannes: Der Theismus als Optimismus des Dennoch
. Eine systemat. Auseinandersetzung m. d. Deismus und Pantheismus
(Idealismus) auf histor. Grundlage. Leipzig: A. Klein 1930.
(120 S.) 8°. RM 4--

Die Schrift beleuchtet die durch die neueste Theologie
geschaffene Situation und sucht die Wahrheitsmomente
der dialektischen Theologie (Transzendenz Gottes
, existenter Charakter des Glaubens) mit den Wahrheitsmomenten
des idealistischen Standpunktes (Allwirksamkeit
Gottes) so zu verbinden, daß sich beide Standpunkte
in ihren Einseitigkeiten gegen einander begrenzen
. Das geschieht durch Vergleichung des deutscher»
Idealismus, der lutherischen Orthodoxie und des religiösen
Standpunktes der Aufklärung nach historischeinfühlender
und phänomenologisch-deutender Methode.
Den eigenen theistischen Standpunkt bezeichnet der Verfasser
als Optimismus des Dennoch, weil er zwischen
dem Pessimismus des Deismus und dem Optimismus des
Idealismus stehend zwar das Gottfeindliche in der Welt
völlig ernst .nimmt, es aber im Glauben überwindet.
„Der Christ vermag aus Gründen der Wahrhaftigkeit
keinesfalls über die Spannungen des Daseins einfach zur
Tagesordnung überzugehen. Es muß jedoch festgestellt
werden, daß die bloße Betonung derselben doch auch
noch niemanden zu Christen macht. Vielmehr steht und
fällt der Christenglaube schlechterdings mit der Möglichkeit
, dem allen gegenüber sein ,Dennoch' sprechen
zu können: Dem Bösen in der eigenen Brust sowie der
Schuld daselbst gegenüber lautet es: Dennoch gerechtfertigt
und begnadigt, dennoch berufen und befähigt dem
Ziel der .Vollkommenheit' immer von neuem wenigstens
.nachzujagen', allem Übel der Welt gegenüber
aber hat das Dennoch den Inhalt: Trotz allem gottgewirkt
und deshalb trotz allem schließlich bloß ,zum
besten dienend'." Die von hier sich ergebenden theologischen
Fragen, besonders nach Gott in der Natur und
nach Gott in der Geschichte, werden vom Verf. beleuchtet
und bis zum Problem einer „Kultur aus Glauben
" durchgeführt. Allerdings ist die Schrift auf ihren
reichlich 100 Seiten mit soviel Einzelheiten belastet,
um nicht zu sagen gespickt, die natürlich nur angedeutet
werden können, daß darunter die große Linie etwas verdunkelt
wird. Für die Diskussion um die dialektische
Theologie bietet der Verfasser allerhand Anregungen,
deren breitere Behandlung man begrüßen würde.
Düsseldorf. Kurt Kessel er.

{ Die deutsche evangelische Heidenmission. Jahrbuch 1932 der
vereinigten deutschen Missionskonferenzen. In ihrem Auftrage hrsg.
v. P. Dr. Walter Freytag. Hamburg [13, Alsterchaussee 11]:
Deutsche Evang. Missionshilfe 1932. (104 S.) 8°. RM 1—.

Dies neue Jahrbuch bietet wieder einen reichen, viel-
' artigen Inhalt. Trotz der Not der Zeit geht es mit dem