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Ausgabe:

1932 Nr. 1

Spalte:

353-359

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Lieb, Fritz

Titel/Untertitel:

Orient und Occident. Blätter für Theologie und Soziologie. 5. - 7. Heft 1932

Rezensent:

Kattenbusch, Ferdinand

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Theologische Literaturzeitung 1932 Nr. 15/16.

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ente, die, ihre Authentie vorausgesetzt, nicht sowohl die Theologie
Ch 1US vie,mehr seine literarische Wirksamkeit beleuchten. —
w • ♦ ,lartin: Line homelie De Poenitentia de S£verien de Gabala,
ä'm- m die bei Montfaucon: opp. Joh. Chrysostomi II p. 326—340
Migne PSG t. XL1X col. 323—336 abgedruckte Predigt, zum min-
aesten in ihrem Kerne, zu. - M. Andrieu: L'onction des mains dans
C tiw "piscoPal zeic1 das Aufkommen des Ritus der Handsalbung zu-
fjst bei den Priestern, dann, Anfang des 10. Jahrh. bei den Bischöfen. —
*L D. Chenu: Une opinion inconnue de l'ecole de Gilbert de la
Porree stellt fest, daß die Porretani die von Thomas v. Aquino u. a.
verworfene Lehre, quod Adam non habuit gratiam gratum facientem
rfCu!raten' sie' und nicnt die Pelagianer, sind in den scholastischen Verdikten
dieser Anschauung gemeint.

J. Lebon: Restitutions ä Theodoret de Cyr nimmt in Auseinandersetzung
mit Ed. Schwartz für Theodoret in Anspruch: die beiden pseudo-
cynllischen Schriften zceqI Tf)5 dyioq Tpidöoc: und nepi xoü xvqiov
eva-fc>r)(,),-n]ciE(oc, sodann die eV.öeoic, Tfj? öerT-rjc; jucrcccoq Pseudo-
Justms. — N. Brian-Chaninov: Les ecrits thöologiques russes du
"loyen äge dokumentiert an Einzelbeispielen die Abhängigkeit der russischen
Theologen des 11. und 12. Jahrh. von Byzanz; es mangelt dabei
die Originalität, und als dann das Schisma zwischen Orient und Okzident
ausbrach, abendländischer Zustrom über Byzanz abgesperrt war,
ce fut alors la nuit complete. — E. D h a n i s: Quelques ancienncs
tormules septenaires des sacrements erörtert zuerst eingehend den Stand
der Frage, der über die Zuweisung des Ursprungs der Siebenzahl der
Sakramente an Petrus Lombardus längst hinausgeschritten ist, um dann
den tractatus de sacramentis des Magister Simon (vgl. darüber Theol.
Rev. igi2, s. 125f.), einen in der Nationalbibliothek zu Madrid befindlichen
Tractatus de Septem sacramentis ecclesiae und einen in der
Vaticana, in Leipzig und München vorhandenen über de sacramentis zu
untersuchen. Die noch nicht abgeschlossene Untersuchung führt zu dem
Punkte, daß der Traktat des M. Simon und der tractatus de Septem
sacramentis jünger sind als die Sentenzen des Lombarden, etwa auf
i 1170 zu datieren. — A. de Poorter et J. Brys verzeichnen „Les
roanuscrits de droit medieval de l'ancienne abbaye des Dunes ä Bruges.

P. Salmon: Les Meclitations de Fr. Simon Bonhomme, ms. 163
de la bibliotheque de l'abbaye de Clairvaux — aus dem Ende des 14.
Jahrh., der Vf. ist wenig bekannt, die Meditationen nicht originell.

R. Draguet: Le juif Josephe, temoin du Christ? bietet eine eingehende
Auseinandersetzung mit dem großen Buche von Eisler: Iiiaofjc,
PaoiLeuc, oü ßaot^eüoaq, nach vergleichender Aufstellung der Texte,
oein Urteil dürfte richtig sein: pour M. Eisler un texte n'est jamais
un obstacle, il poursuit une idee; que les textes s'y accommodent! Abgesehen
von der Mitteilung der Texte M. Eisler n'a guere fait avancer
'es questions de critique textuelle et litteVaire posees par le Josephe
slave. Auf eine Datierung der Interpolationen verzichtet Draguet seinerseits
, weil sie unmöglich sei. — J. Lebon: Le pseudo-Denys l'Areb-
Pagite et Severe d'Antioche unterzieht die These von J. Stiglmayr (1928),
die beiden seien identisch, einer vernichtenden Kritik, nicht zuletzt nach
der methodischen Seite hin, und fordert Untersuchung der Frage, ob
Pseudodionys wirklich Monophysit war. — P. Cabrol: Les origines de
J* liturgie gallicane referiert über das Buch von J. B. Thibaut: L'ancienne
liturgie gallicane, son origine et sa formation en Provence aux 5e et
°e siecles sous l'influence de Cassien et de s. Cesaire d'Arles 1929.
Dessen Ergebnis war: la liturgie des Chaldeens est representee par celle
des apötres Adai et Maris, en usage en Perse, sur la cöte de Malabar,
chez les Chaldeens catholiques de Mesopotamie et du Kurdistan. Or cette
liturgie concorde, au moins pour l'avant-Messe, avec celle du ps. Denys,
'dentifiee avec celle d'Ephese et, pour le canon, avec la liturgie de
Jerusalem-Antioche. C'est exastement l'ordre du rit gallican". — J. de
Q h e 11 i n c k widmet A. v. Harnack einen langen Nachruf u. d. T.:
La carriere scientifique de H, und glaubt einen contraste meJancolique
zwischen dem Schicksal seiner ungenügenden religionsgeschichtlichen
Konstruktion und der glänzendeu wissenschaftlichen Laufbahn feststellen
zu können.

Der ausgezeichneten Bibliographie, der rühmlichst bekannten Zierde
dieser Zeitschrift, sei noch besonders gedacht.

Heidelberg. W.Köhler.

Orient und Occident. Blätter für Theologie u. Soziologie. In Ver-
bindg. m. N. Berdjajew hrsg. v. Fritz Lieb u. Paul Schütz.
Leipzig: J. C. Hinrichs 1931. gr. 8°.
Heft 5 : Politisch-religiöser Synkretismus. (96 S.).
„ 6: Zur Soziologie Sowjet-Rußlands. (48 S.).
„ 7: Zur Entstehung der neuen Gesellschaft in Rußland (48 S.).
Dass. Staat — Gesellschaft — Kirche. In Verbindg. m. N.
Berdjajew u. E. Reisner u. einer Arbeitsgemeinschaft v.
Deutschen u. Russen hrsg. v. Fritz Lieb u. Paul Schütz. 8. Heft:
Deutschland zwischen Ost und West. Ebda. 1932 (48 S.) gr. 8°.

Heft 5 RM 5—; Heft 6-8 je RM 3—.

Zweimal habe ich bereits die Zeitschrift (sachlich
lauter Sonderhefte) „Orient und Occident" hier besprochen
, Heft 1—3: 1930, Sp. 472—76, Heft 4: 1931

Sp. 366—67. Evangelische Theologen finden
vieles Interessante. Aber für einen solchen, wenigstens
wenn er Kenner der Dogmengeschichte
ist, offenbart sich auch überall die geistige „Gebundenheit
" der Russen, die zu Worte kommen, im Dogma
ihrer Kirche als selbstverständlich maßgebend
! für sie (wie immer sie es etwa spekulativ auswerten).
; Sie lieben ihre Kirche, sind fromm in deren Sinn
i (Mystiker!), das ist die Stärke und Schwäche ihrer
! Haltung in Einem. Wir Evangelischen werden gern
i ihnen zuhören, dabei auch solches erkennen, was gerade
unserer Kirche und Glaubensart mangelt, wir wollen
uns nicht etwa hochmütig als „Besitzer" des echten
Evangeliums ver s t ä n d n is se s, gar tadellose Vertreter
des Evangeliums im Leben, in Kirchen- oder
Personform, aufspielen, müssen aber zum Teil vorsichtig
sein den Urteilen der Russen gegenüber. Ihre
Vorstellungen von der Entstehung, den Motiven der
Entwicklung der christlichen Lehre — in ihrer Kirche,
hernach im römischen Katholizismus, vollends im Protestantismus
— halten nur in ganz bestimmten Grenzen
Stand. Wir dürfen uns durch „ökumenische" Weitherzigkeit
nicht verwirren lassen. Nicht als ob wir diesen
Flüchtlingen, seelisch (wenn nicht auch sozial) schwerleidenden
, in ihrer Liebe zu ihrer Kirche ehrwürdigen
Russen nicht innige Sympathie widmen dürften. Nur
zu „lernen" ist für Theologen, in Bezug auf das
Evangelium bei ihnen wenig. Neuestens ist von
den deutschen Theologen, die die Hauptherausgeber der
Hefte sind, ein zweiter ausländischer „Mitherausgeber"
gewonnen worden: der schon im 4. Hefte mit einem
kurzen Aufsatz über „Bibelkritik und Glaube", den ich
a. a. O. „sinnig" nenne (denn er ist deutlich durch und
durch personhaft!), hervorgetretene Erwin Reisner.
Wie mir scheint, ist dies ein Deutschrusse (oder aber
Siebenbürge: er lebt in Hermannstadt-„Sibiu", wie Siebenbürgen
rumänisch heißt), offenbar ein Lutheraner,
aber wohl Laie. Letzterer Gedanke drängt sich auf angesichts
der Harmlosigkeit, mit der er den Gedanken
vom „Bibel"wort ausführt. Er scheint wesentlich von
Kierkegaard inspiriert zu sein. Wenigstens n e n n t
er weder Barth noch irgend einen seiner Schüler als
seinen „Führer". Mit beiden heute einflußreichen Theologen
(Fr. Lieb gehört ja mit zu ihrer Gruppe) teilt
er nicht nur das Bedeutsame, sondern auch Unklare ihrer
Rede vom „Wort", und ebenso von der „Kirche". Ist er
Deutschrusse, so wird er mit unter russisch-kirchlichen
Eindrücken stehen. Es ist nicht möglich, hier
darauf einzugehen, wo das Hoffnungsvolle und doch vorerst
fast mehr noch Gefährliche (Jesu Christo Abträgliche
!) solcher Ideen liegt, wie Reisner sie gemüthaft
ernst vertritt. Der Ausdruck „Wort" wird allzu
wörtlich in Hinsicht der Offenbarung Gottes in der
Bibel genommen und dann ad hominem nach „Geschmack
" subjektiviert. Die Antithesen, die
R. mit Bezug auf Bibelbehandlung bildet, sind laienhaft:
seine Theorie ist im „Glaubens"sinn Inspirationslehre
steifsten Gepräges. Nicht als ob R. kein „Zentrum",
keine innere „Einheit", nicht Christus als „Ein und
Alles" in der Bibel sähe. Aber man wird von ihm nur
„kirchlich"-tr ad itions mäßig über Christus beraten.
R. betont, daß „man" in Bezug auf das Evangelium
von Christo der „Kirche" einfach trauen müsse. Er
steht in einer Ehrfurcht vor der alten, noch einheitlichen
Kirche, die eine Idealisierung ihrer Art ist,
insonderheit ihrer „Oekumenicität", die wahrlich in sich
schon brüchig, keineswegs im echten Sinn, glaubensmäßig
war: Das „Reich" war nicht nur äußerlich, sondern
sehr auch politisch der Hintergrund, das eigentliche
„Band" dieser Oekumenizität. Die Großtat der
alten, speziell der griechischen Kirche war das
Wagnis des Dogmas vom utoc, öpooüoioc, tov jiuto(, denn
es hat Jesus Christus davor bewahrt zum bloßen edelen,
hohen fahtov zu werden. Aber theologisch war
das doch nur Rettung der Kirche unter den Denkbe-