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Ausgabe:

1932 Nr. 13

Spalte:

292-293

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Heinisch, Paul

Titel/Untertitel:

Die Totenklage im Alten Testament 1932

Rezensent:

Hertzberg, Hans Wilhelm

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Theologische Literaturzeitung 1932 Nr. 13.

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ewigung zu suchen. Durch das Salben des geschriebenen
Namens wird mit diesem ein förmlicher Kult getrieben
. In der Magie spielt die Kenntnis des Namens
eine große Rolle. Der Name ist der Schlüssel zum übernatürlichen
Wesen des Namen; durch die feierliche Anrufung
des Gottes erwirkt man seine Gegenwart. Die
Mitteilung der oft sehr zahlreichen Namen der Götter
scheint in priesterlichen Kreisen unter geheimnisvollen
Initiationsriten stattgefunden zu haben. Schulz sieht ein
Namentabu in Eigennamen, die Elemente enthalten, die
die Gottheit ersetzen, wie abu, ummu, ahu, ilu; das ist
doch wohl anzuzweifeln, da wenigstens abu, ummu, ahu
u. ä. lediglich die nahe Gemeinschaft des Gottes mit dem
Namenträger bezeichnen sollen. In der Zauberei spiegelt
das am Namenszug Vorgenommene das der Person Zugedachte
wider. Dieser Namenglaube, der nach den verschiedensten
Richtungen hin sich auswirkt, stellt nicht
nur eine primitive Unterströmung dar, sondern beherrscht
in gleicher Weise das Denken des wissenden
Babyloniers.

Hiddensee. _Arnold Gustavs.

Schmid, Prof. Wilhelm, u. Prof. Otto S t ä h 1 i n : Geschichte der
griechischen Literatur. 1.T1.: Die klassische Periode der griech.
Literatur v. W. Schmid. I. Bd. Die griech. Literatur vor d. attischen
Hegemonie. München: C. H. Beck 1929. (XIV, 305 S.) gr. 8°. =
Handbuch d. Altertumswiss., 7. Abt. I. Tl. I. Bd. RM 40-; geb. 45—.
W. von Christ's Geschichte der Griechischen Literatur
im Handbuch der Altertumswissenschaft hatte
schon für den Teil, der die nachklassische Periode umfaßt
, durch W. Schmidt und O. Stählin eine völlige Neubearbeitung
erfahren. 1929 ist es W. Schmid möglich
geworden, auch vom ersten Teil der griechischen Literatur
, d. h. ihrer klassischen Periode, den ersten Band
vorzulegen, der die Griechische Literatur vor der attischen
Hegemonie behandelt. Dargestellt werden die
Dichtung (Epos, Lyrik, Drama) wie die Prosa (Prosadichtung
, Geschichtschreibung, philosophische und wissenschaftliche
Literatur). — Es bedarf keines Wortes,
daß das neue Werk — denn ein solches ist es — ein
unentbehrliches Handbuch für jeden ist, der sich wissenschaftlich
mit der griechischen Literatur beschäftigt. Es
ist ausgezeichnet durch Reichtum und Sorgfalt der Quellenbelege
, durch die der Verf. seine Anschauungen begründet
, wie der Hinweise auf die wissenschaftliche
Literatur. Indessen ist das Buch doch mehr als ein
Nachschlagewerk. Unter welchen Gesichtspunkten der
Verf. die Literaturwerke behandelt, zeigen am besten
seine eigenen Worte aus dem Vorwort: „Wer sie (die
Werke der Literatur) in ihrer Einmaligkeit und Notwendigkeit
verstehen will, muß die Bindung ihrer Schöpfer
durch eigene Veranlagung, Nationalität, Zeitverhältnisse,
Schule, Vorbilder, Zwecke und womöglich auch die die
Entstehung und Herausgabe des Werkes jeweils auslösenden
Faktoren kennen." Dem entspricht es, daß das
Einteilungsprinzip die Gattungen der Literatur sind, und
zwar in ihrer Verwurzelung im Leben der griechischen
Kultur und Geschichte. So kommt zur Geltung, welche
Bedeutung die *6Ais und ihre Lebensäußerungen für die
griechische Literatur hatten, und wie die große Bewegung
der Dionysosreligion oder der ionischen Wissenschaft
die Literatur beeinflußten. Ebenso tritt auch die
für das Griechentum so charakteristische Tatsache hervor
, wie die Reflexion über die eigene Literatur die
literarische Produktion selbst bestimmt. So enthält das
Werk keineswegs nur statistische und literarkritische
Forschung, sondern auch Interpretation, soweit solche
unter kulturgeschichtlichen und biographischen Gesichtspunkten
in einem solchen Werke gegeben werden
kann.

Marburg.___R. Bultmann.

Hempel, Johannes: Fort mit dem Alten Testament? Gießen:
A. Topelmann 1932. (32 S.) 8°. = Aus d. Welt d. Religion. Forschgn.
u. Berichte, unter Mitwirkg. v. H. Frick u. R. Otto hrsg. v. E. Fascher
u. G. Mensching, Bibl. Reihe, H. 6. RM 1—.

H. bietet in diesem, mit einer Reihe von Anmerkungen
versehenen, Vortrag eine Skizze über die Eigenart

und den Offenbarungsgehalt des A.T.s im Verhältnis
1. zu seiner altorientalischen Umwelt, 2. zu seiner altisraelitisch
-völkischen Verwurzelung, 3. zu seinen Schranken
gegenüber dem N. T., besonders zur Person Jesu.
Aus seiner Umwelt, über die pj. vieies Lehrreiche bietet,
und seinem Volkstum hebt sich das A.T. heraus, ohne
die Höhenlage Jesu zu erreichen. Damit sind Grundüberzeugungen
der christlich eingestellten alttestament-
lichen Wissenschaft skizziert. Nun geht es aber doch in
dem heutigen Streit um das A.T. nicht nur um die 3 genannten
Probleme, sondern vor allem auch um die
Frage, ob und inwiefern das Judentum aller Zeiten bis
; zur Gegenwart das von den Christen „altes" Testament
; genannte Schrifttum für sich als Volk und als Religion
als Basis beanspruchen kann. Es ist das ein ähnliches
■ Problem wie das Verhältnis der geschichtlichen Aus-
1 Prägungen des Christentums innerhalb sehr verschiede-
1 ner Volkstümer zum neutestamentlichen Christentum.
Gesetz, Propheten, Psalmen, kurz das ganze „alte"
Testament, sind die Grundlage des jüdischen Kultus und
Lebens bis zur Gegenwart. Saadja, Maimonides, Baeck,
Rosenzweig, Buber, Klausner, ebenso das mehrbändige
i Werk über die Lehren des Judentums (Verlag Gustav
> Engel, Leipzig) usw. sind ein Zeugnis dafür, daß das
| Judentum hier eine geistige Arbeit leistet, die namentlich
von den christlichen Alttestamentlern zu beachten
ist. Vom N.T. her ist man ja jetzt gewöhnt, sich mit
dem Rabbinismus zu beschäftigen. Von alledem aus
würde H. für den heutigen Kampf um das A.T. nicht
i nur Altisrael und Judentum unterschieden, sondern vor
allem auch noch deutlicher aufgewiesen haben, wie die
; Wurzeln der Lebenskraft des heutigen Judentums im
| A.T. liegen. Jenes große Problem ist nicht mit „ver-
' engt", „kleinlich", „Sekte", mit dem Hinweis auf die
I Leidensgeschichte des jüdischen Volkes als Gericht Got-
I tes oder auf das „Kleben an dem Buchstaben der talmudischen
Bibelauslegung" erledigt. Richtig ist, daß H.
die völkische Zugehörigkeit der Propheten und Jesu
zum jüdischen Volk nicht in Abrede stellt. Dann er-
j gibt sich aber letztlich als entscheidendes Problem, das
i H. noch schärfer hätte herausarbeiten können, und zwar
; auch für die Person Jesu selber und mit Einschluß des
i Judentums bis zur Gegenwart, angesichts der gesamten
Bibel, sowohl des Alten, als des Neuen Testamentes,
! die Frage nach der Auseinandersetzung zwischen Offen-
| barung und Volkstum.

Leipzig. Paul F i e b i g.

! Heinisch, Dr. Paul: Die Trauergebräuche bei den Israeliten.

Münster: Aschendorff 1931. (III, 100 S.) 8°. = Biblische Zeitfragen
13. Folge, Heft 7/8. RM 1.95.

I Ders.: Die Totenklage im Alten Testament. Ebenda 1931.
(II, 84 S.) 8°. = Biblische Zeitfragen 13. Folge, Heft 9/10. RM 1.65.
Die beiden Hefte, die eigentlich ein Ganzes bilden,
vermitteln in allgemeinverständlicher Weise einen Ein-
; blick in das Gesamtgebiet dessen, was sich über Trauergebräuche
und -texte auf alttestamentlichem Boden sagen
j läßt, und werden daher auch für den Fachmann von
| Bedeutung sein. Das erste Heft beschränkt sich nicht
darauf, die Trauergebräuche der Israeliten darzustellen,
sondern will vor allem fragen, welche Ideen „die Israe-
; liten mit den von ihnen geübten Bräuchen verbanden
! oder doch verbunden haben könnten" (S. 7). Dabei wird,
bei aller Anerkennung dessen, was die Israeliten mit dem
übrigen Orient, auch dem heutigen, vereint, doch die
; Sonderstellung, die Israel durch seine Religion besaß,
i mit Recht hervorgehoben, durch die die Dinge gerade
im israelitischen Bereich oft ein wesentlich anderes Gesicht
bekommen als anderswo. Bei der Heraushebung
! der Hintergründe der Trauergebräuche, die sich stets
unter Vortragung auch abweichender Anschauungen vollzieht
, wird betont, daß es durchaus nicht immer eine
Idee zu sein braucht, die da in Frage kommt, daß auch
allgemein-menschliche Gründe häufig genug vorliegen
(Affekte!), ja daß ein Brauch vielfach nichts als Gewohnheit
sein kann. Im Einzelnen scheint mir,