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Ausgabe:

1932 Nr. 11

Spalte:

254-255

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Lønborg-Jensen, Harald

Titel/Untertitel:

Cistercienser-Kirken i Løgum 1932

Rezensent:

Achelis, Thomas Otto

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Theologische Literaturzeitung 1932 Nr. 11.

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und mehr zurückgedrängt wird, sicli im Hintergrund bescheidet
, wird man für K. Müller selbst zwar dieses
Urteil nicht eben umdrehen können, jedoch im Anschluß
daran vielleicht darauf achten müssen, wie hier zusammen
mit einer großen Überschau eben doch ganz Kleines
aus gewissenhafter und tief eindringender Bearbeitung
der Quellen heraus der lebendigen Vergegenwärtigung
eines umfassenderen Geschehens mit
eindrucksvoller Kraft und Sicherheit dienstbar gemacht
wird. Auch um solchen Gewinnes an der Form willen,
nicht nur wegen des Inhaltes, wird man es dankbar
begrüßen, daß manches Stück aus mehr oder minder
großer Abgelegenheit wieder hervorgeholt worden ist, und
daß der Verf. such zu einer Selbstdarstellung entschlossen i
hat, über die keine weiteren Worte zu sagen sich von
selbst versteht; es sei denn die, daß, wer die durch jene !
Sammlung angeregten Selbstdarstellungen als Unterneh-
men von vornherein mit Bedenken ansieht, hier eine
Möglichkeit und eine Nötigung findet, sein Urteil nochmals
zu überprüfen, ehe er es abschließt.
(S. 25. Z. 11 ist 763 statt 768 zu lesen).
Bonn. F.. Wolf. |

Molitor, Dr. Raphael, O. S. B.: Aus der Rechtsgeschichte
Benediktinischer Verbände. Untersuchungen u. Skizzen. Bd. 2: |
Verbände von Kongregation zu Kongregation. Verband lt. Exemption. ■
Münster L W.S Aschendorff 1932. (XXIII, 688 S.) gr. 8°.

RM 29-; geb. 31—. I

Hatte der 1928 erschienene 1. Band eine Übersicht
der benediktinischen Verbände von Kloster zu Kloster i
gegeben, so führt der vorliegende 2. Band in die Ver-
suche ein, die auf einen Verband zwischen den Kongrega- j
tionen, auf eine Union oder Konföderation zielten, wobei i
freilich manche Wiederholung bzw. weitere Ausführung !
der im 1. Band geschilderten Vorgänge nicht zu umgehen |
war. Die beschriebenen Versuche spielen von der Mitte
des 15. bis zum Ende des 18. Jahrhunderts und geo- I
graphisch in der Hauptsache in Deutschland (einschließ- j
lieh Schweiz und Österreich). Was das mit eindringender ]
Gelehrsamkeit und bewundernswertem Fleiß gearbeitete, :
fast ausschließlich aus archivalischen Quellen geschöpfte
Buch so umfangreich werden ließ, war besonders der
Umstand, daß die durch Jahrhunderte sich hinziehenden
Versuche zur Einigung sich mit der Frage der Exemption
der Klöster von der bischöflichen Jurisdiktion ver- I
quiekten, denen ein zäher und meist erfolgreicher Wider- I
stand der bischöflichen Kurien entgegentat. Im einzelnen
werden behandelt die Unionsversuche Melk-Kastl-
Bursdorf (1450—1524), die deutsch - kassinensischen
Unionsversuche (1542—1597), die süddeutschen Ver- j
suche im 17. Jahrhundert, die durch das Restitutions- i
«dikt besonders dringlich und durch die Opposition namentlich
der Konstanzer und Augsburger Bischöfe besonders
bitter und ärmlich sich entwickelten, dann die (
im 18. Jahrhundert zustande gekommene Kongregation
und Exemption der bayrischen und Augsburger Klöster, j
Außerdem werden geschildert die französische General- !
Kongregation unter Richelieu und Mazarin und die Bemühungen
um Gründung von Generalschulen in Rom
(Gregorianum und Anselmianum) sowie um Aufstellung
eines Generalprokurators in Rom. Den Schluß macht
eine umfangreiche Rückschau, in der nach jener zusammenfassenden
Darstellung der Geschichte die grund- ;
sätzlichen Gesichtspunkte herausgestellt werden, unter i
denen alle jene immer erneuten und immer wieder
scheiternden Versuche zu betrachten sind. Das Buch ist
keine erbauliche Lektüre und wohl auch für den Verfasser
keine erfreuliche Arbeit gewesen. Mit Grund betont
M. schon im Vorwort, daß der vorliegende Ausschnitt
aus der Geschichte des Benediktinerordens die
am wenigsten lichtvolle Seite desselben betrachte, und
mit anerkennenswertem Freimut werden im Lauf der Dar- ;
Stellung die Fehler und Mängel auf seiten des Ordens
und der Bischöfe dargelegt, auch die üblen Folgen der
Politischen Verflechtung der römischen Kurie angedeutet.

Wir sind gewöhnt, die Einheit und Einigkeit der katholischen
Kirche zu bewundern; in dem vorliegenden Buch
ersieht man, welche bittere Kämpfe, freilich ohne daß es
der breiten Öffentlichkeit kund wurde, durch Jahrhunderte
unter dem Klerus ausgefochten wurden, wie die
Orden unter einander und mit den Bischöfen um weltliche
Dinge hartnäckig stritten, welche Rolle das Geld
spielte oder der Mangel an Geld, wenn die endlosen
Streitereien in Rom mit Erfolg durchgefochten werden
sollten.

In der Rückschau sagt M.: „Diese Klöster und Kongregationen
waren gar zu oft und gar zu leicht ein unwürdiger
Spielball in der Hand mehr oder weniger geschickter
Partner, ohne sich, wie es sich gebührte, mit
bewußter Entschiedenheit und Überzeugung einmütig und
geschlossen für die Union einzusetzen oder sie abzulehnen
. Sie haben nicht viel Imponierendes, diese Halbheit
und Unreife, dieses Improvisierte, diese Geheimnistuerei
, und dann dieses vorschnelle Zurückweichen mit
geknicktem Mut, dieses Suchen, Beratschlagen, Petitionieren
und Anstürmen, dem so oft der gewünschte Erfolg
fehlt, teilweise aus eigener Schuld fehlen mußte ...
es offenbart sich doch auf Seiten des Ordens ein Maß
mangelnder Lebenskraft und Lebensgestaltung, das erstaunen
macht. Und selbst wo einmal eine Selbstbesinnung
und der Entschluß sich selbst zu helfen hervortreten
, wie bedächtig und schwerfällig, wie ängstlich und
unbeholfen lassen sie sich an" (S.- 664 f.). Kein Wunder,
daß selbst ein Tilly einmal sagte, er besorge, es möchte
den Benediktinern noch ergehen, als wie vor Zeiten den
Templern ergangen ist (S. 263). Freilich die politischen
Zustände in Deutschland werden mit Recht zur Entschuldigung
angeführt, aber eben deshalb kann man zu
dem Gedanken kommen, daß der Benediktinerorden eigentlich
froh sein müßte über die Säkularisation, die am
Ende des 18. Jahrhunderts anbrach und den Resten des
Feudalismus ein Ende machte. M. sieht in der Säkularisation
, die im nächsten Band behandelt werden soll, ein
brutales Unrecht, sagt aber doch, daß dieselbe wider
Willen dem fast erwürgten Orden eine zweite Gründungszeit
ermöglicht habe (S. 667). Jedenfalls zeigt sich
ein seltsamer Gegensatz der „lichtvollen und prächtigen
Kloster und Kirchenbauten aus dieser Periode mit ihrer
heiteren, sieghaften Freude" (643) — man denke nur
etwa an Weingarten, Neresheim oder gar Melk! — zu
dem Mangel an innerem Leben, zu der Unfähigkeit zu
organischem Fortschritt im Benediktinerorden jener Zeit.
Aber die letzte Ursache, die allen den Kämpfen, all der
inneren Unsicherheit im Orden zugrunde lag, obgleich sie
kaum mit Bewußtsein erfaßt wurde, ist, wie M. selbst
mit Recht hervorhebt, die Frage: „Ist die Regel
Benedikts Grundlage und Richtschnur, oder zugleich
auch Grenze des Benediktinertums"? (S. 663). Ähnlich
habe ich auch bei der Besprechung des 1. Bandes
in diesen Blättern empfunden und geurteilt.
Stuttgart. Ed. Lempp.

Lanborg-Jensen, Harald, u. C. M. Smidt: Cistercienser-
Kirken i Lctgum. Tegninger af Harald Lonborg-Jensen, Tekst
af C. M. Smidt. Sclskabet til Udgivelse af danske Mindesmce rker
Henrik Koppel, Kopenhagen 1931. (106 S., 17 Taf.) 2°. 25 Kr'
—: L'Eglise Cistercienne de I.agum. Planches par Harald l.onborg-
Jensen, Texte par C. M. Smidt.
Die preußische Regierung hatte kurz vor dem Ausbruch
des Weltkrieges eine umfassende Restaurierung
der alten Zisterzienserkirche Lügumkloster begonnen, sie
zu vollenden war dem Architekten Eggeling nicht Vergönnt
, da 1920 Nordschleswig an Dänemark abgetreten
wurde. Der dänische Architekt Harald Lonberg-Jensen
hat sie 1926 abgeschlossen. Hoffentlich werden der erhaltene
Klosterflügel und die sonstigen Reste des alten
Kloster an der Westküste des Herzogtums Schleswig
später in gleicher Weise behandelt werden können.

In mustergültiger Weise werden in dem vorliegenden
Buch treffliche Photographien und Aufrisse der
Kirche dargeboten. Dazu tritt der Text von C. M.