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Ausgabe:

1932

Spalte:

249-250

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Morey, C. R.

Titel/Untertitel:

The Gospel Book of Landevennec (The Harkness Gospels) in the New York Public Library 1932

Rezensent:

Soden, Hans

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Judentums* (Leipzig 1910, Gustav Lock). Allerdings wies dem damaligen
Rektor des „Hebrew Union College" in Cincinnati der scharfsinnige
Provinzialrabbiner Dr. M. Cahn aus Hilda („Die religiösen Strömungen
in der zeitgenössischen Judenheit", Frankfurt a. M. 1912, S. 236 331)
ausführlich und schlagend nach, daB K. alles andere als ein korrekter
Systematiker sei. Dazu war K. zu vielbeschäftigt und zu lebhaft. Als :
einen um so glänzenderen, oft geradezu hinreillenden Essayisten erweist
den Heimgegangenen das aus seinem überreichen literarischen Lebenswerk
TO» seinen Schülern ausgewählte, trefflich ausgestattete vorliegende Buch,
dessen drei grolie Abteilungen (9 wissenschaftliche Aufsätze, 20 Vorträge
und 9 Lebensbilder, dazu grolie Bibliographie und Anmerkungen) die
blendende Darstellungsweise und wunderbare Vielseitigkeit seiner Interessen
(sowohl in den fünf deutschen wie den sonst in brillantem Englisch
gehaltenen Stücken) zeigen — Vorzüge, die auch da verdienstlich blei- ;
ben, wo man vielfach ganz anderer Meinung sein darf, was ja z. T.
schon aus den verschiedenen Entstellungszeiten der einzelnen Bestandteile
(1869-1925) sehr erklärlich ist.

Leipzig. Erich B i s c h o f f.

Morey, C. R., Edward Keunard Rand, Carl H. Kraeling:
The Gospel Book of Landevennec (The Harkness Gospels)
in the New York Public Library. Cambridge: Harvard University
Press 1931. (VI, 64 S. u. 40 Taf.) Lex. 8".
Es wird zur löblichen Gewohnheit amerikanischer
Bibliotheken, daß sie die einzelnen wertvollen Handschriften
aus dem alten Kontinent, die je und je in ihren
Besitz gelangen, in photographischen Ausgaben der 1
europäischen Wissenschaft zurückgeben.

Unter den Hss. der Phillipps-Bibliothek in Ghelten- '
ham wurde unter Nr. 4558 ein nur unbedeutend ver- |
stümmelter Codex der vier Evangelien im Vulgatatext
geführt (in Gregorys Liste Nr. 10°), der durch ver- 1
schiedene Hände in den Besitz von Mr. Edward S.
Harkness kam und von diesem der New York Public
Library geschenkt wurde. Die vorliegende Publikation
bietet eine eingehende Beschreibung und eine höchst sorgfältige
Untersuchung der Hs. sowie zahlreiche Probeseiten
aus ihren 152 Blättern auf 40 photoiithographi-
schen Tafeln. Sie enthält außer den üblichen Textbei-
gaben zu den Vulgataevangelien, den Prologen und Ca-
nones, einen Comes, d. i. ein nach den Sonn- und Festtagen
des Jahres geordnetes Verzeichnis der evangeli- j
sehen Lesungen, und weist Bilder der Evangelisten in I
den bekannten Tiergestalten sowie in Bandmustern ausgeführte
Initialen auf. Die Prüfung der Schrift, des
Textes, der Illumination und des Comes führen einheitlich
auf einen sicher zu bestimmenden Ursprung: die Hs. I
wurde in Landevennec, Diözese Quirn per in der Bretagne
, in der zweiten Hälfte des 9. Jahrh. geschrieben
und stellt in jedem ihrer Bestandteile die für ihre Hei- 1
mat und Zeit charakteristische Mischung der insularen
(iroschottischen) und der reichskarolingischen (Turonen-
sischen) Uberlieferung dar, Wobei diese im Begriff ist, j
jene zurückzudrängen. Die keltische Grundlage ist (wie
man erwarten muß) am besten in den Capitula von
MkLukJo zu erkennen. Der Textbestand der Evangelien
•elbst ist nicht einheitlich; ein größeres Stück ist aus
anderer Vorlage eingefügt, mehrere Korrektorenhände
sind tätig gewesen. Da die Angaben über die Varianten
nach englisch-amerikanischer Weise überwiegend nur
mit den Summen der gezählten Differenzen unter den ;
verglichenen Texten gemacht werden, läßt sich Einzelnes
nicht ohne eigene Kollationen nachprüfen und so kein
Urteil darüber gewinnen, ob die Veröffentlichung des
ganzen Textes lohnen und gewisse Fragen aus der Geschichte
des karolingischen Vulgatatextes klären helfen
würde. Die Landevennec-Evv. sind zu keinem der von
Wordsworth-White verglichenen Codices Dublette und
scheinen keiner der von ihnen gebildeten, übrigens wohl
anfechtbar verbundenen Familien wesentlich anzugehören
. Die ziemlich rohe frühromanische Malerei hat
ihre nächste Parallele in den Berner Evangelien, aus
denen auch auf den Tafeln einiges Vergleichsmaterial
beigebracht ist. Der Heiligenkatalog des Comes, den die
Tafeln vollständig wiedergeben, zeigt den Gregorianischen
Typus der Karolingischen Reform mit einigen Ge-
lasianischen Rückschlägen, kennt aber bereits einige neue |

erst im 9. Jahrh. verbreitete Feste und hat einige bretonische
Besonderheiten.
Marburg. H. v. Soden.

Delling, Gerhard: Paulus Stellung zu Frau und Ehe. Stuttgart
: W. Kohlhammer 1931. (X, 166 S.) gr. 8°. = Beiträge z. Wiss.
v. Alten u. Neuen Test. Begr. v. R. Kittel, hrsg. v. A. Alt u. G.
Kittel. 4. Folge, H. 5 (d. ganz. Slg. H. 56). RM 7.50.

Die Schwierigkeit, eine deutliche Anschauung von
der Stellung des Paulus zu Frau und Ehe zu bekommen,
hat in der Hauptsache drei Gründe. Die gelegentlichen
Aussagen stehen in Widerspruch miteinander, eine große
Zahl von exegetischen Schwierigkeiten drückt die wenigen
Texte, und die Einordnung der darin ausgesprochenen
Gedanken in das Ganze paulinischen Denkens ist
schwer zu finden. Eine befriedigende Lösung der Schwierigkeit
ist nur möglich, wenn man die einzelnen Texte
sehr sorgfältig exegisiert, besonders für die strittigen
Termini neues Material zu bringen versucht, und wenn
man dem sachlich-theologischen Zusammenhang der Gedanken
nachgeht. Leider fehlen m. E. diese beiden Voraussetzungen
in dem vorliegenden Buche in auffälligem
Maße.

Der Verfasser gibt zunächst eine umfangreiche Übersicht
über Frau und Ehe in der hellenistischen und jüdischen
Uniwelt. Dabei bringt er aus großer Belesenheit
viel interessantes Material bei, nach Herkunftskreisen
geordnet. Aber eine wirklich sachliche Ordnung der Belegmassen
kann ich nicht finden. Manches Beigebrachte
ist für den Gegenstand gänzlich überflüssig (z. B. die
Ausführungen über das Schönheitsideal S. 38 und über
den Wettlauf von Mädchen zu Ehren der Hera S. 41);
dagegen hätte die Bedeutung der Frau in den antiken
Religionen ruhig breiter dargestellt werden dürfen. Audi
die Eintragung moderner moralisierender Urteile („Liebesheiraten
seltener, als uns gut scheinen möchte" S. 37;
„das Altertum in bezug auf den äußeren Verkehr der Geschlechter
harmloser, als es uns gesund erscheint" S. 31,
obwohl die Beweisstellen die Behauptung nicht tragen
) dient nicht dazu, die Stellung der Zeit zu den behandelten
Fragen zu klären.

Bei der nun folgenden Darstellung der Anschauungen
des Paulus gibt der Verfasser zuerst eine chronologisch
angeordnete Besprechung der einzelnen Texte, dann eine
zusammenfassende Darstellung. Unter der Überschrift
„Ehefeindschaft" werden zunächst 1. Thess. 4, 3—5,
1. Kor. 6, 12 ff. und 7 besprochen. 1. Thess. 4 ist von
den bestehenden Ehen die Rede (oxeüoc. = Weib), in
denen möglichst wenig Geschlechtsverkehr geübt werden
soll; das Pathos ist verwerflich. 1. Kor. 6 ist ebenso
der Geschlechtsverkehr als Sünde bezeichnet, wie für den
Juden überhaupt aller eheliche Verkehr Fleischessünde
war (das Letztere ist freilich ganz unhaltbar!). In
1. Kor. 7 ist die Ehe ein notwendiges Übel, eine Heiligung
des Geschlechtslebens ist nicht möglich. Die Ehescheidung
wird nur um des Herrenwortes willen verboten
. Die Heiligung des Andern in der Mischehe ist
nur theoretisch-subjektiv. Weil nur die Kontinenz frei
macht für Christus, hat Paulus die geistlichen Verlöbnisse
eingeführt. Wiederverheiratung wird als sexuelle
Leidenschaft abgelehnt.

Unter dem Titel „Frauenfeindschaft" werden dann
die Texte 1. Kor. 11, 2 ff., 14, 34 ff., 2. Kor. 11, 2 f.,
1. Tim. 2, 14 besprochen. Das Schleiergebot (1. Kor. 11)
ist judenchristlich, widerspricht griechischer Sitte. Wichtiger
aber ist in diesem Text, daß die Frau Gott ferner
steht als der Mann. 1. Kor. 14, 34 ff. wird überzeugend
dahin erklärt, daß den Frauen nach 1. Kor. 11 Beten und
Prophezeien als von Gott gewirkt erlaubt seien, nicht
aber eigenmächtiges Reden. In 2. Kor. 11 2 f. findet
Verf. die Anschauung, daß die Schlange in der Frau den
Geschlechtstrieb weckte, wodurch das Verhältnis zu
Adam sündig wurde.

Es folgt ein wenig ertragreiches Kapitel über die
Stellung der Frau im Rahmen christlicher Bruderliebe
und ein weiteres über die Texte aus den Pastoralbriefen,