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Ausgabe:

1932

Spalte:

217-219

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Oppenheim, Frhr. Max v.

Titel/Untertitel:

Der Teil Halaf. Eine neue Kultur im ältesten Mesopotamien 1932

Rezensent:

Sellin, Ernst

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Seite 1, Seite 2

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Theologische Literaturzeitung

BEGRÜNDET VON EMIL SCHÜRER UND ADOLF VON HARNACK

unter Mitwirkung von Prof. D. HERMANN DÖRRIES und Prof. D. Dr. GEORG WOBBERMIN, beide in Göttingen

HERAUSGEGEBEN VON PROFESSOR D. WALTER BAUER, GÖTTINGEN

Mit Bibliographischem Beiblatt in Vierteljahrsheften. Bearbeitet von Lic. Dr. phil. REICH und Mag. theol. H. SEESEMANN, beide in Göttingen.

Jährlich 26 Nrn. — Bezugspreis: halbjährlich RM 22.50

Manuskripte uml gelehrte Mitteilungen sind ausschlienlich an Professor D. BAUER in Göttingen, Dttslere Eichenweg 46, au senden,
Rezensionsexemplare ausschlienlich an den Verlag. Gewähr für Besprechung oder Rücksendung von unverlangt gesandten Rezensionsexemplaren
, besonders noch bei Zusendung nach Göttingen, wird nicht übernommen.

VERLAG DER J. C. HINRICHS'SCHEN BUCHHANDLUNG, LEIPZIG C 1

57. JAHRGANG, NR. 10 7. MAI 1932

Spalte

Cordes: Der Gemeinschaftsbegriff im deutschen
Katholizismus und Protestantismus
der Gegenwart (Bonhocffer)........235

Dersch: Hessische Wallfahrten im Mittelalter
(Herzog)...............228

Eisenhuth: Der Begriff des Irrationalen
als philosophisches Problem (v. Sybel) . . 236

Spalte

Goldschmidt: Der Babylonische Talmud
(Duensing).................219

Grüner: Die halt. Provinzialsynodcn.(Lerche) 230

Kirschfeldt: Die religionsgeschichtliche
Stellung des Gen.-Sup. D. Dr. Karl Gottlob
Sonntag (Lerche)..............230

Kürzinger: Alfonsus VargasToletnntis und

Foellmer: Geschichte des Amtes der Gene- seine theologische Eü'nleitungslehre (Heger) 225

ralsuperintendenten in den altpreullischen
Provinzen (Schian).............231

Litt: Kant und Herder (Wach) ......233

Norwood: The Hcresy of Antioch (Stählin) 221

Spalte

Oppenheim: Der Teil Halaf (Sellin) . . 217
Quervain: Die theologischen Voraussetzungen
der Politik (Dibelius).....238

Rauschen: Patrologie (Opitz)......222

S m c n d: Die Synod. d. Kirche Augsbg. Konf.

in Großpolen i. 16., 17. u. 18. Jahrh. (Völker) 229
Stephany: Konversion und Rekonversion

in I.ivland (Lerche)............230

Windisch: Imperium und Evangelium im
Neuen Testament (Kümmel)........220

Die Preise der hier angezeigten vor dem 1. VII. 1931 erschienenen deutschen Bücher dürften inzwischen im allgemeinen entsprechend der

Notverordnung vom 8. XII. 1931 um mindestens 10 gesenkt sein.

Oppenheim, Frhr. Max v.: Der Teil Halaf. Eine neue Kultur
im ältesten Mesopotamien. Mit 131 bunten und einfarbigen Ab- ;
bildungen sowie 2 Karten. Leipzig: F. A. Brockhaus 1931. (275 S.) ;
gr.8°. RM 12—; geb. 14—.

Die Ausgrabung des Freiherrn von Oppenheim j
im Quellgebiet des Chabur, eines Nebenflusses des j
Euphrat, die im Jahre 1911 begann und mit einer 13- l
jährigen durch den Krieg herbeigeführten Unterbrechung
vorläufig bis zum Jahre 1929 fortgeführt wurde, ist eine
der ergebnisreichsten Unternehmungen unter den Ausgrabungen
im Orient geworden. Hervorragende Energie
des Ausgräbers und Glück haben sich hier zu einer Zeitigung
schönster Erfolge vereinigt. Und ein besonderer |
Dank gebührt dem tatkräftigen Forscher dafür, daß er
seine reichen Ergebnisse, der eigentlichen ausführlichen [
wissenschaftlichen Publikation vorauseilend, in einem j
mehr populär gehaltenen, sehr anschaulich und fesselnd '
geschriebenen Buche so bald dem breiten Publikum zugänglich
gemacht hat. In erster Linie durch die ganz ,
einzigartigen Skulpturen, die er aufgedeckt hat, daneben j
aber auch durch die fast unübersehbaren Kleinfunde aus ;
Ton, Metall, Elfenbein usw. ist uns tatsächlich, wie er
es auf dem Titelblatte seines Buches ausdrückt, eine neue I
Kultur im ältesten Mesopotamien erschlossen.

Die Geschichte des Teil Halaf steht in den gröbsten j
Grundzügen fest. Im 3. Jahrtausend wohnten hier die
Subaräer, ihre Hauptstadt lag wahrscheinlich auf diesem
Hügel. Im Beginne des 2. Jahrtausends wurden sie
durch die arischen Mitanni unterworfen, die ihre Hauptstadt
an einen andern Ort, nach Waschukani, verlegten.
Diese wiederum mußten im dreizehnten oder zwölften
Jahrhundert den Aramäern weichen, die abermals die
Stadt auf dem Teil Halaf zur Hauptstadt wählten,
deren Herrschaft aber keine lange Dauer gehabt hat. !
Um 1100 wurden sie von dem Assyrerkönig Tiglat !
Pileser I. unterworfen, haben sich zwar im 10. Jahr- ,
hundert noch einmal wieder eine kurze Selbständigkeit j
errungen, wurden aber im 9. Jahrhundert endgültig wie- i
der assyrische Provinz unter dem Namen Guzana. Die j
weiteren Schicksale des Hügels in griechisch-römischer
und arabischer Zeit interessieren uns hier nicht.

Den festen Punkt für die Datierung aller Ausgrabungsergebnisse
auf dem Hügel bilden der Tempelpalast
217

und der Wohnpalast des aramäischen Königs Kapara
im 12. Jahrhundert, der auf Orthostaten und Statuen
eine Reihe von Inschriften hinterlassen hat, die annähernd
sicher zeitlich festgelegt werden können. Diesen
beiden Bauten, vor allem dem ersteren verdanken wir
die geradezu märchenhaft anmutenden Skulpturen aus
Basalt, von denen hier nur die auf dem Stier bzw.
2 Löwen stehende Göttertrias Teschup, Schamasch
und Hepet, die thronenden Götter und Göttinnen, der
sogen. Riesengott und die Riesengöttin, die verschleierte
Sphinx, der Sonnenvogel, die Skorpionvogelmenschen
und endlich die vielen großen und kleinen aus Basalt
oder Kalkstein gehauenen Orthostaten mit mythologischen
Darstellungen oder solchen des alltäglichen
Lebens namhaft gemacht werden sollen.

Besitzen wir nun für diese ganze überreiche Kultur
durch die Inschriften Kaparas einen ganz sicheren Terminus
ad quem, nämlich das 12. Jahrhundert, so eröffnet
sich allerdings für alles Weitere ein ganz großes,
tatsächlich noch ungelöstes Problem. Zwar einen weiteren
Punkt hat die Ausgrabung noch mit Sicherheit ergeben
: die Ära Kaparas selbst ist nicht die Schöpfungsära
aller dieser einzelnen Wunderwerke gewesen, mindestens
einen großen Teil, von ihnen hat er bereits vorgefunden
und seinen Bauwerken einverleibt. Das hat m. E.
Oppenheim S. 126 f. und sonst überzeugend erwiesen.

Aber aus welcher Ära stammen jene dann? Das ist
das große Problem, über das wohl noch lange verhandelt
werden wird. Oppenheim selbst verlegt sie in Übereinstimmung
mit den „stilkritischen" Untersuchungen E.
Herzfelds, die naturgemäß stark subjektiven Charakter
tragen, überwiegend in die erste Hälfte des 3. Jahrtausends
. Es bestehen daneben aber, wie hier nur angedeutet
, nicht bewiesen werden kann, durchaus 3 andere
Möglichkeiten, entweder, daß als die eigentliche Schöpfungsära
die zweite Hälfte des 3. Jahrtausends, oder die
erste Hälfte des 2. Jahrtausends d. i. die erste große
Periode der Mitanniherrschaft oder endlich gar erst
die des Großvaters und Vaters Kaparas in Betracht
kommt. Sollte Oppenheim mit seiner Vermutung recht
haben, daß die Mitanni ihre Hauptstadt Waschukani
von dem Teil Halaf weg nach dem heutigen Fecheria
verlegt haben, so wird eine hier vorgenommene Ausgra-

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2.TÜQ