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Ausgabe:

1932 Nr. 9

Spalte:

198-199

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Doyé, Franz von Sales

Titel/Untertitel:

Heilige und Selige der römisch-katholischen Kirche, deren Erkennungszeichen, Patronate und lebensgeschichtliche Bemerkungen 1932

Rezensent:

Dörries, Heinrich

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Theologische Literaturzeitung 1932 Nr. 9.

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auf der Umwelt dürften jedoch sicher sein. Der Vf. schildert ihre allmähliche
Entwicklung und legt ihre Einzelzüge nach der (aus dem 16.
Jahrh. stammenden) Schrift von al-Ghlt! vor. Besondere Bedeutung gewann
die Vorstellung in der islamischen Mystik, in der die Mystiker
die Himmelsreise dem Propheten nacherlebten. Über die Nachwirkungen
der Legende — vor allem in der Divina Comedia — darf nur mit
größter Vorsicht geurteilt werden. —

Den größten Teil des Bandes nimmt die Abhandlung von H. Schra-
de „Zur Ikonographie der Himmelfahrt Christi" ein (S. 66—190).
Diese Abhandlung ist eine Vorstudie zu einer angekündigten größeren
Arbeit über die künstlerische Darstellung des verklärten Christus und
verzichtet deshalb in diesem Rahmen auf Vollständigkeit. Das Referat
darf sich daher auch hier auf die Wiedergabe der wichtigsten Oedanken
beschränken. — Das Gebotene vermittelt einen (durch 39 Abb. veranschaulichten
) Überblick über die Entwicklung der Darstellung der Himmelfahrt
Christi von der späteren Antike bis zum Mittelalter. Einleitend
setzt sich der Vf. mit den urchristlichen Berichten über Auferstehung
und Himmelfahrt auseinander: in ihnen sind Vorstellungen aus dem Bereich
der Entrückungslegenden in die Auferstehungslegenden eingedrungen
und walten vielfach vor. Das Vorwalten der Vorstellungen der Himmelfahrt
bestimmt auch die christl. Kunst: die Auferstehung ist kaum dargestellt
worden; im Abendland mit wenigen Ausnahmen erst seit dem
11. Jahrh., im Osten so gut wie nie. Dagegen finden sich zahlreiche
Darstellungen der Himmelfahrt. Im Westen sind sie zunächst in vielen
Zügen von Denkmälern antiker Apotheose abhängig, wenn sich auch
von Anfang an — im Hinaufschreiten Christi zum Himmel — selbständige
Züge nachweisen lassen. In der Folgezeit lösen sie sich immer mehr von
den antiken Vorbildern: vor allem die Ferne des Himmels wird —
durch das Hinausschweben Christi oder sein Schreiten auf den Wolken

— betont. Die Darstellungen des Ostens sind ganz anders, wenngleich
auch sie in vielem von der Antike abhängig sind. Wie im Westen, so
sind auch hier Erde und Himmel streng geschieden; aber der Vorgang
erscheint (Christus wird stehend oder thronend in einer Mandorla dargestellt
) allem Einmaligen entrückt. Das, was die westliche Kunst erst
nach langem Ringen mit den ererbten Vorstellungen der Apotheose fand,
der Ausdruck der Wiederkunft des Herren, ist hier schon durch die
Frontalität und die Erscheinung Christi in der vordersten Bildebene
gesichert. Besondere Bedeutung kommt der Maria zu, die häufig — im
Unterschied von den Aposteln — frontal dargestellt wird: Maria erscheint
damit als die Mutter der Gläubigen, als Personifikation der Kirche.
Dadurch verliert die Spannung zwischen Himmel und Erde ihre Unruhe.
Im Westen ist diese Spannung zwischen Himmel und Erde am stärksten
in der englischen Kunst um 1000 vorhanden: hier wird das völlige
Verschwinden Christi realistisch ausgeführt. Ihre Auflösung findet sie
in Kompositionen von der Wende des 14. Jahrh., auf denen die Nähe
trotz der Entrückung in der Erscheinung des Erhöhten am Himmel ausgedrückt
wird: die Tatsache der sacramentalen Gegenwart Christi überwindet
das Gefühl seiner Ferne. Mit der Darstellung der Erscheinung
Christi ist auch hier die Form für den Ausdruck der gleichzeitigen Ferne
und Nähe gefunden; sie ist aber dank ihrer Entstehungsgeschichte nicht
so unbewegt und starr wie die östliche. Ein Überblick über die Reichenauer
Werke, auf denen Christus stehend, mit kreuzförmig ausgebreiteten
Armen, erscheint, und ein Ausblick auf die in der Abhandlung unberücksichtigten
italienischen Kompositionen beschließt die inhaltsreichen
Untersuchungen. —

A. Farinelli schildert den „Aufstieg der Seele bei Dante" (S.
191—213). In sehr lebendigen Ausführungen untersucht der Vf. die
Ursprünge und die Eigenart der 'Himmelsreise' in der Divina Comedia.
Von allen Seiten sind Dante Anregungen zugeflossen: er steht als Glied
in einer endlosen Kette von Künstlern und Denkern, welche den Aufstieg
der Seele darstellten. Neben den mittelalterlichen Scholastikern ist es
vor allem Plato gewesen, auf den er hörte. Aber dadurch ist er keineswegs
unselbständig geworden : seine Originalität liegt in der Neubelebung
und künstlerischen Gestaltung und Beseelung dieses Mysteriums des Aufstieges
einer 'erdenlastbefreiten, gereinigten Seele'. — In loserem Zusammenhang
mit dem Gesamtthema des Bandes steht der Vortrag von
W. Friedländer „Der antimanieristische Stil um 1590 und sein Verhältnis
zum Übersinnlichen" (S. 214—243). Der Verf. veranschaulicht

— an Hand einer großen Zahl von Abbildungen — den Gegensatz der
italienischen Malerei um 1590 (vor allem der Carracci, des Cigoli,
Caravaggio und Cerano) zur Kunst der zweiten Hälfte des 16. Jahrh.
Der Gegensatz tritt vor allem in der Reform zum Sachlichen, normativ-
Vernünftigen, Menschlich-Innerlichem (unter Anschluß an die Vorbilder
der 'klassischen' Periode Italiens) hervor. Dadurch wird das Transzendente
verweltlicht, die Verweltlichung bedeutet jedoch keineswegs eine Minderung
des religiösen Gefühls; die Religion wird vielmehr weltnah; das
Irdische wird mit Religion erfüllt. Darin gleichen die künstlerischen
Bestrebungen denen der großen Ordensführer jener Zeit, vor allem der
Jesuiten: auch hier wird die Vernunft in den Angelegenheiten des Übersinnlichen
gefördert. — Ein sehr ausführliches Register (S. 244-283)
beschließt den Band. Seine Ausstattung — namentlich die Reproduktion
der Abbildungen — ist vorzüglich.

J. Kroll zeichnet in seiner Rektoratsrede in großen Zügen die
Entwicklung der Vorstellung der Himmelsreise der Seele in der Antike.

Wenn die Vorstellung ihre volle Ausgestaltung auch erst in den vom
Orient beeinflußten Erlösungsreligionen erhalten konnte, so ist ihre
weite Verbreitung am Ende des Altertums doch nur möglich gewesen,
weil das (mehr philosophisch bestimmte) griechische Denken in den
Schwankungen der hellenistischen Zeit willig geworden war sich mit der
Religion der Erlösung zu verbinden. Dadurch wurde alles, was die
Griechen — auch schon unter Einfluß orientalischer Gedanken — über
die göttliche Natur der Seele, ihre Himmelfahrt und ihre Rückkehr gedacht
hatten, aus der Sphäre philosophischer Spekulation in das Reich
religiösen Empfindens hinübergeleitet und damit zu einer die ganze
Welt erfüllenden Wirkung gebracht. — Der in Aussicht gestellten ausführlichen
Behandlung des Themas darf man mit Spannung entgegensehen.
Göttingen. H. Seesemann.

Hebrew Union College Annual. Vol. VII. Board of Editors:
David Ph il ipson , Jacob Z. Lauterbach, Julian Morgenstern,
Sheldon H. Blank. Cincinnati: The Hebrew Union College 1930.
(III, 577 S.) 8°. $ 2-.

Alttestamentliche Arbeit wird geleistet von M. But-
tenwieser, der S. 1—18 zu beweisen sucht, daß der für
die Anschauungen der großen Propheten verschlossene,
in primitiver Religionsform haften gebliebene Ezechiel
vor 586 v. Chr. niemals den Fall Jerusalems voraussah
in der Überzeugung, daß Jahwe's Tempel unverletzlich
sei. J.-'Morgen stern setzt S. 19—258 seine in
Band V (s. Th.L.Z. 1930, Sp. 349) begonnene Behandlung
des Bundesbuchs fort und wendet sich zu seinem
gesetzlichen Inhalt (Ex. 20, 23—23, 19), den er nach
seiner Form in Gesetze von vier Typen (debärim, mis-
pätlm, hukkim, miswöt) scheidet. Die mispätlm werden
dann untersucht mit dem Resultat, daß ein Kern von
zehn debärim aus der Zeit Elisas noch im 8. Jahrh. in
eine kleine Zahl von mispätlm aus einem nordisraelitb
sehen Gesetzbuch eingeschaltet wurde, worauf dann
weitere Zusätze aus derselben Quelle folgten. Die
Untersuchung der Gesetze von Ex. 21,12—17 und 22,
17—23,9 soll später gegeben werden. S. 259—283 beschäftigt
sich Sh. H. Blank mit der Wiedergabe der alt-
testamentlichen Ausdrücke für Gesetz bei den LXX mit
Resultaten in bezug auf die hebräische Vorlage ihrer
Übersetzung und den schriftstellerischen Charakter der
letzteren. S. 285—315 mahnt J. Reider, statt Textkorrekturen
auf Grund der LXX, willkürlicher Verbesserungen
durch exegetische Einfälle oder auf Grund
metrischer Theorien lieber die sprachvergleichende Methode
anzuwenden, die allein zu gesicherten Resultaten
führe, und besonders das Arabische zu diesem Zweck
anzuwenden. L. Nemoy gibt S. 317—397 in Übersetzung
den arabischen Bericht des Karaiten Kirkisani im 10.
Jahrh. über die jüdischen Sekten (Rabbaniten, Saddu-
zäer, Magharianer, Christen und Kara'ianer). Beachtung
verdient, was er von Jesus und gegen die Christen sagt,
aber auch seine Beurteilung der Rabbaniten in ihren verschiedenen
Phasen.

H. Englander untersucht S. 399—437 Raschi's Ansicht über die
schwachen Wurzeln des Hebräischen im Verhältnis zu den ihm bekannten
jüdisch-arabischen Autoritäten Menachem b. Saruk und Dunasch b.
Labrat. Der neueren Geschichte der Juden gilt M. Ginsburger, Die
Bibelexegese der deutschen Juden im Mittelalter (S. 439—456), J. Bettan,
Die Predigten von Azaria Figo (S. 457-495), S. Bernstein, Die Briefe
von Mahalalel Haleluja in Ankona (S. 496—536), J. R. Marcus, Die
Liebesbriefe von Bendet Schottländer (S. 537—577).
Greifswald. G. Dal man.

Doye, Franz von Sales: Heilige und Selige der römisch-katholischen
Kirche, deren Erkennungszeichen, Patronate u. lebensgeschichtliche
Bemerkungen. 1. Bd.: Aaron bis Martyres. 2. Bd.: Martyres
bis zwölf Brüder. Anhang 1: Deutsche Heilige, Anhang II: Die
alten Trachten der männlichen und weiblichen Orden sowie d. geistl.
Mitgl. d. ritterl. Orden. Leipzig: Vier Quellen Verlag [1929]. (XVI,
800 u. III, 924 S.) gr. 8°.

Ausg. m. Trachtenbildern RM 42— ; ohne 32—.
Die beiden stattlichen Bände enthalten ein in seiner
Vollständigkeit die bisherigen Zusammenstellungen übertreffendes
Heiligenverzeichnis, das für die päpstlich anerkannten
Heiligen und Seligen biographische Notizen,
Attribute und Patronate aufführt. Das Werk scheint
vor allem zum praktischen Gebrauch durch Mönche