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Ausgabe:

1932

Spalte:

194-196

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Bolkenstein, H.

Titel/Untertitel:

Een geval von sociaal-ethisch syncretisme 1932

Rezensent:

Windisch, Hans

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Theologische Literaturzeitung

BEGRÜNDET VON EMIL SCHÜRER UND ADOLF VON HARNACK

unter Mitwirkung von Prof. D. HERMANN DÖRRIES und Prof. D. Dr. GEORG WOBBERMIN, beide in Göttingen

HERAUSGEGEBEN VON PROFESSOR D. WALTER BAUER, GÖTTINGEN

Mit Bibliographischem Beiblatt in Vierteljahrsheften. Bearbeitet von Lic. Dr. phil. REICH und Mag. theol. H. SEESEMANN, beide in Göttingen.

Jährlich 26 Nrn. — Bezugspreis: halbjährlich RM 22.50

Manuskripte und gelehrte Mitteilungen sind ausschließlich an Professor D. BAUER in Göttingen, Düstere Eichenweg 46, zu senden,
Rezensionsexemplare ausschließlich an den Verlag. Gewähr für Besprechung oder Rücksendung von unverlangt gesandten Rezensionsexemplaren
, besonders noch bei Zusendung nach Göttingen, wird nicht übernommen.

VERLAG DER J. C. HINRICHS'SCHEN BUCHHANDLUNG, LEIPZIG C 1

57. JAHRGANG, NR. 9

Spalte

Bartelheimer: Schleiermacher u. d. gegenwärtige
Schleiermacherkritik (Wobbermin) 210
Baum garten: Protest. Seelsorge (Niebergall) 215
Bolkestein: Een geval von sociaal-ethisch

syncretisme (Windisch) ..........194

Brunn er: Schleiermachers Lehre vom Gefühl
schlechthiniger Abhängigkeit mit besonderer
Berücksichtigung seiner theologischen
Methode (Wobbermin).....209

Dehn: Kirche u. Völkerversöhnung (Usener) 214
Doye: Heilige und Selige (Dörries) .... 198

Spalte

Hebrew Union College Annual (Dalman). . 198
Heyret: P. Markus von Aviano O.M.Cap.

(Lerche) ..................204

Johann Georg: Neueste Streifzüge durch

die Kirchen u. Klöster Aegyptens (Duensing) 206
Johanssen: Geistesleben afrikan. Völker

im Lichte des Evangeliums (Witte) .... 205
Kaftan: Erlebnisse u. Beobachtgn. (Usener) 212
Kroll: Die Himmelfahrt der Seele in der

Antike (Seesemann)............196

Mandel: Wirklichkeitsreligion (Wobbermin) 207

23. APRIL 1932

Spalte

Neher: Die wirtschaftliche u. soziale Lage
d. Katholiken im westl. Deutschland (Lerche) 205

Schweitzer: Concilii Tridentini Tracta-
tuum (Schmidt) ..............201

Vorträge der Bibliothek Warburg (Seesemann) 196

Weinberger: Wegweiser durch die Sammlungen
altphilol. Handschriften (Frankel). 193

Wotschke: Der poln. Brüder Briefwechsel
mit den märkischen Enthusiasten (Völker) 203

Zähringer: Das kirchliche Priestertum
nach dem hl. Augustinus (Koch).....199

Die Preise der hier angezeigten vor dem 1. VII. 1931 erschienenen deutschen Bücher dürften inzwischen im allgemeinen entsprechend der

Notverordnung vom 8. XII. 1931 um mindestens 10% gesenkt sein.

Weinberger, Wilhelm: Wegweiser durch die Sammlungen
altphilologischer Handschriften. Wien: Hölder-Pichler-Tempsky
A. G. in Komm. 1930. (136 S.) gr. 8°. = Akad. d. Wiss. in Wien.
Philosoph.-hist. KL Sitzungsber. 209. Bd., 4. Abhdlg. RM 6.70.
Auf eine knappe Einleitung, in der die Entstehung
der Handschriften und der Sammlungen und die Schriftgeschichte
andeutend skizziert ist, folgt ein „allgemeiner
" und ein „spezieller" Teil. Der spezielle Teil bildet
den eigentlichen Kern des Buchs. Er bietet in einem
einzigen Alphabet Literaturnachweise für sämtliche einschlägigen
Bibliotheken, Bibliotheksorte, Handschriftensammler
, und Benutzer der Sammlungen, soweit ihre
Angaben Quellenwert haben; und zwar für heidnische
und christliche Literatur des Altertums in griechischer
und lateinischer Sprache. Die Papyri sind ausgeschlossen
. In reicher Zahl, aber lakonischer Kürze, sind Hinweise
auf die Herkunft und Vorbesitzer der Handschriftenbestände
, die Schicksale der Bibliotheken und ähnliches
beigegeben. Alles ist durch sorgsame Hin- und
Herverweisungen so erschlossen, daß das gebotene Material
von verschiedenen Fragestellungen aus gleichmäßig
verwertet werden kann. Der „allgemeine Teil"
verzeichnet diejenige Literatur, die sich nicht auf eine
einzelne Bibliothek beschränkt.

Durch das Streben nach äußerster Knappheit ist
die Form der Darbietung etwas spröder geworden als
nötig war. Man sollte so wenig wie möglich Symbole
(wie Stern, Sperrdruck und ähnl.) verwenden, und an
ihrer Stelle Text, oder Schlagwörter und Abkürzungen
geben, deren Sinn leicht aufzufassen und zu merken ist.
Überhaupt nicht sollte man als Symbole Merkmale verwenden
, denen man es nicht ansieht, daß sie eine besondere
Bedeutung haben. Einen Doppelpunkt zwischen Lemma
und Text wird wohl jeder als angemessenes Interpunktionszeichen
unbeachtet lassen, während der Verf. damit
ausdrückt, daß die betr. Bibliothek unzureichend bekannt
ist. So ist der Gebrauch des Verzeichnisses nicht
absolut bequem. Aber was will das besagen gegenüber
der entscheidenden Erleichterung und Hilfe, die das
Werk seinen Benutzern gewährt. Mit ihm hat der Verfasser
, der seit mehr als drei Jahrzehnten als Handschriftenforscher
tätig ist, ein außerordentlich wertvolles
und dankenswertes Hilfsmittel geschaffen.
Göttingen. Hermann Frankel.

193

Bolkestein, H: Een geval von sociaal-ethisch syncretisme.

Amsterdam: Akademie van Wetenschappen 1931. (52 S.) 8°. =
Mededeelingen der Koninkl. Akademie v. Wetensch. Afdeel. Letterkunde,
72. Serie B, Nr. 1. fl. —.60.

Unter sozial-ethischem Synkretismus ist nach Bolkestein
(Professor für Alte Geschichte in Utrecht) ein Zusammenfließen
von altgriechischer und spezifisch orientalischer
, ägyptisch-jüdischer Ethik zu verstehen. Einen
schönen Beleg dafür findet B. in den Hypothetica des
Philo (Euseb. praep. ev. VIII), deren Inhalt weitgehend
aus griechischer Moralüberlieferung stammt
oder daselbst seine Parallelen hat (vgl. die bekannteste
Gnome daraus: & xic, jicRteTv evpameei, a jicaeiv ouxöv ), bis
auf eine, spezifisch nicht-griechische, vielmehr spezifisch
ägyptisch-israelitische Mahnung: 61ä xctl nxoyoic, xai
jtTipoTq TQOtpT|v EQavi'Qovai jtQoq xöv 0EÖv Etiaycog dvsxEiv, d. i.

,sondern Armen wie Krüppeln, die um Speise betteln,
diese aus Frömmigkeit gegenüber Gott darreichen'.

B. zeigt zunächst, wie oft in ägyptischen religiösen
Texten die „Wohltätigkeit", die Unterstützung
und1 der Schutz der Armen, das Älmosengeben
als eine hervorragende sittliche Pflicht und als ein gottwohlgefälliges
Werk empfohlen wird. Die Mahnungen
und Zeugnisse sind überraschende Parallelen zu den
bekannten Empfehlungen der Wohltätigkeit gegen die
Armen in der israelitisch-jüdischen Literatur. Im scharfen
Gegensatz hierzu wird festgestellt, daß in der sozialen
Moral von Griechenland die Gegenüberstellung
von arm und reich sogut wie keine
Rolle spielt. Auch die Pflicht der Wohltätigkeit wird
nur auf Volk, Stadt, Gesellschaft, auf Freunde, Eltern
und Verwandte bezogen, nicht auf die „Armen"; niemals
umfaßt sie auch das „Almosengeben". Wie denn auch
in der griechischen Welt niemals die Gottheit als Beschirmerin
der Armen erscheint; es gibt 0sol |evioi,
OeoL Ixecioi, aber keinen fteöc, jix«>xioc, ln Has griechische
Menschlichkeitsideal wird niemals die pflichtmäßige
Unterstützung der Armen einbezogen.

Ein charakteristisches Dokument dieser griechischen
Moral sind diedeai Boutjvyioi, die Verfluchungen des
Buzyges. Die Menschlichkeitsgebote, die in diese dpal
aufgenommen waren, sind nach B.'s Nachweisungen
folgende: ßoüv dpoxriv mi fhisiv, dxcwpov cüpa pf] rapiopäv,
Jxöp^EvauEiv, vöaxoc, xomoveIv, öööv cppd^Eiv, xavraptög cmpßoiAevEiv.

194

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