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Ausgabe:

1931

Spalte:

169-173

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Schmidt, Wilhelm

Titel/Untertitel:

Ursprung und Werden der Religion 1931

Rezensent:

Clemen, Carl

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Theologische Literaturzeitung

BEGRÜNDET VON EMIL SCHÜRER UND ADOLF VON HARNACK

unter Mitwirkung von Prof. D. HERMANN DÖRRIES und Prof. D. Dr. GEORG WORBERMIN, beide in Göttingen

HERAUSGEGEBEN VON PROFESSOR D. WALTER BAUER, GÖTTINGEN

Mit Bibliographischem Beiblatt in Vierteljahrsheften. Bearbeitet von Lic. Dr. phil. REICH und Mag. theol. H. SEESEMANN, beide in Göttingen.

Jährlich 26 Nrn. — Bezugspreis: halbjährlich RM 22.50

Manuskripte und gelehrte Mitteilungen sind ausschließlich an Professor D. BAUER in Göttingen, Düstere Eiclienweg 46, zu senden,
Reaensionsexemplare ausschließlich an den Verlag. Gewähr für Besprechung oder Rücksendung von unverlangt gesandten Rezensionsexemplaren
, besonders noch bei Zusendung nach Göttingen, wird nicht übernommen.

VERLAG DER J. C. HINRICHS'SCHEN BUCHHANDLUNG, LEIPZIG C 1

56. JAHRGANG, NR. 8 11. APRIL 1931

Spalte

Blaß: Grammatik des neutestamentlichen
Griechisch (Bauer).............174

Dannenbauer: Luther als religiöser Volks-
schriftsteller 1517—1520 (Vogelsang) . . 181

Davids: De Orosio et Sancto Augustino
Priscillianistarum Adversariis (Krüger) . . 180

Fels: Bernard Bolzano (Linke).......181

Franchide'Cavalieriu. Lietzmann:
Specimina codicum Graecorum Vatica-
norum (Bauer)...............174

Spalte

Hartmann: Die Philosophie des deutschen
Idealismus (Adolph)............187

H e u s s i: Kompendium der Kirchengeschichte
(Bauer)..............174

K o e p p e 1: Palästina (Hertzberg)......173

Spalte

Schmidt: Ursprung und Werden der Religion
(Clemen)...............i0<)

Seeberg: Über das Problem des Protestantismus
(Kohlmeyer)............183

Sieden: Katechismen u. Katechismus-Unter-

Lietzmann: Zur Entstehungsgeschichte Weisung in Mecklenburg seit d. Reformation

der Briefsammlung Augustins (Dörries) . 177! bis zu Anfang des 18. Jahrhunderts (Cohrs) 178

Müller: Erfahrung und Glaube bei Luther iSteffes: Religion und Politik (Schian) . . 189

(Vogelsang)................. 184 Sühling: Die Taube als religiöses Symbol

Nestle: Novum Testamentum Graece (Bauer) 1741 im christlichen Altertum (Bauer).....175

S c h m i d t, Dr. P. Wilhelm: Ursprung und Werden der Religion. : einer andern, voii ihm erst später behandelten Theorie zusammen. ZuTheorien
U.Tatsachen. Münster i. W.: Aschendorff 1930. (XV, 296 S.) ' nächst behauptet er gegenüber dem Manismus H. Spencers (S. 66): die
gr. 8". = Handbuch der vergleichenden Religionsgesch. z. Gebrauch ! Totenpflege trägt anfangs „noch keinerlei religiösen Charakter, sondern
f. Vorlesgn. an Univ., Seminaren usw. u. z. Selbststudium. ist nichts Anderes als die Fortsetzung der Pflichten und Gewohnheiten

RM 6.80; geb. 8.25. | des sozialen Lebens über das Grab hinaus" und vorher schon (S. 62):
„Handbuch der vergleichenden Religionsgeschichte" i „Das Verhältnis zu den Verstorbenen ist vielfach (NB.!) mehr das der
ist für eine Untersuchung des „Ursprungs und (ältesten) ! Liebe als das der Furcht; das zeigt sich auch darin, daß die Über-
Werdens der Religion", der augenscheinlich keine wei- ! bleibsei des Körpers, Schädel und Knochenteile monatelang von den
teren Bände folgen sollen, eine etwas prätentiöse und '< Angehörigen, besonders der Witwe als teures Andenken bewahrt und
irreführende Bezeichnung. Man kann sie sich auch nicht ; ^rgetrageu'werden. Aber >s das auch so aufzufassen wenn es
; j o i- j w/-ii j tr c j- slc" um den Schädel eines getöteten Feindes handelt, und haben de
SO erklaren, daß nach dem Willen des Verfassers die Mal!nahmell/ die umgekehrt eine Wiederkehr des Toten verhindern sollen
beiden Titel den beiden Teilen des Buches gelten ! nicllt eilien andern und zwar, wenn man eine solche für möglich hält,'
sollten; denn er selbst nennt die Geschichte der Reli- | religiösen Grund? Sonst ist die Beurteilung des Manismus ja ebenso
gionsgeschichte als Wissenschaft, die er in gewissem 1 zutreffend wie die des Animismus, der Astralmythologie und des PanSinne
cqbt, S. 15, weil sie allmählich zu den ältesten ! babylonismus, sowie des Totemismus, mit dem (in dem hier immer in
religiösen Vorstellungen vorgedrungen sei, „ein kleines '■ Rede stehenden Sinn einer Theorie über den Ursprung der Religion)
nach rückwärts schreitendes Kompendium der verglei- ; z0«1"ch die °Pf^hf°rie v0" R°bertson Smith sowie die Hypothesen

chenden Relio-ionsgeschichte", wird aber natürlich nicht ™ ™f u^..D"t1the'ra .ab^lehn* ^erden: Besonders ausführlich ist

wituucn ici Biuuog>.„„. . '. , , . i endlich die Kritik des Magismus und Dynanusmus ausgefa en be der

verkennen, daß man unter einem solchen oder einem , die Magie mit Recht wesentlich nach dem Vorbild des in der Tat von

Handbuch sonst noch etwas anderes versteht, als er ; Schm. eigentlich erst wieder entdeckten Engländers J. H. King erklärt

bietet. I wird. Wenn Schm. sie sich dagegen nicht nur, wie sich ja eigentlich

Im Übrigen ist jener Überblick Über die Geschichte von selbst versteht, allmählich weiter ausgestalten, sondern (auch S. 214

der Religionsgeschichte, oder vielmehr die verschiede- und 239) erst nach der Religion entstanden sein läßt, so liegt das, wie

nen Theorien Über den Ursprung der Religion auch nach die Beurteilung des Fetischismus in dem von ihm befolgten engeren

dem Erscheinen des Werkes von Pinard de le Boullaye, j Sin"e d^s Worts an einem Mangel den Schm.s Buch allerdings mit

un usuraiiui uo wci^ auRerornVntlirh vir andern, früheren Untersuchungen des Ursprungs der Religion teilt, der

L.etuae comparee ues reiigiuii» vc- , aber heutzutage docn auffällt, dem Umstand nämlich, daß er (außer

dienstlich; denn eine so eingehende Darstellung jener . gelegentlich s. 271) nirgends auf die sog. vorgeschichtliche Religion

Theorien hatten Wir in deutscher bpraene bisher nicht. und Magie achtet - wo er doch sonst von der Prähistorie redet, handelt

Sie ergänzt dieses Buch auch vielfach und fuhrt nament- es sich um andere Dinge.

lieh durch die Erklärung der verschiedeTheorien j ßd dieser ^ verschiedenen Theorien über

aus der .jeweiligen Zeitgeschichte sowie durch die an , Ursprung der Reli ion wird nun vielfach schon die

thnen geübte Kritik über es hinaus. Priorität des Glaubens an einem sog. Hochgott vor-

An der Darstellung der früher naturmytholog.sch erklärten Reli- , ausgesetzt, den Schm. mit Hilfe der sog. kulturhisto-

gionen der indoeuropäischen Völker, deren Nichtursprunghchkeit sich ri JLn Methode als ri,en ülfe<rten nachweisen zu Wrinnpn

ja heutzutage von selbst versteht, aber vielleicht noch etwas stärker hätte | "SC^" ^™„ ^,,7^ 3 wlh^i» i *

betont werden können, ist sehr richtig daß sie „doch nicht in solchem I glaubt Wenn «" auf ihn und diese Methode also erst

Grade naturmythologische Religionen sind, wie es damals wohl scheinen j jetzt zu sprechen kommt, SO erscheint das als ein Fehler

konnte" (S. 40). Im einzelnen schließt sich Schm. hier an L. von j in der Disposition; diese Untersuchungen wären besser
Schröders Arische Religion an, die man wohl kaum mehr (oder nur im
historischen Sinne) klassisch nennen kann; außerdem steht auch in ihr
(I, S. 326 ff.) etwas Andres, als was Schm. (S. 42) über Varuna-Ahura-

an die Spitze des Ganzen gestellt worden. Schm. schildert
statt dessen auch jetzt zunächst die Anerkennung jenes
Glaubens als des ältesten im 19. Jahrhundert, dann bei

Mazdahs Verhältnis zu Mitra-Mithra und den Adityas-Ameshacpentas A Lang unrJ endlich (teils vor, teils nach dem Ersehet
saut Wpitprhin an der freilich mir ehr Imncn F.rorterune der fpti- I r- i . V . .. <■ <■ ■■ • •

sagt. Weiterhin an der freilich nur sehr kurzen Erörterung der feti
schistischen Religion ist m. M. n. durchaus zu billigen, daß Schm. den
Begriff Fetisch auf die ursprünglich so bezeichneten Gegenstände beschränkt
; ob solche wirklich in gewissem Umfang nicht schon früher,
als er will, angenommen wurden, hängt freilich mit der Beurteilung

nen von Schm.s zuerst im Anthropos auf französisch und
seit 1912 als Buch auf deutsch veröffentlichter Studie:
Der Ursprung der Gottesidee) bei zahlreichen andern
Gelehrten, die freilich z. T. jenen Glauben anders als

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