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Ausgabe:

1931 Nr. 6

Spalte:

126

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Jona, Nahum

Titel/Untertitel:

Habakuk, Zephanja, Haggai, Sacharja und Maleachi, äthiopisch 1931

Rezensent:

Duensing, Hugo

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Theologische Literaturzeitung 1931 Nr. 6.

126

Lichtenbergs den beim Zusammenstoß von Buch
und Kopf entstehenden hohlen Klang auch nicht immer
dem Buch zuschreiben, d. h. also jenen Eindruck von
dem Versagen der alttestamentlichen Wissenschaft nicht
nur dieser zur Last legen darf, sondern gelegentlich auch
der Einsichtslosigkeit ihrer Kritiker die Schuld daran
zuschieben muß, so wäre doch die neueste theologische
Entwicklung undenkbar, wenn hier nicht in der Tat ein
berechtigtes Verlangen ungestillt geblieben wäre. Aber
so wie der Verf. die Lücke nun ausgefüllt wissen will,
geht es wirklich nicht. Das unscheinbare Anmerkungs-
sätzchen auf S. 5, das an einer Wendung in Hempels [
„Gott und Mensch im A. T." (S. 2 „Zusammengehörigkeitsbewußtsein
mit dem Gott dieses Vulkans")
tadelt, daß hier der bestimmte Artikel vor dem Gottesnamen
gebraucht werde, zeigt deutlicher als vieles andere
, wohin die Reise geht: auf einfache Anerkennung
der im A. T. vorliegenden Vorstellungen von Gott als "
absolute und normative Offenbarung Gottes.

Aber die Religion der Bibel liegt uns zunächst als
Zeugnis von Gottesoffenbarungen vor, die ein Volk und
Menschen vergangener Zeiten gehabt haben, gehört insofern
der menschlichen Geistesgeschichte an und muß
mit denselben Mitteln untersucht und erfaßt werden wie
die Geistesgeschichte überhaupt, wobei es sich von
selbst versteht, daß dieser Ausschnitt der Geistesge- j
schichte auch als solcher mit seinem eigenen Maßstab
gemessen und von anderswoher entlehnten Begriffen,
also etwa von dem der Persönlichkeit im Sinne des berühmten
Goethe-Wortes, frei zu halten ist. Aber zu normativen
Aussagen über Gott, zur Feststellung einer objektiven
Gottesoffenbarung gelangt man auch so nicht,
sondern nur bis dahin, daß die Gestalten jenes Geschichtsverlaufes
der Offenbarung ihres Gottes gewiß
gewesen sind. Erst wenn das von Gottesoffenbarungen |
erzählende Buch zu mir selbst, zu mir dem einzelnen
oder zu meiner Glaubensgemeinschaft, zu reden beginnt,
wenn Gott mich dadurch anspricht, wird es mir zur j
Offenbarung, erst dann darf und muß ich statt Jahwe |
oder „der Gott" „Gott" sagen. Die damit angedeutete j
Doppelhaltung zum Gegenstande gibt es ja keineswegs j
nur für den Theologen im Hinblick auf die Bibel, sondern
sie ist auch sonst notwendig und berechtigt, etwa |
bei der Durchdringung eines Kunstwerkes, für die Robert
Petsch in seinem über die Analyse des Dichtwerkes
handelnden Beitrag zu der von Emil Erma- i
tinger herausgegebenen Philosophie der Literaturwissenschaft
kürzlich als Ideal hingestellt hat „eine |
Darstellung, die auf rationaler Grundlage und in
vorzugsweise rationaler Beweisführung fortwährend i
über sich selbst hinauswiese und schon in der eige- I
nen Sprachgebung höhere Zusammenhänge und Ziel- ;
Setzungen ahnen ließe" (S. 276). Wie das keineswegs
die Leugnung des irrationalen Charakters [
der Kunst bedeutet, sondern nur die Anerkennung, j
daß wir bei der Darstellung unserer Erkenntnisse
uns einer rationalen Methode bedienen müssen, auch
wenn sie das Tiefste nicht auszudrücken vermag, so
schließt auch die geistesgeschichtliche Betrachtung des |
Prophetismus und der alttestamentlichen Religion überhaupt
, die schon als solche über sich hinausweisen kann
und wird, die Herausstellung des Offenbarungsgehaltes |
gar nicht aus, sondern fordert sie geradezu als Ergän- i
zung. Nur soll man diese bekenntnis- und Zeugnis- |
mäßige Betrachtung nicht in die geistesgeschichtliche j
hineintragen und sich nicht einbilden, mit ihr Fragen
lösen zu können, die nur geistesgeschichtlich zu beantworten
sind und für die andere Betrachtung unzugänglich
bleiben, ja — mit ihrem Maßstab gemessen — auch
unerheblich sind.

Vielleicht hilft Cramers Buch mit dazu, daß diese j
Dinge von der Theologie neu durchdacht und einer
Lösung entgegengeführt werden. Das wäre für ihn
kein geringer Lohn.
Halle a. S. Ono Eilife 1 dt.

Löfgren, Oscar: Jona, Nahum, Habakuk, Zephanja, Haggai,
Sacharja und Maleachi Äthiopisch. Unter Zugrundelegg. d.
Oxforder MS. Huntington 625 nach mehreren Handschriften hrsg.
Leipzig: O. Harrassowitz. Haag: M. Nijhoff. Uppsala: Almqvist &
Wiksells. Paris: H.Champion. Cambridge: W. Heffer & Sons 1930.
(VIII, 103 S.) gr. 8°. = Arbeten utgivna med Understöd av Vilhclm
Ekmans Universitetsfond, Uppsala, 38. RM 9.50.

Johannes Bachmann hatte einst vorgehabt, das
Dodekapropheton Aethiopum herauszugeben, war damit
aber nicht über Anfänge hinaiisgelangt. Was er unvollendet
gelassen hat, will Löfgren jetzt zu Ende führen.
Er legt den zweiten, Jona bis Maleachi umfassenden,
Teil zuerst vor. Das hat seinen Grund im Zustand der
ältesten Handschrift, die als Repräsentantin des Altäthi-
open bei der Textherstellung zu Grunde gelegt werden
muß und auch von Bachmann schon zu Grunde gelegt
ist, nämlich der Oxforder Hs. Huntington 625. Diese
von Jerusalem über Rom nach Oxford gewanderte Hs.
ist am Anfang unvollständig, es fehlt Hosea und Arnos
I—V, 14. Da eine gleichwertige Hs., die als Lückenbüßerin
dienen könnte, fehlt, so muß man zunächst
durch Studium des Textcharakters darüber ins Klare
kommen, welche von den jüngeren Hss. wohl O am
nächsten kommt, und danach die Lücke ausfüllen. —
Die Arbeit liegt bei Löfgren in den denkbar sichersten
Händen. Löfgren, der schon mit seinem Daniel eine
auf so reichem textkritischen Material aufgebaute sorgfältige
Ausgabe vorgelegt hatte, wie sie seit Flemmings
Ausgabe des äthiopischen Henoch nicht wieder erschienen
war, verwertet hier 9 Hss. Darüber hinaus benutzt
er auch die früheren Ausgaben von einzelnen der Kleinen
Propheten, soweit sie ihm zugänglich waren, und
die unter den Oden am Schluß des Psalteriums stehenden
Abschnitte Jona 11,3—10 und Habakuk III, wie
sie Ludolf in seinem Psalterium gedruckt hat. Hierzu
möchte ich bemerken, daß Ludolf die fast zweihundert
Jahre ältere Ausgabe von Potken kannte und daß diese
auf einer Hs. beruhte, die mindestens aus dem 15., vielleicht
aber aus dem 14. Jahrhundert stammte. Die
Typen nämlich, die für Potkens Druck 1513 geschnitten
wurden, beweisen durch die fast dreieckige Form des
Ain und der beiden Teile des Mai, daß die Hs., nach der
sie geschnitten wurden, älteste Buchstabenformen besaß.

Löfgren gedenkt „dem hoffentlich bald erscheinenden
ersten Teile" eine Einleitung vorauszuschicken,
„welche sowohl über Handschriften und Methode als
über Vorlage und Rezensionen der Übersetzung ausführlich
berichten soll". Es empfiehlt sich, eine endgültige
Stellungnahme bis zum Erscheinen dieses schon vorbereiteten
Teiles hinauszuschieben. Die Frage nach dem
Charakter des zu Grunde liegenden Textes ist die den
Theologen am meisten interessierende.
Goslar. Hugo Duensing.

Rießler, Paul: Altjüdisches Schrifttum außerhalb der Bibel

übersetzt u. erläutert. Augsburg: B. Pilser 1928. (1342 S.) 8°.

RM 30-; geb. 32—.

Das Buch ist nach Art der Taschenbibeln gebunden
und auf besonders dünnes feines Papier, jedoch scharf
und klar, unter beständiger Anwendung der Sinnzeile,
gedruckt, eine ausgezeichnete buchhändlerische Leistung.
Die Schriften sind unter Verzicht auf eine Gruppierung
in Gattungen bibliothekarisch geordnet. Sind für eine
Schrift mehrere Titel überliefert, so berücksichtigt das
Inhaltsverzeichnis das zugehörige Buch mehrmals. Für
den Bearbeiter als Katholiken stehen Sira, Tobit usw.
nicht „außerhalb der Bibel" und fehlen daher in dieser
Veröffentlichung. Die Folge ist also, daß sich der
Umfang von Ausgaben des spätjüdischen Schrifttums
von vornherein nicht decken kann. Es wäre jedoch zu
wünschen, zumal angesichts der etwas ungelenken Formel
„außerhalb der Bibel", wenn sich doch noch alle
Interessenten über eine Definition des Begriffs ,,spät-(?)
jüdisches Schrifttum" verständigen könnten. Rießler
legt nicht weniger als 61 Schriften oder Bruchstücke
solcher vor, gegenüber 14 im zweiten Bande von