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Ausgabe:

1931 Nr. 4

Spalte:

90-92

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Geismar, Eduard

Titel/Untertitel:

Religionsfilosofi 1931

Rezensent:

Hirsch, Emanuel

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Theologische Literaturzeitung 1931 Nr. 4.

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Orientalia Christiana:

XIII, 1 Nr. 46: Schweig!, Prof. Joseph, S. J.: Die Hierarchien
der getrennten Orthodoxie in Sowjetrußland. I. Ihr gegenseitiges
Verhältnis. (76 S.) gr. 8°. 8 L.
XIII, 2 Nr. 47: Hofmann, Prof. Georg, S. J.: Griechische
Patriarchen und römische Päpste. Untersuchungen und Texte.
I. Samuel Kapasoules, Patriarch von Alexandrien und Papst Klemens XI.
(104 S.) gr.8°. 12 L.
XIII, 3 Nr. 48: Spaöil, Prof. P. Theophilus, S. J.: Doctrina theo-
logiae Orientis separat! de ss. Eucharistia. I. Bibliographia.
Doctrina theologiae Orientis separati in genere. (96 S.) gr. 8°. 9 L.
XIII, 4 Nr. 49: De Oriente. Documenta et Libri. Rom: Pont.
Institutum Orientalium Studiorum 1928. (62 S.) gr. 8°. 5 L.
Vol. XIII 1 der Or. Christ, enthält eine Schrift
Schweigls über die orthodoxen Hierarchien oder, so
kann man fast sagen, Kirchen Rußlands. Die Gestaltung
des staatlichen Lebens dort hat, abgesehen von anderen
Dingen, auch eine Spaltung der einen russischen Kirche
in drei sich mehr oder minder stark befehdende Gruppen
hervorgerufen: 1. Die Tychon-treuen Hierarchien, nämlich
einmal die Hierarchie unter Führung des Metropoliten
Sergius von Nischni-Nowgorod. Sie hält an der
vom Konzil von 1917/8 beschlossenen patriarchalen
Leitung der russischen Kirche fest. Neben ihr steht 2.,
ebenfalls Tychon anerkennend aber eine konziliare Leitung
für richtig haltend die „Hierarchie des provisorischen
höchsten kirchlichen Rates" oder das „Kleine
Konzil der Bischöfe". Endlich gibt es 3. die „Hierarchie
der Synodalen", die Tychon exkommuniziert hat.
Alle drei stehen sich, obwohl dogmatisch nicht geschieden
, obwohl jetzt auch einig in der Anerkennung der
Sowjetregierung, doch getrennt gegenüber, wobei politische
Gründe stark mitzuspielen scheinen. Ein 1927
unternommener Vermittlungsversuch des Patriarchen von
Konstantinopel ist erfolglos geblieben. Schweigl schildert
nun in diesem Heft zuerst die Reformarbeiten des
Konzils von 1917/8, das alle diese drei Hierarchien noch
anerkennen, um dann eingehend die Arbeit der synodalen
Hierarchie zu beleuchten. In seiner Schlußcharakteristik
meint er, daß diese, obwohl sie selbst ablehnt
, daß sie das Dogma revidieren wolle, wenn sie
auch zugibt, die Dogmatik zu ändern, doch nicht nur
eine praktisch-kirchliche Reformgruppe ist, sondern sich
stark einem dogmatischen Modernismus nähert, eine Bemerkung
, über deren Recht oder Unrecht freilich nur die
Zukunft entscheiden kann. Weiter wird das Verhältnis
der drei Hierarchien zum Sowjet-Staat, die Auffassung
der drei Gruppen über die höchste kirchliche Leitung
und das Verhältnis der drei Hierarchien zueinander mit
dem oben kurz skizzierten Resultat dargelegt. — Der
Verfasser sagt selbst, daß sein Quellenmaterial noch
lückenhaft ist. Aber die Quellen, auf die er sich stützt,
sind ausschließlich amtlicher Natur, so daß das Bild,
das er zeichnet, wohl bereichert, auch im einzelnen modifiziert
werden mag; im großen und ganzen wird seine
Auffassung aber wohl begründet sein. — Bei der
Schwierigkeit, sich heute über innerrussische kirchliche
Vorgänge zu orientieren, möchte ich auf das Heft nachdrücklich
aufmerksam machen. Zu bedauern ist nur, daß
die Geschichte der Spaltung der Kirche in die drei
„Kirchen" nicht deutlicher wird. Sie tritt so gut wie
ganz hinter der Erörterung ihres Verhältnisses zu einander
zurück. Ein zweiter Teil soll die kanonischen
Grundlagen der Hierarchien und den Einfluß der Sowjets
auf die kirchliche Entwicklung schildern. Stil und
Sprache des Heftes verraten, daß der Verf. in einer
nichtdeutschen Sprache groß geworden ist.

In Vol. XIII 2 beginnt G. Hofmann eine Schriftenreihe
, die Beziehungen einzelner Patriarchen des
Ostens zu Rom aufdecken soll. Der Patriarch von
Alexandrien, Samuel Kapasoules, um den es sich zunächst
handelt, sollte nach Picot 1712 unter die Oboedi-
enz des römischen Stuhles zurückgekehrt sein. 1912
wurde das vom Patriarchen von Athen, Xrysostomus
Papadopoulos energisch bestritten. Jetzt legt Hofmann
nicht nur im griechischen Wortlaut, sondern auch
größten Teils in lateinischer und italienischer Über-

I Setzung, vor allem aber im Lichtbild die Urkunden vor,
I aus denen klar hervorgeht: 1. daß Kap. den katholischen
Glauben bekannt hat; 2. daß er mehrfach ein
| Treugelöbnis gegenüber Rom ausgesprochen hat; 3. daß
er erfolgreich Klemens XL um das Pallium gebeten
hat. Papadopoulos hatte seine Bezweiflung des Faktums
vor allem auf das Fehlen jedes Zeichens von Unruhe
über das Ereignis in der griechischen Kirche gestützt
. Auch dieser Bemerkung wird Hofmann gerecht,
i indem er Quellen veröffentlicht, die zeigen, daß Kap.
j Verfolgungen hat erleiden müssen, weil er sich dem rö-
I mischen Stuhl unterworfen hatte. Freilich scheint nur
I die Not ihn dazu veranlaßt zu haben, denn er hat sich
nicht gescheut, auch nach seiner Unterwerfung unter
Rom noch an kirchlichen Handlungen der orthodoxen
Kirchen teilzunehmen. Aber wie auch immer die innere
Stellung des Kap. gewesen sein mag, an der Tatsache,
daß er den Papst als sein Oberhaupt anerkannt und von
ihm das Pallium erhalten hat, ist nach dieser Veröffentlichung
Hofmanns nicht mehr zu zweifeln.

In Vol. XIII 3 untersucht Spacil sehr sachlich und
nüchtern die Abendmahlslehre der Ostkirchen, indem er
zuerst die Anschauungen wiedergibt, die sich in den sog.
symbolischen Büchern der orthodoxen Kirchen finden,
um dann die Abweichungen von der katholischen Lehre
festzustellen. Dasselbe Verfahren wiederholt sich dann
in Bezug auf neuere Theologen des Ostens, z. B. Meso-
loras, Androutsos, Dyobouniotes, Malinowsky, Makarij.
Häufige Wiederholungen sind bei diesem Vorgehen unvermeidlich
. Neue Resultate ergeben sich in. W. nicht.
! Bei Kattenbusch und Loofs, die ich auch in der sonst
reichen Bibliographie vermisse, sind dieselben Erkenntnisse
schon zu finden. Vom zweiten Teil, der die Einzelerörterung
bringen soll, erwarte ich in dieser Hinsicht mehr.

Vol. XIII 4 endlich bringt zunächst zwei „Urkunden
", nämlich 1. eine kurze Antwort aus Moskau auf
die päpstliche Enzyklika „Rerum orientalium", 2. eine
Würdigung der Enz. durch die griechische Zeitschrift
Zwi;, auf die d'Herbigny, sich an den Patriarchen von
Athen, den oben schon erwähnten Papadopoulos wendend
, eine sehr deutliche Rückantwort erteilt. Der zweite
Teil des Heftes enthält Buchbesprechungen.

Kicl-Voordc. Kurt Dietrich Schmidt.

Geismar, Eduard: Religionsfilosofi. En Undersögelse af hvad
Religion og Kirstendom so. 2., umgearbeitete Auflage. Kopenhagen:
G. E. C. Gad 1930. (XV, 423 S.) gr. 8°.

Th.L.Z. 1924 Sp. 505—509 habe ich die erste
Auflage von Geismars Religionsphilosophie besprochen.
Der allgemeine Charakter des Buchs — daß es zugleich
Lehrbuch für Studenten wie eigner Denkversuch
sein will —, sowie der Grundstandpunkt des Buchs
haben sich nicht geändert. Und doch ist die zweite Auflage
fast ein ganz neues Buch geworden. Das liegt
nicht daran, daß E. Geismar in manchen Einzelheiten
hinzugelernt hat (er sieht jetzt sein Verhältnis zu Lu-

| thers Kreuzeslehre richtiger), daß er alles, was in den
letzten Jahren systematisch gedacht worden ist, mitgedacht
hat (vor allem Berggrav's religionspsychologische
Schriften und deren Aulens Buch von 1927 über
das christliche Gottesbild, das eben auch in deutscher

I Übersetzung erscheint, haben stark auf ihn gewirkt). Er
hat sein Buch von der ihm eigentümlichen Grundfrage
aus noch einmal neu gedacht, sodaß eine ganz neue Gedankenführung
und auch eine ganz andre Gliederung
des einzelnen entstanden ist.

I. Die Aufgabe der Religionsphilosophie und ihre
Stellung im Geistesleben.

A) Historische Orientierung.

B) Systematische Orientierung.

II. Die Religionen im Lichte des Christentums.

A) Religionsgeschichtliche Beispiele.

B) Das Wesen der Religion.

III. Der Weg des menschlichen Denkens zu Gott.

A) Der Weg des Denkens von der Welt zu Gott.

B) Der Weg des Denkens von der Menschcnseele zu Gott.

C) Die Grundfragen des religiösen Denkens.