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Ausgabe:

1931

Spalte:

73-74

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Hohenberger, Adam

Titel/Untertitel:

Die indische Flutsage und das Matsyapurāna 1931

Rezensent:

Weinrich, Friedrich

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Seite 1

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Theologische Literaturzeitung

BEGRÜNDET VON EMIL SCHÜRER UND ADOLF VON HARNACK

unter Mitwirkung von Prof. D. HERMANN DÖRRIES und Prof. D. Dr. GEORG WOBBERMIN, beide in Göttingen

HERAUSGEGEBEN VON PROFESSOR D. WALTER BAUER, GÖTTINGEN

Mit Bibliographischem Beiblatt in Vierteljahrsheften. Bearbeitet von Lic. Dr. phil. REICH und Mag. theol. H. SEESEMANN, beide in Göttingen.

Jährlich 26 Nrn. — Bezugspreis: halbjährlich RM 22.50

Manuskripte und gelehrte Mitteilungen Bind ausschließlich an Professor D. BAUER in Göttingen, Düstere Eichenweg 46, zu wenden,
Rezensionsexemplare ausschließlich an den Verlag. Gewahr für Besprechung oder Rücksendung von unverlangt gesandten Rezensionsexemplaren
, besonders noch bei Zusendung nach Göttingen, wird nicht übernommen.

VERLAG DER J. C. HINRICHS'SCHEN BUCHHANDLUNG, LEIPZIG C 1
56. JAHRGANG, NR. 4 14. FEBRUAR 1931

Spalte

Delehaye: Sanctus (Kattenbusch).....81

Ebbinghaus: Kants Lehre vom ewigen

Frieden u. die Kriegsschuldfragen (Schulze) 92
Enslin: The Ethics of Paul (Mundle) ... 78
Geismar: Religionsfilosofi (Hirsch) .... 90
Hansmann: Ein neuentdeckter Kommentar

zum Johannesevangelium (Bauer)......79

Heimann: Studien zur Eigenart indischen

Denkens (Weinrich).............73

Spalte

H o f m a n n: Griechische Patriarchen und

römische Päpste (Schmidt).........89

Hohenberger: Die indische Flutsage und

das Matsyapuräna (Weinrich)........73

Keil: Ephesos (Bauer)............75

Nagel: Religion und Kunst (Knevels) ... 95
De Oriente. Documenta et Libri (Schmidt) . 89
Renz: Mörike als Pfarrer und der schwäbische
Pfarrer vor 100 Jahren (Bauer) . . 93

Spalte

Ritter: Sakrament und Gottesdienst (Schiank

— Der Altar (Ders.).............L,

— Das Gebet (Ders.).............|yj

— Gottesdienst und Predigt (Ders.).....

Saathoff: Aus Gotting. Kirchengesch. (Cohrs) 87
Schwei gl: Die Hierarchien der getrennten

Orthodoxie in Sowjetrußland. I. (Schmidt) 89
S p a c i 1: Doctrina theologiae Orientis sepa-

rati de ss. Eucharistia. I. (Schmidt) .... 89
W e i n r e i c h : Gebet u. Wund. (Schlingensiepen) 76

Hei mann, Betty: Studien zur Eigenart indischen Denkens.

Tübingen: J. C. B. Mohr 1930. (VI, 328 S.) gr. 8°.

Das Buch Betty Heimanns enthält auf über dreihundert Seiten Aufsätze
, die schon irgendwo in Zeitschriften, Festgaben u. ä. veröffentlicht
sind, vermehrt um einige Abhandlungen wie „Die Entwicklung des
Gottesbegriffes der Upanijaden", „Gottesprädikate = Gottespostulate in
indischen Religionen", „Optimismus und Materialismus in indischer

hier auf eine kurze Mitteilung des Inhaltes des H.'sehen
Buches.

Das Buch hat drei Teile: der erste behandelt die
indische Flutsage, der zweite gibt eine Einleitung in das
M. P., der dritte handelt über Vispu nach dem M. P.

1. Der Verfasser teilt die „wichtigsten Fassungen"
der Flutsage (p. 4 ff.) mit, aus dem Satapathabrähmana,

Wd1chCweTnicht', ob es ratsam ist und vor allem der Wissenschaft dem Mahäbhärata verschiedenen Puränas und dem
förderlich, als Erstlingswerk „Gesammelte Aufsätze" zu veröffentlichen j pasayatäracaritam des Ksemendra und erörtert das Ver

(oder soll der Titel „Studien zur Eigenart indischen Denkens" wirklich
mehr sagen ?). Die Veröffentlichung von Gesammelten Aufsätzen steht
m. E. nur dem reifen wissenschaftlichen Alter zu.

Die Aufsätze betreffen die Gebiete der Religionswissenschaft, der
Philosophie, der Soziologie, der Jura und der Kunstgeschichte.

Ich will hier nicht bestreiten, daß das Buch der Verf. viel Richtiges
enthält, aber ich muß dem Buche gegenüber eine ablehnende
Stellung einnehmen, weil ich die spekulative Art und Weise der Behältnis
der verschiedenen Fassungen zueinander (p.
24 ff.). Interessant ist die Wandlung die die älteste
Fassung der Sage, wie sie im Sah Br. vorliegt, erfährt.
Die Sage wird „visuuitisiert".

Von Interesse dürfte die Mitteilung sein, daß auch die biblische
Sintflutsage bei ihrem Bekanntwerden in Indien „visnuitisiert" wurde:
Noah (Nyüha) erscheint als Visnubhakta, Muni, als Indra unter den
handlung wissenschaftlicher Probleme (wie sie z. B. besonders in den j Bhaktas (cf. ZDMG 1903 LVII p. 276 ff.).
Aufsätzen „Zur Struktur indischen Denkens" und „Vergleich der Anti- j 2. Die Einleitung in das Matsya-Puräna (p. 30 ff.)

thesen europäischen und indischen Denkens" zutage tritt) nicht teilen ! behandelt das M. P. in seiner heutigen bestalt sein
kann und verzichte auf Einzelbesprechung Verhältnis zu anderen Werken der Sanskritliteratur (p.

Ich darf hier zu dem Aufsatz „Varuna-Rta-Karma" (pars pro toto! ! 43 ff x die Abfassung des M P in fifSff iinrl Phil£
auf die diesen Aufsatz ablehnende und sachliche Einwendungen bringende 4J JW' QKA „ tas?unS. ae.m- 1 ; vP- 061t.) Und Phllo-
Kritik von P. Thieme in der Orientalistischen Literaturzeitung 1930, SOPhlf ™d R^10"u u -W w- (P" 85 ff^
p. 548 verweisen. 3- Der dritte Abschnitt, Visnu nach dem M. P., ist

Ich kann für meine Person dem Religionshistoriker die Lektüre em wahres Kompendium der visnuitischen Religion (p.
dieses Buches nicht empfehlen. 97—190). Der Abschnitt behandelt die Stellung Visnus

Göttingen. Friedr. Weinrich. unter den Vedischen Göttern, die Erscheinungsformen

7— ~ " r,. . A, Un eweo«. ,,„a a - des vi?nu und seine Verehrung. Aus diesem Abschnitt

Hohenberger, A.: Die indische Flutsage und das Matsya- j kann man so ungefähr alles, was man über Visnu wissen

purana. Ein Beitrag zur Gesch. d. Visnuverehrung. Leipzig: O. i m.lf> ^-hrvn

Harrassowitz 1930. (XVI, 217 s.) gr. 8°. RM 12-. f[J u"utln ,„ u u u j , c4, ,
„ _ , ., . „ , -nU --„«-.„a 4.- j.- Mir haben in dem Buche besonders gut die Stucke
Die Puraoa-Literatur erfreut sl±J^^g star- s einer langen Entwicklung" p. 36 ff. und „Philoker
als sonst sowoh der philologischen als auch der s'0'hie und Rdigion" p. 85ff- gefa, €n.

religionswissenschaftlichen Bearbeitung. Hohenberger
legt in Verbindung mit der Bearbeitung der indischen
Flutsage eine Bearbeitung des Matsya-Purana vor. Die
umfangreiche und fleißige Arbeit H.'s kann ich dem
Religionshistoriker, der sich einmal näher mit der
Purärja-Literatur und der religiösen Welt des Vistiuiten
befassen will, nur empfehlen. Daß die Arbeit H.'s im
einzelnen der Korrektur bedarf, dürfte insofern selbstverständlich
sein, als bislang nur einige Partien aus dem

Zum Schluß zwei Bemerkungen: 1. Ich habe die Übersetzungen
H's an verschiedenen Stellen nachgeprüft und gefunden, daß sie hie und
da einmal philologisch inkorrekt sind. Dieser Umstand tut aber dem
Gesamtwert des H'schen Buches m. E. keinen Abbruch. 2. In dem
„Rückblick" findet sich unter anderen ähnlichen Sätzen folgender: ?Im
Blick auf die sittlichen Mängel, die sowohl dem Visnu wie dem Siva
anhaften, kann indes nicht behauptet werden, daß die Verehrer dieser
Götter eine hohe Stufe wahrer Gotteserkenntnis erreicht hätten. Dann
aber ist auch nicht zu erwarten, daß sie auf ihrem Wege Erlösung finden"

M P kritisch bearbeitet worden sind und H zum l Solche Sätze',so gut sie auch schließlich gemeint sind, gehören meines

Erachtens nicht in eine religionswissenschaftliche Untersuchung, sie gehören
in eine christliche Dogmatik, Abschnitt Apologetik. Die Religionswissenschaft
hat kein Recht, derartige Äußerungen zu machen.

Göttingen. Friedrich Weinrich.

ersten Male eine kritische Bearbeitung des gesamten
M. P. unternommen hat. Aber ich glaube, wir können
dem Verfasser für die kritische Gesamtbearbeitung des
M. P. nur Dank wissen, und beschränke mich deshalb

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