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Ausgabe:

1931 Nr. 25

Spalte:

590-591

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Bonhoeffer, Dietrich

Titel/Untertitel:

Sanctorum communio 1931

Rezensent:

Wobbermin, Georg

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689

Theologische Literaturzeitung 1931 Nr. 25.

590

ist in 524 verdruckt Der bei Besprechung des früheren Bandes gerügte mentar ZU den oft schwer verständlichen Ausführungen

Defektbogen 12 fand sich — ein arges Mißgeschick! — nur im Rez. Ex. der Tugendlehre in den beiden ersten Ausarbeitungen

des Unterz., wie die Verlagsbuchhandlung mitteilte, nicht im Gesamt- j von Schl.S Ethik 1804/5 Und 1805/6. Auch hier hat die

bestand der Auflage. ' platonische Grundtugend der Weisheit die Führung Sie

Waiblingen (wurtt.)._Wilhelm Koch. , sich, von der Liebe durchdrungen, aus der ewigen

'. _ ,. ,. . ,,,, . „ li i* Welt in die Niederungen des täglichen Lebens um <lip«>

aüsmus. Gotha: L. Klotz 1931. (Vlli, 392 S.) gr. 8°. RM 12-. | Kap. 5 „Die sittliche Welt" analysiert ebenso die Güter-

Das letzte Menschenalter hat uns eine Fülle zum j ^™ ™nn ^ Schfg eÄ Hier'Ä TT

Teil wertvoller Einzel-Untersuchungen über Probleme ^!1,tu"^" TlH nllk; ^,ird+ das System

de Schleiermacherischen Denkens geschenkt, daneben ^1 gen ^s Geistes dfeICH?,tNfiflndet

aber öfter schon8 Durchblicke durch das spätere Denken, 1 steht nach Schi, n.cht in der Sunden Vergebung sondern in
so daß wir auf die beiden folgenden Bände gespannt
sein dürfen, die die Religionstheorie und das Spezifische
des Christentums, Offenbarung und Erlösung in das
Zentrum stellen werden. — Kap. 1 ist überschrieben:
Die Überwinduno- der Romantik. Hier werden alle Töne

KontemMation"der Monologen wird überwunden, indem i H T ^-EfH platonischer Eros, das

die sinnende Betrachtung in wachsendem Maße die Rieh- emeitern und zeu-

tung auf Erfassung der Welt gewinnt. Die Romantik 1 ^'ldau«en Geltung zu bringen, a.s hingebende,

Grd ferner überwunden, wenn Schi, in allem Wahrheits- Tldf'f Sich selbst entaugernde Ag_ape. - Auch bei

Erkennen eine sittlich aufbauende Macht erkennt, und in- j aU.e" *"ff£?ga£jt dHaS Y^^l von N-twendig.

dem er eine Gemeinschaft der Wahrheit-Suchenden er- I tLr L rSS"f * d°Ch let2t''Ch daS Verh;iltnis
strebt. Kap. 2: „Das Werk der Kritik" stellt die kritische
Auseinandersetzung mit der Aufklärung, mit Kant,
Leibuiz, Spinoza, Fichte, mit Schlegels Lucinde, mit
Schelling und schließlich seine Kritik der bisherigen

der Erhebung des Geistes zum verklärten Schauen der wahren
urbildlichen Geisteswelt. — So sehr Schi, betont
daß der Mensch nur in der Gemeinschaft sittlich leben
kann, so wenig ist die wahre Bedeutung der Gemeinschaft
erfaßt: ein Du tritt dem Ich fordernd gegenüber.
Schi, aber wertet alles Gemeinschaftsleben nur unter

beider im Dunkel.

Ein Versehen ist S. 8, daß das Wort von D. Fr. Strauß, die Idee
liebe es nicht, ihre Fülle in ein einzelnes Individuum ausströmen zu lassen,
zu einem Wort Lessings gemacht wird. Das 3. Motto des Buches 2. Cor.
3, 18 paßt auf die Gedankenwelt des jungen Schi, nur in der Umdeu-
Sittenlehre dar. Dies Werk der Kritik hat für den Pro- I tunf; (vg,| s. 70), daß die „Klarheit des Herrn" die Herrlichkeit der
pheten des Individualismus dieselbe Bedeutung wie die Schöpfung bedeutet, in welcher die Erlösung bereits inbegriffen gedacht
Freundschaft im persönlichen Leben. Sie hat die Ergän- wird, oder die Geistesschau der den Kosmos verklärenden Ideen,
zung des eignen Wesens durch Erfassen der andern zu U.-St.s Buch ist die beste Darstellung von Sehl s

Gedankenwelt, die wir haben, zugleich eine ernste Arbeit
an den Fragen, die Schi, der Gegenwart stellt.
Basel. J. Wen d Und.

vermitteln und damit die eigne Individualität ihrer Einseitigkeit
zu entschränken. Dies Verstehen hat freilich
seine Schranken. Fichte's Persönlichkeit und Philosophie
ist Schleiermacher stets fremd geblieben. Denn höher
als das kraftvolle Wirken nach außen stellt Schi, das
kontemplative Betrachten der Wirklichkeit und ihrer auf
Gott hinweisenden Tiefe. Schi, konnte auch nicht mit
dem Kritizismus die Welt des Wissens wesentlich als
Schöpfung des Ich betrachten. Daher stellt Kap. 3 („die
Wurzelung im Realismus") dar, daß Schl.s Philosophie
innerhalb des deutschen Idealismus die bedeutsame Stellung
einnimmt: er bildet den Übergang zur empirischrealistischen
Wirklichkeitsforschung des 19. Jahrh. Und
doch ist Schi, darin Vertreter eines „höheren Realismus",
daß alle Wirklichkeit ihm Symbol eines Höheren, letztlich
der Gottheit ist. U.-St. stellt in diesem Kap. gründlicher
, als es bisher geschehen ist, das Verhältnis Schl.s

B o n h o e f f e r , Lic. Dietrich : Sanctorum Communio. Eine dogmatische
Untersuchung zur Soziologie der Kirche. Berlin: Trowitzsch
& Sohn 1930. (VIII, 180 S.) gr. 8°. RM 18—.

Eine durch Reinh. Seeberg angeregte Erstlings-
Arbeit, die aber weit über dem Durchschnitt üblicher
Erstlingsarbeiten steht. Schon die Problemstellung ist
bedeutsam. Die üemeinschaftsstruktur der Kirche soll
dem systematischen Verständnis erschlossen werden. Zu
diesem Zweck werden soziologische Kategorien und
Untersuchungen (genauer: solche der Sozialphilosophie
und der Soziologie) in den Dienst der Dogmatik gestellt
. Demgemäß gibt sich die ganze Schrift betonter
Weise als dogmatische Untersuchung — nämlich zur
zu Piatön dar,"der "mehr"als Spinoza oder Schelling sein Soziologie der Kirche. Damit ist von vornherein dem

eigentlicher Lehrmeister gewesen ist: die Auffassung weitverbreiteten Mißverständnis gewehrt, das im theo-

Platons und seiner einzelnen Dialoge, die Bedeutung von logischen Interesse für die Behandlung der Kir-

Schl.s Plato-Übersetzung für das Verständnis der plato- ( chenfrage jede Berücksichtigung soziologischer

nischen Philosophie, den Einfluß Platon's auf Schi., Gesichtspunkte ausschließen zu müssen meint. Dabei

der freilich 1827 im letzten Band der Übersetzung einem liegt die Verwechslung der Soziologie als solcher mit

stärkeren Gefühl der Distanz zwischen Platonischem und einer bestimmten soziologischen Einzeltheorie philo-

Christlichem weicht. Platonisch ist sein Realismus, der sophischer Herkunft zu Grunde. Namentlich die Max

wie die Ideen Piatons in gleicher Weise der Fülle der j Weber-Troeltsch'sche „Soziologie" (die ihrerseits schon

empirischen Welt wie dem ruhenden Ewigen zugewandt terminologisch schweren Bedenken ausgesetzt ist) wird

ist. Platonisch ist die Verbindung von Wahrheitsstreben vielfach zu solch schiefer, notwendig zur Einseitigkeit

und Sittlichkeit, die Wurzelung der Wahrheit im Guten, j und zur Isolierung der theologischen Arbeit führenden

Platonisch ist Schl.s Dialektik, die vom umstrittenen i Argumentation benutzt. Es liegt da eine volle Analogie

Wissen zur festen Erkenntnis führen will. Platonisch ! 2ur Frage der Religionspsychologie und reliaionspsycho-

ist die Verbindung der Ideen-Erkenntnis mit der Ewig- logischer Problematik vor. Die entscheidende Aufgabe

keit des Geistes. Kap. 4 „Die sittliche Persönlichkeit" ist gerade die theologische bezw. dogmatische Gefital

gibt einen lichtvollen und anziehend geschriebenen Korn- tung der betreffenden Kategorien.