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Ausgabe:

1931

Spalte:

577-580

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Lietzmann, Hans

Titel/Untertitel:

Ein Beitrag zur Mandäerfrage 1931

Rezensent:

Bultmann, Rudolf

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Seite 1, Seite 2

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Theologische Literaturzeitung

BEGRÜNDET VON EMIL SCHÜRER UND ADOLF VON HARNACK

unter Mitwirkung von Prof. D. HERMANN DÖRRIES und Prof. D. Dr. GEORG WO BBERMIN, beide in Göttingen

HERAUSGEGEBEN VON PROFESSOR D. WALTER BAUER, GÖTTINGEN

Mit Bibliographischem Beiblatt in Vierteljahrsheften. Bearbeitet von Lic. Dr. phil. REICH und Mag. theol. H. SEESEMANN, beide in Göttingen

Jährlich 26 Nrn.— Bezugspreis: halbjährlich RM 22.50

Manuskripte ond gelehrte Mitteilungen iind auaichliefilieh an Professor D. BAUER in Göttingen, Düstere Eichenweg 46. an senden.
Reaensionsexemplare anaschliefilich an den Verlag. Gewähr für Besprechung oder Rücksendung von unverlangt gesundten Resensions-
esemplaren, besonders noch bei Zusendung nach Göttingen, wird nicht übernommen.

VERLAG DER J. C. HINRICHS'SCHEN BUCHHANDLUNG, LEIPZIG C 1
56. JAHRGANG, Nr. 25 5. DEZEMBER 1931

Spalte

Betzendörfer: Glauben und Wissen bei
den großen Denkern des Mittelalters (Koch) 585

Bonhoeffer: Sanctonim Communio (Wob-
bermin)...................590

Burckhardt: Michelangelo und das Evangelium
(Beyer)...............581

D i e k a m p : Katholische Dogmatik nach den
Grundsätzen des heiligen Thomas (Koch) 587

Duhm: Das Wort Gottes im Gottesdienst
(Usener) ..................592

Handbuch der Kirchengeschichte für Studierende
(Clemen)...............581

Kabisch u. Tögel: Wie lehren wir Religion
(Schuster)...............596

Kraut lein: Friedrich Nietzsches Morallehre
(Smend)...............585

Lietzmann: Ein Beitrag zur Mandäer-

frage (Bultmann)..............577

Marneck: Glaubenslose Religion (Merkel) 586
Mausbach: Dasein u. Wesen Gottes (Koch) 58S

SPaltel Spalte

Melanges Mandounet (Koch).........582

Richter: Die evangelische Mission in Nie-

derländisch-Indien (Witte).........584

U c k e 1 e y: Fragen aus der Zeit. Antworten

aus der Ewigkeit (Haun).........599

Ungern-Sternberg: Freiheit und Wirklichkeit
(Wendland)............589

W i n d i s c h : Der Hebräerbrief (Seesemann) 580
Zoellner: Im Dienst der Kirche (Usener) 594

Lietzmann, Hans: Ein Beitrag zur Mandäerfrage. Berlin:
Akademie d. Wiss. Walter de Gruyter & Co. in Komm. 1930 (15 S.)
4°. = Sonderausg. a. d. Sitzungsberichten d. Preuß. Akad. d. Wiss.
Phil.-Hist. Kl. 1930, XXVII. RM 1—.

Der zweite Abschnitt zeigt ebenso einwandfrei, daß
fast das ganze mandäische Taufritual eine Nachbilduno-
des Taufrituals der christlichen Svrer ist. Die chara£
teristischen Bestandteile der Tauffeier finden sich hier
Die mandäische Literatur besteht in ihrer vorliegen- i wje dort: 1. die Wasserweihe, 2. die eigentliche Taufe
den Form bekanntlich aus vielschichtigen Sammlungen, (dreimaliges Untertauchen) mit Handauflegung Signie-
die erst im 7. und 8. Jahrhundert redigiert worden sind, j mng und Bekränzung, 3. die Firmung (ölsalbung) 4
Mit Recht bedauert daher der Verf. der zur Besprechung j die Kommunion. Würde man etwa im Sinne des Reitzen-
stehenden Abhandlung, daß eine kritische Sonderung der ; steinschen Buches über die Vorgeschichte der christlichen
Schichten bisher nicht vollzogen ist, sodaß jeder Ver- ; Taufe fragen, ob diese auffällige Übereinstimmung nicht
wendung mandäischer Texte in der rehgionsgeschicht- ( umgekehrt zu klären sei, so zeigt sofort ein mandaisehes
liehen Arbeit notwendig im hohen Maße etwas Willkur- j Tauflied, daß es seine Form nur infolge eines Mißver
liches und deshalb Problematisches und Unsicheres an- ständnisses des syrisch-christlichen Textes gewonnen ha
haftet. Der vorliegende „Beitrag zur Mandäerfrage" ist ben kann. Kommt hinzu, daß der Name Jordan wie
deshalb dankbar zu begrüßen, weil er für einige Korn- schon Peterson gesagt hatte, nichts anderes als die bei
plexe dieser Literatur eine kritische Bestimmung gibt, den Nestorianern übliche Bezeichnung des Taufwassers
und weil damit bestimmte Hypothesen, die auch ich j jst, und daß der Sonntag nicht etwa eine frühere Sabbatselbst
für einleuchtend hielt, korrigiert werden. feier verdrängt hat, sondern von vornherein der heilige
Im ersten Abschnitt wird einleuchtend gezeigt, daß ! Tag der Mandäer wie der Christen war, so scheint das
die Figur Johannes des Täufers der jüngsten Schicht der Urteil über die Mandäer unausweichlich zu sein: „Eine
mandäischen Literatur angehört und ihr von Haus aus ältere orientalisch-gnostische Religion ist in späterer —
fremd ist. (Vgl. schon Fr. Büchsel, Zeitschr. f. d. Neu- j vielleicht erst arabischer — Zeit von einem inhaltlich leer
test Wiss. XXVI 1927 S. 219—231). Im Ginza begeg- t gewordenen nestorianischen Christentum in mehreren
net Johannes der Täufer relativ selten, und die betr. Anläufen durchsetzt und zu einer christlich-svnkretisti-
Stellen lassen sich leicht als späte Produkte erkennen. sehen Gnosis umgebildet worden". Ich füge noch hinzu
Besonders wichtig ist der Nachweis, daß der Bericht , daß der Verf. geneigt ist, die Selbstbezeichnung der Man-
über die Taufe Jesu (Rechter Ginza V 4 S. 190—196 daer als „Nazoräer" nach Nöldekes Vorschlag mit dem
Lidzb.) mit Zügen ausgestattet ist, die aus der syrischen syrischen näsräja gleichzusetzen, das einfach „Christ"
kirchlichen Literatur stammen. Dabei wird auch die bedeutet.

eigentümliche Wendung „Den Jordan frei fließen lassen", j Wenn ich im Ganzen und auch meist im Einzelnen
die Lidzbarski als problematisch bezeichnet hatte, und von den Ausführungen des Verf. überzeugt bin und
die neuerdings H. H. Schaeder (Gnomon V 1929 S. wenn ich selbstverständlich seine Mahnung zu vorsi'chtig-
358, 1) aus dem Ägyptischen hatte herleiten wollen, ster Analyse der mandäischen Texte und seine Warnuno-
einleuchtend aus dem nestorianischen Taufritual erklart, vor kritikloser Verwendung aller ihrer Schichten akzei>
Aber auch der umfassende Abschnitt des Johannes-Buchs, tiere, so stutze ich doch bei seinem letzten Satz: Wir
der über den Täufer handelt, kann, wie mehrere Indizien werden die Christianisierung einer orientalischen Gnosis
zeigen, erst aus arabischer Zeit stammen. Es ergibt sich nicht gnostische Grundlagen des Urchristentums bei
in der Tat, daß „die Figur des Johannes erst in byzanti- ; den Mandäern studieren können." Ist nicht das o-e-
nisch-arabischer Zeit ... in die mandäische religiöse schiehtliche Phänomen so kompliziert, daß es hier statt
Literatur übergegangen ist". Das schwerwiegendste Ar- „nicht-sondern" vielmehr „sowohl-als auch" heißen muß?
gument ist die Tatsache, daß Johannes in den liturgi- j Die Frage, ob nicht die literarkritische (und ich
sehen Texten völlig fehlt. Man kann hinzufügen, daß die ' füge hinzu: die religions-, traditions- und formgeschicht
auffällige Tatsache, daß sich über das Ende des Täufers liehe) Analyse im mandäischen Schrifttum alte gnostische
keine geschichtliche Erinnerung bei den Mandäern er- Tradition wahrscheinlich machen oder sicher stellen
halten hat, das Ergebnis bestätigt. | kann, ist ja mit den Feststellungen des Verf. nicht er-

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