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Ausgabe:

1931 Nr. 24

Spalte:

572-573

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Schriften aus der Zeit von 1766 bis 1780 und Bd. 2, 3

Titel/Untertitel:

4, 5, 8, 9 1931

Rezensent:

Werdermann, Hermann

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Theologische Literaturzeitung 1931 Nr. 24.

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den Polyglotten werden allerdings Arbeiten über die
Polyglotte d. Kardinals Ximenez vermißt; z. B. Delitzsch
' Studien hierzu hätten hier ihre Stelle finden
können. Resch Agrapha und Rolffs Urkunden konnten
eher im Lesesaal als im Handmagazin aufgestellt werden
. Bei den Ausgaben wird Nestle vermißt und bei
den Übersetzungen des neuen Testamentes hätten nicht
nur Luther und Weizsäcker, sondern auch Stage und
Wiese nicht fehlen dürfen. Ebenso wird bei den Bibelwörterbüchern
Wieners Handbuch mit seiner staunenswerten
Gelehrsamkeit und seiner Fülle von heute noch
unentbehrlichem Material vermißt. Wenn man im Index
des Katalogs nachschlägt, findet man Wieners Handbuch
und dabei S. III. und ist ratlos, denn, daß das „S." die
Seite des Katalogs bedeutet, entdeckt man erst nach
langem Suchen. Sehr ausführlich und gut ist die Abteilung
„Einleitung und biblische Theologie".

Wenn dort aber Drews Buch über die Leugnung
der Geschichtlichkeit Jesu angeführt wird, so wäre es
doch sehr wünschenswert gewesen, daß auch Gegenschriften
zu der Arbeit dieses Dilettanten dort ihren
Platz gefunden hätten. Sehr ausführlich und bequem
ist das Verzeichnis der Kommentare zum A. u. N.T.

In der 3. Abteilung Patrologie wird ein genaues
Verzeichnis der „Texte und Untersuchungen" gegeben,
welches das Arbeiten auf diesem Gebiete wesentlich erleichtert
. Ebenso findet man ein genaues Verzeichnis
der lateinischen Kirchenväter der Wiener und der Griechischen
, der Berliner Akademie und der Kemptner
Bibliothek.

Bei weitem nicht so reichhaltig wie die 2. Abteilung
ist die 3. Kirchengeschichte; sie hätte wohl noch
mehr im Lesesaal untergebracht werden müssen. Unter
den Darstellungen und Lehrbüchern wird Hase vermißt
. Mag sein, daß er in Methodik und Ergebnissen
in vieler Beziehung überholt ist, die Lektüre dieses so
anregend geschriebenen Werkes, wird immer wieder
geeignet sein, die Liebe zu kirchengeschichtlichen Studien
zu wecken und zu fördern. Auch seine Polemik durfte
zumal in diesen kampfdurchtobten Zeiten nicht fehlen.
Sehr dankenswert ist, daß die geistlichen Orden mit
reicher Literatur vertreten sind. Bei der Unkenntnis
über sie, die sich in protestantischen Kreisen immer
noch findet und bei der Regsamkeit, die sie jetzt wieder
entfalten, ist das besonders wichtig. Ebenso wichtig ist,
daß man in dem Katalog ein Verzeichnis der Bände der
Acta sanctorum mit den Monatsdaten der Heiligen findet
. Dadurch wird viel Zeit und Mühe des Suchens
erspart. Nur schade, daß die Acta nicht im Lesesaal
untergebracht werden konnten. Dasselbe gilt von den
Concils-Akten, deren Benutzung durch ihre Aufstellung
im Nebenraum ebenfalls sehr erschwert wird. Ebenso
dürftig ist die Dogmengeschichte, Scholastik und Mystik
weggekommen. Dort hätte vor allen Dingen Loofs und
hier Werner die Scholastik des Mittelalters aufgestellt
werden müssen.

Die Reformationsgeschichte ist auch nicht reichlich
bedacht, wir vermissen da vor allem die Schriften des
Vereins für Reformationsgeschichte, ohne die man in
dieser Periode garnicht mehr arbeiten kann. Und ebenso
bedauerlich ist es, daß man die Erlanger und Weimarer
Lutherausgabe nicht im Lesesaal findet. Es vergeht viel
Zeit, ehe man die Bände, die man braucht, durch den
Beamten festgestellt und aus dem Nebensaal herbeigeholt
bekommt. Unter den Luther-Biographien wäre Kolde
und Hausrath wohl auch im Lesesaal wünschenswert gewesen
. Die praktische Theologie ist ausgiebig vorhanden
, nur vermissen wir Sehlings Kirchenordnungen des
16. Jahrhunderts, die doch mindestens ebenso wichtig
sind wie das corpus juris canonici, das selbstverständlich
im Lesesaal steht.

Die Modewissenschaft der Gegenwart, die Religionsgeschichte
hätte wohl noch etwas reicher bedacht
werden können.

Es ist ein sehr reiches Material, was im Lesesaal

zum Studium geboten wird, hoffentlich wird es unter
der Anleitung des neuen Katalogs recht fleißig benutzt,
damit auch von Seiten der Theologie der drohenden Barbarei
der Gegenwart wirksam entgegengetreten wird.
Berlin-Friedenau. Becker.

Pestalozzi: Sämtliche Werke. Hrsg. v. Artur Buchenau,
Eduard Spranger, Hans Stettbacher. Bd. 1 — 5, 8 u. 9.
Berlin: W. de Gruyter u. Co. 1927- 1930. 8°.
| 1. Bd.: Schriften a. d. Zeit von 1766—1780. Bearb. unter Mitwirke,
v. A. Bachmann, A. Corrodi-Sulzer, W. Clauss, W.
Feilchenfeld. 1927. (XI, 415 S.). RM 10 — ; Lw. 12.50; Hldr. 15-.

2. Bd.: Lienhard und Gertrud. 1. Tl. 1781. 2. Tl. 1783. Bearb. v.
G.Stecher. 1927. (VII, 496 S.). RM 12-; Lw. 14.50; Hldr. 17—-

3. Bd.: Dass. 3. Tl. 1785. 4. Tl. 1787. Bearb. v. G. Stecher.
1928. (590 S.). RM20-; Lw. 22.50; Hldr. 25—.

4. Bd.: Dass. (Zweite Fassung) Tl. 1 u. 2 1790. Tl. 3. 1792.
Entwürfe z. e. 4. Tl. Entwurf zu Bonais Chronik. Bearb. v. G.
Stecher. 1929. (IX, 609 S.). RM 22—,; Lw. 24.50; Hldr. 27-.

5. Bd.: Dass. (Dritte unvollend. Fassung) Tl. 1 u. 2 1819. Bearb. v. G.
Stecher. 1930. (VII, 516 S.). RM 20-; Lw. 22.50 ; Hldr. 25—.

8. Bd.: Ein Schweizer-Blatt. Bearb. v. H. Schönebaum. 1927.
! (VII, 486 S.). RM 15-; Lw. 17.50; Hldr. 20—.

9. Bd.: Schriften aus der Zeit von 1782- 1787. Bearb. v. E m a n u e 1
Dejung, Walter Guyer, Herbert Schönebaum. 1930.
(VIII, 630 S.). RM 25-; Lw. 27.50; Hldr. 30-.

Die Pestalozzi-Forschung war bisher, außer auf
die Cottasche Ausgabe (1819—1826), im wesentlichen
I auf die zwölfbändige Ausgabe von L. W. Seyffarth
(1899—1902) angewiesen. Als Pestalozzis Todestag
zum 100. Mal wiederkehrte, begann die Veröffentlichung
der oben genannten Ausgabe, von der nunmehr 7 Bände
vorliegen. Sie berücksichtigt, im Unterschied von Seyf-
I fahrt, nicht nur die Druckschriften, sondern auch den
j gesamten handschriftlichen Nachlaß, der in Zürich in der
Zentralbibliothek und im Pestalozzianum aufbewahrt
wird, sowie zahlreiche andere versprengte handschriftliche
Reste. Alles wird in möglichst urgetreuer Form
abgedruckt, selbst wo der Text „ungekämmt und ungewaschen
" ist.

Bedauerlich erscheint es, wenn unter den wenigen
durchgehends vorgenommenen Änderungen auch die ist,
daß statt des von Pestalozzi stets geschriebenen „GOtt"
die Schreibung „Gott" gesetzt wird (Vgl. Bd. I, Einleitung
S. VII). Das ist besonders bedauerlich, da sonst
die Genauigkeit bis ins Kleinlichste und Äußerlichste
gewahrt ist. Denn hier handelt es sich auch nach
Pestalozzis und seiner Zeitgenossen Meinung durchaus
nicht nur um etwas rein „Orthographisches"!

Mit welcher erschöpfenden Gründlichkeit in der
neuen Gesamtausgabe vorgegangen wird, beweist die
Tatsache, daß von Lienhard und Gertrud in vier ausführlichen
Bänden auf über 2200, Seiten alle drei Fassungen
nacheinander mit ausführlichem kritischem Apparat
dargeboten werden. Dies ist von größtem Wert für
die Wissenschaftliche Pädagogik; und die besten Pestalozzikenner
(wie etwa Fr. Medikus in der „Deutschen
Lehrerzeitung" 1930/10) erkennen lobend die „Fülle
des Materials, die Genauigkeit des Abdrucks, die Menge
der erläuternden Beigaben" an, und wir können uns
ihnen darin nur anschließen. Bedeutsam ist, daß in
Bd. 1 und 9 zahlreiche bisher nur handschriftlich vorhandene
und daher den meisten Forschern unzugängliche
Abhandlungen jetzt allgemein zugänglich gemacht
werden. Von 15 Nummern erscheinen in Bd. 1 z. B.
sechs zum ersten Mal in Druck. Und bei Band 9 ist sogar
über die Hälfte des stattlichen Bandes mit bisher
unveröffentlichten Arbeiten Pestalozzis gefüllt (vgl. als
religiös bedeutsam z. B. S. 308 ff. 349 ff.). Auch hier
fühlt sich der Leser wissenschaftlich sicher geführt von
vorzüglichen Sachkennern und sorgfältigst vorgehenden
Herausgebern. Übersichtlich wird stets nach der Textdarbietung
in einem ersten Anhang die Textkritik mit
kurzen einleitenden Bemerkungen abgehandelt. Dann
erfolgt in einem zweiten Anhang die „Sacherklärung"
die wesentliches, oft fernliegendes zeitgeschichtliches
Material herbeibringt, das das heutige Verständnis er-