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Ausgabe:

1931 Nr. 23

Spalte:

545-546

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Koch, Hans

Titel/Untertitel:

Die russische Orthodoxie im Petrinischen Zeitalter 1931

Rezensent:

Voelker, Karl

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Theologische Literaturzeitung 1931 Nr. 23.

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chen Fundort entnimmt W. ferner zweiundzwanzig dere den Schwerpunkt in die unsichtbare Gemeinschaft
Briefe, die die Beziehungen, wie sie sich in den Jahren ' der Gläubigen verlegt. Auch stellt P. der Lohngerechtig-
1588—1607 zwischen dem tschechischen Protestantismus ; keit Js. die Verdienstlosigkeit der guten Werke entgegen,
und Genf herausgebildet haben, in neue Beleuchtung ; K. kennzeichnet dabei jedesmal den Standpunkt der
rücken Im Mittelpunkt steht die Gestalt Theodor Be- offiziellen griechischen bezw. russischen Kirchenlehre
zas, dessen Obhut Karl von Zierotin seinen Verwandten in diesen Fragestellungen, wodurch die Eigenart der
Wenzel Morkowsky anvertraute. Die engen Beziehun- : beiden Theologen noch deutlicher hervortritt. Zur näheren
, die sich zwischen Lehrer und Schüler ergaben, I ren Begründung seiner Ausführungen sucht K. an eini-
kennzeichnet am besten der Umstand, daß Beza dem gen Beispielen die literarische Abhängigkeit einerseits
tschechischen Adelssohn die Herausgabe seiner Gedichte I Jaworskijs von Bellannin und andrerseits Prokovics von
übertrug wie andererseits dieser ihn mit seinem Vetter lutherischen und reformierten Theologen (Polanus, Ger-
Georg Sigismund von Zastrisell, der Bezas Bibliothek er- hardt, Meisner) darzutun.

warb, bekannt machte. Auch mit dem Brüdersenior Jakob . Der Nachweis, daß Javorskij und Prokopovic sich
Narcissus stand Beza im Briefwechsel. Die tschechischen römisch-katholischen bezw. protestantischen Gedanken-
Protestanten haben sich durch das Toleranzpatent Jo- I gangen erschlossen haben, ist K. vollauf gelungen. Darin
sefs IL vom 13. Okt. 1781 vor die Wahl für das . liegt das Hauptverdienst seiner Arbeit, deren Wert noch
Augsburgische oder Helvetische Bekenntnis gestellt, für 1 dadurch erhöht wird, daß er als erster auf Zusammen-
das letztere entschieden, wiewohl sie im Reformations- ; hänge hingewiesen hat, die die Beziehungen zwischen
Zeitalter unmittelbare Beziehungen mit Wittenberg ver- morgen- und abendländischer Theologie in einem neuen
banden. Ws. „Urkunden" machen diese Wendung ver- Licht erscheinen lassen. Man hat sich bisher bei Unter-
ständlich. I suchungen in dieser Richtung mehr darauf beschränkt,
Wien. Karl Volker. j die Gestalten in den Vordergrund zu schieben, die eine

engere kirchliche Verbindung nach der einen oder andern
Seite anstrebten. K. führt uns nun zwei Persönlich-

Koch, Dr. theol. Dr. phil. Hans: Die russische Orthodoxie im

Petrinischen Zeitalter. Ein Bcitr. i. Gesch. westl.chw EinHus« , kejten dje ungeachtet ihrer Abhängigkeit von "der

^•=^ ! abendländischen Theologie sich als fiB des russi-

RehlionswSensT Neue Folge: i. Bd. RM 12-. | sehen Kn/chensystems erwiesen• Javorsk.j unternahm als

Wie auf andern Gebieten des russischen Geistes- ' Patriarch der russischen Kirche nichts, um eine An-
lebenf so erfolgt auch in der Theologie im Zeitalter ; "aherung an das Papsttum herbeizufuhren, und Proko-
Peters' cT Gr eine Annäherung an die abendländische ; Povl.c vermittelte ihr als Verfasser des geistlichen
Denkwete In der kirchenhistorischen Forschung findet ! Reglements" die Verfassungsform, wodurch ihre Werna
" darüber wohl Andeutungen (z. B. N. Bonwetsch, J ***** auf zwei Jahrhunderte hm bestimmt sein sollte.
KirchenSschichte Rußlands, S. 75), aber es blieb K. So hat K- das.'n Ver,ha"dlu"g ^hende Problem von
vorbehaften, den Tatbestand auf Grund eingehender Stu- e "e/ neue" Seite angefaßt: Beibehaltung, ja sogar Verdien
unter voller Berücksichtigung der vielfach nicht ste'funK des orthodoxen K.rchensystems unter gleich-
leicht zugänglichen russischen Literatur zu klären. Er I zeitiger starker gedanklicher Anlehnung an das Abendverfährt
in der Weise, daß er den Einfluß des Abend- , land Bei der Behandlung der Beziehungen zwischen der
lands an den beiden repräsentativen Persönlichkeiten : anabolischen und protestantischen Kirche m seiner Verdes
kirchlichen Lebens unter Peter d. Gr., Stephan gleichenden Konfessionskunde (S. 141 ff.) hat Katten-
Javorskij und Theophan Prokopovic, darzulegen sucht. ! dusch> der. ausgezeichnete Kenner dieses Gegenstandes,
Den ersteren würdigt er als das geistige Haupt der | Prokopovic überhaupt nicht erwähnt. Daraus ersieht
katholisierenden Richtung, den letzteren als den bedeut- man> daß zur allseitigen Erfassung des Stoffes der Weg
samsten Verfechter protestantischer Lehrmeinungen. Es I eingeschlagen werden muß, den K. der Forschung gewill
dabei beachtet sein, daß beide, gebürtige Ukrainer, j wiesen hat Infolge des begrenzten ihm zur Verfügung
aus Kiew woselbst durch die bis 1654 währende Zuge- , stehenden Raumes hat er sich darauf beschränkt, zu-
höriakeit'zu Polen die kirchliche Kultur des Westens i na<:hst einm?,! die obigen Ergebnisse, auf deren Klar-
doch sich stärker als etwa in Moskau bemerkbar machte, Stellung es ihm ankam, über alle Zweifel stellen. Von
herkamen Die Einführung der Union unter dem Druck hier aus ergibt sich die weitere Frage, wie J. u. P. ihre
der Polnischen Regierung war eine der Ursachen des andersartig gerichtete Grundanschauung in entscheiden-
Anschlusses von Kiew In Moskau; es konnte unter d?n dogmatischen Lehrstucken mit dem russischen Kir-
diesen Umständen nicht ausbleiben, daß bei den Ausein- ' chensystem in Einklang zu bringen vermochten. Daraus
anderse^^^ die römischkatholischen Beson- W dl£ Notwendigkeit der Untersuchung derjenigen

derheiterTim ^gmTund Kultus lebhaft in Verhandlung Lehrstucke bei J. u. P worin dieselben vom Abendland
gezogen wurdet on hier erklärt sich ihr Einfluß auf | abweichen. Ferner wirft sich die Frage auf: Wie haben
favKiis^ dem Umwege über den ! Theologie und Kirche in Rußland die Ideen der beiden

Proteltente durch die in Rußland ent- ! fuhre.. aufgenommen? Die wissenschaftliche Behand-

standenen evangelischen Gemeinden, aber noch mehr >■ ,unF. d'eser Fragestellungen wurde eine zweite Arbeit
durch uLittelbare literarische Studien, wozu er auf j erheischen. Alsdann wäre ein nach allen Seiten hin abseinen
Ken ins Abendland angeregt wurde ist Pro- ! g™de^*^*%^^™™^'™.P«*-
konovic mit Problemen der protestantischen Theologe nisS " ^eitaM;er gewonnen. D.V. erfugt, wie aus
vertraut geworden. Ohne den Gegenstand erschöpfen zu : Andeutungen hervorgeht über das Material, diese Linien
wollen greift K einige entscheidende Stücke heraus, weiterzuführen. Die kirchenhistorische Forschung hat er
um daran einerseits den Kryptoromanismus Javorskijs , J"* die Ergebnisse des ersten entscheidenden Vor-

uncl fndrersdts die Abhängigkeit Prokopovicsjvom. Pro- ! J^j s-isd'e SeSÄuf b^chSt e,"e grÜndUChe
testantismus darzutun. Bei jenem faßt er hierbei die I Arc-eirsweise ernennen lassen, Dereichert.

Mariologie und Abendmahlslehre, bei diesem die Stel- Wien-_ Karl Völker.

lungnahme zum Schriftprinzip und zum Rechtfertigungsvorgang
besonders ins Auge. Die verschieden gerichtete Uttendörf er, Otto: Zinzendorfs Gedanken über den Gottes-
Einstellung der beiden wird deutlich an der Art, wie sie dienst. Herrnhut: Gustav Winter 1031. (75 S.) 8°. geb. rm 2.80.
die Lehrstücke beurteilen, in denen Katholizismus und Der Pietismus hat sich nicht viel um Fragen des

Protestantismus auseinandergehen. So stellt J. die Tradi- Gottesdienstes gekümmert; der Gottesdienst gehörte für
tion über die Schrift, wohingegen P. jene dieser unter- ihn zu den äußeren Dingen, und er sah darin die Gefahr
ordnet. Von hier aus ergibt sich für beide ein abweichen- des opus operatum. Zinzendorf nimmt hier eine andere
der Kirchenbegriff; für den einen liegt aller Nachdruck j Stellung ein, Uttendörfer nennt ihn im Vorwort den
auf der sichtbar organisierten Kirche, während der an- | genialsten Liturgen der evangelischen Christenheit