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Ausgabe:

1931 Nr. 22

Spalte:

526

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Leitner, Hans

Titel/Untertitel:

Psychologie jugendlicher Religiosität innerhalb des deutschen Methodismus 1931

Rezensent:

Faber, Hermann

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Seite 1

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525 Theologische Literaturzeitung 1931 Nr. 22. 52ß

ben vermag' Wo also ist Stange auf dem rechten Wege, Leltner, Hans: Psychologie jugendlicher Religiosität Inner-
hier oder dort' — halb des deutschen Methodfsmus. München: C. H. Beck 1930
. . „ J , . , (VI, 142 S.) gr. 8°. = Arbeiten z. Ent*icklungspsychologie, hrsg. v
Bei seiner scharfen Entgegensetzung des Aufer- j f. Knieger, 9. Stck. RM 7—
stehungsglaubens gegen den philosophischen Gedanken Es sind in den letzten Jahren mehrere Arbeiten
der Unsterblichkeit der Seele, beruft sich Stange auf zur Psychologie der jugendlichen Religiosität erschienen
Luther. Ebenso für seine Ablehnung des Gedankens ei- ( unter ihnen sehr gute wie z. B. diejenige von E. E i c h e^
ner Auferstehung auch der Gottlosen und zwar zu ewi- 1 e. Aber der Verfasser der vorliegenden Studie hat
ger Verdammnis. In Fortsetzung der schon länger fort- recht, daß der Fortschritt der Forschung auf diesem Gegehenden
Auseinandersetzung zwischen Stange und Alt- biet davon abhängen wird, daß man zunächst nicht weitaus
unterzieht Althaus diese Verwertung Luthers j ter die allgemeinen Linien verfolgt, sondern bestimmt
erneut einer erweiterten Kritik. Die Hauptbeweisstellen differenzierte Untersuchungsobjekte ins Auge faßt und
für Stanges These, daß Luther den Glauben an die Un- begrenzte Tatsachenkomplexe der psychologischen Forsterblichkeit
der Seele bewußt und ausdrücklich als un- schung zugrunde legt, so wie er gerade der methodisti-
christlich abgelehnt habe, sind Luthers Äußerungen zum sehen Jugendreligiosität sich zugewendet hat. — Ein
5. Laterankonzil. Hier handle es sich aber nicht darum, zweites Merkmal dieser Arbeit ist die Anwendung der
daß Luther den Satz von der Unsterblichkeit der Seele exakten Methode des Experiments auf die Erforschung
anfechte; er erkläre vielmehr den Konzilsbeschluß über religiöser Sachverhalte in der Weise Girgensohns
die Unsterblichkeit der Seele für etwas höchst Unnöti- und Gruehns. Man begnügt sich nicht mit biographiges
. Und was Luther Menschenträume und Teufelswerk sehen und autobiographischen Aufzeichnungen, sondern
nennt, ist nicht der Gedanke von der Unsterblichkeit : man versucht das Untersuchungsmaterial dadurch plan-
der Seele, sondern die Dogmatisierung des aristoteli- mäßig zu gewinnen, daß man unter bestimmten Gesehen
Philosophems, „daß die Seele sei ein wesentlich Sichtspunkten ausgewählten Versuchspersonen bestimmte

Form des Leibes". Darin allerdings habe St. Recht,
daß für Luther Unsterblichkeit nicht eine Art naturlicher

Sätze religiösen Inhalts mit der Aufforderung vorlegt,
alles, was ihnen bei der Lektüre einfällt, auszusprechen

Wesenseigentümlichkeit der Seele im Unterschied von I und zu Protokoll zu geben. So hat der Verfasser, der
der Vergänglichkeit des Leibes sei. Ihm sei vielmehr die selbst methodistischer „Lokalprediger" ist, mit Unter-
Unsterblichkeit des Menschen theologisch begründet: Stützung des Jugendbundsvorstehers und Predigers 17
„Weil Gott den Menschen angeredet hat, ist eine ewige, Versuchspersonen im Alter von 16—20 Jahren ausce-
unzerstörbare Beziehung in Kraft getreten" (21). Darin ■ wählt, die wohl intellektuell nicht unter dem Durch-
aber liege grade — gegen Stanges Auffassung, daß die schnitt standen, aber andererseits nicht den gebildeten
Gottlosen im leiblichen Tode der Vernichtung anheim- j Schichten angehörten. Es waren meist Kaufleute Handfallen
, — daß sich das auch als „ewiges" Gericht aus- ! werker, Arbeiter, unter ihnen nur ein Mädchen. '— Wie
wirken kann; es handle sich für Luther hier um ein j die Versuche angestellt wurden, zeigt der 1 Teil der
wirkliches ewiges Entweder-Oder. Er hat „in vollem ! Arbeit (Seite 11—45), der auch nahezu erschöpfend
Ernst die Hölle am Ende der Tage gelehrt" (52). Und auf die zahlreichen Schwierigkeiten und starken Fehler-
so vertritt er denn auch ganz ernsthaft den Gedanken quellen hinweist, die hier sich ergeben. Man versteht
einer Auferstehung der Gottlosen, einfach schon des- ; daher nicht ganz, warum diese experimentelle Methode
wegen — was auch für den realistischen Gedanken der j deren Wert in den ihr gezogenen Grenzen nicht beHölle
gilt —, weil das NT. sie lehrt (62). Daß dieser | stritten werden soll, eigentlich als die allein inbetracht

Gedanke sich schwer in Eins bringen läßt mit der pneu
matischen Auffassung der Auferstehung bei Paulus, gibt
A. zu. Aber auch bei Paulus ist trotzdem der ursprüng

kommende ausschließlich verwendet und von der Erörterung
anderer Möglichkeiten ganz abgesehen wurde
Im Hauptteil der Arbeit (Seite 46—140) wird dann

liehe Auferstehungsgedanke nicht eliminiert. — Daß j auf Grund der analysierten Protokollaussagen versucht

Stange hier die neutestamentlichen Vorstellungen zugun
sten seiner Einheitsschau zurechtrückt, wurde schon angedeutet
. Auch Luther gegenüber tut er dasselbe, wenn
er ihn als Eideshelfer für diese seine Zurechtrückung
aufruft. Daß Stange sich zu einer Linie neutestament

ein Bild methodistischer Jugendfrömmigkeit zu zeichnen'
Zunächst werden die religiösen „Tiefenerlebnisse" wie
z. B. das Bekehrungserlebnis, das Erleben von Sünde
von Tod, von Gemeinschaft u. s. w. charakterisiert und
sodann die Auswirkungen dieser Erlebnisse in der reli-

licher Aussagen so verhält, wie er es tut, soll ihm da- giösen Vorstellung, im gottesdienstlichen Verhalten und

mit keineswegs zum Vorwurf gemacht werden. Nur in der ethischen Einstellung geschildert. Dabei muß das

müßte dann auch deutlich gesagt sein, daß dem so ist. feine Einfühlungs- und Deutungsvermögen des Ver-

Warum aber dann der Vorwurf gegen Althaus, daß er fassers unumschränkt anerkannt werden. Man hätte aber

sich in der Lehre vom Ende der Welt zu „Umdeutungen noch eine straffere Zusammenziehung und Ordnung der

des Christentums" führen läßt (Stange 209)? I Gedanken gewünscht; auch wäre der Vertiefung der

lene Zurechtrückungen aber vollzieht Stange, weil wissenschaftlichen Erkenntnisse mehr gedient gewesen,

ihm das iri de^ Ssequenz einer klaren „Eschatölogie wenn nlcht nur d.e Emzelergebnisse so zusammengestellt

deT Rechtfertfaungselaute zu liegen scheint, die zu , w?rden ,waren' ™e sie slFb aus den Protokollen ge,

Seben sem Ä ist. Für den Rechtferti- ' Winnen ließen. Es wäre vielmehr fruchtbarer gewesen,

punfrsalaube.^f stehe auch hinter dem im inneren Gericht ' wenn. daruber hl"aus ,in einer Auseinandersetzung mit

SffiSrÄOTOtSw seine Gnade; dadurch ist der ' de". beengen Forschungen auf diesem Gebiet eine

Gedanke eines ewige Z nes Gottes ausgeschlossen, schärfere Charakteristik der erzielten Resultate ange-

Dem «Renuber ST erneut zu bedenken, daß es nicht i strebt "nd, f K r'orden ^are: an diesem und

nur dkfalsche Knung des Sünders von Gott ist, „die lenemt PlInkt +Slnd die bisherigen Erkenntnisse geändert,

ihn in der HeXewißheft und ihrem Zukunftsbilde - £™eitert> v.ertieft wo'den/ ,n dlesen "nd ienen Punkten

nicht ausVuhe^ Ernst Gottes selber hebt sich das jugendliche Moment besonders deutlich

nicht ausruneii idm, ^""ern . Q, n n von den Formen der Erwachsenenfrömm gkeit ab- an

ken inedeSrChHen g£ß äSSs dl^anze chrfs"! 1 diesf",und Jenen Punkten ist die methodistiseneFröm-

liehet? Denken der Ch st denkt zugleich aus .Furcht "tigkeit in eigentümlicher Weise verschieden von an-

un5 Zittert heraus - beiderlei Sätze spannen sich | deren F™ des ^.giosen und gottesdienstlichen Er-

widerdnander und gehören doch zusammen in eine ebens- Ware s° verfahren worden, dann hätte der Ver-

rechteTheologie" (65). In der Tat: es handelt sich ^asser einen "£ch überzeugenderen Beitrag zur Begrün-

hkr um eine paradoxe Synthese des Glaubens, die immer ^^^^5 J^f E^™' daß ™' auf diesem Wege

wieder aufs nPeue vollzogen werden muß %$£S£^i£!^^^

Herrnhut._ Ste.nmann. Tübingen._Hermann Faber.