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Ausgabe:

1931 Nr. 20

Spalte:

469-472

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Campenhausen, Hans von

Titel/Untertitel:

Ambrosius von Mailand als Kirchenpolitiker 1931

Rezensent:

Völker, Walther

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Theologische Literaturzeitung 1931 Nr. 20.

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der Bilder zu einer Bilderfrage, d. h. zu einem tiefer | bauen sollte. Gefühlsmäßig bleibt auch der Hinweis auf

greifenden religiösen und theologischen Problem ge- den Freundeskreis in Aquileia, dem Hieronymus in der

worden ist. Darum ist es auch bedenklich, die Bilder- Chronik gerade für das Jahr 373 ein Denkmal gesetzt

frage mit besonderen dogmatischen Anschauungen, spe- j haben soll. Neu ist ferner die Rolle, die v. C. dem A.

zieU mit der Christologie, die der Verfasser mehrfach auf der Synode in Sirmium zuschiebt. An der Tatsache

heranzieht in engere Verbindung zu bringen. des Konzils selbst wird man nach Zeillers scharfsinnigen

Kann m'an z. B. wirklich schließen, Gregor von Nyssa habe im ! Darlegungen (Les origines chretiennes dans les provin-

Gegensatz zu Basilius und Gregor von Nazianz, die beide Christus- | ces Danubiennes de l'empire Romain, 1918, S. 309 ff.)

darstellungen empfehlen, durch sein Schweigen in dieser Frage „mög- i nicht zweifeln können, Zeiller verlegt aber, um aller ent-

licherweise sein Mißfallen bekundet, das sich aus seiner Christologie ! stehenden Schwierigkeiten Herr zu werden, das Datum

leicht begründen ließe?" Es ist doch kein Zufall, daß mit alleiniger j von 375 auf 378, und seine höchst eindrucksvolle Argu-

Ausnahme des Epiphanios, wie Ostrogorsky gezeigt hat Seminanum , mentation ist m. E. von v. C. nicht widerlegt (Anhang

Kondakovianum, Recueil d'Etudes I [1927]) kein einz.ger Kirchenvater , 2 g 93-95), denn der Zusammenhang bei Theodoret

der altkirchlichen Periode die Brücke zwischen Ch»*. und Bjder- ' keine ents'cheidende ,„st der Vorwurf, den Verf

^^TA^Si^t^0^ SÄ ! dem französischen Forscher rScht daß dieser bald be-

gleichfalls preiszugeben und gegen H o 11 als unecht zu erweisen, darum haiiptet habe daß Germin.us v Sirmium 37d noch ge-

noch nicht mitmachen (Studien zum byzantinischen Bilderstreit 1929, ; lebt habe, daß er bald die Synode als terminus ad quem

S. 6iff.). , für die Lebensdauer dieses Bischofs benutzt habe, er-

Für eine abschließende Behandlung der Frage müß- ledigt sich, wenn man die Ausführungen letzterer Stelle

ten natürlich auch die monumentalen Denkmäler mit genau liest, da Z. ausdrücklich hinzufügt: „on s'efforcera

herangezogen werden, die von anderer Seite den gleichen , de le demontrer ulterieurement" (S. 145), das Schweigen

weiten Abstand zwischen altchristlicher Theologie und I des Basilius, auf das Z. aufmerksam macht, ist zwar ein

altchristlicher „Kunst" bezeugen würden. Sie sind von j argumentum e silenüo, das aber im Zusammenhang der

Koch s. Zt. bewußt beiseite gelassen worden, und Ell l-
gers weiter greifende Schrift ist ihm auch darin gefolgt
. Doch stellt der Verf. einen in dieser Hinsicht ergiebigeren
zweiten Teil in Aussicht, der vielleicht zu
neuen Ergebnissen führen wird.

Göttingen. H. v. Ca m p e n h a u sen.

ganzen Argumentation verstärkend wirkt, während v. C.s
argumentum e silenüo (S. 95) diesen Eindruck nicht
hervorruft. Im Anschluß an die Dissertatio Maximini
wird nun vom Verf. die Rolle, die A. in Sirmium gespielt
hat, übertrieben, denn v. C. sieht in ihm tatsächlich den
Spiritus rector der Synode. Ist es aber nicht natürlich,
daß Palladius überall das Wirken seines Todfeindes zu
sehen glaubt, ohne daß man das wörtlich zu nehmen

Camoenhausen, Privatdoz. Dr. thcol. Hans Freiherr von : Ambro

siusP von Mailand als Kirchenpolitiker. Berlin : W. de Gruyter £££ ,§"3^ "u"nd ohne "daß "man 'daraus folaern

u Co 1929. (XV, 290 S.) gr. 8°. - Arbeiten z. Kirchengesch., hrsg. I3/, f> 3U> t' .0n"e ,fla.D ,man °araus folgern

v E. Hirsch u. H. Lietzmann, 12. RM 18 . durfte daß A. präsidiert habe (cf. dazu Zedier, a.a.O.

Verfasser legt eine sorgfältige, durch Literatur- ^323)^und daß die 24 Anatheraaüsmen aus seiner

Kenntnis und vorsichtiges Abwägen von Grund und Ge- j v 7

gengrund ausgezeichnete Studie über die Kirchenpolitik 1 Auch bei der Schilderung des Konzils von Aquileia
des Ambrosius (=A.) vor, die um mancher neuer Be- (381) waren einige Einwände zu erheben. Was zunächst
leuchtungen willen, in die bekannte Tatsachen gerückt die Wertung der Quellen betrifft, so erscheint mir das
werden, erhöhte Aufmerksamkeit verdient. So wird mit I Referat über den Synodalbrief (S. 77 ff.) unzureichend
sicherer Hand das allmähliche Wachsen des ambrosiani- ! (cf. Kauffmann, S. XXXIV), auch das offizielle Proto-
schen Einflusses aufgezeigt, der Weg von dem Bischof J koll (die sog. Gesta) wird zu günstig bewertet (S. 65 f.),
und seinen Bemühungen um Vernichtung der Ketzerei Kauffmann urteilt über es: „in einem bedenklichen Licht"
bis hin zum priesterlichen Reichskanzler und Ratgeber (S. XXXIV) und führt offensichtliche Fehler auf, und
des Kaisers liegt klar vor den Augen des Lesers. Nicht j die Dissertatio, der gegnerische Bericht, wäre nur sehr
ohne Kunst versteht es v. C, bei Synoden und sonstigen
bedeutenden Ereignissen das Ineinander der Motive herauszuarbeiten
(S. 18 ff., 37 u. ö.), das Vorgehen des A.
selbst fein zu charakterisieren (S. 143 f.) und der naheliegenden
Gefahr einer Überschätzung des Helden und
seines Einflusses zu entgehen.

Es versteht sich von selbst, daß diese in sich geschlossene
Darstellung auch Mängel aufweist, und daß
diese gerade dort zu Tage treten, wo Verf. von der
üblichen Ansicht abweicht. Nicht aufzuhalten braucht
man sich bei gelegentlichen Zitatfehlern, die sich mir bei

vorsichtig zu verwerten, aber gerade hier kombiniert
Verf. des öfteren. Die Intrigue des Präfekten Syagrius
(S. 62) hat keinen Halt an den Quellen (S. 62, 3 wird
Diss. Max. P. S. 121 auf Syagrius bezogen, aber aus
der Wendung: et Syagri feritate vastares secundum pro-
fetam — folgt, daß A. mit dem Eber verglichen wird).
Das Datum der Audienz, die Palladius beim Kaiser gehabt
hat, wird unmittelbar vor das Konzil selbst gelegt
(S. 68), aber wir wissen gar nicht, ob sich Gratian damals
überhaupt in Sirmium aufgehalten hat (cf. Verf.s
gewundene Ausführungen, S. 68, 2), und das unmittel-
h von 1 7eilW ist fasc 112 1 bar vor Zusammentritt des Konzils erlassene kaiser-
Stichproben ergaben (das Buch von j feiner ist rase. 11 ^ Edikt steht ^ krassem WiderSpruch zu den Aussicht
102) der Bibl. des Ecoles Franc d Atnenes et fflh des Kaisers in der Audienz. Setzt man diese

de Rome; S. 8, 2 Hahn, Bibliothek .^ i « 3?g SQ wurden sich die Schwierigkeiten lö-

163); S. 32 2 Diss Max. P 345 (>ch>• £ J£ se£ und man hätte einen neuen Beweis dafür, wie auch
5 Diss. § 11 (richtig § 10). „tme eingenenaere oe „„„. ~-

rücksichtigung erfordern indes die Ansichten des Verf.s,
die einer Prüfung m. E. nicht standhalten.

Nach einer Einleitung (S. 1—23), in der v. C. die
kirchliche Lage um 370 kurz charakterisiert, behandelt
er zunächst die Vernichtung der illyrischen Ketzerei (S.
24—90), ein Abschnitt, der viel Eigenes enthält. Neu

Palladius nach seinem Gutdünken die Dinge verschiebt
Ich kann auch nicht allen Folgerungen zustimmen die
v. C. aus Palladius zieht. Der Wunsch nach einem Laienurteil
erklärt sich ungezwungen aus der Lage des Palla
dius auf dem Konzil, er drückt nicht „die laizistisch-ooli-
tisierte Auffassung der Kirche" aus, die in llhrien ™

—• — V D" :pr1,n(Kantritt auf Hause gewesen sein soll (S. 76), und das Verlangen

ist gleich die Datierung von A.s' Reg"^nH^"„ „ach einem Zurückstellen dogmatischer Unterschiede hat
373 statt 374 (Anhang 1, S. 90-92), aber ü e Azurnen- .m )Qedanken einer christlichen Ge-

tation ist nicht zwingend. Verf. gibt selbst zu o.an einige meinsamkeit« (S. 89), sondern in der Defensivstellung

Handschriften von Hieronymus' ChroniK aas; 1 janr ^ palladiuS) der nichts mehr zu verlieren hatte.
Valentinians I. angeben, d. h. ln Kap. II (S. 98-128) untersucht Verf. das Ver-

die Datierung von Hieronymus ep ^ ^ s 374-37Q hältnis des A. zu Rom, weist mit Recht auf „die Stär-

Arrken u^d Tc £ wSrSÄkei" nach kung der hierarchischen Position Mailands" hin, und

nm 'dni^ Vermutung ist auf die man keine Schlüsse findet die Rivalität zwischen Rom und Mailand auch