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Ausgabe:

1931 Nr. 18

Spalte:

426

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Back, Andreas

Titel/Untertitel:

Das mystische Erlebnis der Gottesnähe bei der heiligen Theresia von Jesus 1931

Rezensent:

Thimme, Wilhelm

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Seite 1

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425

Theologische Literaturzeitung 1931 Nr. 18.

426

"Waleher, Dr. P. Bernhard, O.S.B.: Beiträge zur Geschichte
der Bayerischen Abtswahlen. Mit bes. Berücksichtigung d.
Benediktinerklöster. [Diss.] München: R. Oldenbourg in Komm. 1930.
(XI, 79 S.) 8°. = Stud. u. Mitteilungen z. Gesch. d. Benediktiner-
Ordens u s. Zweige, hrsg. v. d. Bay. Benediktinerakad. Erg. H. 5. RM 3—.
Die vorliegende Arbeit ist ein Beitrag zu dem

großen Thema: Staat und Kirche. So lange es Klöster

zugängliche Material von Bildnissen des toten Luther
erfaßt, gesichtet und geprüft; die wichtigsten Gemälde
und Zeichnungen werden eingehend geschildert, nach
Typen geordnet und auf ihrem Weg durch die Jahrhunderte
begleitet. Hauptergebnis: Die Bildaufnahme
vor der Einsargung, auf dem „Paradebett", erfolgte

grollen Thema: ötaar una ivircne. ou umge es musici i , ,

im alten Herzogtum Bayern gab, von den Agilolfingern ' üu.rc.h. e'nen . tislebener Maler unbekannten Namens
bis zur Säkularisation, hat es sich die Staatsgewalt nicht | i"£nt etwa durch Lukas Furtenagel) und ist uns er-
nehmen lassen, bestimmend in die Wahl der Kloster- hal*en ,im D!^stn.er-Museum, 2U Hannover, — das zu-
äbte einzugreifen. Mochten um die Wende des ersten I trertende bild: eines ergriffenen, tüchtigen, aber nicht
Jahrtausends unserer Zeitrechnung auch manche Klöster i g5n!ale." Kunstlers, einen wahrhaft verklärten Toten dar-
sich das Recht der freien Abtswahl wieder errungen wf [ ' ?ssa"i j „ .verhaltenes schmerzvolles
haben, die Volksherzoge wie die Beamtenherzoge ließen ; nachklingt. Als der Meister Lukas Furtenagel aus

sich dadurch in dem, was sie für staatsnotwendig hiel- na!!e eintrat lag Luther bereits im Sarge. Er hatte den
ten, nicht beirren. Die Erbherzöge, zuerst die Weifen, ! ^uttrag, Luthers Angesicht zu konterfeien; dieses
dann vor allem die Wittelsbacher hielten dieselbe Linie ! ("«ne) bild hegt- wenn auch nicht das Urbild - in der
ein. Der Grundsatz der freien Abtswahl mußte der | LeiPZ'ger Universitätsbibliothek vor. Die Berliner Pin-
Staatsraison weichen. Die letzteren brachten es fertig, j se.l2eicnnung gehört zu den Sargbildern und ist das ur-
auch durch Fixierung der äußeren Formen ihre omni- I Tl-f trzeajSnlj. ™rtenage s. Nicht die Furtenagelsche
potente Gewalt sichtbar zum Ausdruck zu bringen. Seit Arbeit, sondern die des unbekannten Eislebener Meisters,
dem Ausgang des 15. Jahrhunderts dokumentierten die a.fe Uranachs Werkstaft wanderte, wurde die Vorlage
jedesmal abgeordneten weltlichen und geistlichen Korn- i tur -d.ie spat.eren Totenbildnisse Luthers. Das Werk St 's
missäre, daß die freie Abtwahl doch eigentlich nur
auf dem Papier stand. Der Einfluß des Staates hat
sich auch nur zum Segen der Klöster ausgewirkt. Denn
die herzogliche Regierung sah auf die Wahl von tüchtigen
Ordenspersonen. Leider ist das reiche Material
der Münchener Archive erst für die neuere Zeit ergiebig
genug; die erste Zeit liegt noch vielfach im Dunkeln.
Aber dennoch hätte die Darstellung aus den Akten die
Ergebnisse herausarbeiten sollen; dem Forscher wäre
eine Nachprüfung eher möglich gewesen als jetzt, wo er
nur Behauptungen liest. Wenn auf S. 14 eine „zusammenfassende
" Bemerkung einen ganzen Abschnitt abschließt
, so kommt beim Lesen sofort der Gedanke, was
denn eigentlich hier zusammengefaßt wird. Für den
Verfasser mag es ja feststehen, aber nicht dem Leser.
Eine derartige Darstellung hätte auch die Möglichkeit,
zu erkennen, ob die bayrischen Herzöge in jener Zeit
sich von bestimmten Maximen leiten ließen oder ob sie
durch die jeweiligen Verhältnisse sich bestimmen ließen.
Damit würde sich auch die Frage nach dem Verhältnis
der prinzipiell zugestandenen freien Abtwahl und dem
Eingreifen des Staates beantwortet haben. Dieselbe Vertiefung
wünscht man, als die Regierung dazu überging,
eigene Wahlkommissäre aufzustellen. Die eigentlichen
Beweggründe werden nicht ersichtlich. Ist es nur ein
Ausfluß der ganzen Religionspolitik Albrecht IV. gewesen
? Die Neuzeit bringt es zu keiner neuen Entwicklungsstufe
. Dagegen lassen sich die wirtschaftlichen
Momente besser erfassen. Eingehend werden uns die
Kosten für die weltliche Investitur, die Confirmatio, die
Abtsweihe vor Augen geführt. Wie erstarrt die Verhältnisse
waren, zeigt der lange Prozeß der bayrischen Benediktinerkongregation
mit den Bischöfen, um deren
Einfluß möglichst zurückzudämmen. Man scheute sich
nicht, den Prälat Pallavicini durch die Verehrung von 2
schwarzbraunen Wallachen für sich günstig zu stimmen
zu suchen.

Die Arbeit hat die bayerischen Klöster im Auge. Wie kommt es,
daß fränkische oder schwäbische Klöster wie Heidenheim (S. 6), Nürnberg
(13), Bamberg (13. 62), Iburg (13. 61. 64), Würzburg (S. 50. 61),
Wülzburg (S. 61) promiscue unter denselben aufgeführt werden? Die
Angaben „Linternhart" statt „Lindenhardt" (B. A. Pegnitz (S. 60) oder
„Heilsbrunn" (S. 62) statt „Heilsbronn" (S. 45) oder besser „Kloster
Heilsbronn" beweisen, daß eine größere Akribie nötig gewesen wäre.

Eayolt S. 57 sollte erklärt werden.

Nürnberg. K. Schornbaum.

Stuhl fauth, Prof. D. Dr. Georg: Die Bildnisse D. Martin

Luthers Im Tode. Mit 16 Taf. u. 1 Abb. Im Text. Weimar:
H. Böhlaus Nachf. 1927. (VIII, 56 S.) 4°. RM 10—.

In Bezug auf die Todesbildnisse Luthers herrschte
eine derartige Verwirrung, daß diese scharfsinnige und
in ihren wesentlichen Punkten wohl unwiderlegliche
Untersuchung sehr zu begrüßen ist. Stuhlfauth hat alles

ist für die Lutherbiographie ebenso wichtig wie für die
Lutherikonographie.

Heidelberg. Wilhelm Knevels.

Back, P. Dr. Andreas: Das mystische Erlebnis der Gottesnähe
bei der heiligen Theresia von Jesus. Eine religionspsychologische
u. religionsphilos. Untersuchg. Würzburg: C. J. Becker
1930. (VIII, 112 S.) gr. 8°. = Abhdlgn. z. Philos. u. Psychologie
d. Religion, hrsg. v. G. Wunderle, H. 24. RM 3-.

Eine klar geschriebene, sorgfältige und instruktive
Untersuchung auf Grund des spanischen Urtextes der
Schriften Theresias. Nur ist sie nicht das, was sie doch
zu sein beansprucht. Sie ist weder religionspsychologisch
noch religionsphilosophisch, sondern im Wesentlichen
rein historisch, und zwar mit einem starken dogmatischen
Einschlag. Daß sie insbesondere nicht religionspsychologisch
ist, ersieht man daraus, daß die Frage, ob
die spanische Mystikerin hysterisch war, keineswegs
gründlich erörtert, sondern lediglich unter Berufung
auf ein paar Autoritäten (denen jedoch andere gegenüberstehen
!) verneint wird, S. 15 ff., besonders aber
daraus, daß das für religionspsychologische Betrachtung
zentrale Problem, ob nicht die mystische Erfahrung der
Gottesgegenwart als psychologisch verständlich zu
machende Illusion gedeutet werden kann, nur soeben gestreift
, nicht ernstlich erwogen wird, S. 100. Außer mit
Delacroix u. Leuba, die bloß flüchtig erwähnt werden,
wäre hier auch eine Auseinandersetzung mit Girgensohn
„Der seelische Aufbau" S. 422 ff. geboten gewesen.
Historisch betrachtet ist besonders der Abschnitt von
Wert, in dem die Beeinflussung der Theresia in ihrer
Auffassung des mystischen Erlebnisses durch die zeitgenössischen
spanischen Theologen klargelegt wird, S.
46 ff. Da sie unter allen Umständen rechtgläubig sein
wollte, ist es nicht zu verwundern, daß sie, wo sie ex
professo spricht, die unmittelbare intuitive Gotteserkenntnis
ablehnt. Interessanter wäre es, der Frage nachzugehen
, ob sich nicht Gedankenreihen bei ihr nachweisen
lassen, bei denen sie sich als Mystikerin mehr
gehen läßt und die, zum mindesten zu Ende gedacht, den
vorsichtigen gut thomistischen Formulierungen, auf die
B. immer wieder hinweist, widersprechen würden. Mir
scheint das der Fall zu sein. Und ich sehe nicht, wie die
Ausführungen Theresias über „das geradlinige, schauende
", nicht diskursive Erkennen, S. 78, in den obigen
Rahmen passen sollen. Weder die etwas verlegen wirkenden
Einschränkungen des Verf. auf S. 79, noch
vollends seine spätere Behauptung, daß der Mystiker
seinen eigenartigen Bewußtseinszustand des mystischen
Erkennens (dessen Gegenstand doch Gott ist!), Fühlens
und Wollens lediglich gedanklich mit seiner Ursache,
nämlich Gott, verknüpfe, S. 105, werden, scheint mir'
dem Sachverhalt gerecht.
Iburg._W. Thimme